Kurzzeitpflege: Definition, Anspruch und Voraussetzungen
Kurzzeitpflege: So bewahren Pflegebedürfige Ihren Anspruch auf Pflege auch in Ausnahmesituationen
  • Kurzzeitpflege dient dazu, die Pflege eines Betroffenen in einer stationären Einrichtung sicherzustellen, wenn pflegende Angehörige vorübergehend nicht in der Lage sind, die Pflege zu erbringen.
  • Alle Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 haben grundsätzlich Anspruch auf Kurzzeitpflege, die von den Pflegekassen finanziert wird. Aber auch Betroffene ohne einen Pflegegrad können unter bestimmten Umständen Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen.

Kurzzeitpflege: Definition, Anspruch und Voraussetzungen

Die Kurzzeitpflege springt in pflegerischen Notfällen ein - erfahren Sie hier alles Wichtige rund um die zeitlich begrenzte stationäre Pflege.

Was ist Kurzzeitpflege?

Kurzzeitpflege hilft Pflegebedürftigen und Angehörigen in Notfällen – sie schafft Entlastung und Sicherheit in plötzlich eintretenden oder akuten Situationen. Wird ein Betroffener zuhause gepflegt und fällt ein pflegender Angehöriger kurzzeitig, bzw. kurzfristig aus, dann können Pflegebedürftige mit wenigstens Pflegegrad 2 vorübergehend in eine Einrichtung zur Kurzzeitpflege aufgenommen werden. Pflegekassen übernehmen für maximal 56 Tage pro Jahr die Kosten für eine stationäre Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung. Die Kurzzeitpflege ist nicht mit der Verhinderungspflege zu verwechseln: Eine Verhinderungspflege kann im Gegensatz zur Kurzzeitpflege auch Zuhause durch einen Pflegedienst erfolgen. Allerdings können beide Leistungen miteinander kombiniert, bzw. wechselseitig in Anspruch genommen werden.

Kalenderblatt 2019: Kurzzeitpflege ist nicht für längere Zeiträume gedacht
Kein Instrument für längere Zeiträume: Die Kurzzeitpflege dient dazu, Ausnahmesituationen zu überbrücken.

Wer hat Anspruch auf Kurzzeitpflege?

Anerkannte Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 und (entsprechend den früheren Pflegestufen) haben grundsätzlich Anspruch auf Kurzzeitpflege. Außerdem haben Menschen ohne Pflegegrad, die nach einem Krankenhausaufenthalt oder einem Unfall auf Hilfe angewiesen sind, Anspruch auf kurzzeitige Pflege.

Was kostet Kurzzeitpflege?

Der von der Pflegekasse vorgesehene Beitrag zur Kurzzeitpflege ist dazu gedacht, die Kosten der eigentlichen Pflegetätigkeit zu tragen. Für alle weiteren entstehenden Kosten - etwa für Unterbringung, Essen und Getränke und einberechnete Investitionskosten hingegen muss der Betroffene selbst aufkommen. Allerdings ist es möglich, den Kostenbeitrag für die Unterbringung in einem Hotel oder einer entsprechenden Einrichtung auch mit den Mitteln aus dem Entlastungsbetrag zu begleichen.

Diese Kosten entstehen:

  • Pflegekosten: Hierbei handelt es sich um die Kosten der eigentlich geleisteten Pflege. Sie werden bis zum jeweiligen Höchstbetrag von der zuständigen Kasse gezahlt, werden weitere Leistungen notwendig, muss der Versicherte sie selbst übernehmen.
  • Hotelkosten: Auch die Unterbringung in einem Pflegeheim wird begrifflich häufig zu den “Hotelkosten” gerechnet. Sie umfassen die eigentliche Unterbringung, bzw. Miete und die Kosten für Essen und Getränke. Diesen Kostenbeitrag müssen Betroffene selbst leisten.
  • Investkosten: In einer Reihe von Bundesländern können Pflegeheime ihre Instandhaltungskosten für Gebäude und Fuhrpark in Form sog. “Investkosten” in Rechnung stellen.

Der tatsächlich zu entrichtende Gesamtbetrag richtet sich nach der Kalkulation der betreuenden Pflegeeinrichtung. Ein entsprechender Vergleich der Tagessätze, bzw. ein Kostenvoranschlag kann dazu beitragen die tatsächlichen Kosten der Kurzzeitpflege bereits im Voraus abzuschätzen.

Welche Kosten werden übernommen?

Die Pflegekosten für Kurzzeitpflege übernehmen die Pflegekassen in Höhe eines pauschalen Betrages von 1612 Euro – ab Pflegegrad 2. Dies gilt für Versicherte, die in Pflegegrad 2 oder höher eingestuft sind.

Gut zu wissen: Sie können Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege auch kombiniert in Anspruch nehmen. Sollten Sie den jährlichen Anspruch auf Verhinderungspflege nicht gänzlich nutzen, können Sie den verbleibenden Anspruch in Kurzzeitpflege umwandeln. Inklusive dem Restkontingent aus Verhinderungspflegeleistungen können Sie so bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege jährlich beanspruchen. Bei Ausweitung der Pflegeleistung stehen Ihnen dann 3224 Euro zur Verfügung.

