Schulden erben: Diese Möglichkeiten gibt es

Schulden erben: Diese Möglichkeiten gibt es

Kann man Schulden erben? Ja, das geht - Allerdings, ist es es nicht immer sinnvoll. Wir erklären, wann sie ein Erbe mit Schulden annehmen sollten - und wann nicht.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
27.01.2020

Kommt es zu einem Todesfall, geht das Vermögen des Verstorbenen bekanntlich an dessen Erben über. Das gilt allerdings auch für Schulden. Wer die Erbschaft also annimmt, ohne die finanziellen Verhältnisse des Verstorbenen im Voraus zu überprüfen, riskiert damit eine Haftung für die geerbten Schulden.

Eine Möglichkeit besteht in solchen Fällen darin, das Erbe auszuschlagen. Allerdings ist das nicht in jedem Fall sinnvoll. Handelt es sich bei den Schulden beispielsweise um den Kredit für ein Haus, das noch nicht vollständig abbezahlt ist, entscheiden sich viele Erben dennoch für den Nachlass. Eine Frage also, die in jedem Fall individuell entschieden werden muss. In diesem Zuge ist es wichtig, sich einmal mit der Thematik einer Erbschaft mit Schulden sowie den verschiedenen Möglichkeiten für betroffene Erben auseinanderzusetzen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Ob man eine Erbschaft annehmen oder ausschlagen sollte, hängt von vielen Faktoren ab und ist eine individuelle Entscheidung.
  • Potenzielle Erben sollten sich jedoch im Voraus über die Vermögensverhältnisse des Verstorbenen informieren, denn wer ein Erbe antritt, bekommt alles – auch die Schulden.
  • Ist eine Erbschaft mit Schulden verbunden, ist das nicht immer ein Grund, die Erbschaft auszuschlagen. Sind die Schulden mit einem Wertgegenstand verbunden, dann gehört einem dieser nach Zahlung der Verbindlichkeiten. Das ist vor allem bei Immobilien eine Überlegung wert.

Vorsorge ist auch bei der Erbschaft wichtig

Zwar gibt es viele gesetzliche Regelungen rund um die Erbschaft, sodass im Fall eines ausbleibenden Testaments des Verstorbenen klar geregelt ist, an wen welcher Teil des Vermögens oder der Schulden geht. Dennoch sollte jeder Mensch ein solches Testament aufsetzen, um gerade im Fall einer Verschuldung für klare Verhältnisse zu sorgen. Ebenso wie eine Patientenverfügung, gehört das Testament also zu den wichtigsten Vorsorgedokumenten für jeden Menschen – und zwar nicht nur im Alter, sondern sobald er ein Vermögen beziehungsweise Schulden zu vermachen hat. Vor allem in letzterem Fall empfiehlt sich das offene Gespräch mit den Erben, sodass diese im Todesfall genauestens wissen, was auf sie zukommt. Denn nach dem Tod des Erblassers haben sie lediglich sechs Wochen Zeit, um sich für eine Ausschlagung der Erbschaft zu entscheiden.

Nach dem Tod die Vermögensverhältnisse prüfen

Diese Zeit ist für die Erben ohnehin eine emotional schwierige und stressige Zeit. Sie müssen mit der Trauer umgehen und zugleich die Beerdigung organisieren, eventuell die Wohnung des Verstorbenen auflösen sowie viele weitere wichtige Aufgaben erledigen. Allerdings dürfen sie auch nicht die Frist der sechs Wochen verstreichen lassen, ansonsten wird das Erbe automatisch angenommen. In diesem Zeitraum gilt es also, sich einen realistischen Eindruck von den finanziellen Verhältnissen des beziehungsweise der Verstorbenen zu machen. Jedoch ist das alles andere als einfach, schließlich geben Banken, Versicherungen & Co in der Regel keine Auskunft an Dritte – auch nicht an Erben.

