Die Beantragung eines Pflegegrads

November 26, 2018
2018-11-26

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Antrag kann per Formular oder als formloser Dreizeiler bei der Pflegekasse eingereicht werden.
  • Innerhalb von vier Wochen kommt der medizinische Dienst für ein Gutachten nach Hause, anhand dessen die Pflegebedürftigkeit und der Pflegegrad von der Pflegekasse festgestellt wird. Empfehlenswert ist ein Pflegetagebuch zu führen, um zu dokumentieren, wie viel Unterstützung im Alltag benötigt wird.
  • Die Pflegekasse legt dann anhand des Gutachtens den Pflegegrad und die zu zahlenden Leistungen fest. Ein Großteil aller Erstanträge wird von der Pflegekasse abgelehnt. Es lohnt sich hierbei immer in Widerspruch zu gehen. Mit Zustellung des Bescheides hat man 4 Wochen Zeit dafür.
  • Sollte bereits ein Pflegegrad vorhanden sein, der eigene Zustand sich aber verschlechtern, kann jederzeit ein Höherstufungsantrag gestellt werden.

Die Beantragung eines Pflegegrads

Vorlage, Begutachtung und Widerspruch

Einen Pflegegrad zu beantragen ist ratsam, sobald die Selbstständigkeit im Alltag eingeschränkt ist. Darunter zählen Schwierigkeiten beim Duschen und Waschen, sowie Ankleiden, aber auch bei der generellen Bewegung. Denn Betroffene brauchen wirkliche Unterstützung um ihr alltägliches Leben wie vorher fortsetzen zu können. Pflegedienste und Pflegeheime sind jedoch teuer und bei einem anerkannten Pflegegrad zahlt die gesetzliche Pflegekasse einen Anteil der Kosten zur Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen.

Wie stelle ich den Antrag?

Die Antragstellung kann einfach über einen formlosen Dreizeiler oder ein vorgefertigtes Formular geschehen und muss direkt an Ihre Pflegekasse geschickt werden. Innerhalb der nächsten vier Wochen - unabhängig davon, ob gesetzlich oder privat versichert - kommt dann ein Gutachter eines medizinischen Dienstes vorbei, der die Selbstständigkeit im Alltag feststellt.

  

Das kostenfreie Formular für die Beantragung eines Pflegegrads erhalten Sie hier!

 
Was passiert nach der Beantragung? 

Es ist in jedem Fall ratsam ein Pflegetagebuch anzufertigen, in dem Sie genau dokumentieren, welche Aufgaben Ihnen tagtäglich Probleme bereiten und welche Sie selbst gar nicht mehr ausführen können. Dies hilft einem Begutachter bei der letztendlichen Erstellung des Gutachtens nach dem Neuen Begutachtungsassessment, das auch verstärkt nicht nur an Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen Pflegegrade vergibt, sondern auch an Menschen mit Erkrankungen wie Demenz.
   

Das "Neue Begutachtungsassessment" - Wie funktioniert es? 

In sechs Kategorien werden nach gewissen Richtlinien Punkte an den Bewerber vergeben, welche die Pflegebedürftigkeit bestimmen. Diese sind: 

  1. Mobilität: Die Bewegungsfähigkeit des Betroffenen sollte neben Positionswechseln im Bett auch eine stabile Sitzposition, Aufstehen und die Fortbewegung innerhalb des eigenen Zuhauses zulassen. Dazu gehört auch das Treppensteigen.
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Der Betroffene muss sich in seinem normalen Umfeld zurecht finden. Dazu gehört, nahestehende Personen zu erkennen, eine örtliche und zeitliche Orientierung und die Koordination oder sogar selbstständige Führung des Haushalts. Ebenfalls wichtig ist ein Erinnerungsvermögen und die Fähigkeit nicht nur Entscheidungen zu treffen, sondern auch Informationen zu verstehen, sowie Gefahren und Risiken abzuschätzen. Bewertet wird auch, ob der Betroffene elementare Bedürfnisse mitteilen kann, Aufforderungen verstehen und sich an einem einfachen Gespräch beteiligen kann.
  3. Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen: Hierbei wird vordergründig auf Verhaltensauffälligkeiten wie verbale und physische Aggression und andere Auffälligkeiten geachtet und ob ein selbstschädigendes Verhalten oder sozial inadäquate Handlungen vorkommen. Auch die Stimmungslage des Antragstellers wird überprüft: Leidet die Person unter Antriebslosigkeit, Depressionen, Ängsten oder sogar Wahnvorstellungen?
  4. Selbstversorgung: Kann der Betroffene sich um die eigene Körperpflege kümmern (Waschen, Baden, Zahnpflege und Prothesenreinigung), sowie sich selbst An- und Auskleiden? Darüber hinaus wird nachgehakt, ob der Antragsteller selbstständig essen und trinken, Speisen mundgerecht zubereiten und Getränke eingießen kann. Auch nach der Fähigkeit die Toilette zu benutzen oder mit Dauerkatheter, Urostoma und Soma umgehen zu können wird gefragt.  
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Belastungen: Darunter fallen beispielsweise Medikation, Injektionen, Messung von Körperzuständen, Wundversorgung, Arztbesuche und weiteres.
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Der Betroffene sollte seinen eigenen Tagesablauf gestalten und an Veränderung anpassen können, sich selbst beschäftigen und zukunftsorientiert planen können, darüber muss die Person auch in der Lage sein, zu schlafen und Kontakte zu pflegen.

Die vergebenen Punkte werden unterschiedlich gewichtet, fließen aber alle in die letztendliche Punktebewertung ein, die Betroffene klar einem Pflegegrad zuordnet.

   

Punkteverteilung der fünf Pflegegrade

  
Die Pflegekasse entscheidet letztendlich, ob ein Antrag angenommen oder abgelehnt wird. Aus Kostengründen wird jedoch ein Großteil der Erstanträge zunächst abgelehnt. Eine gewisse Hartnäckigkeit zeigt hier Früchte, denn es lohnt sich in vielen Fällen innerhalb der gegebenen 4 Wochen nach dem Bescheid, in Widerspruch zu gehen. Vielen Anträgen wird im zweiten Durchlauf doch stattgegeben.

Zögern Sie auch wenn Sie bereits einen Pflegegrad haben, sich Ihr Zustand jedoch merklich verschlechtert hat, nicht einen Höherstufungsantrag zu stellen. Die Leistungen, die Betroffene unterschiedlicher Pflegegrade erhalten, sind doch recht unterschiedlich.
   
Weitere Informationen zu den fünf Pflegegraden finden Sie hier!

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