Pflegestufe 0: Eingeschränkte Alltagskompetenz
Checkmark
Pflegestufe 0 stellte eine Behelfspflegestufe dar, die Leistungen abbildete, die sich im alten Pflegestufensystem nicht ohne weiteres darstellen ließen
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Wer körperlich bei guter Gesundheit war und dennoch hohen Pflegeaufwand benötigte, wurde mit Leistungen nach Pflegestufe 0 versorgt.

Pflegestufe Null: Der heimliche Maßstab der neuen Pflegegrade

Obwohl die Pflegestufe 0 keine reguläre Kategorie der Pflegeversicherung zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit war, nahmen noch Ende 2017 rund 9 Prozent aller Betroffenen Leistungen dieser Kategorie in Anspruch. Tatsächlich handelte es sich jedoch lediglich um eine umgangssprachliche Verwendung unterschiedlichster Pflegebilder, die unter einem gemeinsamen Anspruchsbegriff zusammengefasst wurden. Anspruchsberechtigt waren Betroffene mit

  • Demenz
  • dauerhaften psychischen Erkrankungen
  • geistigen Einschränkungen,

die länger als ein halbes Jahr auf Leistungen der Pflegeversicherung angewiesen waren und dabei besonders pflegebedürftig waren. Sie galten als eingeschränkt alltagskompetent bzw. erhöht betreuungsbedürftig. Trafen diese Voraussetzungen zu, dann galt ein Anspruch auf Pflegestufe 0 / Null. Im Zentrum der Pflegestufe 0 standen dabei Leistungen, die weniger Teil der Behandlungspflege, bzw.medizinischen Pflege waren, sondern in erster Linie die Betreuung und fürsorgliche Aufsicht der Betroffenen sicherstellten.

Diese Voraussetzungen galten für Pflegestufe 0

Während die neuen Pflegegrade seit 2017 das Maß der Selbständigkeit eines Betroffenen zur Grundlage notwendiger Pflegeleistungen heranziehen, galt bei den Pflegestufen die Dauer des notwendigen Pflegeaufwands als maßgeblich für die Bedürftigkeit des Antragsstellers. Zur genaueren Einschätzung des Aufwands wurden durch den MDK oder MEDICPROOF 13 Prüfbereiche kontrolliert. Vorrangig standen dabei die Weglauftendenz, eine eingeschränkte Urteilsfähigkeit gegenüber Gefahren und die fehlende Fähigkeit zur Strukturierung des Tagesablaufs im Zentrum:

  1. Weglauftendenz, bzw. Hinlauftendenz: Unkontrolliertes Verlassen des eigenen Wohnbereichs
  2. Verkennen und Verursachen gefährdender Situationen
  3. Unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen
  4. Tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation
  5. Im situativen Kontext unangemessenes Verhalten
  6. Unfähigkeit,die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen
  7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung
  8. Störungen der höheren Hirnfunktion (Beeinträchtigung des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben
  9. Störung des Tag-Nacht-Rhythmus‘
  10. Unfähigkeit den eigenen Tagesablauf zu planen und zu strukturieren
  11. Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Alltagssituationen
  12. Ausgeprägte labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten
  13. Zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression

In mindestens einem der ersten neun aufgelisteten Bereiche musste der Gutachter des MDK Versorgungsbedarf für mehr als ein halbes Jahr erkennen. Hinzu kommen musste ein zweiter Bereich, für den allerdings keine Vorgaben galten.

Um von der zuständigen Pflegekasse anschließend tatsächlich als eingeschränkt alltagskompetent eingestuft zu werden, war es notwendig auch ein „Mindestmaß an Pflege“ tatsächlich zu beanspruchen. Diese Voraussetzung ging aus den Begutachtungsrichtlinien hervor und sollte vor allem dazu dienen, etwa Demenzkranke mit relativ hoher körperlicher Unversehrtheit mit einer passenden Pflegestufe zu versorgen. Wer etwa den zeitlichen Bedarf der Grundpflege für Pflegestufe 1 nicht für sich geltend machen konnte, benötigte nur das vorgeschriebene Mindestmaß an Pflege, war aber zumeist dennoch auf Unterstützung bei Ernährung, Mobilität und Körperpflege angewiesen.

Leistungen bei Pflegestufe 0

Wer Pflegestufe 0 zuerkannt bekam, hatte Anspruch auf Pflegegeld, bzw. Pflegesachleistungen und zusätzliche Entlastungs- und Betreuungsleistungen. Der Basisumfang belief sich bis Ende 2016 auf 123€ Pflegegeld bei Pflege durch die eigenen Angehörigen oder 231€ bei Pflege durch einen professionellen Pflegedienst.

Die zusätzlichen Betreuungsleistungen im Gegenwert von 104€ monatlich umfassten vor allem aktivierende und begleitende Maßnahmen wie Gespräche und Spaziergänge, aber auch Gartenarbeit, gemeinsames Kochen, Backen oder Bastelarbeiten, Lesen, Musikhören, Gymnastik oder kleinere Ausflüge. Zu den Entlastungsleistungen gehörten Haushaltshilfen, Alltagsunterstützung, Organisationshilfe im Alltag, Entlastung von Angehörigen und die Begleitung der Betroffenen bei Besuchen oder Amtsgängen.

Welchen Pflegegrad haben Betroffene mit Pflegestufe 0 seither erhalten?

Die Pflegestufe 0 wurde zum 1.1.2017 in den neuen Pflegegrad 2 überführt. Maßgeblich hierfür war die Pflegereform 2016, die vor allem aufeine verbesserte Eingruppierung und pflegerische Versorgung von Betroffenen der Pflegestufe 0 abzielte. Für sie war das alte Pflegesystem mit seinem Schwerpunkt auf körperlichen Einschränkungen nur sehr bedingt geeignet.
Die Abschaffung der „Behelfspflegestufe 0“ trägt vor allem den Bedürfnissen derjenigen Rechnung, die körperlich im wesentlichen unbeeinträchtigt, aber aus anderen Gründen pflegebedürftig sind. Neben dem neuen Pflegegrad 2 sind mit Pflegegrad 1, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 eine ganze Reihe neuer Beurteilungskategorien eingeführt worden. Seither steht nicht länger der zeitliche Aufwand im Zentrum der Begutachtung, sondern der Grad der Selbständigkeit, die ein Betroffener noch zur Bewältigung des Alltags aufbringt.

Wer zum Stichtag 1.1.2017 eingeschränkte Alltagskompetenz,bzw. erhöhten Betreuungsaufwand vorweisen konnte, erhielt statt der bisherigen Pflegestufe 0 den neuen Pflegegrad 2. Pflegegrad 2 bildet Pflegebedarf im Rahmen einer „erheblichen Beeinträchtigung der Selbständigkeit“ ab. Dafür war keine neuerliche Begutachtung notwendig.

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