Der einfachste Weg, die Vermögensverhältnisse zu prüfen, besteht also darin, schon vorher Bescheid zu wissen. Das offene Gespräch mit den Erben ist demnach spätestens dann wichtig, wenn der Tod absehbar ist. Jedoch kann ein solcher bekanntlich auch plötzlich sowie unerwartet eintreten. Mindestens eine Person im sozialen Umfeld, in der Regel aus dem engeren Familienkreis, sollte daher stets über die eigenen Vermögensverhältnisse Bescheid wissen. Wer sich also unsicher ist, ob die verstorbene Person Schulden hinterlassen hat oder nicht, kann beispielsweise beim Ehepartner, einem engen Vertrauten oder den anderen Kindern nachfragen. Vielleicht hat tatsächlich jemand tiefergehende Informationen bezüglich der finanziellen Situation des Erblassers.

Das Problem mit den Auskunftsrechten

Richter Waage Unterschrift Notar

Einerseits liegt es also in der Verantwortung der Erben, die Vermögensverhältnisse des Erblassers in Erfahrung zu bringen. Andererseits haben sie aber keine Auskunftsrechte, solange sie das Erbe nicht angetreten haben. Zuvor erhalten sie keinerlei staatliche Unterstützung bei der Aufklärung der finanziellen Verhältnisse. Eine Art „Nachlassverzeichnis“ beziehungsweise eine Auskunft des Testamentsregisters oder einer anderen Stelle stehen nicht zur Verfügung.

Prinzipiell besteht zwar ein Auskunftsrecht der Erben bei Banken, Versicherungen und anderen Vertragspartnern, denn mit der Erbschaft gehen diese Vertragsverhältnisse unmittelbar auf die Erben über. Um allerdings die notwendigen Informationen zu erhalten, muss ein Erbschein vorgelegt werden. Sie können den Erbscheinsantrag nur stellen, wenn

  • die Erbquote feststeht,
  • der Erbe die Erbschaft annimmt und
  • einen solchen Erbschein anschließend beantragt.

Manchmal reichen für einen solchen Nachweis auch andere Dokumente, welche die Erbschaft nachweisen. Dabei kann es sich zum Beispiel um die Sterbeurkunde in Kombination mit dem Stammbuch handeln. Offizielle Auskunftsrechte gegenüber Banken, staatlichen Registern & Co bestehen aber erst nach dieser wichtigen Entscheidung.

Und auch Dritte, also andere Erben oder Personen aus dem sozialen Umfeld des Verstorbenen, haben keine Pflicht dazu, relevante Informationen bezüglich der Vermögensverhältnisse des Erblassers preiszugeben. Zumindest nicht, solange die Erbschaft nicht angenommen wurde. Erst anschließend erwerben die Erben ihre Auskunftsrechte gegenüber Miterben sowie Privatpersonen. Dann also müssen diese den Rechtsnachfolgern auf Nachfrage sämtliche Informationen mitteilen, welche dem Überblick über die Zusammensetzung des Nachlasses dienen. Das gilt beispielsweise für Mitbewohner des beziehungsweise der Verstorbenen oder Personen, die über den Verbleib eines Erbschaftsgegenstandes Bescheid wissen. Bei den Auskunftsrechten gegenüber Miterben gelten hingegen einige Sonderregelungen, sodass hierfür spezielle Voraussetzungen erfüllt werden müssen.

Die Entscheidung ist nicht (immer) endgültig

unterschrift vertrag

Die Entscheidung für die Annahme oder das Ausschlagen der Erbschaft ist für die Erben nicht immer einfach. Gerade der kurze Zeitraum von nur sechs Wochen wird dabei häufig zum Problem. Zusätzlicher Druck entsteht dadurch, dass die Entscheidung prinzipiell bindend ist. Sie kann also anschließend nicht mehr rückgängig gemacht werden. Jedoch gibt es einige Sonderfälle, in welchen es durchaus möglich ist, sich als Erbe auch nach Ablauf der Frist noch einmal umzuentscheiden:

