Nachlass und Erbe

Nachlass und Erbe

Erbschaft ist Verantwortung. Wir erklären, worauf es bei der Nachlassregelung wirklich ankommt, welche Gesetze gelten und welche Vorsorge Sie treffen können.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
27.09.2019

Gewaltige Summen werden Jahr für Jahr in Deutschland vererbt: Bis zu 400 Milliarden Euro in Vermögenswerten wechseln jedes Jahr den Besitzer. Schätzungen zufolge wird das Gesamtvolumen aller Erbschaften bis zum Jahr 2024 über 3 Billionen Euro betragen. Doch Nachlass und Erbe sind mit vielen Fallstricken und Unwägbarkeiten verbunden. Gut beraten ist, wer sich frühzeitig über alle rechtlichen und sachlichen Voraussetzungen informiert, ob als Erbe oder künftiger Erblasser.

Nachlass und Erbe regeln

Die Gesetzliche Erbfolge

Liegt kein Testament oder ein anderes Dokument vor, dass den Nachlass eines Verstorbenen verbindlich regelt, dann greift zuallererst die gesetzliche Erbfolge. Sie legt fest, welche Angehörigen welchen Anteil vom Erbe erhalten - und zwar absteigend vom Grad der Verwandtschaft ausgehend. Nächste Angehörige eines Verstorbenen sind Kinder und Ehegatten oder Verwandte. Die gesetzliche Erbfolge legt den Erbanspruch nach Ordnungen fest: Je näher die Verwandtschaft, desto höher die Ordnung. Im einfachsten Fall werden Kinder und Ehegatten als nächste Angehörige ermittelt. Verwandte sind dann bereits vom Erbe ausgeschlossen (§ 1930 BGB). Hinterlässt der Tote keine Kinder, oder Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner, setzt die gesetzliche Erbfolge die darauffolgenden Verwandten als Erben ein.

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Einzeltestament

Das Testament ist das Mittel der Wahl für alle, die die Weitergabe Ihres Vermögens nicht an die gesetzlichen Vorgaben zur gesetzlichen Erbfolge koppeln, sondern stattdessen eigene Verfügungen über die Verteilung ihres Eigentums treffen wollen. Das Testament eröffnet dem sogenannten „Erblasser“, also demjenigen, der ein Erbe hinterlässt, ein großes Spektrum an Möglichkeiten. Dabei gilt es jedoch, formale und inhaltliche Voraussetzungen zu erfüllen, damit ein Testament auch über den eigenen Tod hinaus Gültigkeit entfalten kann, denn ein Testament ist eine Verfügung von Todes wegen und damit eine Urkunde.

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Berliner Testament

Ein Testament ist nicht zwingend eine Einzelangelegenheit. Es kann sowohl als Einzeltestament als auch als Ehegattentestament aufgesetzt werden (obwohl auch beide Ehepartner jeweils ein Einzeltestament errichten können). Das Ehegattentestament ist ein gemeinschaftliches Testament, dessen berühmteste Spielart sogar einen eigenen Namen erhalten hat: Das sogenannte Berliner Testament. Bei dieser Spielart des Ehegattentestaments setzen sich beide Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein, unabhängig davon, ob sie erbberechtigte Kinder haben oder nicht. Erst nachdem auch der zweite Ehepartner verstorben ist, kommen die eigenen Nachkommen als Erben ins Spiel. Das Berliner Testament ist eine beliebte Form der testamentarischen Absicherung, um den eigenen Partner dauerhaft abzusichern, ohne dass das Vermögen vorzeitig um notwendige Pflichtteile für die eigenen Kinder geschmälert wird.

