Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftigkeit
Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftigkeit - Bis 2017 die höchste Kategorie für Pflegeleistungen
  • Pflegestufe 3 deckte den pflegerischen Bedarf von sog. "schwerstpflegebedürftigen" Patienten ab.
  • Während "regulär" Pflegebedürftige seit 2017 Leistungen nach Pflegegrad 4 beanspruchen können, gilt für Betroffene mit weiteren Einschränkungen der Pflegegrad 5.

Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftigkeit

Pflegestufe 3 deckte bis 1.1.2017 die sogenannte Schwerstpflegebedürftigkeit ab. Sie ist von Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 ersetzt worden.

Pflegestufe 3 war bis Anfang 2017 die maßgebliche Kategorie für Pflegebedürftige, die einen größeren Pflegeaufwand beanspruchen konnten, als er durch Pflegestufe 1 und Pflegestufe 2 abgedeckt werden konnte. Betroffene mit Pflegestufe 3 galten als „schwerstpflegebedürftig“und hatten Anspruch auf das umfassendste Pflegeangebot nach Maßgabe der Pflegeversicherung. Die Pflegestufe 3 deckte auch Härtefälle ab. Genau wie alle anderen Pflegestufen ist auch die Pflegestufe 3 seitdem in die neuen Pflegegrade überführt worden und wird heute durch die Leistungen von Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 abgebildet.

Diese Voraussetzungen galten für Pflegestufe 3

Schwerstpflegebedürftigkeit galt als gegeben, wenn der tägliche Hilfebedarf insgesamt 5 Stunden umfasste, von denen wenigstens 4 Stunden auf die Grundpflege entfallen mussten, während die übrige Zeit für die sogenannten hauswirtschaftlichen Leistungen genutzt wurde. Im Rahmen der Grundpflege musste Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit gewährleistet sein, die auch nachts die notwendigen pflegerischen Maßnahmen ergreifen konnte.

Auch in der Pflegestufe 3 wurde für die Festlegung des Grundpflegebedarfs die Alltagskompetenz des Betroffenen in drei Kategorien überprüft:

  • Körperpflege: Waschen, Duschen oder Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasur, Darm- und Blasenentleerung
  • Ernährung: Mundgerechte Zubereitung und Aufnahme von Nahrung
  • Mobilität: Tägliches Aufstehen und abends ins Bett gehen. An- und Auskleiden, gehen, stehen, Treppen steigen, Verlassen der eigenen Wohnung und eigenständige Rückkehr

Diese drei Kategorien bildeten die sog. Grundpflege ab. Sie wurden ergänzt von der Notwendigkeit zur Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich – der hauswirtschaftlichen Versorgung:

  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen und Kochen, Reinigung der Wohnung, Geschirrspülen, Wechseln und Waschen der eigenen Kleidung und Wäsche, Heizen der Wohnung.

Genau wie in der Pflegestufe 2 wurden darüber hinaus zusätzlich notwendige Maßnahmen der Behandlungspflege überprüft: Sie umfasste alle Leistungen, die sich aus der regulären medizinischen Krankenpflege ergaben, etwa die Notwendigkeit zur Wundbehandlung, das Wechseln von Verbänden oder das ärztlich indizierte Verabreichen von Medikamenten. Grundsätzlich war es notwendig, dass Betroffene, Bevollmächtigte oder Angehörige bei der zuständigen Pflegeversicherung eine Pflegestufe beantragen.

Tabelle: Benötigter Zeitaufwand als Voraussetzung zur Anerkennung von Pflegestufe 3:

Täglicher Hilfebedarf insgesamtAnteil GrundpflegeAnteil hauswirtschaftliche Unterstützung
300 Minutenmindestens 240 Minuten täglich, dreimal täglich zu unterschiedlichen Tageszeiten mehrmals wöchentlich je 60 Minuten

Pflegestufe 3 – Härtefall

Übertraf der tägliche Pflegebedarf die regulären vier Stunden der Pflegestufe 3 und erreichte wenigstens sieben Stunden pro Tag, galt der Betroffene als Härtefall. Griff die Härtefallregelung, wurde davon ausgegangen, dass Betroffene auch einen nächtlichen Betreuungsanspruch von wenigstens zwei Stunden haben, für den grundsätzlich zwei Pflegekräfte angesetzt wurden. Der Betreuungsaufwand wurde damit auch auf vier Stunden angesetzt.

Leistungen bei Pflegestufe 3

Der Basisanspruch auf 240 Minuten täglicher Grundpflege und 60 Minuten hauswirtschaftlicher Hilfe wurde bei Pflegestufe 3 ergänzt durch umfassende finanzielle Leistungen, die sich je nach der Art des Pflegeumfangs und Pflegebedarfs richtete. Wer als Betroffener zuhause gepflegt und betreut wurde, konnte ein Pflegegeld in Höhe 728€ im Monat in Anspruch nehmen. Erfolgte die eigentliche Pflegeleistung durch einen professionellen Pflegedienst in den eigenen vier Wänden (oder temporär in einer Pflegeeinrichtung), dann konnten Pflegesachleistungen in Höhe von 1612€ im Monat herangezogen werden. Um Entlastung für pflegende Angehörige zu schaffen, konnten abermals 1612€ im Jahr geltend gemacht werden, wenn ein Angehöriger eine zwischenzeitliche Auszeit von der Pflege nehmen wollte.