  1. Wenn ein nachvollziehbarer sowie guter Grund vorliegt, die Entscheidung nachträglich zu ändern, kann ein entsprechender Antrag gestellt werden. Als solche Gründe gelten zum Beispiel die Unwissenheit über unbekannte Vermögenswerte, welche erst nach der Entscheidung bekannt geworden sind, oder andere wichtige Details, über die der Erbe nicht informiert war. Auch ein offensichtlicher Irrtum kann zu einer Korrektur der getroffenen Entscheidung führen.
  2. War eine Überschuldung der genannte Grund, um ein Erbe auszuschlagen, kann die Entscheidung angefochten werden, wenn neue Vermögenswerte auftauchen, welche die Schulden decken oder sogar übersteigen.
  3. Weiterhin ist es möglich, bei unklaren Vermögensverhältnissen das Erbe zwar anzutreten, allerdings nur in Kombination mit einer Nachlassverwaltung oder einer Nachlassinsolvenz. Doch dazu später mehr.
  4. Sollte der Erbe durch eine bewusste Täuschung oder sogar eine Drohung zu seiner Entscheidung gedrängt worden sein, kann er diese ebenfalls rückwirkend ändern – sofern er entsprechende Beweise vorlegt.

Übrigens gilt die Erbschaft als angenommen, wenn der Erbe von dieser weiß und dennoch die Frist von sechs Wochen verstreichen lässt. Die einzige Ausnahme besteht dann, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz im Ausland hatte oder sich der Erbe selbst im Ausland aufgehalten hat, als er von der Erbschaft erfuhr. Dann gilt eine verlängerte Frist von sechs Monaten.

Möglichkeiten bei einer Erbschaft mit Schulden

Unterschrift Haus im Hintergrund

Prinzipiell ist die Entscheidung darüber, ob man das Erbe annimmt, zwar unwiderruflich, jedoch kann sie in Sonderfällen angefochten werden. Dies macht zugleich deutlich, dass Erben genau genommen mehr Möglichkeiten haben, als nur die Erbschaft anzunehmen oder abzulehnen. Was also können sie tun?

1. Erbe annehmen, aber Haftung beschränken

Wer sich nicht ganz sicher ist, wie es um die Vermögensverhältnisse der verstorbenen Person steht, kann die Erbschaft vorsorglich annehmen. Allerdings ist es dann sinnvoll, sich vor einer eventuellen Haftung zu schützen. Denn ist der Nachlass überschuldet, sprich das Vermögen deckt nicht die gesamten Schulden, so haftet dafür im Normalfall der Erbe beziehungsweise die Erbengemeinschaft. Das bedeutet: Die Betroffenen haben drei Monate Zeit, um die Schulden des Erblassers bei dessen Gläubigern zu begleichen. Geschieht das nicht, haften sie mit ihrem Privatvermögen. Das gilt für

  • Erblasserschulden, also Verbindlichkeiten, die vom Verstorbenen selbst herrühren. Die häufigsten Beispiele dafür sind Steuerschulden, unbezahlte Prozesskosten, Schulden aus Verträgen oder Unterhaltsansprüche.
  • Nachlasserbenschulden, sprich Schulden, die erst aufgrund des Todesfalls und des Nachlasses durch ein Rechtsgeschäft entstehen, das der Erbe eingegangen ist. Das können Kosten für die Verwaltung der Erbschaft oder die Fortführung eines Handelsunternehmens sein.
  • Erbfallschulden, die durch den Anlass des Erbfalls wie die Erbschaftssteuer oder die Beerdigungskosten hervorgerufen wurden.

Sie müssen die Schulden also unter Umständen aus der eigenen Tasche bezahlen. Haben sie dazu nicht die notwendigen finanziellen Mittel, können dieselben rechtlichen Schritte eingeleitet werden wie bei eigens verursachten sowie ungetilgten Schulden auch – bis hin zur Vollstreckung nicht nur von Nachlass-, sondern auch von persönlichen Gegenständen. In Extremfällen droht sogar das Gefängnis.

Es ist dennoch nicht sinnvoll, das Erbe vorsorglich auszuschlagen, es sei denn, der Erbe ist sich vollkommen sicher, dass dieses ausschließlich Schulden enthält. Und selbst dann gibt es gute Gründe, die dagegen sprechen. Denn das Erbe kann nur ganz oder gar nicht ausgeschlagen werden. Das bedeutet, die Erben dürfen auch keinerlei persönliche Gegenstände ohne oder mit ideellem Wert behalten, wenn sie ihre Erbschaft nicht antreten. Dadurch gehen eventuell wertvolle Erinnerungen oder Familiendokumente verloren. Sinnvoller ist es daher in den meisten Fällen, die Erbschaft zwar anzunehmen, aber die Haftung zu beschränken. So kann der Erbe verhindern, dass er im Fall einer Überschuldung für diese haften muss. Wie funktioniert das?

