Pflege­stufe 1: Für Menschen mit erheblicher Pflege­bedürftigkeit

Pflege­stufe 1: Vorgänger von Pflege­grad 2 und 3
  • Die Pflege­stufe 1 war die erste Stufe der Pflege­bedürftigkeit bis 2017. Wer bis 2017 die Pflege­stufe 1 hatte, wurde mit Inkrafttreten des Pflege­stärkungsgesetzes PSG II direkt in den Pflege­grad 2 oder 3 überführt.
  • Voraussetzung für die Pflege­stufe 1 war ein Bedarf an Unterstützung von mindestens 90 Minuten täglich, davon mindestens 45 Minuten in der Grundpflege.

Was ist die Pflegestufe 1?

Bis 2017 hatte der größte Teil der Menschen, die als pflegebedürftig galten, die Pflegestufe 1. Die Pflegestufe 1 legte fest, welche Pflegeleistungen Betroffene von ihrer Pflegekasse fordern konnten, dazu gehörten das Pflegegeld und die Pflegesachleistungen, aber auch der Entlastungsbetrag. Einen Anspruch hatte, wer die „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ nachweisen konnte. Ursprung war wie bei allen Pflegestufen die erworbene Pflegebedürftigkeit als Folge einer Krankheit, eines Unfalls oder Behinderung. Waren Betroffene in ihrer Selbstständigkeit so stark eingeschränkt, dass sie regelmäßige Unterstützung im Alltag brauchten, konnten sie eine Pflegestufe beantragen. Maßgeblich zur Einordnung waren drei Kategorien:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen oder Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasur, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: Mundgerechte Zubereitung und Aufnahme von Nahrung
  • Mobilität: Tägliches Aufstehen und abends ins Bett gehen, An- und Auskleiden, gehen, stehen, Treppen steigen, Verlassen der bzw. Rückkehr in die eigene Wohnung

Diese drei Kategorien bildeten die sogenannte Grundpflege ab. Sie wurden ergänzt von der Unterstützung in der hauswirtschaftlichen Versorgung:

  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen und Kochen, Reinigung der Wohnung, Geschirrspülen, Wechseln und Waschen der eigenen Kleidung und Wäsche, Heizen der Wohnung.

Gut zu wissen: Die Pflegestufe 1 war im Pflegeversicherungsgesetz im elften Sozialgesetzbuch SGB XI verankert. Im Zuge des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II), das am 1.1.2016 in Kraft trat, wurden die Pflegestufen in fünf Pflegegerade übersetzt.

Junge Frau putzt für Frau mit Pflegestufe 1 die Fenster
Menschen mit Pflege­stufe 1 benötigten in der Regel Hilfe bei der Grundpflege aber auch im Haushalt, zum Beispiel beim Putzen.

Diese Voraussetzungen galten für Pflegestufe 1

Damit ein Betroffener die „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ anerkannt bekam, war es notwendig, dass er in zwei Kategorien der Grundpflege täglich auf Hilfe angewiesen war. Auch die Notwendigkeit, mehrmals wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung in Anspruch zu nehmen, etwa durch eine Einkaufshilfe oder eine Putzkraft, spielte eine Rolle. Maßgeblich für die Zuteilung einer Pflegestufe war jedoch der zeitliche Aufwand für die tägliche Pflege des Betroffenen. Dabei wurde ein Mittelwert für den zeitlichen Aufwand gebildet, der für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung innerhalb einer Woche aufgewendet werden musste. Im Schnitt musste die Gesamtpflegedauer wenigstens 90 Minuten betragen, von denen 45 Minuten für die Grundpflege aufgewendet werden mussten.

