Pflegesachleistung: Definition, Anspruch & Höhe
Was sind Pflegesachleistungen?
  • Pflegesachleistungen umfassen ein pflegerische Angebote, die von Pflegefachkräften in der ambulanten Pflege, Tagespflege und Nachtpflege geleistet werden.
  • Kosten für Pflegesachleistungen werden von den Pflegekassen des Pflegebedürftigen übernommen, die Höhe des monatlichen Maximalbetrags richtet sich nach dem Pflegegrad des Betroffenen.

Pflegesachleistung: Definition, Anspruch & Höhe

Was sind Pflegesachleistungen? Was unterscheidet sie vom Pflegegeld? Wir klären auf, was Pflegekassen wie finanzieren.

Was ist eine Pflegesachleistung?

Je nach Pflegebedarf und Art der Pflege bezahlen die Pflegekassen in Deutschland unterschiedliche Leistungen. Die Bezeichnung „Pflegesachleistung“ steht dabei in keinem Zusammenhang mit gegenständlichen Dingen oder „Sachen”. Vielmehr ist die Pflege selbst eine Sachleistung in Form einer verordneten Naturalleistung, die von einem zugelassenen ambulanten Pflegedienst oder einer entsprechenden Pflegekraft erbracht wird.

Nach § 36 SGB XI gelten sämtliche pflegerischen Angebote bzw. Pflegeleistungen als Pflegesachleistung, die von Pflegefachkräften in der ambulanten Pflege, Tagespflege und Nachtpflege geleistet werden, um so lange wie möglich eine häusliche Betreuung der Pflegebedürftigen zu gewährleisten (Stichwort Pflege zuhause). Die Höhe der von der Kasse bewilligten Pflegeleistungen hängt aber nicht nur von Art und Umfang der Betreuung, sondern auch vom Pflegegrad des Pflegebedürftigen ab. Als abrechenbare Pflegesachleistungen gelten Leistungen im Rahmen der häuslichen Pflege und in Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen, etwa Maßnahmen der Grundpflege und der häuslichen Pflege, z.B:

Bereich Grundpflege:

  • Lagern: fachgerechte Liegeunterstützung des Betroffenen zur Verhinderung von Dekubitus
  • Mobilisation: Hilfe beim Aufrichten, aber auch Bewegung einzelner Extremitäten
  • Transfer: Hilfe beim Aufstehen und Setzen, bzw. Hinlegen inkl. An- und Auskleiden
  • Kleine Grundpflege: Teilkörperreinigung mit An- und Auskleiden
  • Große Grundpflege: Vollstandiges Waschen durch Baden, Duschen oder im Bett
  • Hilfe beim Essen und Trinken, auch Tisch decken und Abräumen
  • Gabe von Sondennahrung
  • Medikamentengabe
  • Hilfe bei Ausscheidungen: Unterstützung beim Toilettengang und einfache Versorgung bei Inkontinenz, aber auch umfassende Hilfe bei Stuhlinkontinenz und Katheterreinigung
  • Hilfe beim Verlassen der Wohnung und bei der Rückkehr

Bereich Hauswirtschaftliche Versorgung:

  • Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben im Haushalt
  • Einkaufen, andere Erledigungen (Abrechnung im Viertelstundentakt)
  • Waschen, Wäsche trocknen, ggf. Bügeln
  • Wohnungsreinigung, inkl. Müllentsorgung
  • Abziehen und Neubeziehen des Bettes
  • Heizung
  • Zubereiten einfacher kalter Speisen und vollständiger warmer Mahlzeiten

Seit Mai 2019 können auch reine Betreuungsdienste ihre Leistungen als Pflegesachleistungen abrechnen, z.B. um zusätzliche Hilfe beim Führen des Haushalts zu leisten, oder aber auch um “klassische” Betreuungsleistungen zu erbringen, etwa in Form von Gesprächen mit dem Betroffenen, Beschäftigungen zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen oder als Begleitung bei Spaziergängen.

Hinweis: Behandlungspflege ist keine Pflegesachleistung, sie wird im Rahmen des SGB V i.d.R. bedarfsorientiert von einem zuständigen Arzt verschrieben.

Wer bekommt Pflegesachleistungen?

Seniorin liegt im Bett und wird von Pflegerin betreut
Pflegebedürftige können dank Pflegesachleistungen länger Zuhause gepflegt werden.

Pflegesachleistungen stehen Pflegebedürftigen zu, die nach einem Gutachten von MDK oder MEDICPROOF in Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 eingestuft worden sind. Die Pflege muss in häuslicher Umgebung erfolgen und von einem zugelassenen Pflegedienst geleistet werden. Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, dass die Pflege im eigenen Hause erfolgt; auch im Betreuten Wohnen können Pflegesachleistungen eines Pflegedienstes in Anspruch genommen werden. Sie werden von der Pflegekasse nur geleistet, wenn der Betroffene nicht vollständig von pflegenden Angehörigen betreut wird.