Die Erben können die Haftung mit ihrem Privatvermögen ausschließen, indem sie diese gegenüber den Gläubigern des Erblassers auf den Nachlass beschränken. Schlimmstenfalls bleibt dann also nichts vom Erbe übrig – bis auf einige wertlose Erinnerungsstücke. Allein diese Tatsache ist für viele Erben den Aufwand wert. Bestenfalls deckt das Vermögen die Schulden oder es gibt überhaupt keine Schulden, sodass die Erbschaft doch noch Vermögen in irgendeiner Form abwirft. Um die Haftung zu beschränken, müssen die Erben wie folgt vorgehen:

  • Es gibt zwei Möglichkeiten, um haftungsbeschränkende Maßnahmen zu ergreifen. Das ist einerseits die Eröffnung eines Nachlassinsolvenzverfahrens und andererseits die Anordnung einer Nachlassverwaltung.
  • Weiterhin ist eine sogenannte Dürftigkeitseinrede möglich, sofern nachgewiesen werden kann, dass die Erbschaft nicht über ausreichend Masse verfügt, um die Kosten eines solchen Verfahrens zu decken.
  • Greift eine dieser Regelungen, gilt die Haftungsbeschränkung gegenüber allen Gläubigern des Erblassers – nicht jedoch für die Nachlasserbenschulden.
  • Damit ist die Arbeit jedoch noch nicht getan. Um eine Zwangsvollstreckung zu verhindern, braucht es nämlich zusätzlich ein Urteil mit Haftungsbeschränkungsvorbehalt sowie eine Vollstreckungsgegenklage.
  • Zusätzlich kann der Erbe ein Aufgebotsverfahren beim Gericht beantragen. Dieses setzt anschließend eine Frist, innerhalb welcher die Gläubiger des Erblassers ihre Ansprüche anmelden müssen. Anschließend kann ein Ausschließungsbeschluss erfolgen.
  • Um die Frist zur Haftungsbeschränkung auszudehnen, wird außerdem häufig die Möglichkeit zur Inventarerrichtung genutzt, die jedoch selbst noch keine haftungsbeschränkende Wirkung besitzt.
  • Zuletzt gibt es die Möglichkeit, eine endgültige Haftungsbeschränkung durchzusetzen, indem eine Dürftigkeitseinrede erhoben wird. Das ist immer denn möglich, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Kosten einer Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz nicht durch die Erbschaft gedeckt sind.

Diese Beispiele machen in Kürze bereits deutlich, wie komplex das Thema ist. Durch die Haftungsbeschränkung entstehen also zusätzliche Kosten, welche das eventuelle Vermögen der Erbschaft schmälern. Weiterhin müssen die Erben viel Zeit investieren und sich Hilfe durch einen Fachanwalt suchen. Zusammenfassend gibt es folgende Möglichkeiten, eine Haftungsbeschränkung zu erwirken:

  • Dreimonatsreinrede (nur vorläufig)
  • Aufgebotsreinrede (nur vorläufig)
  • Aufgebotseinrede nach Aufgebotsverfahren
  • Überschwerungseinrede
  • Verschweigungseinrede
  • Einrede des ungeteilten Nachlasses als Miterbe

Schlussendlich muss also jeder Erbe selbst entscheiden, ob er diesen zeitlichen sowie finanziellen Aufwand treiben möchte – vor allem in einer eventuell ohnehin schwierigen Lebensphase zwischen Trauer, Entscheidungen und Verpflichtungen.

