Beatmung: Rettung in der Not oder dauerhafte Unterstützung
Beatmung: Wenn die Spontanatmung teilweise oder ganz ausbleibt
  • Ist ein Patient selbst nicht mehr dazu in der Lage zu atmen, kann ihm künstliche Beatmung das Leben retten. Zusätzliche hilft sie auch Menschen, die dauerhaft Probleme mit der selbstständigen Atmung haben.
  • Die Beatmung eines Patienten kann nur wenige Minuten oder mehrere Monate dauern und ist somit nicht nur im Krankenhaus, sondern z. B. auch in häuslicher Pflege möglich.

Beatmung: Rettung in der Not oder dauerhafte Unterstützung

Wer nach einem Unfall oder durch eine Krankheit nicht oder nur noch teilweise selbst atmen kann, braucht medizinische Hilfe. Die Lösung: Künstliche Beatmung.

Was ist Beatmung?

Als Beatmung wird die künstliche Ventilation der Lunge bezeichnet. Fällt die eigene Atmung komplett aus, spricht der Mediziner von einer Apnoe. Handelt es sich nur um eine unregelmäßige Atmung, ist von einer Insuffizienz die Rede. Ziel der Beatmung ist es, einen Menschen wieder zum selbstständigen Atmen zu animieren oder aber – wenn das nicht mehr möglich ist – seine Spontanatmung für einen gewissen Zeitraum ganz zu ersetzen. Auch die dauerhafte Unterstützung der eigenen Atmung durch eine maschinelle Beatmung ist möglich. Generell unterscheiden Mediziner zwischen der kontrollierten Beatmung, bei der eine Maschine komplett für den Patienten atmet, und der assistierten Beatmung, bei der eine maschinelle Maßnahme nur zur Unterstützung der Atmung dient.

Ein modernes Beatmungsgerät zur nicht-invasiven Beatmung
Bei nicht-invasiven Beatmungsgeräten wird eine Maske über Mund und Nase gelegt und Luft von der Maschine mit Druck in die Lunge gepresst.

Wann ist eine Beatmung notwendig?

Eine Beatmung ist generell immer dann notwendig, wenn ein Patient nur noch teilweise (Insuffizienz) oder gar nicht mehr selbstständig atmet (Apnoe). Das kann z. B. nach einem Unfall mit Verletzungen des Kopfes der Fall sein. Doch auch Krankheiten, wie z.B. die chronisch obstruktive Bronchitis (COPD), eine Lungenentzündung oder COVID-19, können dazu führen, dass ein Patient nicht mehr atmen kann. Auch Erkrankungen der Muskulatur, wie z. B. die amyotrophe Lateralsklerose (ALS), können einen Atemstillstand auslösen, wenn die Muskeln, die die Lunge bewegen, betroffen sind. Menschen, deren Atem im Schlaf aussetzt (Schlafapnoe), sind nachts häufig auf eine teilweise Beatmung mit einem transportablen CPAP-System (continuous positive airway pressure) angewiesen.
Während einer Operation unter Vollnarkose müssen Patienten ebenfalls künstlich beatmet werden, da die Narkose die natürliche Atmung unterdrückt. Notwendig wird eine Ventilation der Lunge auch dann, wenn ein Patient in ein Koma fällt oder in ein künstliches Koma versetzt wird.

Beatmung: Ein Leben lang?

Viele Betroffene können nach der Ventilation zur Behandlung einer Insuffizienz oder einer Apnoe wieder selbst atmen. War ein Patient längere Zeit auf eine Ventilation angewiesen, muss er zum Ende der Therapie von der künstlichen Zufuhr von Sauerstoff entwöhnt werden. Das kann mehrere Tage oder sogar Wochen dauern. Im Anschluss kann der Betroffene im besten Fall wieder komplett ohne maschinelle Hilfe atmen.

Welche Beatmungsformen gibt es?

