Pflege­stufe 2 - Leistungen und Voraussetzungen bis 2017

Pflege­stufe 2 - Schwerpflege­bedürftigkeit bis 2017
  • Pflege­stufe 2 stellte mit "Schwerpflege­bedürftigkeit" die zweite Ebene der gesetzlichen Leistungsberechtigung im alten Pflege­versicherungssystem dar.
  • Seit 2017 sind Betroffene mit Pflege­stufe 2 in den Pflege­grad 3 oder 4 überführt worden.

Bis 2017 war die Pflegestufe 2 die zweite Kategorie der Pflegestufen, die für einen Anspruch auf Leistungen der Pflege maßgeblich waren. Pflegebedürftige konnten mit der Pflegestufe 2 die sogenannte „Schwerpflegebedürftigkeit“ reklamieren und entsprechende Leistungen der Pflegeversicherung, bzw. Pflegekasse beantragen. Grundlage der Bemessung war ein täglicher Pflegeaufwand von mindestens drei Stunden täglich, von denen wenigstens zwei Stunden am Tag für die sogenannte Grundpflege nötig waren. Genau wie bei Pflegestufe 1 war auch die Notwendigkeit zu mehrmaliger Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich maßgeblich. Wer entsprechende Leistungen der Pflege in Anspruch nehmen wollte, musste die Pflegestufe beantragen oder einen Antrag stellen, dass seine anerkannte, aber geringere Pflegestufe erhöht wird. Die Pflegestufe 2 gibt es seit 2017 nicht mehr. Pflegebedürftige, die Anspruch auf die entsprechenden Leistungen haben, bekommen heute den Pflegegrad 3 oder Pflegegrad 4 zugesprochen.

Diese Voraussetzungen galten für Pflegestufe 2

Nach dem Elften Buch Sozialgesetzbuch SGB XI war Schwerpflegebedürftigkeit gegeben, wenn „mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten ein Hilfebedarf bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) erforderlich ist.“ Konnte ein Antragsteller diese und weitere Voraussetzungen erfüllen, gewährte die Kasse Pflegeleistungen nach Pflegestufe 2. War der Pflegebedürftige darüber hinaus von Demenz betroffen, länger als ein halbes Jahr psychisch erkrankt oder geistig behindert, bekam er üblicherweise Pflegestufe 2 mit der Ergänzung „eingeschränkte Alltagskompetenz“. Stellte der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) bzw. der Dienst der Privatversicherer MEDICPROOF fest, dass ein erhöhtes Maß an Betreuung notwendig war, stand den pflegebedürftigen Personen ein höherer Zuschuss zur Pflege zu. Die Kasse leistete außerdem bei jeder Person mit Pflegegrad 2 für Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege.

Für die Einordnung in die richtige Pflegestufe wurde die Pflegebedürftigkeit in drei Kategorien der Grundpflege überprüft:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen oder Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasur, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: Mundgerechte Zubereitung und Aufnahme von Nahrung
  • Mobilität: Tägliches Aufstehen und abends ins Bett gehen. An- und Auskleiden, gehen, stehen, Treppen steigen, Verlassen der und Rückkehr in die eigene Wohnung

Diese drei Kategorien bildeten die sog. Grundpflege ab. Sie wurden ergänzt von der Notwendigkeit zur Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich – der hauswirtschaftlichen Versorgung:

  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen und Kochen, Reinigung der Wohnung, Geschirrspülen, Wechseln und Waschen der eigenen Kleidung und Wäsche, Heizen der Wohnung.

Zusätzlich wurden notwendige Maßnahmen der Behandlungspflege überprüft: Sie umfasste alle Leistungen, die sich aus der regulären medizinischen Krankenpflege ergaben, etwa Wundbehandlung, das Wechseln von Verbänden oder das ärztlich indizierte Verabreichen von Medikamenten.

