Verhinderungspflege: Urlaubsvertretung für Angehörige
Verhinderungspflege: Entlastung für die Pflegeperson
  • Die Verhinderungspflege wird auch als Ersatzpflege bezeichnet, denn es handelt sich um eine Urlaubs- oder Krankenvertretung für pflegende Privatpersonen
  • Sie wird mit maximal 1612 Euro Pflegegeld bezuschusst und steht Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 für sechs Wochen jährlich zu

Verhinderungspflege: Urlaubsvertretung für Angehörige

Erfahren Sie bei uns, welche Voraussetzungen für die Verhinderungspflege gelten und welche Leistungen Sie zur Abrechnung geltend machen können.

Was ist Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege dient dazu, pflegende Angehörige zu entlasten und um sicherzustellen, dass fachgerechte Pflege eines Betroffenen geleistet wird, wenn die eigentliche Pflegeperson vorübergehend erkrankt. Die Verhinderungspflege wird demzufolge häufig auch als Ersatzpflege bezeichnet, da es sich um eine Urlaubs- oder Krankenvertretung handelt. Die Pflegekasse übernimmt pro Kalenderjahr für bis zu sechs Wochen die Kosten der Verhinderungspflege. Sie wird mit maximal 1612 Euro bezuschusst und steht Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 zu, zuvor muss nachweislich mindestens über einen Zeitraum von einem halben Jahr häusliche Pflege geleistet worden sein.

Wie lang kann ich Verhinderungspflege in Anspruch nehmen?

Betroffene erhalten für einen Zeitraum von maximal sechs Wochen im Jahr pflegerische Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte oder andere für die Pflege geeignete Personen. Die Pflegebedürftigen erhalten für diesen Zeitraum Ersatzpflege. Die Verhinderungspflege übernimmt häufig dabei die Aufgaben einer 24-Stunden-Pflege. Angesichts des derzeitigen Pflegenotstands bedienen sich immer mehr Betroffene auch ausländischer Pflegekräfte (nicht selten unter dem Oberbegriff “polnische Pflegekräfte”).

Gut zu wissen: Die Verhinderungspflege muss nicht am Stück in Anspruch genommen werden, professionelle Pflegekräfte können stundenweise beschäftigt werden. Wichtig ist nur, dass die Pflegezeit nicht acht Stunden pro Tag übersteigt.

Gründe für Verhinderungspflege

  • Zur Erholung von psychischer und physischer Belastung durch die Pflegetätigkeit
  • Bei fehlender Kapazität durch hohes Arbeitspensum oder bei der Planung von häuslicher 24-Stunden-Pflege
  • Erkrankung der Pflegeperson

Wo kann ich Verhinderungspflege beantragen?

Leistungen zur Verhinderungspflege können bei der Pflegekasse beantragt werden. Ein Anspruch auf Verhinderungspflege besteht, wenn die Versorgung eines Pflegebedürftigen nicht länger hinreichend gewährleistet werden kann. Da eine solche Situation auch kurzfristig eintreten kann, etwa wenn die Pflegeperson erkrankt, ist es nicht nötig, für die Verhinderungspflege im Vorfeld einen Antrag einzureichen. Es genügt, wenn Ausgaben für Verhinderungspflege per Beleg dokumentiert und rückwirkend bei der Pflegeversicherung eingereicht werden. Für die Erstattung selbst allerdings ist dann ein Antrag notwendig.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein?

Der oder die Pflegebedürftige muss einen anerkannten Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 nachweisen können, vor der erstmaligen Beantragung von Verhinderungspflege muss seit mindestens sechs Monaten häusliche Pflege geleistet worden sein. Regulär sollte Verhinderungspflege nicht durch verwandte oder verschwägerte Personen bis zum zweiten Grad übernommen werden. Auch ist für den Regelfall vorgesehen, dass die Pflegekraft nicht im selben Haushalt wie der Pflegebedürftige wohnt. Während der Dauer der Verhinderungspflege erhält der Pflegebedürftige dann weiterhin die Hälfte des monatlichen Pflegegelds. Auch die Beiträge für Renten- und Arbeitslosenversicherung werden weiterhin übernommen.

Muss die Verhinderungspflege dennoch von nahen Angehörigen oder anderen Personen geleistet werden, die mit dem Betroffenen in häuslicher Gemeinschaft leben, dann darf die Pflege nicht gewerbsmäßig erfolgen. Maximal werden in diesem Fall Mittel bis zum 1,5-fachen vom Pflegegeld des Betroffenen bewilligt. Auch wenn darüber hinausgehende zusätzliche Aufwendungen belegt werden können, werden nur Mittel bis zum zulässigen Höchstbetrag von 1612€ insgesamt erstattet.

Was viele nicht wissen: Die Hälfte der Mittel aus dem Leistungsanspruch für Kurzzeitpflege kann auf die Verhinderungspflege angerechnet werden. Damit stehen zusätzlich bis zu 806 Euro Verhinderungspflegegeld zur Verfügung – also insgesamt 2418 Euro für Verhinderungspflege pro Kalenderjahr.

Kann die Kostenübernahme rückwirkend beantragt werden?

Grundsätzlich können Leistungen der Verhinderungspflege auch rückwirkend beantragt werden, dabei werden aber nur diejenigen Kosten von der Kasse übernommen, die per Beleg nachgewiesen werden. Sinnvoll ist auch ein Pflegetagebuch mit Zeiten und Zuständigkeiten. Bei der Beantragung gelten darüber hinaus Verjährungsfristen für Sozialleistungen von vier Jahren – so lange kann die Kostenübernahme rückwirkend beantragt werden. Sämtliche gesetzlichen Vorschriften für Verhinderungspflege sind in § 39 SGB XI geregelt.

Wer kann Verhinderungspflege leisten?

Grundlegende Voraussetzung für die Eignung pflegende Personen ist die physische wie psychische Gesundheit. Bei der Abrechnung der Pflegeleistung wird zwischen nahen und weitläufigen Verwandten sowie externen Pflegedienstleistern unterschieden. Folgende Personen und Einrichtungen dürfen Verhinderungspflege übernehmen:

  • karitative Einrichtungen
  • ambulante Pflegedienste
  • Tagespflegeeinrichtungen
  • Pflegefachkräfte
  • Haushaltshelfer
  • entfernte Verwandte
  • Freunde
  • ehrenamtliche Pfleger