Tagespflege: Alternative Betreuung ohne Pflegeheim
Was macht die Tagespflege?
  • Die Tagespflege dient dazu, Pflegebedürftige tagsüber fachgerecht zu betreuen, wenn Angehörige oder Vertrauens­personen dafür keine Zeit haben.
  • Sie ist damit auch eine attraktive Alternative zur stationären Unterbringung eines Betroffenen in einem Pflegeheim: Angehörige und Pflegebedürftige entscheiden gemeinsam, in welchem Umfang das Angebot der Tagespflege genutzt wird

Tagespflege: Alternative Betreuung ohne Pflegeheim

Welche Leistungen der Tagespflege übernimmt die Pflegekasse? Diese und weitere Fragen klären wir in unserem Lexikon.

Berufstätige, die nicht nur Beruf und Familie miteinander vereinbaren müssen, sondern darüber hinaus die Pflege eines Angehörigen zu leisten haben, sind großen Belastungen ausgesetzt. Eine Tagespflege kann pflegende Angehörige entlasten, indem sie die Betreuung betreuungsbedürftiger Personen für einen festgelegten Tageszeitabschnitt übernimmt. Leistungen der Tagespflege stehen Versicherten ab Pflegegrad 2 zu, Menschen mit Pflegegrad 1 können jedoch den monatlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro für Leistungen der Tagespflege verwenden. Übersteigen die Kosten die dafür vorgesehenen Mittel der Pflegekasse, kann Tagespflege auch mit Pflegegeld oder im Rahmen der Verhinderungspflege finanziert werden.

Senioren tanzen in der Einrichtung für Tagespflege.
Die Tagespflege bietet Pflegebedürftigen auch Freizeitbeschäftigungen an.

Die Tages- und Nachtpflege ist eine Alternative zur stationären Unterbringung im Pflegeheim: Je nach Bedarf wird der Betroffene morgens von einem Fahrdienst abgeholt, tagsüber betreut und abends wieder nach Hause gebracht. Er hat auf diese Weise Kontakt zu anderen Menschen, nimmt seine Mahlzeiten in Gesellschaft ein und kann Beschäftigungsangebote wahrnehmen. Neben Versorgung und angemessener Unterhaltung übernimmt das Fachpersonal der Tagespflege außerdem die Medikamentengabe (notwendigenfalls auch weitere Leistungen der Grundpflege) und leistet Hilfe bei Arztgängen.
Je nach vereinbartem Leistungsumfang sind verschiedene Zeitfenster für die reguläre Umsetzung einer teilstationären Betreuung in einer Tagespflege denkbar, etwa eine einfache Mittagszeitbetreuung, eine stundenweise Betreuung an normalen Wochentagen oder eine gezielte Wochenendbetreuung zur Entlastung der pflegenden Angehörigen, die unter der Woche die reguläre Pflege erbringen.

Leistungen der Tagespflege im Überblick

Diese Leistungen werden üblicherweise im Rahmen der Tagespflege erbracht:

  • Betreuung von Pflegebedürftigen in Kleingruppen von 10 bis 12 Personen für einige Stunden pro Tag oder an mehreren Tage in der Woche
  • Zubereitung und ggf. Verabreichen von Mahlzeiten
  • Grundpflege, wie beispielsweise Unterstützung beim Essen
  • Behandlungspflege, wie zum Beispiel die Gabe von Medikamenten
  • Gestaltung von Freizeitangeboten zur körperlichen und geistigen Fitness
  • Fahrdienst (kein Pflichtangebot, aber häufig gang und gäbe)

Tagespflege – wer zahlt?

Nach SGB XI haben "Pflegebedürftige […] Anspruch auf teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege, wenn häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder wenn dies zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist. Die teilstationäre Pflege umfasst auch die notwendige Beförderung des Pflegebedürftigen von der Wohnung zur Einrichtung der Tagespflege oder der Nachtpflege und zurück." (§ 41 SGB XI)

So übernimmt die Pflegekasse für die Betreuungsleistungen teilstationärer Pflege je Kalendermonat folgende Gesamtkosten:

  • Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf einen monatlichen Zuschuss in Höhe von bis zu 689 Euro.
  • Versicherte mit Pflegegrad 3 erhalten Leistungen bis zu einem Gesamtwert von 1298 Euro monatlich.
  • Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 haben Anspruch auf monatliche Zuwendungen in Höhe von maximal 1612 €.
  • Versicherte mit anerkanntem Pflegegrad 5 erhalten von der Pflegekassen für die teilstationäre Pflege bis zu 1995 € Zuschuss.