Gutachter von MDK oder MEDICPROOF haben bis 2017 nicht nur die körperliche Pflegebedürftigkeit, geprüft, sondern auch,ob der Betroffene aufgrund von Demenz, psychischer Krankheit oder geistiger Behinderung dauerhaft nur eingeschränkt alltagskompetent war. Diesen Personen wurden höhere Mittel gewährt.

Konnten Betroffene mit Pflegestufe 3 darüber hinaus die Härtefallregelung geltend machen, dann hatten sie Anspruch auf erhöhte Pflegesachleistungen von 1995€, diese Erhöhung galt allerdings nur für Pflegesachleistungen durch professionelles Pflegepersonal. Der Pflegegeldsatz blieb auch bei Härtefällen unverändert. Möglich war aber auch eine Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen bei Pflegestufe 3 (sog. Kombileistungen). Die Kombinationsleistung sah vor, einen Teil der Pflegeleistungen durch einen Pflegedienst erbringen zu lassen, während der andere Teil von Angehörigen oder Freunden des Betroffenen erbracht wurde. Das Pflegegeld wurde in diesem Fall um den prozentualen Anteil reduziert, den Pflegedienste im Rahmen der Pflegesachleistungen erbrachten. Idealerweise haben Betroffene bereits zu gesunden Zeiten ein private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen.

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Weitere Pflegeleistungen bei Pflegestufe 3

Betroffene mit Pflegestufe 3 konnten nicht nur Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Zuschüsse beantragen. Schwerstpflegebedürftige hatten darüber hinaus Anspruch auf verschiedene unterstützende Maßnahmen und Leistungen:

  • Pflegehilfsmittel mit einem monatlichen Gesamtwert von 40€, bzw. 480€ jährlich.
  • Medizinische Hilfsmittel wie Rollstühle oder Rollatoren
  • Bettauflagen oder medizinische Matratzen mit besonderer Federung zur Vorbeugung von Druckstellen/Dekubitus oder vollständige Pflegebetten
  • Einmaliger Zuschuss zur Wohnraumanpassung; einen pflegetauglichen Umbau des eigenen Wohnumfelds in Höhe von 4000€
  • Obligatorische Beratung durch eine Pflegeberatung oder einen Pflegedienst (4x jährlich) zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen
  • Bei Unterbringung in einer WG oder Wohngruppe: 2500€ zur Gründung einer alters- oder pflegegerechten WG sowie 205€ für eine Betreuungs- und Organisationskraft.

Welchen Pflegegrad haben Betroffene mit Pflegestufe 3 seither erhalten?

Mit der Änderung der Pflegeversicherung zum 1.1.2017 haben sich auch die Maßgaben der Pflegebedürftigkeit geändert. Die alten Pflegestufen wurden durch die neuen Pflegegrade überführt, um nicht länger vorrangig körperliche Einschränkungen nach der Zeit zu bemessen, die an Pflegeleistungen aufgewandt werden musste, um Betroffenen eine angemessene Betreuung zukommen zu lassen.Vor allem Demenzkranke, Personen mit psychischen Erkrankungen und Menschen mit geistigen Einschränkungen profitieren vom Neuen Begutachtungssystem (NBA), der von MDK oder Medicproof vorgenommen wird, um die Selbständigkeit im Alltag festzustellen.

Je weniger selbständig ein Betroffener seinen Alltag gestalten kann, desto höher ist der bewilligte Pflegegrad und desto höher die Leistungen der Pflegekasse: Auf diese Weise ist Personen, die bereits vor 2017 Pflegestufe 3 hatten, automatisch der neue Pflegegrad 4 zugesprochen worden, der die „schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit“ abbilden soll. Für diese Neueinordnung war keine neuerliche Überprüfung nach dem NBA notwendig. Wer über seinen Anspruch auf Pflegestufe 3 hinaus auch noch von Demenz betroffen war, wurde seither in Pflegegrad 5 überführt, der die „schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit“ pflegerisch und versicherungstechnisch abdeckt.

Pflegestufe früherPflegegrad heute
[Pflegegrad 1](https://www.afilio.de/post/pflegegrad-1)
[Pflegestufe 0](https://www.afilio.de/lexikon/pflegestufe-0)Pflegegrad 1
[Pflegestufe 1](https://www.afilio.de/lexikon/pflegestufe-1)[Pflegegrad 2](https://www.afilio.de/post/pflegegrad-2)
Pflegestufe 1 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)Pflegegrad 2
[Pflegestufe 2](https://www.afilio.de/lexikon/pflegestufe-2)[Pflegegrad 3](https://www.afilio.de/post/pflegegrad-3)
Pflegestufe 2 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)Pflegegrad 3
[Pflegestufe 3](https://www.afilio.de/lexikon/pflegestufe-3)[Pflegegrad 4](https://www.afilio.de/post/pflegegrad-4)
Pflegestufe 3 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 (Härtefallregelung)[Pflegegrad 5](https://www.afilio.de/post/pflegegrad-5)

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