Die einfachste Methode, einen Menschen zu beatmen, um seine Spontanatmung wieder zu aktivieren, ist die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung. Sie wird in der Ersten Hilfe auch als Atemspende bezeichnet. Dabei presst der Ersthelfer seine Ausatemluft mit Druck durch Mund oder Nase in die Lunge der betroffenen Person. Die Methode eignet sich allerdings nicht, um einen Patienten längere Zeit zu beatmen, da die Ausatemluft zu wenig Sauerstoff enthält. Zudem birgt sie die Gefahr der Ansteckung, sowohl für den Beatmeten als auch für den Atemspender. Aus diesem Grund sollte diese Methode nur im Notfall zum Einsatz kommen. Eine bessere und ungefährlichere Variante ist der Beatmungsbeutel. Dieser besteht aus einer Maske, die über Mund und Nase liegt, und einem Beutel, mit dem Helfende per Hand Luft in die Lunge pumpen. Alternativ kann auch eine Maschine über die Maske mit viel Druck Luft in die Lunge bringen. Alle Methoden, bei denen Beatmungsgeräte nicht in den Körper eindringen, bezeichnet der Mediziner als nicht-invasiv, NIV.

Beatmung mit einem Endotrachealtubus
Die Trachealkanüle kommt in der Intensivmedizin zum Einsatz, wenn die Beatmung über nicht-invasive Maßnahmen (NIV) oder einen Endotrachealtubus nicht möglich ist.

Sprechen Mediziner von invasiver Beatmung, meinen sie, dass die Beatmungsgeräte in den Körper eindringen. Diese Art der Ventilation kommt vor allem in der Intensivmedizin zum Einsatz. Standardisiert ist der Endotrachealtubus, ein Schlauch, den der Arzt über die Nase oder den Mund in die Luftröhre einführt. Eine Alternative dazu ist die Trachealkanüle, die über ein sogenanntes Stoma in die Luftröhre gelangt. Dafür nimmt der Arzt einen Luftröhrenschnitt vor und schafft am unteren Hals des Patienten ein Loch in der Luftröhre. Die Trachealkanüle wird in die Luftröhre eingeführt. Außen kann dann eine Maschine angeschlossen werden, die mit Druck mit Sauerstoff angereicherte Luft in die Lunge presst.

Künstliche Beatmung: Wer entscheidet?

In vielen Fällen ist eine maschinelle Ventilation notwendig, um einen Patienten am Leben zu erhalten. Wer nach einem Unfall oder schwerer Krankheit im Krankenhaus beatmet werden muss, kann häufig selbst nicht mehr äußern, ob er eine Beatmung überhaupt möchte. Wünscht ein Patient keine Beatmung, reicht es auch nicht aus, Angehörige darüber zu informieren. Denn sie können bei einem mündigen Erwachsenen keine Entscheidungen darüber treffen, welche Eingriffe ein Mediziner vornehmen oder unterlassen soll. Abhilfe schafft eine Patientenverfügung am besten in Verbindung mit einer Vorsorgevollmacht.

In der Patientenverfügung kann jeder festlegen, ob er im Notfall beatmet werden möchte; die Vorsorgevollmacht bestimmt, wer als Vertreter gegenüber den Ärzten weisungsberechtigt ist. Ist ein Vertreter benannt, kann dieser auch entscheiden, wann die Beatmung ggf. eingestellt werden soll. Hat der Patient Angaben dazu gemacht, unter welchen Umständen er auf keinen Fall weiterleben möchte, kann der Vertreter darauf basierend auch bestimmen, welches Verfahren zur Beatmung benutzt werden darf.

Möchte der Patient zum Beispiel nicht mit einem Luftröhrenschnitt und einer eingesetzten Trachealkanüle leben, dürfen Mediziner die Therapie ausschließlich über NIV oder den in der Intensivmedizin häufig genutzten Endotrachealtubus durchführen. Wer aktuell für die Behandlung einer Infektion mit COVID-19 vorsorgen möchte, sollte die Krankheit in seiner Patientenverfügung ausdrücklich benennen.

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