Gut zu wissen: Versicherte mit Pflegegrad 2 bis 5 können zusätzlich ambulante Pflegesachleistungen, Pflegegeld oder eine Verbindung beider Leistungen als Kombinationsleistung nach § 38 nutzen, ohne dass die Ansprüche aus teilstationären Tages- oder Nachtpflegeleistungen darauf angerechnet werden.

Welcher Pflegegrad ist für Tagespflege notwendig?

Ab Pflegegrad 2 haben Betroffene grundsätzlich Anspruch auf Erstattung der grundlegenden Leistung teilstationärer Tagespflege. Versicherte mit Pflegegrad 1 haben zwar keinen Anspruch auf die Erstattung dieser Leistungen, haben alternativ jedoch die Möglichkeit, den ihnen zustehenden Entlastungsbeitrag zu beantragen. Der Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 Euro pro Monat kann für die Kosten einer Tagespflegeeinrichtung eingesetzt werden, auch wenn die Kosten damit nicht vollständig gedeckt werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Um Anspruch auf Tagespflege zu haben, müssen Pflegebedürftige eine oder mehrere der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Versicherten sind tagsüber allein und befinden sich bereits in einem hohen Alter.
  • Die Senioren sind körperlich nicht in der Lage, ihren Alltag selbständig zu meistern.
  • Der oder die betroffene Person leidet unter kognitiven Beeinträchtigungen, etwa wenn sie z.B. an Demenz erkrankt ist.
  • Die betreute Person kann sich nicht mehr selbständig mit ausreichend Flüssigkeit und Nahrung versorgen.
  • Senioren, die in der Tagespflege betreut werden sollen, müssen mobil sein, da Bettlägerige nicht transportfähig sind und Fahrtwege bei teilstationärer Pflege häufig nicht meistern.

Wie und wo kann ich Tagespflege beantragen?

  • Hat eine betroffene Person noch keinen Pflegegrad, dann ist der erste Schritt ein Antrag auf Pflegeleistungen bei der zuständigen Pflegekasse. Sie ist üblicherweise bei der eigenen Krankenkasse angesiedelt. Voraussetzung für den Bezug angemessener Mittel für die Tagespflege ist wenigstens Pflegegrad 2.
  • Hat der oder die Betroffene bislang “nur” Pflegegrad 1, dann sollten Sie ebenfalls Antrag auf Erhöhung des Pflegegrads stellen. Denn ist eine Person tagsüber bereits betreuungsbedürftig, sind üblicherweise auch die Voraussetzungen für einen höheren Pflegegrad gegeben.
  • Ist ein geeigneter Pflegegrad bereits gegeben, dann wenden Sie sich ebenfalls an Ihre zuständige Pflegekasse, sie hält üblicherweise nicht nur Adressen mit geeigneten Einrichtungen in der Nähe vor, in manchen Fällen ist es auch so, dass die Pflegeversicherung entsprechende Rahmenverträge mit Trägern von Tagespflegeeinrichtungen geschlossen hat, die ein Erstzugriffsrecht auf die Erbringung von Leistungen der Tagespflege haben.
  • Betreuungsbedürftige Personen ab Pflegegrad 2 können Leistungen der Tagespflege grundsätzlich von Ihrer Versicherung in Anspruch nehmen - auch wenn sie nur im dafür finanziell vorgesehenen Rahmen in beansprucht werden sollen, ohne dass zusätzlich Mittel aus dem Pflegegeld oder der Pflegesachleistung dafür aufgebracht werden sollen.
  • Auch sog. “anerkannte Unterstützungsangebote im Alltag” können auf diese Weise genutzt werden.