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Organspende - 15 verbreitete Irrtümer

Welchen "Wahrheiten" sollte man nicht glauben?
April 3, 2018
Sarah Lange
Allgemein

Das Wichtigste in Kürze:

  • Irrtum: Der Hirntod lässt sich nicht zweifelsfrei diagnostizieren.
  • Irrtum: Der Arzt kann entscheiden, wer das Organ bekommt. Im Zweifelsfall entscheidet er gegen die Rettung eines potenziellen Spenders und für den Empfänger.
  • Irrtum: Mit den Organen wird gewinnbringender Handel betrieben. Wer am meisten bietet, wird der Empfänger.
  • Irrtum: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Organ abgestoßen wird, ist sehr hoch.

Organspende - Ja oder Nein? Ein Thema das viel Diskussionspotential mit sich bringt, sei es nun beim Brunch mit der Familie oder in Online-Foren. Leider entsprechen die scheinbar schlagenden Argumente die im Raum stehen nicht immer der Wahrheit. Diesen “Fakten” sollte in Zukunft deshalb kein Gehör geschenkt werden:

1. Irrtum: Organe werden entnommen, um damit gewinnbringend zu handeln

Das 1997 verabschiedete Transplantationsgesetz verbietet Organhandel, wobei Regelverstöße streng geahndet werden. Um Manipulationen vorzubeugen werden flächendeckende, unangekündigte Stichprobenprüfungen in Transplantationszentren und Transplantationskonferenzen durchgeführt. Diese Transplantationskonferenzen entscheiden zukünftig gemeinsam mit medizinischen Fachrichtungen, die keine Verbindung zur Transplantationsmedizin haben und deshalb unbefangen sind, wer in die Warteliste aufgenommen wird.

2. Irrtum: Man kann nicht zweifelsfrei sagen, ob der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen eingetreten ist

Tatsächlich lässt sich der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) durch eine Serie vorgeschriebener Untersuchungen zweifelsfrei feststellen. Dafür wird ein dreistufiges Untersuchungsschema eingesetzt, das des Weiteren spezielle Anforderungen an Qualifikation, Neutralität und Zahl der untersuchenden Ärzte stellt.

Der Hirntod wird definiert als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, Kleinhirns und des Hirnstamms und ist daher ein sicheres inneres Todeszeichen beim Menschen.

3. Irrtum: Bei der Organentnahme spürt man Schmerzen, sonst würde man keine Narkose verabreichen

Nach dem Hirntod existiert im menschlichen Körper keine Schmerzempfindung mehr. Die Narkose dient während der Organentnahme der Ruhigstellung der Muskulatur und der Organdurchblutung. Diese sorgt dafür, dass die Funktionsfähigkeit der zu transplantierenden Organe erhalten bleibt.

4. Irrtum: Zu alt für Organ- und Gewebespende

Es gibt keine festgelegte Altersgrenze für eine Organ- und Gewebespende. Die Eignung als Spender wird im Todesfall geprüft, dabei ist der Gesundheitszustand ausschlaggebend. Wichtig ist das biologische Alter der Organe, nicht das kalendarische.

5. Irrtum: Organe erhalten diejenigen, die am meisten für das Organ bezahlen

Nach der Diagnose des Hirntods, erfolgt eine computergesteuerte Auswahl des passenden Empfängers entsprechend den Richtlinien der Bundesärztekammer nach Dringlichkeit und Erfolgsaussicht. Keine Rolle spielen hierbei die finanzielle Situation oder der Versicherungsstatus (Kassenpatient oder Privatpatient) des Empfängers.

6. Irrtum: Um Organe entnehmen zu können, werden Menschen zu früh für tot erklärt

Das Überleben des Patienten ist immer das größte Interesse des Arztes. Er ist durch einen hippokratischen Eid sogar dazu verpflichtet, alles ihm mögliche zu tun um den Patienten zu retten. Da ein Arzt den zukünftigen Empfänger nicht kennt, steht er in keinem moralischen Konflikt.