Wieviel Geld gibt es für Pflegesachleistungen?

Die Maximalhöhe des monatlichen Anspruchs auf Pflegesachleistung richtet nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit - je schwerwiegender die Einschränkungen des Betroffenen, desto mehr finanzielle Mittel stellt die Pflegekasse für Pflege und Betreuung zur Verfügung.

  • Pflegegrad 2: Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 haben gesetzlichen Anspruch auf Pflegesachleistungen in Höhe von monatlich 689 Euro.
  • Pflegegrad 3: Versicherte mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf Pflegesachleistungen in Höhe von 1298 Euro pro Monat.
  • Pflegegrad 4: Hier beträgt die Höhe der monatlich abrufbaren Pflegesachleistungen monatlich 1612 Euro.
  • Pflegegrad 5: Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5 können 1995 Euro pro Monat in Anspruch nehmen.

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Pflegesachleistungen, sie können jedoch den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich beantragen, und diese Mittel für einen professionellen Pflegedienst aufwenden. Weitere Leistungshöhen können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Pflegegrad

Pflegegeld

Pflegesachleistung

Mittel für vollstationäre Pflege

Entlastungsbetrag ambulant

Kurzzeitpflege (bis zu 8 Wochen/Jahr)

Verhinderungspflege (bis zu 6 Wochen/Jahr)

1

keins

keine

125€

125€

keine

keine

2

316€

689€

770€

125€

1612€

1612€

3

545€

1298€

1262€

125€

1612€

1612€

4

728€

1612€

1775€

125€

1612€

1612€

5

901€

1995€

2005€

125€

1612€

1612€

Wer bezahlt Pflegesachleistungen?

Sämtliche Pflegesachleistungen werden direkt zwischen den Pflegekassen und Pflegediensten abgerechnet: Alle pflegerischen Leistungen, egal ob Grundpflegeleistungen oder Haushaltshilfen. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nicht alle Kosten ab, die bei Pflege auf Betroffene und Angehörige zukommen – wir informieren Sie deshalb umfassend zur Pflegezusatzversicherung!

Was ist der Unterschied zwischen Pflegesachleistung und Pflegegeld?

Dienste und Leistungen professioneller Pflegedienste im Rahmen der häuslichen Pflege werden direkt zwischen Pflegekasse und Anbieter abgerechnet. Pflegegeld hingegen wird bezahlt, wenn Pflegebedürftige durch Angehörige, Freunde oder Ehrenamtliche betreut und gepflegt werden.

Es ist möglich, Pflegegeld und Pflegesachleistungen miteinander zu kombinieren, wenn die Pflege sowohl von pflegenden Angehörigen, als auch von professionellem Pflegepersonal geleistet wird, in diesem Zusammenhang wird dann auch von einer sog. Kombinationsleistung gesprochen. Wird bei einem Betroffenen mit Pflegegrad 3 die Pflege zu 75 Prozent von einem Pflegedienst erbracht, werden auch nur drei Viertel der verfügbaren Gesamtleistung abgerufen. Das verbleibende Viertel kann dann in Form von Pflegegeld direkt an den Betroffenen zur freien Verfügung ausbezahlt werden. Bei Pflegegrad 3 wären das 136,25 Euro (ausgehend von 545 Euro Höchstsatz).

Wer bekommt das Geld?

Während Pflegegeld direkt an Versicherte zur freien Verfügung ausbezahlt wird, werden Pflegesachleistungen direkt mit Pflegediensten abgerechnet. Der Versicherte selbst ist also hier nur mittelbar in Auszahlung und Abrechnung eingebunden, er (oder ein Bevollmächtigter, bzw. Betreuer) muss lediglich bezeugen können, dass die abgerechneten Leistungen auch tatsächlich erbracht worden sind.

Wo kann ich Pflegesachleistungen beantragen?

Pflegesachleistungen werden ebenso wie Pflegegeld direkt bei der zuständigen Pflegekasse beantragt. In vielen Fällen wirkt die Pflegeversicherung schon beim ersten Antrag auf Pflegeleistungen darauf hin, ein umfassendes Bild von Art und Umfang der Pflege zu gewinnen, um frühzeitig kalkulieren zu können welche Leistungsarten bewilligt werden müssen. In einigen Fällen bestehen Versorgungsverträge mit Leistungserbringern, also ambulanten Pflegediensten; die Pflegekasse wird dem Betroffenen Empfehlungen für geeignete professionelle Dienste geben und die Abwicklung mit dem zuständigen Träger bei Zustandekommen des Pflege- und Betreuungsvertrags mit dem Betroffenen vornehmen.