Verhinderungspflege: Vertretung für pflegende Angehörige
Verhinderungspflege: Entlastung für die Pflegeperson
  • Die Verhinderungspflege wird auch Ersatzpflege genannt – es handelt sich um eine Urlaubs- oder Krankenvertretung für pflegende Angehörige.
  • Die Pflege­versicherung unterstützt sie mit einem maximalen Zuschuss in Höhe von 1.612 Euro im Jahr. Die Verhinderungspflege steht Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 für maximal 42 Tage im Jahr zu.

Verhinderungspflege: Vertretung für pflegende Angehörige

Die Verhinderungspflege bietet pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, eine Auszeit von der Pflege zu nehmen. Hier finden Sie alle Informationen.

Was ist Verhinderungspflege?

Wer Tag für Tag häusliche Pflege leistet, braucht hin und wieder eine Auszeit: Die Verhinderungspflege ermöglicht es pflegenden Angehörigen, die Pflege für eine betroffene Person auch dann sicherzustellen, wenn sie selbst in den Urlaub fahren, eigene Termine wahrnehmen oder sich für die Pflege weiterbilden. Damit die Verhinderungspflege gewährleistet werden kann, steht Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 ein finanzieller Zuschuss zu. Die Pflegekasse übernimmt pro Kalenderjahr für bis zu sechs Wochen die Kosten der Verhinderungspflege. Maximal 1.612 Euro zahlt sie pflegebedürftigen Personen. Die Ersatzpflege kann von einer angehörigen Pflegeperson geleistet werden, aber auch von Ehrenamtlichen. Finden Angehörige und Betroffene im näheren Umkreis niemanden, der die Verhinderungspflege übernehmen kann, können sie auch einen ambulanten Pflegedienst beauftragen.

Wann kann sie beantragt werden?

Verhinderungspflege kann aus mehreren Gründen beantragt werden. Mögliche Gründe, die von den Pflegekassen zur Leistung von Ersatzpflege anerkannt werden, sind:

  • Erholung von psychischer und physischer Belastung durch die Pflegetätigkeit
  • Krankheit und/oder Reha
  • Urlaub
  • Freizeitaktivitäten (z. B. ein Kino- oder Theaterbesuch)
  • Fortbildungsmaßnahmen (z. B. die Teilnahme an einem Pflegekurs)

Die Angabe eines Grundes ist nicht zwingend, um Verhinderungspflege beantragen zu können, ausschlaggebend sind andere Voraussetzungen:

  • Die pflegebedürftige Person muss zu Hause gepflegt werden – und das seit mindestens sechs Monaten. Dieser Zeitraum wird auch als Vorauspflege bezeichnet.
  • Der oder die Pflegebedürftige muss einen anerkannten Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 vorweisen können.

Gut zu wissen: Verhinderungspflege kann nur beantragt werden, wenn die Pflege im Alltag tatsächlich von Angehörigen geleistet wird. Sie wird nicht bewilligt, wenn die Leistungen der Pflege im Normalfall ausschließlich von einem ambulanten Pflegedienst erbracht werden.

Verhinderungspflege: Ein alter Mann im Rollstuhl ist von zwei jüngeren Frauen umgeben.
Gut im Ernstfall: Verhinderungspflege kann auch von bekannten Privatpersonen geleistet werden.

Wie lange kann ich Verhinderungspflege in Anspruch nehmen?

Verhinderungspflege kann maximal für sechs Wochen im Jahr beansprucht werden und dabei auch Aufgaben einer 24-Stunden-Pflege übernehmen. Angesichts des derzeitigen Pflegenotstands bedienen sich immer mehr Betroffene dabei auch ausländischer Pflegekräfte – nicht selten unter dem Oberbegriff „polnische Pflegekräfte“. Verhinderungspflege muss nicht am Stück in Anspruch genommen werden, entsprechende Pflegekräfte können auch stundenweise beschäftigt werden. Wichtig ist, dass die Pflegezeit für eine einzelne Pflegeperson acht Stunden pro Tag nicht übersteigt.

Wie hoch ist der Erstattungsbetrag?

Betroffene ab Pflegegrad 2 können sich bis zu 1.612 Euro im Jahr für Verhinderungspflege erstatten lassen. Übernimmt ein Verwandter bis zum 2. Verwandtschaftsgrad die Ersatzpflege, wird die Kostenerstattung auf das 1,5-fache Pflegegeld beschränkt. Das gilt auch für Personen, die ohnehin mit dem Pflegebedürftigen in einem Haushalt leben. Möglich ist es dann, einen etwaigen Verdienstausfall oder auch Fahrtkosten für Arztbesuche oder Besorgungen für die gepflegte Person geltend zu machen. Doch auch dann gilt der Höchstbetrag von 1.612 Euro.

Welche Kosten werden erstattet?

