Kurzzeitpflege – Überbrückung in Krisensituationen
Kurzzeitpflege: So bewahren Pflegebedürfige Ihren Anspruch auf Pflege auch in Ausnahmesituationen
  • Die Pflegekassen übernehmen für maximal 56 Tage die Kosten für eine stationäre Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung
  • Anerkannte Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 haben grundsätzlich Anspruch auf Kurzzeitpflege

Kurzzeitpflege – Überbrückung in Krisensituationen

Die Kurzzeitpflege springt in pflegerischen Notfällen ein - erfahren Sie hier alles Wichtige rund um die zeitlich begrenzte stationäre Pflege.

Die Kurzzeitpflege hilft Pflegebedürftigen und Angehörigen in Notfällen – die Kurzzeitpflege schafft Entlastung und Sicherheit nach Unfall, Krankenhausaufenthalt, unerwarteter Pflegebedürftigkeit oder wenn Angehörige vorübergehend nicht in der Lage sind, sich selbst um den pflegebedürftigen Verwandten zu kümmern.

„Kurzzeitpflege“ bedeutet also, dass Pflegebedürftige für einen bestimmten Zeitraum eine vollstationäre Pflege und Unterbringung benötigen – diese Art der pflegerischen Versorgung ist, wie es der Name bereits vermuten lässt, zeitlich begrenzt. Die Pflegekassen übernehmen für maximal 56 Tage pro Jahr die Kosten für eine stationäre Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung. Die Kurzzeitpflege ist deshalb nicht mit der Verhinderungspflege zu verwechseln: Eine Verhinderungspflege kann im Gegensatz zur Kurzzeitpflege auch Zuhause durch einen Pflegedienst erfolgen.

Ausführliche Informationen zur Verhinderungspflege erhalten Sie hier im Afilio-Lexikon – wir sind Ihr Experte rund um Pflege und Vorsorge.

Kalenderblatt 2019: Kurzzeitpflege ist nicht für längere Zeiträume gedacht
Kein Instrument für längere Zeiträume: Die Kurzzeitpflege dient dazu, Ausnahmesituationen zu überbrücken.

Wer hat Anspruch auf Kurzzeitpflege?

Anerkannte Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 und höher (früher: Pflegestufen) haben grundsätzlich Anspruch auf Kurzzeitpflege. Außerdem haben Menschen ohne Pflegegrad, die nach einem Krankenhausaufenthalt oder einem Unfall auf Hilfe angewiesen sind, Anspruch auf kurzzeitige Pflege.

Welche Kosten entstehen bei Kurzzeitpflege?

Der von der Pflegekasse vorgesehene Beitrag zur Kurzzeitpflege ist dazu gedacht, die Kosten der eigentlichen Pflegetätigkeit zu tragen. Für alle weiteren entstehenden Kosten - etwa für Unterbringung, Essen und Getränke und einberechnete Investitionskosten hingegen muss der Betroffene selbst aufkommen. Allerdings ist es möglich, den Kostenbeitrag für die Unterbringung in einem Hotel oder einer entsprechenden Einrichtung auch mit den Mitteln aus dem Entlastungsbetrag zu begleichen.

Diese Kosten entstehen:

  • Pflegekosten: Hierbei handelt es sich um die Kosten der eigentlich geleisteten Pflege. Sie werden bis zum jeweiligen Höchstbetrag von der zuständigen Kasse gezahlt, werden weitere Leistungen notwendig, muss der Versicherte sie selbst übernehmen.
  • Hotelkosten: Auch die Unterbringung in einem Pflegeheim wird begrifflich häufig zu den “Hotelkosten” gerechnet. Sie umfassen die eigentliche Unterbringung, bzw. Miete und die Kosten für Essen und Getränke. Diesen Kostenbeitrag müssen Betroffene selbst leisten.
  • Investkosten: In einer Reihe von Bundesländern können Pflegeheime ihre Instandhaltungskosten für Gebäude und Fuhrpark in Form sog. “Investkosten” in Rechnung stellen.

Der tatsächlich zu entrichtende Gesamtbetrag richtet sich nach der Kalkulation der betreuenden Pflegeeinrichtung. Ein entsprechender Vergleich der Tagessätze, bzw. ein Kostenvoranschlag kann dazu beitragen die tatsächlichen Kosten der Kurzzeitpflege bereits im Voraus abzuschätzen.

Welche Kosten und Leistungen werden bei Kurzzeitpflege von der Pflegekasse übernommen?

Die Pflegekosten für Kurzzeitpflege übernehmen die Pflegekassen in Höhe eines pauschalen Betrages von 1612 Euro – ab Pflegegrad 2. Dies gilt für Versicherte, die in Pflegegrad 2 oder höher eingestuft sind.

Gut zu wissen: Sie können Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege auch kombiniert in Anspruch nehmen. Sollten Sie den jährlichen Anspruch auf Verhinderungspflege nicht gänzlich nutzen, können Sie den verbleibenden Anspruch in Kurzzeitpflege umwandeln. Inklusive dem Restkontingent aus Verhinderungspflegeleistungen können Sie so bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege jährlich beanspruchen. Bei Ausweitung der Pflegeleistung stehen Ihnen dann 3224 Euro zur Verfügung.

Dieses Prinzip funktioniert auch in umgekehrter Richtung: Ungenutzte Kurzzeitpflegeleistungen lassen sich auch im Rahmen der Verhinderungspflege nutzen; allerdings kann jeweils nur der halbe Höchstbetrag einer Leistung der anderen zugerechnet werden: Der maximale Betrag liegt bei 2418 Euro pro Jahr.

Wie hoch ist der Eigenanteil bei Kurzzeitpflege?

Kosten, die das jährliche Budget der Pflegekassen übersteigen, müssen von den Pflegebedürftigen selbst bezahlt werden. Sollte der Pflegebedürftige diese Kosten nicht tragen können, dann übernimmt das Sozialamt die Kosten, es sei denn, der Versicherte ist in der Lage, die Kosten aus seinem Vermögen zu bestreiten.

Kurzzeitpflege – in diesen Situationen springt sie ein

Kurzzeitpflege überbrückt in der Regel folgende Situationen:

  • ein Pflegebedürftiger benötigt nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend intensivere pflegerische Betreuung, die in häuslicher Umgebung nicht zu leisten ist
  • eine ältere, alleinstehende Person muss nach Krankheit oder Unfall für eine bestimmte Zeit gepflegt und betreut werden
  • der Grad der Pflegebedürftigkeit einer Person steigt kurzfristig an – um dem erhöhten Pflegebedarf gerecht zu werden, springt die Kurzzeitpflege ein und ersetzt vorübergehend die häusliche Pflege
  • ein unerwarteter Pflegebedarf tritt ein und die Angehörigen benötigen Zeit, um die häusliche Umgebung an die neuen Anforderungen anzupassen
  • Angehörige können aufgrund eigener Erkrankung vorübergehend keine Pflege leisten
  • Der Pflegebedürftige muss zur optimalen Versorgung perspektivisch stationär untergebracht werden – die Wartezeit auf einen freien Platz im Pflegeheim überbrückt die Kurzzeitpflege

Übrigens: Wir informieren Sie ebenfalls umfassend rund um die private Pflegezusatzversicherung und zum Thema Tagespflege.