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Erbvertrag

Der Erbvertrag ist das Mittel der Wahl für unverheiratete Paare, die sich gegenseitig absichern wollen. Denn während Verheiratete auch ohne Testament von der gesetzlichen Erbfolge abgesichert sind, gehen Unverheiratete im Todesfall leer aus. Der Erbvertrag ist ein probates Mittel, um diesen Fall nicht einfach zu umgehen, sondern um sich darüber hinaus zuverlässig gegenseitig abzusichern, denn anders als Verheiratete können Unverheiratete kein gemeinsames Testament aufsetzen.
Genauso wie das Testament ist der Erbvertrag eine Verfügung von Todes wegen, anders als das Testament ist der Erbvertrag jedoch nur mit notarieller Beurkundung wirksam. Ist der Vertrag jedoch einmal geschlossen und beurkundet, entfaltet er die gleiche Rechtswirksamkeit wie das Testament über den Tod hinaus. Er kann regulär nur mit Zustimmung beider Vertragspartner verändert oder aufgelöst werden. Verstirbt also ein Partner nach Vertragsschluss, dann bleiben sämtliche getroffenen Vereinbarungen bis zum Tod des verbleibenden Partners gültig.

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Sorgerechtsverfügung

Wir alle hinterlassen etwas weitaus wichtigeres als Vermögen: Verantwortung. Das gilt umso mehr, wenn Eltern vor der Zeit etwas zustößt. Wer trägt Sorge für die eigenen minderjährigen Kinder, wenn die Eltern es nicht mehr können? Denn auch wenn Familiengerichte im Ernstfall die eigene Familie in die Suche nach einer geeigneten Vormundschaft einbeziehen – das Sorgerecht geht nicht automatisch an nächste Verwandte über, zumal wenn das Gericht zu der Einschätzung gelangt, dass eine unabhängige Institution oder Pflegefamilie möglicherweise besser geeignet ist, den betroffenen Kindern ein stabiles Umfeld zu bieten.

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Bestattungsvorsorge: Vorstellungen festhalten, Angehörige entlasten

Ein Begriff – drei Möglichkeiten: Bestattungs­vorsorge beschreibt genau diejenigen Maßnahmen, die jeder bereits zu Lebzeiten treffen kann, um seine Regelungen zur eigenen Beisetzung zu festzuhalten. Zur vollständigen Bestattungsvorsorge gehören dabei

  • Eine Bestattungsverfügung, um die eigenen Vorstellungen zu fixieren,
  • Eine Sterbegeldversicherung, die die Kosten zur Realisierung deckt und so die Angehörigen bereits im Vorfeld entlastet
  • Optional: Ein Vorsorgevertrag mit einem Bestatter nach Wahl der sämtliche vereinbarte Schritte nach dem Tod selbständig in die Wege leitet.

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Eine Regel und ihre Ausnahmen

Nachlass und Erbe sind kompliziert: Wer soll in welchem Umfang womit bedacht werden? Welche Ausnahmen und Sonderfälle wollen geregelt sein? Was passiert bei unklaren Eigentumsverhältnissen, schwer teilbaren Vermögenswerten oder einer überschuldeten Erbmasse? In unserem Ratgeber haben wir die wichtigsten Artikel um die schwierigen Aspekte der Nachlassregelung zusammengeführt:

Enterben

So wichtig die Familie im Leben eines Menschen ist, nicht immer bleibt das Verhältnis zwischen Familienangehörigen reibungslos. Kommt es zum Äußersten, ist manch einer versucht, eine schmerzvolle Verbindung endgültig zu lösen und ein Familienmitglied zu enterben. Prinzipiell ist das immer möglich, auch ist der Vorgang an keine besonderen Voraussetzungen gebunden, aber: Es ist nicht möglich, ein Familienmitglied erster Ordnung tatsächlich ersatzlos aus der Erbfolge zu streichen - sein Anspruch auf ein Pflichtteil besteht auch dann, wenn ein Betroffener enterbt wird, sein Pflichtteil einfordert und keine strafrechtlich relevanten Gründe vorliegen, die der Herausgabe des Pflichtteils entgegenstehen.

