Teilhabe: Aktiv an der Gemeinschaft teilnehmen
Teilhabe: Das Recht teilzunehmen
  • Jeder Mensch hat das Recht am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Was für gesunde Menschen selbstverständlich ist, stellt Menschen mit Behinderungen, Senioren, in Armut Lebende, Arbeitslose und psychisch Kranke vor Probleme.
  • Gesetze und finanzielle Leistungen für Betroffene tragen zu mehr Teilhabe bei.

Teilhabe: Aktiv an der Gemeinschaft teilnehmen

Teilhabe ist das Recht aller Menschen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Afilio erklärt, warum Teilhabe so wichtig ist und welche Regelungen es gibt.

Was ist Teilhabe?

Wird von Teilhabe (vereinzelt auch Partizipation) gesprochen, geht es um das Recht jedes Menschen, am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Die Weltgesundheitsorganisation hat den Begriff im Jahr 2011 als das „Einbezogensein in eine Lebenssituation“ definiert. Damit bildet die Teilhabe die Grundlage für jeden Menschen, selbst Entscheidungen über seine Wohnsituation, sein Arbeitsleben und seine Freizeitgestaltung zu treffen. Wer aufgrund von Einschränkungen nicht selbstständig leben kann und auf Hilfen angewiesen ist, soll im Rahmen der Teilhabe die Möglichkeit haben, an der Gestaltung seines Lebens im größtmöglichen Rahmen mitzuwirken. Ziel der Teilhabe ist es somit auch, allen Menschen den gleichen Zugang zu Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur zu ermöglichen.

Welche Gesetze gibt es zur Teilhabe?

Gesetzlich verankert ist die Teilhabe im Sozialgesetzbuch (SGB), z. B. im Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung, kurz Bundesteilhabegesetz. Das Gesetz wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMAS vorgelegt und trat 2017 in Kraft. Folgende Gesetze gibt es zur Teilhabe:

Gesetzespaket

Gesetzbuch

Zielgruppe

Inkrafttreten

Bundesteilhabegesetz

SGB IX

Menschen mit Behinderung

  1. Juli 2017 (Stufe 1), 2018 (Stufe 2), 2020 (Stufe 3), 2023 (Stufe 4)

Teilhabechancengesetz

SGB II §16i und §16e

arbeitslose Menschen

  1. Januar 2019

Bildungs- und Teilhabepaket

SGB II §28

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Familien mit geringem Einkommen

  1. April 2011

Warum ist Teilhabe wichtig?

Teilhabe ist ein Menschenrecht. Zugleich gibt es immer mehr Menschen, die nicht uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Denn Barrieren bestehen für Menschen mit Behinderungen, Senioren, psychisch Erkrankte, Arbeitslose und Personen, die von Armut betroffen sind. Auch ihre Herkunft oder ihr Geschlecht schränkt viele Menschen in der gesellschaftlichen Teilhabe ein. Oftmals wird diesen Menschen das Leben zusätzlich durch Diskriminierung erschwert. Um jedem ein selbstbestimmtes Leben und die Teilnahme an der Gemeinschaft zu ermöglichen, müssen Hindernisse abgebaut werden und entsprechende Regelungen bestehen.

In welchen Bereichen muss Teilhabe geregelt sein

Arbeit, Theaterbesuch, Studium und Wahl: Was für die meisten von uns selbstverständlich ist, stellt Menschen, die in irgendeiner Weise eingeschränkt sind, oftmals vor Herausforderungen. In vielen Lebensbereichen lauern Barrieren, durch die sich Menschen ausgeschlossen fühlen. Dementsprechend müssen in Bildung und Wissenschaft, in der Wirtschaft, der Politik und dem allgemeinen gesellschaftlichen Leben entsprechende Regelungen gelten, die allen die gleiche Teilhabe ermöglichen. Das bezieht sich zum Beispiel auf die Barrierefreiheit in öffentlichen Einrichtungen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch auch der Zugang zu barrierefreien Inhalten, wie Informationstexten, trägt zu mehr Teilhabe bei. Dazu können Vorlese-Funktionen bei Online-Texten und in der digitalen Suche, aber auch Leichte Sprache beitragen. Die Leichte Sprache ist eine vereinfachte Form des Deutschen, die es Menschen mit Behinderungen oder Leseschwächen ermöglicht, den Inhalt eines Textes und komplexe Themen leichter zu verstehen. Sie vereinfacht Lehrmaterialien, Veranstaltungsbeschreibungen oder Gesetzestexte. Ministerien, wie das BMAS, und auch die Bundesregierung bieten aktuelle Themen, Publikationen und Gesetze auf ihrer Seite bereits in Leichter Sprache an.

