Pflichtteilsanspruch - was ist das?

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Pflichtteilsanspruch haben nahe Angehörige, die pflichtteilsberechtigt sind und einen gültigen Anspruch haben
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Der Anspruch auf Pflichtteil kann verjähren - wir verraten Ihnen die Fristen!

Was ist der Pflichtteilsanspruch?

Als Pflichtteil wird eine Mindestbeteiligung am Erbe bezeichnet, die auch im Fall der Enterbung ausgezahlt werden muss. Um den Pflichtteilsanspruch geltend zu machen, müssen Sie ein naher Angehöriger des Erblassers und damit pflichtteilsberechtigt sein sowie einen gültigen Anspruch, ähnlich der gesetzlichen Erbfolge, haben. Der Pflichtteilsanspruch bestimmt gleichzeitig, wer von den pflichtteilsberechtigten Verwandten vorrangig Anspruch auf den Pflichtteil hat.

Ausführliche Informationen zur gesetzlichen Erbfolge bekommen Sie zudem im Afilio-Ratgeber – dort finden Sie außerdem Wissenswertes rund um Pflege, Vorsorge und Erbrecht.

Minderung des Pflichtteilsanspruchs durch Schenkung

Gemäß Erbrecht steht nahen Verwandten also ein Pflichtteilsrecht zu – Erblasser können jedoch den Pflichtteilsanspruch einzelner Personen schmälern. Die häufigste Methode ist hierbei die Schenkung an Dritte, um die Erbmasse zu Lebzeiten zu mindern.

Wann entfällt der Pflichtteilsanspruch?

Der Pflichtteilsanspruch entfällt, wenn Erblasser und Erben einen Pflichtteilsverzicht vertraglich vereinbart haben. Dies ist meist im Rahmen eines Berliner Testaments der Fall, in dem sich Ehegatten gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Mit einer Pflichtteilsverzichtserklärung erklären die Angehörigen, dass sie nicht auf die Auszahlung des Pflichtteils bestehen. Der Verzicht auf den Pflichtteil ändert jedoch nichts an der Erbfolge; die Angehörigen bleiben trotzdem gesetzliche Erben.

Wann entsteht Pflichtteilsanspruch?

Erblasser sind völlig frei in der Gestaltung von Testament oder Erbvertrag und entscheiden dementsprechend selbst, wem sie ihren Erblass vermachen möchten. Auch wenn Erblasser im Testament Angehörige enterben oder ihnen einen zu geringen Erbteil zusprechen, können diese ihren rechtmäßigen Pflichtteil einfordern.Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

-         Die Angehörigen sind pflichtteilsberechtigt,

-         anspruchsberechtigt

-         und der Pflichtteilsanspruch ist nicht verjährt.

Wer hat Pflichtteilsanspruch?

Wer Pflichtteilsanspruch hat, regelt § 2303 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Einen Anspruch auf den Pflichtteil vom Erbe haben folgende Personen:

-         Nachkommen des Erblassers: Kinder, Enkel und Urenkel – einschließlich außerehelicher und adoptierter Kinder,

-         Ehegatten und eingetragene Lebenspartner sowie

-         Eltern des Verstorbenen.

Pflichtteilsberechtigte Personen haben aber nicht zwingend auch Pflichtteilsanspruch, denn die Rangfolge der Anspruchsberechtigten wird durch die Erbfolge geregelt, wobei Kinder, Ehepartner und eingetragene Lebenspartner ausnahmslos Pflichtteilsanspruch genießen. Enkel und Urenkel haben erst nach dem Tod der Kinder des Erblassers Anspruch auf den Pflichtteil,Eltern haben Pflichtteilsanspruch insofern es keine Kinder, Ehegatten oder Lebenspartner des Erblassers gibt.

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Wann verfällt der Pflichtteilsanspruch? Achtung, Verjährung!

Die letzte Hürde zum Pflichtteilsanspruch ist die Verjährung: Pflichtteilsberechtigte Personen mit Pflichtteilsanspruch haben nach Kenntnis über den Erbfall nach §§ 195 und 199 BGB drei Jahre Zeit, den Pflichtteil einzufordern. Berechtigte haben in diesem Zeitraum die Möglichkeit, den Anspruch anzumelden – ist diese Frist verstrichen, verfällt der Anspruch auf den Pflichtteil. Die Frist beginnt mit Ende des kalendarischen Todesjahres des Erblassers. Auch wenn ein Berechtigter erst später vom Erbfall erfährt, gilt das Ende des Jahres als dreijährigen Fristbeginn.

Pflichtteilsanspruch der Erben – welcher Pflichtteil steht mir zu?

Für die Berechnung der Höhe des Pflichtteils wird die gesetzliche Erbquote ermittelt und halbiert. Steht einem Kind laut gesetzlicher Erbfolge beispielsweise 50% des Erbes zu, beträgt der Pflichtteilsanspruch gemäß Erbrecht 25%.

-         Pflichtteilsanspruch der Eltern

  25 %, bei kinderlosen und verheirateten Erblassern

  50 % bei kinderlosen und unverheirateten Erblassern

-         Pflichtteilsanspruch der Geschwister

Sind die Eltern noch am Leben, bekommen die Geschwister gemäß der Rangordnung nichts vom Erblass. Lebt nur noch ein Elternteil, wird der Anteil des bereits verstorbenen Elternteils unter den Geschwistern zu gleichen Teilen verteilt. Bei zwei Geschwistern entspricht das 25 Prozent der Erbmasse. Sind beide Elternteile nicht mehr am Leben, fällt der Erblass vollständig den Geschwistern zu.

-         Pflichtteilsanspruch der Ehegatten

Ehegatten sind nicht in der gesetzlichen Erbfolge verankert, da sie nicht dem Erblasser verwandt sind, haben aber eine Sonderstellung. Ehegatten haben unabhängig davon, ob es Erben erster oder zweiter Ordnung gib, Pflichtteilsanspruch an der Hälfte der Erbquote, die von der Anzahl der Abkömmlinge beeinflusst wird. Ein weiterer Einflussfaktor auf den Pflichtteil der Ehegatten, ist der Güterstand, in dem die Eheleute zusammenlebten. Ausführliche Informationen hierzu bekommen Sie im Artikel „Erbschaft: Was erbt der Partner?“

Unser Tipp: Lesen Sie in unserem Lexikon Interessantes rund um die Pflichtteilsstrafklausel, die häufig im Berliner Testament Anwendung findet.