Verhinderungspflege ist als Ersatzmaßnahme nicht auf Dienstleistungen professioneller Anbieter angewiesen. Sie kann auch von Privatpersonen, wie Bekannten oder Ehrenamtlichen ausgeübt werden. Regulär können folgende Kosten gegenüber der Pflegekasse geltend gemacht werden:

  • Kosten für Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst
  • Kosten für die zeitweise Unterbringung in einer stationären Pflegeeinrichtung oder einem Pflegeheim
  • Kosten für die Leistung der Ersatzpflegeperson
  • Fahrtkosten (bei ersatzweise pflegenden Privatpersonen)
  • Verdienstausfall (bei ersatzweise pflegenden Privatpersonen)
Wer kommt als Ersatzpfleger in Frage?

Grundlegende Voraussetzung für die Eignung pflegender Personen ist ihre physische wie psychische Gesundheit. Bei der Abrechnung der Pflegeleistung wird zwischen nahen und entfernten Verwandten sowie externen Pflegedienstleistern unterschieden. Folgende Personen und Einrichtungen dürfen Verhinderungspflege übernehmen:

  • karitative Einrichtungen
  • ambulante Pflegedienste
  • Tagespflegeeinrichtungen
  • Pflegefachkräfte
  • Haushaltshelfer
  • entfernte Verwandte
  • Freunde
  • ehrenamtliche Pfleger

Wie kann ich Verhinderungspflege beantragen?

Leistungen zur Verhinderungspflege können bei der Pflegeversicherung beantragt werden. Ein Anspruch auf Verhinderungspflege besteht, wenn die Versorgung eines Pflegebedürftigen mit mindestens Pflegegrad 2 über einen bestimmten Zeitraum nicht von einer festen Pflegeperson gewährleistet werden kann. Da eine solche Situation auch kurzfristig eintreten kann, etwa wenn die Pflegeperson erkrankt, kann Verhinderungspflege auch ohne einen Antrag in Anspruch genommen werden.

Wie wird Verhinderungspflege abgerechnet?

Es genügt, wenn Betroffene die Ausgaben für Leistungen der Verhinderungspflege mit Belegen dokumentieren und mit dem entsprechenden Antrag rückwirkend bei der Pflegeversicherung einreichen. Pflegebedürftige und/oder Angehörige sollten zum Einreichen des Belegs ein standardisiertes Formular der Pflegekasse nutzen. Formular und Beleg werden gemeinsam mit dem Antrag auf Verhinderungspflege per Post bei der Pflegekasse eingereicht. Sinnvoll ist es, von jedem Antrag und den zugehörigen Belegen eine Kopie für die eigenen Unterlagen anzufertigen. Ein Pflegetagebuch mit Zeiten und Zuständigkeiten ist ebenfalls zu empfehlen. Bei der Beantragung gelten darüber hinaus Verjährungsfristen. Diese betragen bei Sozialleistungen, zu denen die Verhinderungspflege gehört, vier Jahre. So lange kann die Kostenübernahme rückwirkend beantragt werden. Sämtliche gesetzlichen Vorschriften für Verhinderungspflege sind in § 39 SGB XI geregelt.

Verhinderungspflege: Pflegerin hilft Seniorin beim Spaziergang
Verhinderungspflege stellt sicher, dass pflegebedürftige Menschen auch dann optimal versorgt sind, wenn der pflegende Angehörige erkrankt oder in den Urlaub fährt.

Wird während der Verhinderungspflege weiterhin Pflegegeld bezahlt?

Wer die Unterstützung der Pflegeversicherung für die Verhinderungspflege in Anspruch nimmt, verliert nicht seinen Anspruch auf Pflegegeld. Dieses wird weiterhin gezahlt, allerdings nicht immer in voller Höhe. Ist die Pflegeperson nur stundenweise und weniger als 8 Stunden am Tag verhindert, wird das Pflegegeld weiterhin voll bezahlt. Fällt die Pflegeperson hingegen für einen längeren Zeitraum aus, zahlt die Pflegekasse nur ein Pflegegeld in Höhe von 50 Prozent der bisher bezogenen Leistungen.

Was ist der Unterschied zwischen Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege?

Versicherte können innerhalb eines Kalenderjahres Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Beide Versorgungsansprüche bestehen unabhängig voneinander und unterstützen bei der Pflege in unterschiedlichen Fällen:

  • Verhinderungspflege dient dazu, die Pflege im gewohnten Umfeld des Betroffenen fortzusetzen, wenn der hauptsächlich pflegende Angehörige aufgrund von Urlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen stundenweise oder für mehrere Tage ausfällt.
  • Kurzzeitpflege erfolgt in der Regel in einer stationären Einrichtung oder Tagespflegeeinrichtung. Die Kurzzeitpflege kommt nicht nur zum Einsatz, wenn die pflegende Person ausfällt, sondern auch, wenn Betroffene stationär gepflegt werden müssen, z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt.

Gut zu wissen: Der halbe Leistungsanspruch für die Kurzzeitpflege kann auch für die Verhinderungspflege genutzt werden. Damit stehen zusätzlich bis zu 806 Euro pro Kalenderjahr für die Pflege zur Verfügung. Wer die Leistungen kombiniert, bekommt somit bis zu 2.418 Euro für die Zeit der Verhinderungspflege. Übrigens funktioniert das auch andersherum: Wer seine Verhinderungspflege nicht voll nutzt, kann den Rest des Geldes in die Kurzzeitpflege investieren.

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