Erbaufteilung radikal - Doch auch enterbte Angehörige haben Rechte

October 17, 2018
2018-10-17
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Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn Sie jemanden enterben möchten, müssen Sie dafür im Testament keinen speziellen Grund angeben.
  • Wenn Sie jemanden aus Ihrem engeren Familienumfeld enterben, dem laut der gesetzlichen Erbfolge aber einen Erbanteil zusteht, erhält dieser trotzdem einen kleineren Pflichtteil.
  • Der Pflichtteil entspricht der Hälfte des normalen Erbanteils.

Wen kann ich enterben?

Für viele Menschen ist die eigene Familie ein wichtiger Teil ihres Lebens. Doch nicht immer bleibt das Verhältnis zwischen Familienmitgliedern spannungsfrei, hin und wieder kommt es zum Zerwürfnis zwischen Familienmitgliedern. Bei großen Zerwürfnissen innerhalb einer Familie steht oft auch die Nachlassregelung im Raum. In der Regel braucht es keine Begründung, ein Familienmitglied per Testament zu enterben. Trotzdem gilt: Ein Familienmitglied ersatzlos zu enterben ist kaum möglich. Die nächsten Angehörigen haben in aller Regel Anspruch auf ein Pflichtteil, das fällig wird, wenn der berechtigte Erbe ihn einfordert. Das liegt an dem ursprünglichen Gedanken hinter einer Erbschaft. Der Gesetzgeber sieht eine Fürsorgepflicht für nächste Angehörige vor, die über den eigenen Tod hinausgeht.

Wer hat einen Pflichtteilsanspruch?

Wichtig: Ein Pflichtteil wird niemals von allein zugesprochen, um seinen Anspruch geltend zu machen, muss ein Familienmitglied seine Forderung direkt gegenüber den anderen Erben stellen. Um zu verstehen, welche Familienmitglieder Anspruch auf ein Pflichtteil haben, lohnt ein Blick auf die Erbfolgeregelung: Sämtliche Erben innerhalb des Familienstamms werden in fünf Ordnungen unterteilt. Sind Erben oberer Ordnungen (etwa Kinder und Enkel) vorhanden, dann schließt Ihr Anspruch bereits weiter entfernte Verwandte wie Onkel, Tanten und Cousins als Erben geringerer Ordnung von der Erbfolge aus. Wichtig: Auch auf einen Pflichtteil wird Erbschaftssteuer fällig, wenn er die Freibetragsgrenze übersteigt.

Mehr Informationen finden Sie in unserem Artikel: Gesetzliche Erbfolge. Einen Pflichtteilsanspruch haben beispielsweise zunächst die Kinder des Erblassers. Das betrifft eheliche Kinder übrigens genauso wie uneheliche und adoptierte Kinder. Darüber hinauskommen der eigene Ehepartner und die eigenen Eltern des Erblassers als Erben in Betracht, wenn keine Kinder oder Enkel vorhanden sind. Sie können dann ein Pflichtteil fordern.

Wie groß ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil ist nicht identisch mit dem gesetzlichen Erbteil, sondern exakt halb so groß. Bei der Berechnung des Anteils werden auch Verwandte berücksichtigt, die von der Erbfolge ausgeschlossen werden. Entweder weil sie das Erbe ausgeschlagen haben, erbunwürdig sind oder enterbt wurden. Eine Ausnahme: Aus der Rechnung ausgeschlossen werden diejenigen, die schon zu Lebzeiten des Erblassers vertraglich auf das Erbe verzichtet haben.

Nachdem die Quote für alle Pflichtteilsberechtigten steht, wird der eigentliche Nachlasswert bestimmt. Bei Immobilien handelt es sich meist um den Verkehrswert bei Verkauf. Der Pflichtteilsberechtigte hat das Recht, ein Nachlassverzeichnis zu verlangen und kann während der Anfertigung auch anwesend sein. Auch steht es ihm zu, die Einsetzung eines Sachverständigen zu verlangen, um den Wert des Erbes zu ermitteln. Doch eine professionelle Schätzung ist teuer und mindert dementsprechend auch den Pflichtteil. Hinweis: Bei kleineren Nachlässen ist es sinnvoll, dass sich Erben und Pflichtteilsberechtigte über einen Wert einigen.

Enterben: Kann der Pflichtteil entzogen werden?

In den seltensten Fällen ist es möglich dem Anspruch auf ein Pflichtteil zu widersprechen. Es muss dem Erblasser unzumutbar sein, diesen Anteil dem Pflichtteilsberechtigten zu hinterlassen. Das ist der Fall, wenn anzunehmen ist, dass der Enterbte dem Erblasser oder dessen nächsten Angehörigen nach dem Leben trachtet oder er sich gegenüber dem Erblasser eines Verbrechens oder schweren Vergehens schuldig gemacht hat. Darunter fallen Straftaten wie Diebstahl oder Körperverletzung. Auch eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung genügt als hinreichender Grund für den Entzug des Erbteils. Eine Beleidigung allein, aber auch ein anhaltender Streit sind jedoch kein Grund, um einem Anspruch auf ein Pflichtteil zu widersprechen. Auch Kinder, die den Kontakt abgebrochen haben oder sich nicht um den Erblasser kümmern, können nicht vollständig enterbt werden.

Kann ein Pflichtteilsanspruch verjähren?

Der Enterbte kann innerhalb einer Frist von drei Jahren, beginnend mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstand, auf sein Recht bestehen sein Pflichtteil zu erhalten.

Was ist eine Pflichtteilsergänzung?

Hat der Erblasser sein Vermögen vor seinem Tod ganz oder zum Teil verschenkt, kann ein Pflichtteilsberechtigter verlangen, so gestellt zu werden, als wäre die Erbmasse nicht nicht zuvor um den Betrag der Schenkungssummen geschmälert worden. Das bedeutet, ihm steht mehr Geld zu als nach Bemessung der vorhandenen Erbmasse. Diese Regelung greift allerdings nur, wenn zwischen Schenkung und Erbfall weniger als 10 Jahre liegen.

Ausnahme im Scheidungsfall: Bei Schenkung eines Grundstücks kann der Beginn des Fristlaufs verhindert werden. Sollte die Schenkung an einen zwischenzeitlich geschiedenen Ehepartner gegangen sein, endet die Frist 10 Jahre nach Aufhebung der Ehe. Hatte die Ehe jedoch bis zum Sterbefall bestand, existiert keine Frist. Die Schenkung bleibt gültig ohne Einfluss auf die Höhe des Pflichtteils. Die Ergänzung des Pflichtteils erfolgt grundsätzlich nach einem Stufenmodell. Die Erben müssen den Pflichtteil des Anspruchseigners auch ergänzen, wenn ein Dritter als außenstehender beschenkt wurde. Im Gegenzug muss sich ein Pflichtteilsberechtigter jede Schenkung anrechnen lassen, die er bereits zu Lebzeiten erhalten hat.

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