Gut zu wissen: Im Rahmen der Pflegestufen unterschied die Pflegeversicherung zwischen körperlichen und geistigen Einschränkungen. Aus diesem Grund wurden Menschen, die neben körperlichen Problemen zusätzlich an Demenz, einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung litten, als Pflegestufe 1 mit dem Zusatz „eingeschränkte Alltagskompetenz“ eingestuft. Betroffenen standen dann ein höheres Pflegegeld für die häusliche Pflege, aber auch mehr Pflegesachleistungen für die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst zu. Die Übersetzung der Pflegestufen in Pflegegrade berücksichtigt nun geistige und körperliche Erkrankungen gleichermaßen.

Tabelle: Benötigter Zeitaufwand als Voraussetzung zur Anerkennung von Pflegestufe 1:

Täglicher Hilfebedarf insgesamt

Anteil Grundpflege

Anteil hauswirtschaftliche Unterstützung

90 Minuten

mindestens 45 Minuten oder 50%

restliche Zeit; an mehreren Wochentagen

Leistungen bei Pflegestufe 1

Bei Pflegestufe 1 konnten Betroffene Leistungen für unterschiedliche Bereiche in Anspruch nehmen. Dazu gehörten einerseits finanzielle Unterstützung und Pflegehilfsmittel nach dem Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen, andererseits aber auch Zuwendungen für die ambulante Pflege oder Pflegeleistungen durch einen pflegenden Angehörigen. Zuschüsse zu Serviceleistungen wie den Hausnotruf übernahmen Pflegekassen anteilig. Auch bei geringem Pflegebedarf war und ist es grundsätzlich sinnvoll für den Ernstfall bereits zu gesunden Zeiten eine private Pflegezusatzversicherung als Ergänzung abzuschließen.

Beantragung der Pflegestufe 1

Die Einstufung der Pflegebedürftigkeit erfolgte bei Kassenpatienten durch den Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) und bei privat versicherten Personen durch MEDICPROOF. Die Pflegestufe berechtigte Pflegebedürftige, bei der Pflegeversicherung Leistungen wie das Pflegegeld, den Entlastungsbetrag oder Zuschüsse für Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen. Pflegesachleistungen und Pflegegeld zahlte die Pflegekasse nur, wenn die pflegebedürftige Person von einem Angehörigen oder einem ambulanten Dienst in den eigenen vier Wänden gepflegt wurde.

Menschen, die auf Hilfe angewiesen waren, konnten bis 1.1.2017 die Pflegestufe bei der zuständigen Pflegeversicherung beantragen. Damit ihnen eine Pflegestufe zugesprochen werden konnte, begleitete sie ein Gutachter für einige Stunden durch den Alltag. Das Verfahren wurde mit dem PSG II angepasst. Heute wird zur Feststellung des Pflegegrades das Neue Begutachtungsassessment (NBA) eingesetzt. Der Antrag und der Besuch durch den Gutachter sind kostenlos.

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Welchen Pflegegrad haben Betroffene mit Pflegestufe 1 seither erhalten?

Seit der Überführung der Pflegestufen in die neuen Pflegegrade haben Betroffene, die bis dato eine eingetragene Pflegestufe geltend machen konnten, Anspruch auf einen äquivalenten Pflegegrad. Wer bis zum 31.12.2016 Pflegestufe 1 hatte, wurde zum 1.1.2017 nahtlos für Pflegegrad 2 qualifiziert. Betroffene mit Pflegestufe 1 und eingeschränkter Alltagskompetenz wurden in Pflegegrad 3 überführt.

Vor allem Patienten mit Pflegestufe 0, die bisher nicht die Voraussetzungen für eine erhebliche Pflegebedürftigkeit erfüllten, weil sie keine oder nur wenige körperliche Gebrechen anführen konnten, profitieren von den neuen Pflegegraden. Auch sie können nun Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen, wie z. B. die Übernahme der Kosten für Hilfsmittel oder den Entlastungsbetrag. Einen Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen haben sie allerdings nicht.

Pflegestufe früher

Pflegegrad heute

Pflegegrad 1

Pflegestufe 0

Pflegegrad 1

Pflegestufe 1

Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 2

Pflegestufe 2

Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 3

Pflegestufe 3

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (Härtefallregelung)

Pflegegrad 5

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