Vorerbe: Vorerbschaft - Erbschaft nach Reihenfolge
Vorerbschaft: Der erste Erbe verwahrt das Vermögen
  • Die Vorerbschaft ist unter Eheleuten beliebt, um den verbleibenden Partner finanziell abzusichern, bevor Kinder Ansprüche geltend machen
  • Vorerben sind keine Schlusserben - sie sind nur Treuhänder des Nachlasses und können die Erbschaft nur eingeschränkt verwenden

Vorerbe: Vorerbschaft - Erbschaft nach Reihenfolge

Ein Vorerbe erbt nur, bis der Nachlass an den Schlusserben übergeht - alle Rechte und Pflichten bei Vorerbschaft auf einen Blick.

Was bedeutet "Vorerbe" und "Vorerbschaft"?

Der Vorerbe erbt den Nachlass des Erblassers lediglich für einen bestimmten Zeitraum, bevor der Nachlass vorübergehend oder endgültig an den Nacherben übergeht, der im letzteren Fall damit gleichzeitig zum Schlusserben wird. Der Erblasser legt im Rahmen seines Testaments oder Erbvertrags sowohl den Vorerben als auch den Nacherben (oder Schlusserben) fest und in welcher Eigenschaft der Vorerbe den Nachlass zeitweilig übernimmt. Der Vorerbe kann entweder unmittelbar vom Erbe profitieren oder nur als Verwalter des Vermögens eingesetzt werden. Darüber hinaus legt der Erblasser fest, wann der Vorerbe den Nachlass an den Nacherben übertragen muss. Dabei sind mehrere Varianten denkbar - etwa der Tod des Vorerben, die Volljährigkeit des Nacherben oder das Erreichen eines bestimmten Bildungsziels.

Merkmale der Vorerbschaft: Kurz und knapp

  • Vorerben erben nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Nachlass auf den Schlusserben übergeht
  • Der Erblasser bestimmt, wann das Erbe auf den Schlusserben übergeht
  • Ob ein Vorerbe vom Nachlass profitiert oder diesen nur verwaltet, obliegt dem Erblasser
  • Der Schlusserbe kann vom Vorerben ein Nachlassverzeichnis einfordern
  • Der Vorerbe hat gegenüber dem Schlusserben Auskunftspflicht
  • Der Vorerbe unterliegt der Sicherungspflicht, er muss also sicherstellen, dass der Schlusserbe einen unverminderten Nachlass erhält
  • Dem Vorerben steht es frei, das Erbe auszuschlagen – sofern ihm ein Pflichtteil zusteht, kann er alternativ diesen einfordern

Dann ergibt das Einsetzen eines Vorerben Sinn

Vorerben einzusetzen ist sinnvoll, wenn Schlusserben noch nicht reif genug sind, um das Erbe anzutreten
Die Vorerbschaft regelt den Nachlass über mehrere Generationen hinweg.

Insbesondere Patchwork-Familien, Geschiedene, Eltern behinderter Kinder oder Kinderlose machen von der Vorerbschaft Gebrauch. Einen Vorerben einzusetzen ist unter folgenden Gesichtspunkten sinnvoll:

  • Wenn eine Person vom Erbe ausgeschlossen werden soll
  • Wenn mehrere Generationen am Erbe beteiligt sein sollen
  • Wenn ungeborene Nachkommen bedacht werden sollen
  • Wenn der Nachlass für einen bestimmten Zeitraum geschützt werden soll, zum Beispiel vor dem Zugriff durch Gläubiger
  • Wenn das Verhalten des Schlusserben beeinflusst werden soll
  • Wenn der Schlusserbe noch nicht die nötige Reife für den Antritt des Erbes besitzt

Vorerbschaft: Beliebt unter Eheleuten

Vorerbschaft und Nacherbschaft, bzw. Vorerbe und Nacherbe, sind damit Positionen testamentarischer Entscheidungen. Nicht selten setzen sich Eheleute gegenseitig als Erben ein, bevor die eigenen Kindern Zugriff auf das vererbte Vermögen haben. Der verbleibende Ehepartner wird damit zum Vorerben. Sinn der Vorerbschaft unter Eheleuten ist es, den länger lebenden Partner abzusichern und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Familienvermögen auch dann auf die eigenen Kinder als Nacherben übergeht, wenn der länger lebende Partner erneut heiraten sollte. Das Erbrecht sieht für diesen Fall vor, dass der Vorerbe nur eingeschränkt über den Nachlass verfügen darf. Eine mögliche testamentarische Konstruktion zur Einsetzung eines Vorerben ist das „Berliner Testament“.

Diese rechtlichen Einschränkungen gelten bei Vorerbschaft

Vorerben können Immobilien aus dem Nachlass nicht ohne weiteres verkaufen oder verschenken. § 2113 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) sieht eindeutig vor, dass die Zustimmung des Nacherben vorliegen muss. Missachtet der Vorerbe diese sogenannte Verfügungsbeschränkung und holt nicht die Zustimmung des oder der Nacherben ein, dann ist ein möglicher Kaufvertrag genauso unwirksam wie eine Schenkung. Derartige Rechtsgeschäfte kann der Vorerbe nur tätigen, wenn der Erstverstorbene den Vorerben explizit von den regulären Einschränkungen befreit hat. Unberührt davon bleibt das Recht des Vorerben, sämtliche Gegenstände der Vorerbschaft zu verwenden.

