Pflegestufen: Das waren die Pflegestufen 0 - 3
Pflegestufen 0-3 – Pflegeleistungen bis 2017
  • Pflegestufen dienten bis 2017 dazu, den finanziellen, organisatorischen und pflegerischen Bedarf von Betroffenen einzuschätzen.
  • Da sie vorrangig physische Einschränkungen abbildeten, wurden sie von den heutigen Pflegegraden abgelöst, um statt des Pflegebedarfs die Selbständigkeit des Betroffenen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken.

Pflegestufen: Das waren die Pflegestufen 0 - 3

Vor der Einführung der Pflegegrade 2017 waren die Pflegestufen maßgeblich zur Einordnung der Pflegebedürftigkeit.

Bis 2017 regelten die Pflegestufen, welchen Anspruch auf Pflegeleistungen Betroffene gegenüber den Pflegekassen hatten. Dafür war es notwendig, dass Betroffene bei Ihrer Krankenkasse eine Pflegestufe beantragen. Seit dem 1.1.2017 sind die neuen Pflegegrade maßgeblich.

Pflegestufen – Was ist das?

Das System der Pflegestufen diente dazu, kranken, alten und behinderten Menschen finanzielle, organisatorische und pflegerische Mittel zur Verfügung zu stellen, um ihren Alltag besser zu bewältigen. Insbesondere die Herausforderungen des unmittelbaren Bedarfs an Nahrung, Bewegungsfreiheit und Körperpflege wurden abgedeckt. Wer in einem oder allen drei Bereichen maßgeblich auf Hilfe angewiesen war, wurde als pflegebedürftig eingestuft. Nach Maßgabe der Pflegestufen 0 - 3 wurde entschieden, welche Leistungen Menschen mit Einschränkungen der Alltagssouveränität in Anspruch nehmen konnten.

Grundlage der Pflegestufe: Feststellen der Pflegebedürftigkeit

Für die zuverlässige Einstufung des Leistungsbedarfs galt bis 2017 die individuelle Pflegebedürftigkeit eines Patienten als entscheidend. Sie ist nach § 14 Abs. 1 SGB XI definiert als Hilfebedarf, auf den Betroffene „wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer“ angewiesen sind.

Die Pflegebedürftigkeit musste als Ergebnis einer Krankheit oder Behinderung aufgetreten sein, um ausschlaggebend zu sein. Dies war etwa der Fall bei Mobilitätsverlusten, Einschränkungen von Sinnes- oder anderen inneren Organen oder bei neurologischen Störungen. Die starke Fokussierung auf physiologische Ursachen ist auch einer der wesentlichen Gründe dafür, die Pflegestufen durch ein neues System zu ersetzen: Betroffene mit physisch stabiler Konstitution aber anderen Einschränkungen, wie sie z.B. durch Demenz ausgelöst werden, wurden nur unzureichend berücksichtigt.

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Pflegestufe früher

Pflegegrad heute

Pflegegrad 1

Pflegestufe 0

Pflegegrad 1

Pflegestufe 1

Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 2

Pflegestufe 2

Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 3

Pflegestufe 3

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (eingeschränkte Alltagskompetenz, z.B. bei Demenz)

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 (Härtefallregelung)

Pflegegrad 5

Die Pflegestufen: Von 0 bis 3

Genau wie bei den neuen Pflegegraden galten auch bei den Pflegestufen unterschiedliche Abstufungen dazu, den Bedarf des Betroffenen an seinen tatsächlichen Einschränkungen auszurichten. Dafür gab es drei normale Pflegestufen und zusätzlich Pflegestufe „0“ als ergänzende Kategorie für Patienten mit vorhandenem Bedarf ohne körperlich bestimmbare Pflegebedürftigkeit. Demenzkranke wurden häufig mit der Pflegestufe 0 bewertet. Sie war allerdings nur unzureichend geeignet, den tatsächlichen Bedarf der Betroffenen abzubilden.

Erst mit Anerkennung einer regulären Pflegestufe (1-3) hatten Betroffene Anspruch auf finanzielle Zuwendungen für die Erbringung von Pflegeleistungen. Dabei wurde auch berücksichtigt, ob der oder die Betroffene in einem Pflegeheim oder zuhause von Angehörigen, Freunden oder Bekannten gepflegt wurde. Der wirksame Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse war an unterschiedliche Voraussetzungen gebunden:

  • Pflegestufe 0: Pflegestufe 0 stellte keine reguläre Pflegestufe dar. Sie diente vielmehr dazu, eine ergänzende Zuordnung für Menschen mit Einschränkungen vorzunehmen, die Leistungen zur häuslichen Pflege in Anspruch nehmen mussten, ohne dass sie einen hinreichenden Anspruch auf körperliche Pflegebedürftigkeit geltend machen konnten.
  • Pflegestufe 1: Erhebliche Pflegebedürftigkeit. Betroffene, die Pflegestufe 1 erhielten, konnten sich darauf berufen, dass in ihrem Fall „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ festgestellt wurde, für die mindestens 90 Minuten tägliche Unterstützungszeit ebenso eingerechnet werden mussten wie zusätzliche Dienste zur Unterstützung im häuslichen Umfeld.
  • Pflegestufe 2: Schwerpflegebedürftigkeit. Pflegestufe 2 betraf Menschen, denen eine „schwere Pflegebedürftigkeit“ attestiert wurde. Wenigstens 180 Minuten Zeitaufwand mussten geleistet werden, um Betroffene in den Stand zu versetzen, ihren Alltag zu bewältigen. Auch hier galten weitere haushaltsnahe Leistungen, die mehrmals wöchentlich erfolgen mussten als unverzichtbar.
  • Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftigkeit. Wer „schwerste Pflegebedürftigkeit“ nachweisen konnte, wurde mit der Pflegestufe 3 anspruchsberechtigt. Mehr als 300 Minuten Betreuungsaufwand waren ebenso Voraussetzung wie die Notwendigkeit von Haushaltsdienstleistungen. Über eine zusätzliche Härtefallregelung konnte darüber hinaus eine tägliche Rund-um-die-Uhr-Pflege (24-Stunden-Pflege) beantragt werden.

Seit 2017: Neue Pflegegrade

Seit 2017 gelten die neuen Pflegegrade. Sie sind Teil des mit der Pflegereform 2017 verabschiedeten Maßnahmenpakets zur Stärkung der Pflege. Dazu wurde das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) verabschiedet, das die bis dato weitreichendste Reform der Pflegeversicherung. Ziel war es den Aufwand von Pflegeleistungen von der zeitlichen Bemessung zu entkoppeln und ihn stattdessen über die tatsächliche Pflegebedürftigkeit des Betroffenen zu definieren. Zu diesem Zweck wurde die Begutachtung neu geordnet, Sie rückt seither nicht mehr die Hilfebedürftigkeit des Patienten in den Mittelpunkt, sondern den die verbliebene Selbstständigkeit des Betroffenen. Im selben Zuge wurden die Pflegestufen in fünf neue Pflegegrade überführt. Wer bereits zuvor eine anerkannte Pflegestufe vorweisen konnte, musste seine Pflegebedürftigkeit nicht erneut nachweisen. Erst Neuantragssteller seit dem 1.1.2017 werden im Rahmen des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) gutachterlich untersucht.