Erschwerte Teilhabe: Rollstuhlfahrerin vor Treppen
Zur Teilhabe gehört auch, dass sich Menschen mit Behinderungen frei bewegen können. Dazu müssen Barrieren verschiedener Art abgebaut werden.

Teilhabe für Menschen mit Behinderungen

Behinderte Menschen sehen sich in vielen Bereichen mit einer erschwerten Teilhabe konfrontiert. Aus diesem Grund regelt das Bundesteilhabegesetz unterstützende Maßnahmen. Betroffene können beispielsweise finanzielle Unterstützung zur Förderung der Teilhabe beantragen, die über die Leistungen der Sozialhilfe hinausgehen. Ein weiterer Bestandteil ist die Berechtigung, selbst über Themen wie das Arbeitsleben oder die Betreuung zu entscheiden. Um das zu vereinfachen, sieht das Bundesteilhabegesetz einen Abbau bürokratischer Hürden vor. So zahlen Krankenkassen und Berufsgenossenschaften ihre Leistungen ohne vorherige Bedürftigkeitsprüfung. Weitere Regelungen betreffen Themen wie die Finanzierung des Lebensunterhalts und den Vermögensaufbau.

Tipp: Wer für den Fall, dass er durch einen Unfall, durch Krankheit oder im Alter betreut werden muss, vorsorgen möchte, kann das mit einer Betreuungsverfügung tun. Bei Afilio gibt es nicht nur die Betreuungsverfügung als Muster, sondern Interessenten haben auch die Möglichkeit, ihre Verfügung schnell und einfach zu erstellen.

Welche Leistungen zur Teilhabe gibt es?

Wer mit einer Behinderung lebt, kann finanzielle Hilfen zur Teilhabe in Anspruch nehmen. Diese sind im SGB IX geregelt und in fünf Gruppen unterteilt. Weitere Informationen dazu, wo die entsprechende Förderung beantragt werden kann, bekommen Betroffene auf der Informationsseite des BMAS.

Die Leistungen zur Teilhabe verteilen sich auf fünf Leistungsgruppen:

1. Leistungen zur medizinischen Rehabilitation

2. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA)

3. Unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen

4. Leistungen zur Teilhabe an Bildung

5. Leistungen zur sozialen Teilhabe

Teilhabe für Senioren

Ältere Menschen sind kognitiv und körperlich oft nicht mehr dazu in der Lage, wie gewohnt am sozialen Leben teilzunehmen. Die Folge können Einsamkeit und Altersdepressionen sein. Eine Lösung besteht min der Förderung der sozialen Teilhabe. Sozialträger, Vereine und Verbände bieten Senioren verschiedene Möglichkeiten, auch im Alter aktiv an der Gemeinschaft teilzuhaben. Eine Voraussetzung, um solche Angebote wahrnehmen zu können, ist Mobilität über öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrdienste für stark eingeschränkte Personen.
Auch in der Pflege und Betreuung muss Teilhabe bestehen, damit sich Senioren angenommen, gleichberechtigt und respektiert fühlen. Sowohl in der Seniorenresidenz als auch in der häuslichen Pflege sollten Pflegende die Ideen und Bedürfnisse von Senioren ernstnehmen. Dazu gehört es auch, ihnen die Gestaltung ihres Lebensraumes und Alltags zu überlassen und sie in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe zu fördern und zu fordern.

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