Rechte und Pflichten bei Vorerbschaft im Überblick

  • Der Vorerbe darf über bewegliche Sachen, Rechte und Forderungen aus dem Nachlass verfügen, ausgenommen davon sind Grundstücke
  • Der Vorerbe muss den Nachlass getrennt von seinem Privatbesitz verwalten: Bar-Vermögen aus dem Nachlass darf dieser nicht auf sein privates Konto einzahlen
  • Der Vorerbe muss sicherstellen, dass der Schlusserbe das Vermögen erhält, das ihm gemäß dem letzten Willen des Erblassers zusteht
  • Grundstücke, die zum Nachlass gehören, sollen vom Vorerben soweit möglich nur mit Mitteln aus dem Nachlass gepflegt und instand gehalten werden
  • Was der Vorerbe unter Einsatz des Nachlasses erwirbt, steht dem Nacherben zu

Der Erblasser entscheidet darüber, ob der Vorerbe nur Treuhänder des Nachlasses ist oder selbst davon profitiert. Grundsätzlich wird zwischen dem sogenannten beschränkten und befreiten Vorerbe unterschieden:

Beschränkter Vorerbe: Verwalter mit begrenzten Nutzungsrechten

Ein beschränkter Vorerbe ist in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt; seine hauptsächliche Funktion besteht in der Verwaltung des Nachlasses. Das bedeutet, er muss sicherstellen, dass der Schlusserbe ein unvermindertes Erbe erhält. Deshalb darf er das Erbe nur begrenzt selbst nutzen und die Substanz nicht schmälern. Er darf weder Teile aus dem Nachlass verschenken noch Risikofinanzgeschäfte damit tätigen. Übernimmt ein beschränkter Vorerbe beispielsweise Verwaltungsaufgaben für Immobilien aus dem Nachlass, darf er von Mieteinnahmen profitieren. Handelt der beschränkte Vorerbe zum Nachteil des Schlusserben, kann letzterer Schadenersatzansprüche geltend machen.

Befreiter Vorerbe: Nutznießer des Nachlasses

Im Gegensatz zum beschränkten Vorerben, hat der befreite Vorerbe weitestgehend freie Entscheidung über den Nachlass: Er darf den Nachlass zu seinen Gunsten verbrauchen – es kann also sein, dass der Schlusserbe einen geschmälerten Nachlass erhält. Der befreite Vorerbe hat im Gegenzug die Pflicht, für Nachlassverbindlichkeiten und Beerdigungskosten des Verstorbenen aufzukommen. Er muss auf Wunsch des Schlusserben ebenfalls ein Nachlassverzeichnis anfertigen sowie Schadenersatz leisten, wenn er dem Schlusserben bewusst Nachteile verschafft.

Vorerbschaft ausschlagen - ist das möglich?

Vorerben, die nach dem Parentelprinzip Anrecht auf ein Pflichtteil haben, können die Vorerbschaft auch ausschlagen und ihren Pflichtteil in Anspruch nehmen. Das kann etwa der Fall sein, wenn sie sich durch die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers oder durch eine Teilungsanordnung benachteiligt sehen.

Vorerbschaft und Pflichtteilsanspruch

Mit Einsetzung eines Vorerben ist es möglich, Pflichtteilsansprüche zu senken. Denn anders als beim Berliner Testament besteht ein Anspruch nicht auf das Vermögen des zuerst Verstorbenen als auch des länger lebenden Partners, sondern nur auf die Nacherbschaft als solche.

Vorerbschaft schützt die Erbschaft vor Gläubigern des Vorerben

Werden Vorerben und Nacherben im Rahmen eines Testaments eingesetzt, dann spielt der Erhalt des Erbvermögens zumeist die maßgebliche Rolle. Vor allem Nacherben profitieren von einer solchen Regelung. Denn auch wenn ein Vorerbe verschuldet ist und seinen Gläubigern gegenüber Verbindlichkeiten hat, dürfen die Gläubiger selbst ihre Ansprüche nicht auf den ererbten Nachlass der Vorerbschaft ausdehnen, denn dadurch würde der Vermögensanspruch des Nacherben geschmälert. Und auch Sozialhilfeträger können ein Vorerbe nicht heranziehen, um Leistungen zu finanzieren, die der Vorerbe in Anspruch nimmt, etwa wenn es sich um einen Vorerben mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen handelt, der in einer sozialen Einrichtung untergebracht ist.

Erbschaftsteuer bei Vorerbschaft

Ein spürbarer Nachteil der Aufteilung der Erbschaft zwischen Vorerben und Nacherben ist die steuerliche Doppelbelastung des Gesamtvermögens. Denn für das Erbschaftssteuergesetz ist die Unterteilung in Vorerbschaft und Nacherbschaft auch die Unterteilung in zwei unterschiedliche Erbfälle.