Güterstand: Wie ist das Vermögen von Verheirateten geregelt?
Güterstand: So regeln Lebenspartner und Eheleute ihr Vermögensverhältnis
  • Ein Güterstand regelt, in welchem Vermögensverhältnis zwei Menschen zueinander stehen, in Ehe und Lebenspartnerschaft kann zwischen Zugewinngemeinschaft, Gütertrennung und Gütergemeinschaft gewählt werden.
  • Die Zugewinngemeinschaft gilt als gesetzlicher Güterstand, er kann aber auch jederzeit vertraglich (und notariell beglaubigt) geändert werden.

Güterstand: Wie ist das Vermögen von Verheirateten geregelt?

Der Güterstand regelt das Vermögensverhältnis. Erfahren Sie hier, was es mit dem Güterstand verheirateter oder verpartnerter Personen auf sich hat.

Was ist ein Güterstand?

Als Güterstand gilt die vermögensrechtliche Regelung zweier verheirateter oder in Lebenspartnerschaft verbundener Menschen. Jeder Güterstand beginnt mit der Heirat, bzw. dem Eintrag der Lebenspartnerschaft und endet mit dem Tod eines Partners, der Scheidung oder mit Vereinbarung eines neuen Güterstands. Er regelt die Besitz- und Vermögensverhältnisse zwischen zwei Partnern. Das ist vor allem entscheidend, wenn eine Ehe durch Scheidung endet. Denn dann sind Art und Umgang des vereinbarten Güterstands maßgeblich dafür, ob und wer welchen Anteil am gemeinsam erwirtschafteten Zugewinn erhält.

Welche Güterstände gibt es?

In Deutschland sind vor allem drei Arten des Güterstands von maßgeblicher Bedeutung für die Vermögensregelung verheirateter oder verpartnerter Personen: Die Zugewinngemeinschaft, die Gütertrennung und die Gütergemeinschaft.

Zugewinngemeinschaft

Die Zugewinngemeinschaft ist die ”normale”, mithin auch die am weitesten verbreitete Form der Güterstandsregelung. Sie nimmt im deutschen Güterrecht einen Sonderstatus als „gesetzlicher Güterstand“ ein, da sie ohne Notwendigkeit zur expliziten Regelung ab dem Tag der Eheschließung gilt.
Die Zugewinngemeinschaft regelt, dass beide Partner Verwalter ihres in die Ehe eingebrachten Vermögens bleiben. Durch die Ehe an sich entsteht also kein Gemeinschaftsvermögen, gleiches gilt auch für Schulden: Es entsteht keine beiderseitige Haftung für die Schulden des einen durch den anderen.
Nur der in der Zeit der Ehe oder Partnerschaft erwirtschaftete Zugewinn, der auf der Grundlage des eingebrachten Vermögens entsteht, steht beiden Partnern zu, er ist gemeinschaftlich aufzuteilen, wenn es zur Scheidung kommt. In diesem Fall wird ein Vermögensausgleich vorgenommen, der zum Ziel hat, dass beide Ehepartner genau die Hälfte des Zugewinns erhalten. Einzig, wenn ein Partner sein Vermögen als Ganzes veräußern möchte (z.B. in Form einer Immobilie, die den einzigen „echten“ Vermögenswert eines Partners darstellt), ist die Zustimmung des Partners zum Verkauf notwendig, da diese Entscheidung Auswirkungen auf seinen Anteil am Zugewinn haben kann.

Die Zugewinngemeinschaft hat darüber hinaus auch erbrechtliche Auswirkungen: Liegt kein Testament vor, und gilt die gesetzliche Erbfolge, dann erhöht sich der gesetzliche Erbteil des noch lebenden Partners um ein Viertel auf die Hälfte. Dieses zusätzliche Viertel gilt als pauschaler Zugewinnausgleich und soll dazu dienen, unnötige Auseinandersetzungen über die tatsächliche Höhe des Zugewinns zu vermeiden.

