Versorgungsausgleich: Kein Nachteil bei der Rente
Versorgungsausgleich – Was Paare vor der Scheidung wissen müssen
  • Ein Versorgungsausgleich wird vorgenommen, wenn sich ein Ehepaar scheiden lässt. Beide Partner haben über die Zeit der Ehe Anwartschaften auf Rente und Pension erworben, die bei der Scheidung aufgeteilt werden.
  • Ziel des Ausgleiches ist es, dass durch die Trennung kein Nachteil für den Ehepartner entsteht, der während der Ehe geringere Anwartschaften gesammelt hat.

Versorgungsausgleich: Kein Nachteil bei der Rente

Die Rentenanwartschaften werden bei einer Scheidung fair aufgeteilt, damit kein Ex-Partner bei der Alters­vorsorge benachteiligt ist. Hier erfahren Sie mehr dazu.

Was ist der Versorgungsausgleich?

Die Ehe ist heutzutage oft nur noch sprichwörtlich der Bund fürs Leben. Jede dritte Ehe wird in Deutschland geschieden. Im Schnitt verbringen Paare bis dahin 15 Jahre miteinander, Zeit, in der beide für das Alter vorsorgen und sogenannte Rentenanwartschaften sammeln. Diese gelten als gemeinsame Lebensleistung und gehören damit beiden Partnern. Das gilt auch dann, wenn ein Partner geringere Anwartschaften erworben hat als der andere. Denn in den wenigsten Fällen sammeln beide gleich hohe Ansprüche. Durch Krankheit, unterschiedliche Bezahlung oder die Elternzeit sammelt meist einer von beiden weniger Rentenpunkte oder andere Anwartschaften. Solange das Paar verheiratet ist, kann er davon ausgehen, dass er im Alter durch die Rente, Pension oder andere finanzielle Vorsorge seines Partners versorgt ist. Kommt es zu einer Scheidung der Ehe, wird er seit 2009 auf Grundlage des Versorgungsausgleichgesetzes (VersAusglG) ebenfalls an den Rentenanwartschaften des anderen beteiligt.

Was wird im Versorgungsausgleichgesetz berücksichtigt?

Meist werden die gesammelten Rentenpunkte für die gesetzliche Rente in einem Atemzug mit dem Versorgungsausgleich genannt. Dabei bezieht der Gesetzgeber bei der Scheidung viele Vorsorgearten in den Ausgleich nach Versorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG) ein. Berücksichtigt werden:

  • Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • Pensionsansprüche aus der Beamtenversorgung,
  • Vorsorgeansprüche von Berufssoldaten,
  • Betriebliche Altersversorgung,
  • Tariflich vereinbarte Zusatzversorgungen,
  • Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes,
  • Berufsständische Altersversorgung für Freiberufler,
  • Private Rentenversicherungen (z.B. Riesterrente, Rürup-Rente),
  • Private Kapitallebensversicherung
  • und rentengleich wiederkehrende Leistungen (z.B. Altershilfe für Landwirte).
Versorgungsausgleich bei Scheidung: Unglückliches Ehepaar auf einer Couch
Im Zuge der Scheidung wird der Versorgungsausgleich nach VersAusglG vorgenommen, damit keiner der Ehepartner im Alter einen finanziellen Nachteil hat.

Wie wird der Versorgungsausgleich berechnet?

Als Zeitraum für die Berechnung des Versorgungsausgleichs gilt die Dauer der Ehe bis zur Zustellung des Scheidungsantrages. Dieser Zeitraum beginnt am ersten Tag des Monats der Eheschließung und endet am letzten Tag des Monats vor der Zustellung des Scheidungsantrages.

Beispiel: Das Ehepaar Müller heiratet am 12. März 2001. Am 3. Mai 2016 reicht Frau Müller die Scheidung ein. Der Scheidungsantrag wird Herrn Müller noch im Mai zugestellt. Der Versorgungsausgleich gilt für den Zeitraum vom 1. März 2001 bis zum 30. April 2016.

Das Familiengericht berechnet die Anwartschaften der Ehepartner aufgrund eines Fragebogens und entsprechender Unterlagen zum Nachweis der erworbenen Ansprüche. Die Teilung der jeweiligen Rentenanwartschaften unterscheidet sich nach Art.

Rentensplitting

  • Gilt für die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Familienrecht sieht eine gleiche Teilung vor.
  • Derjenige, der mehr Rentenentgeltpunkte gesammelt hat, gibt die Hälfte der Differenz zwischen den Rentenpunkten an den anderen ab.