Täglicher Hilfebedarf insgesamt

Anteil Grundpflege

Anteil hauswirtschaftliche Unterstützung

180 Minuten

mindestens 120 Minuten täglich, dreimal täglich zu unterschiedlichen Tageszeiten

mehrmals wöchentlich je 60 Minuten

Leistungen bei Pflegestufe 2

Die Leistungen bei Pflegestufe 2 umfassten nicht nur die Grundpflege, sondern auch die weitere Behandlungspflege. Waren Betroffene nach Pflegestufe 2 leistungsberechtigt, konnten sie wählen, ob sie Pflegegeld beanspruchten oder Pflegesachleistungen beantragen wollten. Das Pflegegeld wurde ausgezahlt, wenn Betroffene zu Hause durch Angehörige oder Bekannte gepflegt wurden. Pflegesachleistungen wurden gewährt, wenn ein Pflegedienst die Betreuung erbrachte, unabhängig davon, ob die eigentliche Pflege zuhause oder zeitweise in einer Tagespflege stattfand. Das bis 2017 ausbezahlte Pflegegeld betrug 458 €, während die Pflegekasse Pflegesachleistungen in einem Gegenwert von 1144 € auszahlte. Pflegebedürftige, die zusätzlich eine eingeschränkte Alltagskompetenz geltend machen konnten, bezogen höhere Leistungen. In ihrem Fall betrug das Pflegegeld 545 €, der Gegenwert der Pflegesachleistungen betrug 1298 €.

Es war zudem möglich eine Kombinationsleistung (sog. „Kombileistung“) aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen zu erhalten. Diese Möglichkeit stand Personen offen, die abwechselnd oder überschneidend durch Angehörige, Bekannte und professionelle Pflegedienste betreut wurden. Bei der Kombileistung, die Pflegebedürftige auch heute noch in Anspruch nehmen können, wird der Pflegegeldsatz um den prozentualen Anteil der erbrachten Pflegesachleistungen reduziert. In jedem Fall konnten Pflegebedürftige und Angehörige einen Anspruch auf Hilfsmittel für die Pflege geltend machen.

Betroffene mit Pflegestufe 2 konnten darüber hinaus weitere Zuschüsse für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen beantragen; 104 € regulär, bei besonders intensiver Betreuung sogar 208 € monatlich. Zusätzliche Betreuungsleistungen übernahmen geschulte Ehrenamtliche oder professionelle Alltagsbegleiter, um pflegende Angehörige zu entlasten. Ab Pflegegrad 2 zahlte die Pflegekasse zudem einen Zuschuss von 1.612 Euro im Jahr für die Kurzzeitpflege. Der gleiche Betrag kam noch einmal als Zuschuss für die Verhinderungspflege obendrauf, sodass insgesamt 3.224 Euro im Jahr zusätzlich für die Pflege zur Verfügung standen. Zur grundsätzlichen finanziellen Entlastung empfahl sich auch bei Pflegestufe 2 bereits zu gesunden Zeiten der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung – in unserem Artikel lesen Sie mehr dazu.

Welchen Pflegegrad haben Betroffene mit Pflegestufe 2 seither erhalten?

Mit der Neuordnung der Pflegeversicherung zum Beginn des Jahres 2017 sind alle Pflegebedürftigen in die neuen Pflegegrade überführt worden. Anders als im alten System ist die Bedarfsprüfung nicht vorrangig auf körperliche Einschränkungen angelegt, sondern legt den Schwerpunkt auf die Selbständigkeit im Alltag, was auch psychische Belastungen miteinschließt. Die alten Pflegestufen 0-3 sind seither in die neuen Pflegegrade 1-5 überführt worden. Je geringer die Selbständigkeit des Betroffenen, desto höher ist der gewährte Pflegegrad. Infolgedessen wurde die bisherige Pflegestufe 2 zum neuen Pflegegrad 3, der die „schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit“ abbildet. Betroffene mit Demenz, die nach Pflegestufe 2 schwer pflegebedürftig waren, haben heute den Pflegegrad 4. Wer vor 2017 bereits Pflegestufe 2 in Anspruch nehmen konnte, musste sich keiner erneuten Überprüfung im Rahmen des Neuen Begutachtungsassessments unterziehen.

Pflegestufe früher

Pflegegrad heute

Pflegegrad 1

Pflegestufe 0

Pflegegrad 1

Pflegestufe 1

Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 2

Pflegestufe 2

Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 3

Pflegestufe 3

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (Härtefallregelung)

Pflegegrad 5

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