Pflegebedürftigkeit: Wann ist ein Mensch pflegebedürftig?
Pflegebedürftig – und nun?
  • Menschen, die in ihrer Selbständigkeit beeinträchtigt sind und für mindestens sechs Monate auf pflegerische Unterstützung angewiesen sind, gelten als pflegebedürftig
  • Ob ein Mensch pflegebedürftig ist, entscheidet die Pflegekasse. Für diese Einschätzung wird ein medizinischer Gutachter zu Rate gezogen, der anhand fester Begutachtungsrichtlinien den individuellen Pflegebedarf feststellt

Pflegebedürftigkeit: Wann ist ein Mensch pflegebedürftig?

Wir verraten, was Pflegebedürftigkeit bedeutet und wie die Beurteilung zur Einstufung in einen Pflegegrad durch die Pflegekassen erfolgt.

Diese Frage stellen sich viele Angehörige – schaffen es die eigenen Eltern nicht mehr ohne Hilfe den Alltag zu meistern, ist es in der Regel an den Kindern, Vater oder Mutter zu pflegen. Viele sind zu Beginn mit der neuen Situation überfordert und wissen nicht, wie sie ihren Eltern die notwendige Unterstützung zukommen lassen können.

Pflegebedürftigkeit: Definition gemäß SGB XI

Wann ein Mensch als pflegebedürftig gilt, wird im Elften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) definiert: In § 14 und § 15 finden sich die Voraussetzungen, ab wann ein Mensch Pflegebedarf hat und wie diese Einschätzung gefällt wird. Je nach Umfang der Pflegebedürftigkeit leitet sich der Pflegeleistungsanspruch ab.

Gemäß Pflegeversicherungsgesetz gelten Menschen, die in ihrer Selbständigkeit beeinträchtigt sind und für mindestens sechs Monate auf pflegerische Unterstützung angewiesen sind, als pflegebedürftig – anhand eines Kriterienkatalogs wird der Grad der Pflegebedürftigkeit genau ermittelt.

Die Pflegebedürftigkeit wird laut § 14 Abs. 1 wie folgt definiert:

„Pflegebedürftig […] sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.“

Begutachtung: So wird die Pflegebedürftigkeit einer Person festgestellt

Pfleger reicht älterem Menschen mit Pflegebedarf die Hand
Ob ältere oder kranke Menschen Hilfe im Alltag benötigen, entscheiden die Pflegekassen.

Ob ein Mensch pflegebedürftig ist, entscheidet die Pflegekasse. Für diese Einschätzung wird ein medizinischer Gutachter zu Rate gezogen, der anhand fester Begutachtungsrichtlinien den individuellen Pflegebedarf im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes feststellt. Gesetzlich Versicherte werden von einem Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) untersucht, für privat Versicherte ist ein Gutachter von MEDICPROOF zuständig. Der Gutachter betrachtet zur Feststellung des Pflegebedarfs außerdem medizinische Unterlagen, wie beispielsweise Krankheitsberichte, ärztliche Befunde oder Atteste sowie Unterlagen des ambulanten Dienstes – diese Unterlagen sollten Sie beim Besuch des Gutachters bereithalten. Der Gutachter wertet die Dokumente aus und verschafft sich außerdem durch einen Besuch beim Versicherten ein persönliches Bild von der Lage; auf Basis dieser Informationen erstellt er das Gutachten, das er an die Pflegekasse übermittelt. Die Einschätzungen des Gutachters dienen der Pflegekasse als Entscheidungsgrundlage, ob sie einen Pflegegrad vergibt. Sobald die Pflegekasse über Anerkennung oder Ablehnung des Pflegegrades entschieden hat, informiert sie den Antragsteller.

Wer kann einen Antrag auf pflegerische Leistungen stellen?

Einen Antrag auf Pflegeleistungen können sowohl die Pflegebedürftigen selbst als auch die Angehörigen bei der Pflegekasse stellen. Da die Pflegekassen an die Krankenversicherungen angegliedert sind, können Sie sich entweder zunächst telefonisch oder schriftlich an den zuständigen Ansprechpartner von der Krankenversicherung wenden.

Pflegebedürftigkeit und Pflegegrade

Bis 2016 galt in der Pflege das System der Pflegestufen: Pflegestufe 1, Pflegestufe 2 und Pflegestufe 3, in die Pflegebedürftige mit alters- oder krankheitsbedingtem Hilfebedarf eingestuft wurden. Psychische oder kognitive Einschränkungen, die das tägliche Leben belasten, wurden nach dem alten System für die Einschätzung des Pflegebedarfs von der Pflegeversicherung nicht berücksichtigt. Patienten mit Demenz oder Depressionen hatten bei der Einschätzung so das Nachsehen.

Mit der Einführung der fünf Pflegegrade im Januar 2017 haben fortan Menschen mit psychischen Krankheiten und geistigen Behinderungen bessere Chancen, einen Pflegegrad zu erhalten. Im Rahmen der aktualisierten Begutachtungsrichtlinien wird eine eventuelle Beeinträchtigung der Selbständigkeit im Alltag beachtet – Versicherte mit Einschränkungen dieser Art erhalten nun Unterstützung von den Pflegeversicherungen.

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Neue Definition der Pflegebedürftigkeit seit 2017

Mit dem neuen Begutachtungsmodell, das die Grundlage für die Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 5 bildet, haben sich sechs Module zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit herausgebildet:

  1. Mobilität: Wie selbständig ist der Begutachtete in puncto Beweglichkeit?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Kommt der Antragsteller allein im Alltag zurecht?
  3. Liegen Auffälligkeiten im Verhalten oder psychische Probleme vor?
  4. Kann sich der Antragsteller selbständig versorgen und sich um die eigene Körperhygiene kümmern?
  5. Bestehen krankheits- oder therapiebedingte Belastungen und kann der Antragsteller diese bewältigen?
  6. Pflegt der Begutachtete einen selbstbestimmten Alltag und soziale Kontakte?

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