Fettleber: Ursachen, Symptome, Behandlung

Fettleber: Ursachen, Symptome, Behandlung

Fast ein Viertel aller deutschen Erwachsenen leidet an einer Fettleber. Erfahren Sie hier, wie Sie eine Leberverfettung erkennen und wie sie behandelt wird.

Luisa Kretschmann
Luisa Kretschmann
17.04.2020

Fettleber: Ursachen und Therapie für die häufigste Lebererkrankung

Ein Mythos hält sich hartnäckig: Nur Alkoholiker leiden an einer Fettleber. Das ist jedoch nicht richtig. Die Fettleber, die häufigste chronische Leberkrankheit, kann auch andere Ursachen haben. Doch wie entsteht eine verfettete Leber? Schuld kann ein ungesunder Lebensstil sein, aber auch durch Medikamenteneinnahme oder als Nebeneffekt einer anderen Erkrankung kann sich eine Fettleber entwickeln.

Etwa jeder vierte Erwachsene über 40 Jahren leidet in Deutschland an einer verfetteten Leber. Aber auch jedes dritte übergewichtige Kind ist bereits an einer verfetteten Leber erkrankt. Prognosen für das Jahr 2025 besagen, dass zu diesem Zeitpunkt zwischen 50 und 60 Millionen Europäer und US-Amerikaner an einer nicht-alkoholischen Leberentzündung leiden werden.

Was sind die Ursachen für eine Fettleber?

Alkoholmissbrauch ist eine häufige Ursache der Leberverfettung, allerdings gibt es außer der alkoholischen Fettleber auch die nicht-alkoholische Fettleber, die viele verschiedene Ursachen haben kann. In vielen Fällen entsteht die Fettleber (Steatosis hepatis) aufgrund der heutigen Lebensweise. Daher rechnet man sie zu den Zivilisationskrankheiten. Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor, doch auch schlanke Menschen können an einer Leberverfettung erkranken: Mangelernährung, beispielsweise in Form eines Eiweißmangels, begünstigt auf Dauer die Entstehung der Krankheit.

Lebererkrankungen wie Morbus Wilson oder Hepatitis C, chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn sowie eine Chemotherapie können zur Entstehung einer Fettleber beitragen. Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine genetische Veranlagung bei der Verfettung der Leber eine Rolle spielt. Zudem erhöht sich das Risiko, an einer Fettleber zu erkranken, während der Schwangerschaft, nach einer teilweisen Leberentfernung, aber auch nach Operationen, die Auswirkungen auf den Dünndarm haben. Auch bestimmte Medikamente können eine Leberverfettung begünstigen.

Die Mehrheit der Lebererkrankten leidet an einer nicht-alkoholischen Fettleber. Bei 70 bis 90 Prozent der Erkrankten lassen sich Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) als Ursache identifizieren. Die alkoholische Fettleber ist in der Bevölkerung insgesamt weniger verbreitet, doch Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Alkoholiker an einer Fettleber leiden. Gut zu wissen: Bei Männern kann bereits die tägliche Alkoholaufnahme von 24 bis 30 Gramm reinem Alkohol die Leber schädigen – das sind ein großes Glas Wein (300 ml) oder drei kleine Bier (0,75 l). Bei Frauen reicht sogar nur die halbe Alkoholmenge täglich aus, damit die Leber erkrankt.

Fettleber: Was sind die Symptome?

Im Normalzustand liegt der Fettgehalt der Leber bei weniger als fünf Prozent. Der Anteil kann durch die oben beschriebenen Ursachen stark ansteigen. Bei einer schweren Fettleber sind mehr als zwei Drittel der Leberzellen verfettet. Zu Beginn treten bei einer Fettleber geringe bis keine bzw. nur sehr unspezifische Symptome auf. Die Erkrankung kann so mehrere Jahre unbemerkt voranschreiten. Selbst bei einer entzündeten Fettleber müssen nicht zwangsläufig Symptome auftreten: Nur etwa die Hälfte der Betroffenen haben im späteren Verlauf Beschwerden.

Das Krankheitsbild der Leberverfettung kann in drei Phasen unterteilt werden:

  • In der ersten Phase beginnt die Leber Fett einzulagern. Da sie noch keine entzündliche Reaktion zeigt, bleibt dies jedoch häufig unbemerkt.
  • Während der zweiten Phase, auch Leberfibrose genannt, entsteht eine entzündliche Reaktion in der Fettleber. Bei etwa jedem zweiten Patienten tritt diese Phase der Erkrankung ein.
  • Die dritte Stufe ist die Leberzirrhose, an der etwa zehn Prozent der Fettleber-Patienten erkrankt.

Zu den unspezifischen Symptomen, die bei der Fettleber vorkommen können, zählen Völlegefühl und ein unangenehmes Druckgefühl im oberen Bauch, das einige Erkrankte empfinden – jedoch häufig erst bei fortschreitender Krankheit. Durch die Fetteinlagerungen wird die Leber größer und übt Druck auf die Bauchdecke und umliegende Organe aus. In schlimmen Fällen wächst sie auf das Doppelte ihrer normalen Größe an und wird dementsprechend auch schwerer. Des Weiteren können auftreten:

  • wenig Appetit bis Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit und Schlappheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Druckgefühl im Oberbauch

Diagnose Fettleber: Wie wird sie erkannt?