Supersplitting

  • Hat ein Partner in mehreren Kassen Anwartschaften gesammelt, kann er auch mehr als die Hälfte der Differenz der Rentenpunkte aus der gesetzlichen Rentenversicherung an seinen Ex-Partner abgeben. Zum Ausgleich behält er dafür alle Rentenansprüche aus anderen Anwartschaften.

Quasi-Splitting

  • Ist relevant bei Beamtenpensionen und beamtenähnlichen Versorgungen.
  • Einer der Partner muss somit verbeamtet gewesen sein.
  • Der Dienstherr des verbeamteten Partners leistet eine Einmalzahlung in Höhe des auszugleichenden Anspruchs an die Rentenversicherung.
  • Die Rentenversicherung eröffnet für den benachteiligten Partner ein zweites Rentenkonto für diesem Anspruch.
  • Diese Art der Teilung wird als sogenanntes Analoges Quasi-Splitting bezeichnet, wenn es sich bei dem Versorgungsträger um eine Körperschaft, Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts handelt.

Realteilung

  • Gilt für die private Rentenversicherung, sowie die berufsständischen Altersvorsorgen für Ärzte, Architekten und Rechtsanwälte.
  • Voraussetzung ist, dass die Realteilung in der Satzung des Versorgungswerkes erlaubt ist.
  • Faire Teilung: Jedem Ehegatten wird die Hälfte des Versorgungsanspruchs zuteil.
Symbol für Rente und Versorgungsausgleich: Würfel bilden das Wort Rente auf Geldstücken
In der Zeit der Ehe sorgen beide Partner gemeinsam für die Rente vor. Durch den Versorgungsausgleich werden die erarbeiteten Ansprüche bei der Scheidung aufgeteilt.

Gut zu wissen: Wurde der Versorgungsausgleich berechnet, müssen sich die Ex-Partner selbst um nichts kümmern. Das Familiengericht informiert die jeweiligen Versorgungsträger über den Ausgleich der Anwartschaften. Die Ex-Partner bekommen lediglich eine Information über die Höhe des Ausgleichs.

Versorgungsausgleich: Rechtzeitig Unterlagen zu Rentenanwartschaften sammeln

Wer die Absicht hat, die Scheidung einzureichen, sollte nach der Trennung so schnell wie möglich alle Unterlagen zu seinen Rentenanwartschaften zusammentragen. Denn häufig zieht besonders die Berechnung des Versorgungsausgleichs nach dem VersAusglG die Scheidung in die Länge, wenn Unterlagen fehlen. Gerade bei Rentenanwartschaften bei der Deutschen Rentenversicherung Bund kommt es immer wieder zu Problemen. Zwar melden Arbeitgeber zumeist alle rentenversicherungspflichtigen Zeiten. Krankheit, Schwangerschaft und Erziehungszeiten, schulische Aus- und Weiterbildung oder auch Schlechtwettergeld bleiben aber häufig unberücksichtigt. Scheidungswillige können ein Beratungsgespräch bei der deutschen Rentenversicherung vereinbaren, um herauszufinden, wo Lücken sind und sich ebenfalls beraten lassen, wo sie die nötigen Unterlagen zum Nachweis der Rentenanwartschaften anfordern.

Wann wird kein Versorgungsausgleich gemacht?

Der Versorgungsausgleich wird nur bei der Scheidung von Ehen angestoßen, die länger als drei Jahre gedauert haben. Lässt sich ein Paar vorher scheiden, wird der Ausgleich nur auf ausdrücklichen Wunsch ausgeführt.

Das Familienrecht ermöglicht es dem Familiengericht außerdem, den Versorgungsausgleich abzulehnen, wenn der ausgleichsberechtigte Partner seinen bessergestellten Partner vor oder nach der Trennung bedroht oder verletzt hat.

Viele Ehepaare schließen einen Ehevertrag, in dem sie individuelle Regelungen für Ehegattenunterhalt, den Güterstand, zum Beispiel die Gütertrennung, und zum Versorgungsausgleich festlegen. Wurde der Versorgungsausgleich darin ausgeschlossen, kann er wegfallen. Darauf sollten sich Betroffene allerdings nicht verlassen. Das Familiengericht kann im Einzelfall bei der Scheidung trotzdem für den Ausgleich entscheiden.