Dieses Prinzip funktioniert auch in umgekehrter Richtung: Ungenutzte Kurzzeitpflegeleistungen lassen sich auch im Rahmen der Verhinderungspflege nutzen; allerdings kann jeweils nur der halbe Höchstbetrag einer Leistung der anderen zugerechnet werden: Der maximale Betrag liegt bei 2418 Euro pro Jahr.

Kosten, die das jährliche Budget der Pflegekassen übersteigen, müssen von den Pflegebedürftigen selbst bezahlt werden. Sollte der Pflegebedürftige diese Kosten nicht tragen können, dann übernimmt das Sozialamt die Kosten, es sei denn, der Versicherte ist in der Lage, die Kosten aus seinem Vermögen zu bestreiten.

Wann kann Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden?

Kurzzeitpflege überbrückt in der Regel folgende Situationen:

  • ein Pflegebedürftiger benötigt nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend intensivere pflegerische Betreuung, die in zum gegebenen Zeitpunkt nicht in häuslicher Umgebung geleistet werden kann.
  • eine ältere, alleinstehende Person muss nach Krankheit oder Unfall für eine bestimmte Zeit gepflegt und betreut werden.
  • der Grad der Pflegebedürftigkeit einer Person steigt kurzfristig an – um dem erhöhten Pflegebedarf gerecht zu werden, springt die Kurzzeitpflege ein und ersetzt vorübergehend die häusliche Pflege.
  • ein unerwarteter Pflegebedarf tritt ein und die Angehörigen benötigen Zeit, um die häusliche Umgebung an die neuen Anforderungen anzupassen, etwa bei Maßnahmen zur Wohnraumanpassung für Barrierefreiheit u.ä.
  • Angehörige können aufgrund eigener Erkrankung vorübergehend keine Pflege leisten.
  • Der Pflegebedürftige muss zur optimalen Versorgung perspektivisch stationär untergebracht werden – die Wartezeit auf einen freien Platz im Pflegeheim überbrückt die Kurzzeitpflege.

Wer kann Kurzzeitpflege auch ohne Pflegegrad erhalten?

Anders als früher können heute auch Personen ohne Pflegegrad (früher Pflegestufe) Maßnahmen zur Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Seit 2016 kann Kurzzeitpflege auch genutzt werden, um die Folgen eines Unfalls oder einer Krankheit aufzufangen, wenn plötzliche Pflegebedürftigkeit auftritt. Sie dient dann dazu, einen versorgungstechnischen Engpass zeitweise zu überbrücken, nicht jedoch, um Angehörige vorübergehend zu entlasten. Aus demselben Grund wird Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad auch nicht von der Pflegekasse, sondern als Leistung des SGB V von der zuständigen Krankenkasse eines Betroffenen finanziert. Genau wie bei Pflegebedürftigen betrifft das jedoch nur die eigentlichen Pflegekosten, die darüber hinausgehenden Kosten für Unterbringung, Verpflegung und Investitionen muss der Betroffene selbst tragen.

Wo kann ich sie beantragen?

Der Antrag auf Kurzzeitpflege kann vom Pflegebedürftigen oder einem gesetzlichen Betreuer, bzw. Bevollmächtigten beantragt werden. Wichtig ist, dass ein ausreichender Pflegegrad (früher “Pflegestufe”) vorliegt. Die notwendigen Unterlagen für einen Antrag auf Kurzzeitpflege erhalten Betroffene bei Ihrer zuständigen Pflegekasse, bzw. privaten Pflegeversicherung. Wer keinen Pflegegrad oder Pflegestufe vorweisen kann, kann seinen Antrag zur vorübergehenden Pflege bei seiner Krankenkasse, bzw. zuständigen privaten Krankenversicherung stellen. Wer Unterstützung beim form- und fristgerechten Ausfüllen des Antrags benötigt, kann sich ebenfalls an seine zuständige Kasse oder Versicherung wenden, aber auch Hilfe bei Pflegediensten, dem zuständigen Sozialdienst im Krankenhaus oder einer Beratungsstelle in Anspruch nehmen.

Was ist der Unterschied zwischen Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege?

Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad (früher Pflegestufe) können bis zu 56 Tage lang Leistungen der Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Darüber hinaus haben sie Anspruch auf Verhinderungspflege. Allerdings unterscheiden sich beide Leistungen in bestimmten Punkten:

  • Kurzzeitpflege wird in einer stationären Einrichtung geleistet, Verhinderungspflege erfolgt im häuslichen Umfeld des Betroffenen. Die Verhinderungspflege ersetzt also für einen begrenzten Zeitraum pflegende Angehörige. Die Kurzzeitpflege hingegen sorgt für eine umfängliche pflegerische Betreuung in einem professionellen Rahmen. Verhinderungspflege kann auch von Angehörigen oder Bekannten geleistetet werden, Verhinderungspflege erfolgt allein durch das Personal des Einrichtungsbetreibers.
  • Für Verhinderungspflege steht ein jährlicher Gesamtbetrag von 1612 Euro zur Verfügung, der in einem Zeitraum von bis zu sechs Wochen im Jahr abgerufen werden kann.
  • Kurzzeitpflege ist prinzipiell jederzeit beanspruchbar, Verhinderungspflege kann erst genutzt werden, wenn die zuständige Pflegeperson wenigstens sechs Monate zuvor Pflege geleistet hat.