Gütertrennung

Die Gütertrennung dehnt die Besitzstandsteilung gegenüber der Zugewinngemeinschaft noch einmal aus. Hierbei werden die einzelnen Vermögen beider Partner in der Ehe oder Lebenspartnerschaft klar getrennt, jeder Partner bleibt damit vollständiger Alleineigentümer seines Vermögens. Eine solche Regelung kann etwa bei sehr großen Vermögensunterschieden sinnvoll sein. Auch der Zugewinnausgleich ist damit beim Tod eines Partners oder bei Scheitern der Ehe passé. Um Gütertrennung zu vereinbaren ist es allerdings notwendig, einen notariell beglaubigten Ehevertrag zu schließen.

Auch die Gütertrennung hat über die Ehe hinaus erbrechtliche Folgen. Denn nach dem Tod des einen Partners wird auch der pauschalierte Zugewinnausgleich nicht ergänzt. Das zusätzliche Viertel bei Zugewinngemeinschaft entfällt damit im Erbfall, der weiterlebende Partner erbt nur das ihm nach gesetzlicher Erbfolge zustehende Viertel. Davon profitieren letztlich alle anderen pflichtteilsberechtigten Erben, ihr Anteil am aufzuteilenden Nachlass erhöht sich um das verbleibende Viertel.

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Gütergemeinschaft

Die Gütergemeinschaft ist die heutzutage am seltensten vorkommende Form des Güterstands. Während sie in früheren, patriarchalen Zeiten eine weit verbreitete Form der Güterstandsregelung darstellte, hat sie diesen Platz heute weitestgehend an die Zugewinngemeinschaft abgetreten. Vor allem die Komplexität der neuerlichen Vermögensaufteilung bei Scheidung hat sich in der Praxis als unvorteilhaft erwiesen.

Auch die Gütergemeinschaft muss -genau wie die Gütertrennung- vertraglich und notariell beglaubigt geregelt werden, umso mehr, als sich beide Partner gegenseitig erhebliche Verfügungsrechte über das eigene Vermögen einräumen.

Die Gütergemeinschaft sieht vor, dass beide Partner ihre gesamte Habe und den darauf aufbauenden Zugewinn vollständig in die Ehe einbringen. Das Vermögen beider Partner wird damit zum gemeinschaftlichen Vermögen, auch als „Gesamtgut“ bezeichnet. Daneben stehen noch zwei weitere Formen von Gütern. Zum einen umfasst das Vermögen noch das Sondergut, das sämtliche Gegenstände umfasst, die nicht übertragbar oder abtretbar sind, etwa unpfändbare Forderungen. Zuletzt können beide Ehepartner oder Lebenspartner noch ein verbleibendes Vorbehaltsgut vereinbaren, also ein quasi Rest-Individualvermögen, das beiden Partnern außerhalb der Gütergemeinschaft verbleibt.

Wann Güterstand festlegen?

Familienrechtlich treten Ehepartner oder Lebenspartner automatisch in den Güterstand der Zugewinngemeinschaft ein, wenn sie nichts anderes vereinbart haben. Die Zugewinngemeinschaft ist als gesetzlicher Güterstand etabliert um zu verhindern, dass im Falle der Scheidung ein Partner mittellos dasteht, der die Kinder betreut, u.U. deshalb keinen Beruf ausüben und kein Einkommen erzielen kann. In diesem Fall soll der Zugewinnausgleich dafür sorgen, dass er nach Ende einer gemeinsamen Partnerschaft nicht in Existenznot gerät und einen fairen Anteil für seine Leistung für die Betreuung der gemeinsamen Kinder (während der Zeit der Ehe) erhält.

Ein Ehevertrag oder ein Lebenspartnerschaftsvertrag lässt sich bereits im Vorfeld der Eheschließung, bzw. Eintragung abschließen. Darin können Partner nicht nur Vereinbarungen zur Art des Güterstandes, sondern auch zum Unterhalt und dem Versorgungsausgleich treffen. Der gemeinsame Güterstand kann aber auch noch innerhalb einer Ehe oder Partnerschaft verändert werden, dabei ist es auch nicht notwendig zwischen Gütertrennung und Gütergemeinschaft in ihrer schärfsten Ausprägung zu entscheiden. Für die Ausgestaltung einer gemeinsamen güterrechtlichen Einigung besteht ein relativ großer Spielraum, dafür bedarf es allerdings in allen Fällen der vertraglichen und notariell beglaubigten Form.