Digitaler Nachlass: Bundesgerichtshof regelt Online-Erbe

Digitaler Nachlass: Bundesgerichtshof regelt Online-Erbe

Der BGH urteilte darüber, ob das digitale Erbe dem analogen gleichgestellt werden darf - Wir erklären, was es damit auf sich hat!

Sarah Lange
Sarah Lange
17.07.2018
Das Wichtigste in Kürze:
  • Der Bundesgerichtshof entschied, dass das digitale Erbe genauso behandelt werden darf, wie das analoge Erbe (Briefe, Tagebücher).
  • Wer seinen digitalen Nachlass regeln möchte, tut dies am besten mit einer Aufstellung aller Onlinekonten, inklusive Benutzernamen, Passwörter und E-Mail-Adressen.

Digitaler Nachlass: Urteil des Bundesgerichtshofes

Im Juli 2018 urteilte der Bundesgerichtshof in der Frage, ob das digitale Erbe dem analogen gleichgestellt werden darf. Grund war die Klage einer Mutter, die sich Zugang zu dem seit fünfeinhalb Jahren gesperrten Nutzerkonto ihrer verstorbenen, 15-jährigen Tochter wünschte. Die Eltern hofften anhand des Einblicks in die privaten Nachrichten, Gewissheit zu gewinnen, ob es sich bei dem U-Bahn-Unglück, der zum Tod ihrer Tochter geführt hatte, um einen Unfall oder Suizid handelte.

Nach eigenen Angaben kannten sie das Passwort für das Facebook-Konto, konnten sich aber nach dem Tod des Mädchens aufgrund des “Gedenkzustands” des Profils nicht einloggen. Dieser sogenannte “Gedenkzustand” ist ein Profilstatus für Verstorbene, der im Grunde als ein virtuelles Kondolenzbuch fungiert und als Pinnwand für Erinnerungen.

Auch auf Nachfrage weigerte Facebook sich, den Eltern Zugriff auf das Konto zu geben, denn der Gedenkzustand schütze nicht nur die Rechte verstorbener Nutzer, sondern auch die der hinzugefügten Facebook-Kontakte. Facebook äußerte, dass es eine komplexe Aufgabe sei, zwischen den Wünschen der Angehörigen und dem Schutz der Privatsphäre Dritter abzuwägen.

Bisher war umstritten, ob das Online-Erbe selbst vererbt werden kann, insbesondere Daten auf einem fremden Server, wie Facebook. Nun entschied der BGH jedoch, dass der Vertrag über ein Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk grundsätzlich auf die Erben des ursprünglichen Kontoberechtigten übergeht.

Wie geht Facebook mit dem digitalen Nachlass um?

Zur Zeit ist es möglich, als erwachsener Facebook-Nutzer noch zu Lebenszeiten einen Nachlasskontakt zu bestimmen, der im Falle des Todes etwa das Profilbild ändern und Beiträge auf der persönlichen Seite veröffentlichen oder löschen darf. Beispielsweise um Informationen zur Beerdigung bekannt zu machen. Des Weiteren ist es möglich, eine Kopie der geteilten Inhalte des Verstorbenen zu bekommen, selbstverständlich ohne den Zugriff auf private Nachrichten zu erhalten. Eine Alternative: In den Einstellungen den Wunsch zu äußern, dass das eigene Konto im Todesfall gelöscht werden soll.

Digitaler Nachlass - Wie ist er zu regeln?

Erstmal gilt es zu erfassen, was zum digitalen Nachlass gehört. Im Allgemeinen sind dies E-Mail-Konten, Nutzerprofile von Onlineshops wie Amazon und anderen Onlinediensten. Einige Bestatter arbeiten bereits mit externen Dienstleistern zusammen, um Kundenkontos aufzuspüren, zu löschen oder auf Wunsch an die Angehörigen zu übergeben. Wer den eigenen digitalen Nachlass selbst regelt, fertigt am besten eine Aufstellung aller Onlinekonten an, von sozialen Netzwerken bis hin zu Onlinehändlern und übergibt sie einem Angehörigen. Wichtige informationen dafür sind Nutzernamen, E-Mail, sowie das genutzte Passwort.