7. Irrtum: Auch Pflegekräfte diagnostizieren den Hirntod

Nein, der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen darf nur von Ärzten diagnostiziert werden, die Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen haben. Die Untersuchungen müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander durchführen, vorher gilt der Patient nicht als Hirntod.

8. Irrtum: Bei schwerer Krankheit ist eine Spende nicht möglich

Nur bei akuter Krebserkrankung oder positivem HIV-Befund ist eine Spende von vornherein ausgeschlossen. Ausnahme ist hier eine ausgeheilte Krebserkrankung. Ansonsten wird im Einzelfall entschieden, welche Organe gespendet werden können.

9. Irrtum: Nach einer Spende ist der Leichnam entstellt

Die Entnahme wird in einem Operationssaal mit derselben chirurgischen Sorgfalt durchgeführt wie jede andere Operation. Alle Einschnitte werden achtsam verschlossen, sodass der Leichnam den Angehörigen zur Beisetzung übergeben werden kann. Der Spender ist hiernach nicht entstellt.

10. Irrtum: Ärzte entscheiden selbst wer die Organe erhält

Die behandelnden Ärzte haben keinerlei Entscheidungsbefugnis, die liegt allein bei der Stiftung Eurotransplant. Dort wird computergesteuert, nach sorgfältig ausgesuchten Kriterien im Sinne der Richtlinien der Bundesärztekammer entschieden, wer das Organ erhält.

11. Irrtum: Wenn keine Blutspende gemacht werden darf, kommt eine Organ- und Gewebespende nicht infrage

Blut- oder Organ- und Gewebespenden hängen nicht voneinander ab. Sollte ein Patient beispielsweise unter Eisenmangel leiden, darf kein Blut gespendet werden, grundsätzlich schließt der Eisenmangel die Organspende jedoch nicht aus.

12. Irrtum: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gespendetes Organ vom fremden Körper angenommen wird, ist schwindend gering

Genau das Gegenteil ist der Fall, denn Organübertragungen haben generell gute Erfolgsaussichten. Beispielsweise funktionieren 88% der transplantierten Nieren noch nach einem Jahr, bei den transplantierten Augenhornhäuten sind nach einem Jahr sogar noch 95% vollkommen funktionstüchtig.

13. Irrtum: Entscheidung zur Organ- und Gewebespende kann registriert werden

Es gibt in Deutschland kein Organspenderegister. Um Ihren Wünschen entsprechen zu können, sollten Sie Ihren Familienmitgliedern Ihre Entscheidung mitteilen, sodass diese im Ernstfall nicht selbst vor der Verantwortung stehen. Eine rechtsgültige Möglichkeit ist, sich den Organspendeausweis zusenden zu lassen und ausgefüllt, mit Ihrem Personalausweis bei sich zu tragen oder die eigenen Vorstellungen in einer Patientenverfügung festzuhalten.

14. Irrtum: Die eigene Entscheidung zur Organspende zu dokumentieren ist kompliziert

Die Entscheidung zur Organ- und Gewebespende ist in wenigen Minuten erstellt: Entweder formlos auf einem Blatt Papier oder mit Hilfe eines Organspendeausweises. Eine Erwähnung im Testament ist nutzlos, da es für eine Organspende dann bereits zu spät ist. Jedoch ist es sinnvoll die persönlichen Wünsche in die Patientenverfügung einzubinden.

15. Irrtum: Nach Manipulationsfällen gab es keine Konsequenzen

Als Konsequenz zu den Manipulationsfällen in Göttingen 2012, bei welchen Falschangaben gemacht wurden um potentielle Empfänger auf der Warteliste weiter nach oben zu schieben, wurden in vielen Bereichen weitreichende Verbesserungsvorschläge umgesetzt, die den Vorgang der Empfängerauswahl sicherer und transparenter gestalten. Dazu gehören flächendeckende und unangekündigte Stichprobenprüfungen in den Transplantationszentren, welche beispielsweise die Vorfälle in Leipzig 2013 erst aufdeckten. Zudem sollen in Zukunft Ärzte ohne Verbindung zur Transplantationsmedizin in die Transplantationskonferenz aufgenommen werden um über Aufnahmen in die Warteliste zu entscheiden.

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