Ratgeber Testament: Wozu ein Erbschein?

February 11, 2019
2019-02-11

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Erbschein dient als Nachweis gegenüber Dritten, dass Erben rechtmäßig über den Nachlass verfügen dürfen. Es wird darin festgehalten, wer Erbe ist und wie groß der Erbanteil ist.
  • Ein Erbschein ist nötig, wenn weder ein notarielles Testament, noch ein Erbvertrag vorliegen.
  • Die Kosten für einen Erbschein liegen beim Antragsteller und variieren je nach Größe des Nachlasses.

Was ist ein Erbschein? 

Ein Erbschein ist ein amtliches Zeugnis und gibt Auskunft darüber, wer der Erbe ist, wie groß dessen Erbteil ist und welche anderen Anordnungen noch vorliegen, wie beispielsweise die Regelung einer Nacherbschaft oder eine Testamentsvollstreckung.

Erteilt wird der Erbnachweis als Alleinerbschein, als gemeinschaftlicher Erbschein für eine Erbengemeinschaft oder als Teilerbschein einzeln für jeden Miterben.


Wann ist ein Erbschein nötig?

Gegenüber Dritten, wie beispielsweise Banken, Versicherung, Grundbuchamt ermöglicht der Erbschein dem rechtmäßigen Erben über das Erbe zu Verfügen, wenn beispielsweise weder eine beglaubigte Kopie eines notariellen Testaments, noch ein Erbvertrag gemeinsam mit einem Eröffnungsprotokoll vorliegen. Ein handschriftliches Testament reicht als Nachweis über den Erbanspruch aus, sobald es vom Gericht geöffnet und beglaubigt wurde. Auch bei Vorlage einer gültigen Konto- oder Vorsorgevollmacht ist ein Erbschein nicht zwingend notwendig.

Sollte der Verstorbene keinen letzten Willen hinterlassen haben, in welchem Erben genannt sind, greift die gesetzliche Erbfolge. In einem solchen Fall benötigt der gesetzliche Erbe einen Erbschein, um seinen Anspruch geltend zu machen.

Wer einen solchen Erbschein beantragt nimmt das Erbe automatisch an, auch jedwede bestehende Schulden. Ein Ausschlagen des Erbes ist somit nicht mehr möglich. Bei einer Erbengemeinschaft mit einem gemeinsamen Erbschein werden die Kosten aufgeteilt.


INFO: Vermächtnisnehmer und Pflichtteilsberechtigte dürfen keinen Antrag für einen Erbschein stellen.


Wo und wie erhält man einen Erbschein?

Der Erbschein ist beim Notar oder Rechtspfleger des Nachlassgerichts zu beantragen. Dies kann sowohl schriftlich als auch mündlich geschehen. Eine mündliche Antragstellung wird in ein Protokoll aufgenommen. Bei der Antragstellung müssen explizit diejenigen benannt werden, die aufgrund der gesetzlichen Erbfolge, eines Erbvertrags oder Testaments Erben werden und in welchem Verhältnis sie erben.

Ein Gericht prüft den Antrag und die Urkunden, die im Original oder als beglaubigte Kopie eingereicht werden müssen. Darüber hinaus wird die Identität des Erben überprüft. Existieren ein Testament oder ein Erbvertrag müssen diese ebenfalls vorgelegt werden. Ist dies nicht der Fall muss als Nachweis eine Urkunde eingereicht werden, die den Erbanspruch beweist. Dies kann beispielsweise eine Heirats- oder Geburtsurkunde sein.

Neben den gesetzlichen Erben können auch Testamentsvollstrecker, Nachlassverwalter, Nachlassinsolvenzverwalter und Gläubiger einen Erbschein beantragen. Zuständig ist immer das Amtsgericht des Bezirks, in welchem der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz hatte.


Was gehört in einen Erbschein-Antrag?

Diese Dokumente sind für die Antragstellung wichtig:

- Personalausweis oder Reisepass

- Sterbeurkunde des Verstorbenen

- falls vorhanden Testament oder Erbvertrag

- Geburts- und Sterbeurkunden aller Erben oder vorverstorbenen Erben

- Anschriften aller Erben


Was kostet ein Erbschein?

Die Erstellung eines Erbscheins ist grundsätzlich kostenpflichtig und hängt von der Größe des Nachlasses und den Schulden des Erblassers ab. Sobald eine eidesstattliche Versicherung abzugeben ist, fällt eine Gebühr in gleicher Höhe an. Grundsätzlich zahlt der Antragsteller für die Beantragung, allerdings muss sich in einer Erbengemeinschaft jeder an den Kosten beteiligen.

Auszug aus Gebühren für den Erbschein
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 10.000 Euro beträgt die Gebühr 75 Euro (150 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung) 
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 50.000 Euro beträgt die Gebühr 165 Euro (330 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung)
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 110.000 Euro beträgt die Gebühr 273 Euro (546 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung)
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 200.000 Euro beträgt die Gebühr 435 Euro (870 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung) 
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 500.000 Euro beträgt die Gebühr 935 Euro (1.870 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung)
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 1.000.000 Euro beträgt die Gebühr 1.735 Euro (3.470 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung) 
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 1.500.000 Euro beträgt die Gebühr 2.535 Euro (5.070 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung) 
  • für einen Nachlass mit Geschäftswert von bis zu 2.000.000 Euro beträgt die Gebühr 3.335 Euro (6.670 Euro inklusive eidesstattlicher Versicherung)


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