Multimorbidität: Mehrere Krankheiten im Alter
Multimorbidität: Wenn ältere Menschen von mehreren Krankheiten zugleich betroffen sind
  • Multimorbidität tritt vor allem im Alter auf. Sie führt häufig zu Einschränkungen der Lebensqualität und ist meist irreversibel.
  • Insbesondere die Abgrenzung und Behandlung einzelner Teilerkrankungen ist schwierig, aber auch die Folgen möglicher Multimedikationen stellen eine Herausforderung für Betroffene und Ärzte dar. Diese Situation erschwert auch die Erstellung entsprechender Leitlinien zur Behandlung.

Multimorbidität: Mehrere Krankheiten im Alter

Multimorbidität beschreibt das Vorliegen mehrerer einander beeinflussender Erkrankungen und macht die Abgrenzung einzelner Krankheitsbilder schwierig.

Was ist Multimorbidität?

Multimorbidität wird oft auch als Polymorbidität bezeichnet und beschreibt das gleichzeitige Auftreten, bzw. Bestehen mehrerer Krankheitsbilder bei einem Betroffenen. In der Medizin werden Patienten mit mindestens drei, in einigen Fällen auch schon zwei, Krankheiten als multimorbid bezeichnet. In der Regel bestehen die Beschwerden nicht unabhängig voneinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig. In den meisten Fällen tritt eine Verschränkung und Verstärkung mehrerer Krankheitsbilder auf. Die Folgen sind Einschränkungen in mehreren Bereichen. Patienten müssen sich oft einer dauerhaften medizinischen Behandlung unterziehen. Viele der vorliegenden Erkrankungen nehmen einen chronischen Verlauf und sind dabei obendrein nicht heilbar. Behandelt werden aus diesem Grund meist nur Symptome.

Für die Betroffenen kann das Auftreten multimorbider Krankheitsbilder Risiken mit sich bringen, insbesondere dann, wenn Funktionseinschränkungen mehrere Organe betreffen und nicht länger kompensierbar sind. Neben akuten Beschwerden führt dies oftmals auch zur Pflegebedürftigkeit. In diesem Fall betrifft die Behandlung der multimorbiden Krankheitsbilder nicht mehr nur die Patienten, sondern auch die Menschen im Umfeld, wie z. B. pflegende Angehörige, die sich um die Gesundheit der erkrankten Person kümmern.

Schwierigkeiten bei der Behandlung multimorbider Krankheitsbilder

Während sich Mediziner bei der Behandlung von einzelnen Erkrankungen an gewisse Leitlinien halten können, ist das bei der Multimorbidität in den allermeisten Fällen nicht möglich. Denn Ärzte müssen zwar jede Krankheit einzeln behandeln, dabei aber auch das Zusammenspiel der verschiedenen Erkrankungen im Auge behalten. So kann es vorkommen, dass der Arzt Medikamente, die üblicherweise gegen eine Krankheit eingenommen werden, nicht verschreiben kann, da sie eine andere Krankheit verschlimmern würden. Problematisch ist besonders die Tatsache, dass Polymorbidität die Anamnese und klare Ursachenzuordnung von Krankheitsbildern erschwert. Trotzdem hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) 2018 eine Reihe von Leitlinien zur Behandlung und zu anderen Themen rund um multimorbide Beschwerden herausgebracht, die Ärzte bei dem schweren Umgang damit unterstützen sollen.

Alter Mann mit Multimorbidität hält verschiedene Medikamente in der Hand
Multimorbidität erfordert oft eine umfassende Behandlung mit zahlreichen Medikamenten.

Behandlung von Multimorbidität

Die Behandlung und Betreuung von Patienten mit multimorbiden Krankheitsverläufen sind unter medizinischen Aspekten eine Herausforderung. Auch bei irreversiblen multimorbiden Prozessen kann dabei Einfluss auf das Wohlbefinden und die Alltagsfähigkeit Betroffener genommen werden. Unterschiedliche Pflegekonzepte und Pflegeformen erlauben heutzutage eine deutliche Erleichterung, sowohl für die Betroffenen selbst als auch für Ihre Angehörigen. Es gibt zudem verschiedene Ansätze in der Medizin, in denen Ärzte lernen sollen, sich mehr mit den Themen und Wünschen des Patienten auseinanderzusetzen. Gerade bei der Behandlung multimorbider Erkrankungen wird empfohlen, gemeinsam mit dem Patienten herauszufinden, welche Symptome in erster Linie bekämpft werden sollen und können.

Höheres Risiko im Alter

Das Risiko multimorbid zu werden, wächst mit steigendem Alter: 2014 waren rund 62 Prozent aller Patienten über 65 Jahren multimorbid. Aus diesem Grund gehört die Behandlung multimorbider Krankheitsbilder zu den Themen der Geriatrie. Oftmals treten unterschiedliche Kombinationen typischer Alterserkrankungen auf, sodass es schwer ist, geeignete Leitlinien für die Behandlung multimorbider Patienten zu entwickeln. Die häufigsten Erkrankungen und Symptome, die im Rahmen multimorbider Krankheitsbilder auftreten sind Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, chronische Rückenschmerzen, Diabetes, Arthrose und Koronare Herzerkrankungen.

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