Die Diagnose Fettleber wird in den meisten Fällen eher zufällig im Rahmen von anderen Untersuchungen gestellt. So kann sie z. B. bei einem Ultraschall entdeckt werden: Das Organ zeigt sich auf dem Ultraschallbild vergrößert und heller als normal. Auch im Rahmen einer Blutuntersuchung während einer Vorsorgeuntersuchung kann eine Fettleber durch Zufall diagnostiziert werden – allerdings meist nicht in der ersten Phase der Erkrankung, sondern erst, wenn sich das Organ bereits entzündet hat.

Da die Leber durch die Verfettung nicht mehr ihrer eigentlichen Aufgabe der Stoffwechselkontrolle nachkommt, geraten mit der Zeit der Blutzucker sowie die Blutfettwerte außer Kontrolle. Tritt eine Fettleber auf, ist häufig das Gamma-GT-Enzym erhöht. Zusätzlich kann bei fortgeschrittener Fettleberhepatitis die Konzentration von Transaminasen erhöht sein. Diese Enzyme treten vor allem in der Leber, aber auch in Herz und Muskeln auf. Jedoch kann dies auch für eine andere Erkrankung sprechen.

Fettleber unter dem Mikroskop
Durch die Untersuchung der Leberzellen unter dem Mikroskop erkennt man eine Fettleber am zuverlässigsten. Erkennbar ist auch, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.

Ob tatsächlich eine Fettleber vorliegt, kann nur durch weitere Tests herausgefunden werden, zum Beispiel durch eine Untersuchung des Gewebes aus der Leber (Biopsie). Mit dieser Methode lässt sich eine Fettleber am zuverlässigsten erkennen. Durch die Biopsie ist auch ersichtlich, wie weit die Leberzellverfettung bereits fortgeschritten ist. Zunehmend setzen sich auch weitere Untersuchungsmethoden zur Erkennung der Fettleber durch, etwa die Kernspintomografie (auch MRT genannt) oder die transiente Elastographie. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ultraschalluntersuchung, bei der die Steifigkeit der Leber gemessen wird. Dadurch können Leberfett- und Bindegewebsgehalt bestimmt werden.

Welche Folgen kann die Fettleber haben?

Als Begleiterscheinung von Übergewicht ist die Fettleber an sich in den meisten Fällen eher harmlos. Jedoch kann die Verfettung der Leber auch ernste Folgen haben: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen entsteht eine Fettleberhepatitis. Bleibt diese unerkannt und unbehandelt, kann sich aus der Entzündung eine Leberzirrhose entwickeln. Dabei sterben die Zellen der Leber ab und das Organ vernarbt und schrumpft. Die Leber kann den Stoffwechsel nicht mehr richtig regulieren, zudem erhöht sich das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, signifikant. Doch nicht nur das Organ selbst wird geschädigt, sondern es steigt auch das Risiko, an Typ 2-Diabetes oder an Bluthochdruck zu erkranken. Zudem steigt die Gefahr für Herz-Kreislauf-Krankheiten bis hin zum Herzinfarkt.

Wie kann die Fettleber geheilt werden?

Die gute Nachricht: Eine Fettleber kann durch eine Umstellung der Ernährung und des Lebensstils wieder gesund werden. Besonders wenn Sie rechtzeitig gegensteuern und Ihren Lebensstil ändern, kann sich die Leber meist wieder vollständig erholen.

Gesunde Lebensmittel, die gegen die Fettleber wirken
Der Großteil der Fettleber-Erkrankungen geht auf Übergewicht und Adipositas zurück. Eine Umstellung der Ernährung führt in vielen Fällen dazu, dass sich die Leber wieder erholt.

Der vollständige Verzicht auf Alkohol spielt bei der Genesung der Leber eine große Rolle. Haben Sie Probleme, auf das Glas Wein, Bier oder Schnaps zu verzichten? Suchen Sie sich Hilfe. Doch auch Betroffene, die an einer nicht-alkoholischen Fettleber leiden, sollten auf Alkohol verzichten. Die weitere Therapie richtet sich nach den identifizierten Ursachen der Leberverfettung.

  • Sind Krankheiten wie eine Fettstoffwechselstörung oder Diabetes die Ursache, kann die Fettleber mit Hilfe von Medikamenten sehr gut behandelt werden.
  • Ist Übergewicht ursächlich, kann durch eine Umstellung der Ernährung und ausreichend Bewegung die verfettete Leber geheilt werden.

Bei der Umstellung der Ernährung sollte man keinesfalls Nulldiäten und Hungerkuren durchführen, da sie häufig nur kurzfristige Erfolge zeigen und Stress für den Körper bedeuten. Als gesund gilt ein Gewichtsverlust von etwa einem halben bis einem Kilogramm Körpergewicht pro Woche. Eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung kann zu Erfolgen bei der Gewichtsreduktion führen. Eine bei Fettleber bewährte Diät ist die Low-Carb-Diät, bei der das Essen von Kohlenhydraten reduziert wird. Verzichten Sie vor allem auf einfache Kohlenhydrate, wie Kartoffeln oder Produkte aus Weißmehl. Auch sollten Sie Zucker nur in Maßen zu sich nehmen – dazu gehört auch Fruchtzucker. Das Ziel ist neben der Gewichtsreduktion vor allem auch eine Normalisierung des Stoffwechsels, damit sich die Einlagerungen in der Leber zurückbilden können.