Pflegestufe 1: Leistungen der Pflegekassen bis 2017
Pflegestufe 1: Die Pflegestufe für den häufigsten Bedarf.
  • Die Pflegestufe 1 war die Eingangsstufe im alten Pflegestufensystem bis 2017.
  • Betroffene mit Pflegestufe 1 wurden ab 2017 direkt in Pflegegrade 2 und 3 überführt.

Pflegestufe 1: Leistungen der Pflegekassen bis 2017

Pflegestufe 1: Je nach Bedarf konnten Betroffene bis 2017 Leistungen bei erheblicher Pflegebedürftigkeit beantragen.

Die Pflegestufe 1 bildete bis 2017 den größten Teil der Anspruchsberechtigten ab, die als pflegebedürftig galten. Sie legte fest, welche Pflegeleistungen Betroffene von Ihrer Pflegekasse fordern konnten, die eine „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ nachweisen konnten. Ursprung war wie bei allen Pflegestufen die erworbene Pflegebedürftigkeit als Folge von Krankheit oder Behinderung. Waren Betroffene in ihrer Selbstständigkeit so einschneidend eingeschränkt, dass sie regelmäßige Unterstützung im Alltag brauchen, konnten sie eine Pflegestufe beantragen. Maßgeblich zur Einordnung waren drei Kategorien:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen oder Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasur, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: Mundgerechte Zubereitung und Aufnahme von Nahrung
  • Mobilität: Tägliches Aufstehen und abends ins Bett gehen. An- und Auskleiden, gehen, stehen, Treppen steigen, Verlassen und Rückkehr der, bzw. in die eigene Wohnung

Diese drei Kategorien bildeten die sog. Grundpflege ab. Sie wurden ergänzt von der Notwendigkeit zur Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich – der hauswirtschaftlichen Versorgung:

  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen und Kochen, Reinigung der Wohnung, Geschirrspülen, Wechseln und Waschen der eigenen Kleidung und Wäsche, Heizen der Wohnung.

Diese Voraussetzungen galten für Pflegestufe 1

Um nachzuweisen, dass ein Betroffener „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ vorweisen kann, war es notwendig, dass er in zwei Kategorien der Grundpflege täglich auf Hilfe angewiesen gewesen ist. Auch die Notwendigkeit, mehrmals wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung in Anspruch zu nehmen, etwa durch eine Einkaufshilfe oder eine Putzkraft spielte eine Rolle. Maßgeblich für die Zuteilung einer Pflegestufe war jedoch der zeitliche Aufwand für die tägliche Pflege des Betroffenen. Dabei wurde ein Mittelwert für den zeitlichen Aufwand gebildet, der für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung innerhalb einer Woche aufgewendet werden musste. Im Schnitt musste die Gesamtpflegedauer wenigstens 90 Minuten dauern, von denen 45 Minuten für die Grundpflege aufgewendet werden mussten.

Tabelle: Benötigter Zeitaufwand als Voraussetzung zur Anerkennung von Pflegestufe 1:

Täglicher Hilfebedarf insgesamt

Anteil Grundpflege

Anteil hauswirtschaftliche Unterstützung

90 Minuten

mindestens 45 Minuten oder 50%

restliche Zeit; an mehreren Wochentagen

Leistungen bei Pflegestufe 1

Bei Pflegestufe 1 konnten Betroffene Leistungen für unterschiedliche Bereiche in Anspruch nehmen. Dazu gehörten einerseits finanzielle Unterstützung und Pflegehilfsmittel nach dem Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen, andererseits aber auch Zuwendungen für die ambulante Pflege oder als Ausgleich für Pflegeleistungen durch einen pflegenden Angehörigen. Wer Leistungen nach Pflegestufe 1 beantragen wollte, musste dies schriftlich bei der zuständigen Pflegekasse tun. Der Antrag wurde anschließend von der Pflegekasse geprüft, gebilligt oder abgelehnt. Auch bei geringem Pflegebedarf war es grundsätzlich sinnvoll für den Ernstfall bereits zu gesunden Zeiten eine private Pflegeversicherung als Ergänzung abzuschließen.

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Welchen Pflegegrad haben Betroffene mit Pflegestufe 1 seither erhalten?

Seit der Überführung der Pflegestufen in die neuen Pflegegrade haben Betroffene, die bis dato eine eingetragene Pflegestufe geltend machen konnten, Anspruch auf einen äquivalenten Pflegegrad. Vor allem Patienten mit Pflegestufe 0, die keine oder nur wenige körperliche Gebrechen zur Unterstützung anführen konnten, profitieren von den neuen Pflegegraden. Wer bis zum 31.12.2016 Pflegestufe 1 hatte, wurde zum 1.1.2017 nahtlos für Pflegegrad 2 qualifiziert. Betroffene mit eingeschränkter Alltagsfähigkeit wurden von Pflegestufe 1 in Pflegegrad 3 überführt.

Pflegestufe früher

Pflegegrad heute

Pflegegrad 1

Pflegestufe 0

Pflegegrad 1

Pflegestufe 1

Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 2

Pflegestufe 2

Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 3

Pflegestufe 3

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (Härtefallregelung)

Pflegegrad 5

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