Vermächtnis: Einzelstücke vererben
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Während der Erbe als Rechtsnachfolger in die Fußstapfen des Erblassers tritt, erlangt der Vermächtnisnehmer nur einzelne Gegenstände aus dem Erblass
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Gemäß Erbrecht wird ein Vermächtnis als eine einzelne Zuwendung verstanden, die im Zuge eines Testaments oder Erbvertrags entsteht

Vermächtnisnehmer: Keine Rechte und Pflichten am Erbe

Auch wenn „vererben“ und „vermachen“ im allgemeinen Sprachgebrauch gerne synonym verwendet werden, haben Vermächtnis und Erbschaft aus rechtlicher Sicht keineswegs die gleiche Stellung. Vermächtnisnehmer und Erben haben nämlich weder die gleichen Rechte noch die gleichen Pflichten.

Während der Erbe als sogenannter Rechtsnachfolger in die Fußstapfen des Erblassers tritt und somit alle Forderungen und Rechte aus dem Nachlass übernimmt, erlangt der Vermächtnisnehmer nur einen einzelnen Gegenstand aus der Erbmasse, dessen Herausgabe er vom sogenannten Beschwerten verlangen kann (Leistungsforderungsrecht). Beschwerter ist in den meisten Fällen der Erbe oder ein anderer Vermächtnisnehmer. Bei dem vermachten Gegenstand kann es sich beispielsweise um eine Halskette oder ein Grundstück handeln. Erben übernehmen ebenfalls die Schulden eines Erblassers, Vermächtnisnehmer nicht: Ein Vermächtnisnehmer tritt in einem Testament ausschließlich als Begünstigter auf. Vermächtnisnehmer sind auch kein Bestandteil einer Erbengemeinschaft und müssen sich deshalb weder um Nachlassverwaltung noch um Erbaufteilung kümmern.

Welche Bedeutung hat das Vermächtnis gemäß Erbrecht?

Gemäß Erbrecht wird ein Vermächtnis als eine einzelne Zuwendung verstanden, die im Zuge eines Testaments oder Erbvertrags entsteht und separat als solche ausgewiesen werden muss. Bei der Zuwendung kann es sich um einen Gegenstand oder einen Vermögensvorteil handeln, der durch die ausdrückliche Erklärung des Erblassers aus dem Erbe ausgelöst und an den Vermächtnisnehmer vermacht wird, ohne dass dieser Erbe ist.

Vermächtnis ist immer Bestandteil eines Testaments oder Erbvertrags

Schmuck in einer Schatulle als Vermächtnis
Ein Vermächtnis ist eine Zuwendung einzelner Erbgegenstände, wie beispielsweise Schmuck.

Deklariert ein Erblasser einzelne Gegenstände seines Nachlasses als Vermächtnis, so wird der Vermächtnisnehmer weder zum Erben (§ 1939 BGB) noch wird er Eigentümer; er kann lediglich das Vermächtnis von den Erben einfordern (§ 2174 BGB), die gleichzeitig verpflichtet sind, dem Begünstigten die Gegenstände oder Geldbeträge zukommen zu lassen. Er benötigt dafür auch keinen Erbschein. Ein Vermächtnis ist stets Bestandteil eines Testaments oder Erbvertrages und kann nicht separat aufgesetzt werden.

Wichtig: Vermächtnisnehmer, die keine Erben sind, müssen trotzdem Erbschaftssteuer abführen!

Wann wird ein Vermächtnis fällig?

Das Vermächtnis wird in der Regel mit dem Tod des Erblassers fällig (§ 2176 BGB) – wobei die Fälligkeit unabhängig von der Annahme der Erbschaft durch die Erben eintritt. Vermächtnisnehmer, die in einer letztwilligen Verfügung bedacht werden, erhalten vom Nachlassgericht eine Mitteilung über das ihnen zugedachte Vermächtnis. Das Nachlassgericht fügt eine Kopie des entsprechenden Abschnitts aus Testament oder Erbvertrag bei – diese Kopie reicht aus, um bei den Erben das Vermächtnis einzufordern.

Wann verjährt ein Vermächtnis?

Für Vermächtnisse gilt die Regelverjährungsfrist von drei Jahren (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB) – der Vermächtnisnehmer sollte also vor Ablauf der drei Jahre seinen Anspruch auf den Nachlass geltend machen. Nach Ablauf der Frist kann der Beschwerte mit Hinweis auf die Verjährung die Herausgabe des Vermächtnisses verweigern. Die dreijährige Verjährungsfrist beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch auf das Vermächtnis begonnen und der Vermächtnisnehmer von seinem Anspruch erfahren hat (§ 199 BGB).

Übrigens: Bei vermachten Grundstücken gilt eine verlängerte Verjährungsfrist von zehn Jahren (§ 196 BGB).

Vermächtnis: Beispielfall

Ein Erblasser besaß zwei Häuser in Hamburg und Hannover. In seinem Testament setzt er seine Tochter als Alleinerbin ein und das Haus in Hamburg vermacht er seinem Sohn. Die Tochter wird nach dem Tod des Vaters damit zur Eigentümerin beider Häuser, muss jedoch zur Erfüllung des Vermächtnisses das Haus in Hamburg an ihren Bruder übertragen, der mit dem Erbe lediglich einen Anspruch auf Eigentumsübertragung erwarb. Der Sohn wird mit Eintragung in das Grundbuch zum Eigentümer des Hamburger Hauses, nicht aber mit dem Erbfall.

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