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Erbe ausschlagen

Eine Erbschaft kann auch Risiken bergen: Etwa, wenn eine Erbmasse überschuldet ist, baufällige Immobilien umfasst, die hohe Folgekosten nach sich ziehen können oder ein Erbe so hoch verschuldet ist, dass sein Erbanteil allein in die Tilgung seiner Verbindlichkeiten fließen würde. Jeder der genannten Fälle kann ein Grund sein, eine Erbschaft auszuschlagen. Wie in allen unklaren Lebenslagen gilt: Ruhe bewahren. Jeder potenzielle Erbe hat sechs Wochen Zeit, eine Erbschaft auszuschlagen, nachdem ihm bekannt geworden ist, dass er oder sie als Erbe per Testament oder gesetzlicher Erbfolge eingesetzt worden ist. Diese Zeit gilt es zu nutzen, um Einblick in die vorhandenen Vermögenswerte zu erhalten und zu einer Entscheidung zu gelangen. Wichtig: In dieser Zeit darf auf keinen Fall ein Erbschein beantragt werden!

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Erbschein beantragen

Der Erbschein ist ein rechtsgültiger Nachweis darüber, wer im Erbfall erbberechtigt ist. Darin aufgeführt ist auch, wie groß der Anteil eines Erben am Nachlass ist. Damit dient der Erbschein im Rechtsverkehr dazu, den eigenen, berechtigten Erbanspruch zu beweisen. Wichtig: Wer einen Erbschein beantragt, tritt ein Erbe automatisch an - ist der Antrag einmal gestellt, ist es nicht mehr möglich ein Erbe auszuschlagen.

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Erbschaftssteuer

Wer beschenkt wird oder ein Erbe antritt, erwirbt in den Augen des Finanzamts einen Vermögenszuwachs., darum zieht jedes größere Geschenk und jede Erbschaft Schenkungssteuer oder Erbschaftssteuer nach sich. Innerhalb von drei Monaten nach Antreten der Erbschaft müssen Erben ihren Vermögenszuwachs ihrem zuständigen Finanzamt melden und ggf. eine Erbschaftssteuererklärung abgeben.

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Welche Möglichkeiten es gibt, die Erbschaftssteuer möglichst niedrig zu halten, erfahren Sie in unserem Artikel “Erbschaftssteuer umgehen”.

Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung

Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter üben ähnliche Funktionen aus, dienen aber unterschiedlichen Interessen.

Eine Testamentsvollstreckung kann vom Erblasser angeordnet werden, wenn der oder die Verstorbene Zweifel an der Einigungsfähigkeit der künftigen Erbengemeinschaft hat. Die Testamentsvollstreckung dient dazu, den Willen des Verstorbenen umzusetzen. Dazu ernennt er im Rahmen seines Testaments einen Testamentsvollstrecker, üblicherweise handelt es sich dabei um eine Vertrauensperson des Erblassers. Der Testamentsvollstrecker übernimmt nicht nur bürokratischen Aufgaben, die sich aus der Eröffnung und Umsetzung des letzten Willens ergeben, er kann auch dauerhaft die finanzielle Fürsorge eines Minderjährigen bis zu dessen Volljährigkeit verantworten.

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Der Nachlassverwalter trägt Sorge für die verantwortungsvolle Verwaltung eines Nachlasses. Ziel der Nachlassverwaltung ist aber nicht die testamentsgetreue Aufteilung des Erbes unter in Frage kommenden Angehörigen, sondern Wahrung der Ansprüche von Gläubigern, wenn der Verstorbene Schulden hatte, die aus dem Nachlass ganz oder in Teilen getilgt werden. Dazu wird ein Nachlassverwalter vom Nachlassgericht (meistens dem zuständigen Amtsgericht) eingesetzt. Mit Übernahme seiner Aufgaben haben mögliche Erben keinen Zugriff mehr auf Vermögen aus der Erbmasse.

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