So können Sie die Erbschaftssteuer umgehen

So können Sie die Erbschaftssteuer umgehen

In diesem Ratgeber geben wir Tipps, was Sie als Erblasser beachten müssen, um die Erbschaftssteuer für die Erben so gering wie möglich zu halten.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
20.08.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Übersteigt der Wert einer Erbschaft die Höhe des Steuerklassenfreibetrags, ist eine Erbschaftssteuer für den Erben fällig.
  • Durch die frühzeitige Steuergestaltung stehen dem Erblasser Mittel zur Verfügung, mit denen er die Erbschaftssteuer für die Erben gering halten kann.

Wer in Deutschland etwas erbt, ist zwangsläufig auch von der Erbschaftssteuer betroffen. Da man als Erbe die Erbschaftssteuer wenig beeinflussen kann, sollte sich der Erblasser schon zu Lebzeiten mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, wie man die Erbschaftssteuer legal umgehen kann.

Fall 1: Das Erbe liegt unter dem gesetzlichen Freibetrag

Das Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz regelt unter anderem die Bedingungen, unter denen keine Erbschaftssteuer gezahlt werden muss - und zwar in erster Linie in Form von Freibeträgen. Diese richten sich nach dem Verwandtschaftsgrad des Erben zum Erblasser, wobei folgendes gilt: Je näher der Erbe mit dem Erblasser verwandt ist, desto höher ist der Erbschaftssteuerfreibetrag. So kann beispielsweise der Ehepartner beziehungsweise eingetragene Lebenspartner einen Freibetrag von 500.000 Euro wirksam machen, während es beim Lebensgefährten nur 20.000 Euro sind. Begründet wird dies durch die unterschiedlichen Steuerklassen, denen die Erben zugeordnet sind. Neben dem allgemeinen Freibetrag richten sich danach auch die Freibeträge für die Versorgung, den Hausrat und andere Güter. In der Steuerklasse I, zu der Ehepartner und Kinder gehören, beträgt der Versorgungsfreibetrag für Ehepartner 256.000 Euro und für Kinder je nach Alter zwischen 10.300 und 52.000 Euro, der Freibetrag für Hausrat 41.000 Euro und der für andere Güter 12.000 Euro. Im besten Fall kann beispielsweise die Ehefrau eines verstorbenen Erblassers als Begünstigte einen Freibetrag von bis zu 809.000 Euro geltend machen. Liegt das Erbe unter den jeweiligen Freibeträgen, müssen demnach keine Steuern gezahlt werden.

Fall 2: Das Erbe liegt über dem gesetzlichen Freibetrag

Wenn das Erbe über den Freibeträgen liegt, gibt es dennoch Wege, die Erbschaftssteuer zu umgehen. Voraussetzung dafür ist, dass sich der Erblasser schon frühzeitig mit seinen Vermögenswerten, die er vererben möchte, auseinandersetzt. Eine frühzeitige Planung der Steuergestaltung bei der Erbschaft verringert die Erbsteuer auf ein Mindestmaß und das Vermögen kommt in größerem Umfang beim Begünstigten an.

Schenkung

Zwar fällt auch bei Schenkungen eine Schenkungssteuer an, doch auch die Schenkungssteuer lässt sich umgehen. Ilm Gegensatz zur Erbschaftssteuer können die geltenden Freibeträge alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden. Verfügt ein Erblasser beispielsweise über ein Vermögen von 800.000 Euro und möchte den gesamten Wert an sein Kind vererben, dann kann er schon zu Lebzeiten eine Schenkung von 400.000 Euro veranlassen. Dieser Wert liegt im Rahmen des Freibetrags und der Begünstigte, in dem Fall das Kind, muss keine Schenkungssteuer abtreten. 10 Jahre später kann der Erblasser erneut diese Schenkung vollziehen, es sei denn, er ist mittlerweile verstorben. Dann liegt das Erbe bei 400.000 Euro und ist auch nicht von der Erbschaftssteuer betroffen.

Änderung der Familienverhältnisse

Holzschnitt Familie Richterhammer
Durch eine Adoption kommt die angenommene Person im Erbfall in eine bessere Steuerklasse und die Erbschaftssteuer lässt sich umgehen.

Eine weitere Möglichkeit, die Erbschaftssteuer zu umgehen, ist die gewollte Änderung der Familienverhältnisse, denn durch die Heirat des Lebensgefährten oder die Adoption einer dem Erblasser nahestehenden Person ändern sich die Erbschaftssteuerklasse und demnach auch die Freibeträge. Der geehelichte Lebenspartner steigt in die Steuerklasse I auf und profitiert nun von einem Freibetrag von 500.000 Euro, während die Person durch die Adoption wie ein leibliches Kind angesehen wird und einen Freibetrag von 400.000 Euro geltend machen kann.

Erben auf Umwegen

In speziellen Fällen kann es sinnvoll sein, die Schenkung mit einer Erbschaft zu koppeln. Möchte etwa ein kinderloser Mann sein Vermögen an seinen Neffen vererben, dann kann dieser nur einen Freibetrag von 20.000 Euro geltend machen. In dem Fall sollte der Erblasser zunächst eine Schenkung an seine eigenen Eltern verfügen, die jeweils einen Freibetrag von 100.000 Euro haben. Die Eltern können dann ihren Enkel als Haupterben in ihrem Testament einsetzen, wobei der Freibetrag für den Enkel somit auf 200.000 Euro ansteigt.

Immobilien

Besteht das Erbe nicht aus einem Geldvermögen, sondern einer Immobilie, dann gelten dafür Sonderreglungen. Die Erbschaftssteuer bei Immobilien lässt sich umgehen, wenn der Erblasser die Immobilie seinem hinterbliebenen Ehegatten oder seinen Kindern vererbt und der Erbe oder die Erben die Immobilie als ständigen Wohnsitz eintragen sowie wenigstens 10 Jahre in ihr wohnen. Fällt die Zeitspanne kürzer aus, dann wird nur dann keine Erbschaftssteuer fällig, wenn der Erbe eindeutig nachweisen kann, dass er die Immobilie aus zwingenden Gründen verkaufen muss - beispielsweise weil ein Umzug in ein Altenheim notwendig wird.