2. Erbschaft ausschlagen

Dieser ist häufig auch einer der Hauptgründe, weshalb eine Erbschaft ausgeschlagen wird. Bei unsicheren Vermögensverhältnissen oder der Vermutung, dass eine Überschuldung besteht, sparen sich die Erben dadurch viel Zeit, Nerven und schlichtweg Aufwand. Sie umgehen alle wirtschaftliche Verpflichtungen ihrer Erbschaft, zum Beispiel die Bezahlung einer Erbschaftssteuer oder die Kostenübernahme für Beerdigung und Grab. Wie bereits erwähnt, kann eine Erbschaft aber nur ganz oder gar nicht ausgeschlagen werden. Das bedeutet zugleich den Verzicht auf sämtliche persönliche Dinge – auch, wenn diese überhaupt keinen monetären Wert besitzen. Wem das egal ist, der trifft bei einer (ziemlich) sicheren Überschuldung des Nachlasses mit der Ausschlagung die einfachste Entscheidung.

3. Erbschaft trotz Schulden antreten

Zuletzt kann es durchaus sinnvoll sein, eine Erbschaft trotz Schulden anzutreten. Einerseits ist es natürlich möglich, dass das Vermögen die Schulden übersteigt. Diese werden also daraus getilgt und der Rest des Vermögens wird auf die Erben aufgeteilt – gemäß der gesetzlichen oder im Testament festgelegten Anteile. Doch selbst bei einer Überschuldung kann die Annahme der Erbschaft in einigen Fällen sinnvoll sein. Das gilt vor allem, wenn die Schulden für einen Wertgegenstand bestehen.

Angenommen also, es handelt sich um einen Kredit für ein Auto oder für ein Eigenheim, das jedoch noch nicht vollständig abbezahlt wurde, so können die Erben diesen übernehmen. Sobald sie also die Schulden getilgt haben, sind sie schließlich Besitzer dieser Wertgegenstände. Vor allem bei Immobilien ist diese Wahl oft sinnvoll, da die Preise für Eigentumswohnungen sowie Häuser in Deutschland bekanntlich seit vielen Jahren rasant steigen. Vermutlich wurde das Objekt also noch zu einem attraktiven Preis gekauft und kann anschließend von den Erben selbst vermietet, bezogen oder zu einem späteren Zeitpunkt mit Gewinn verkauft werden. Allerdings müssen die Erben in einem solchen Fall prüfen, ob

  • noch weitere Verbindlichkeiten bestehen, für welche sie haften würden. So kann die Übernahme einzelner Schulden zwar attraktiv sein, nicht jedoch des gesamten Nachlasses. Da dieser aber nur ganz oder gar nicht ausgeschlagen werden kann, müssen die Erben vielleicht auf solche Immobilien oder ähnliche Wertgegenstände verzichten.
  • die Annahme des Erbes in Anbetracht der anfallenden Erbschaftssteuer überhaupt finanziell möglich ist. Angenommen, die geerbte und teilweise abbezahlte Immobilie hat einen Wert von rund 400.000 Euro. So würde zusätzlich zur Restschuld für die Erben eine Steuer in Höhe von bis zu 30 Prozent anfallen, allerdings nach Abzug der Freibeträge. Deren Höhe differiert je nach Verwandtschaftsgrad und Immobilienwert.
  • das laufende Darlehen vom Kreditgeber übernommen werden kann oder innerhalb von drei Monaten getilgt werden muss, wie gesetzlich geregelt. Dann müssen die Erben nämlich selbst einen entsprechenden Kredit aufnehmen, sprich sie brauchen eine ausreichende Kreditwürdigkeit und müssen prüfen, ob die neuen Rahmenbedingungen wie Tilgung, Zins & Co überhaupt in ihren finanziellen Rahmen passen. Eine solche Umschuldung kann zudem aus weiteren Gründen sinnvoll sein, zum Beispiel, um bessere Konditionen zu erhalten.
  • die Erbschaft alleine oder mit Miterben übernommen wird. In letzterem Fall muss der Erbe nämlich die Miterben auszahlen können. Zudem müssen diese sich erst einmal überhaupt einigen, ob die Immobilie verkauft oder an einen der Erben überlassen wird und an wen. Sollte einer der Miterben die Erbschaft ausschlagen, geht dessen Anteil an den gesetzlichen oder im Testament genannten Nachfolger über. Wird sie hingegen von allen anderen möglichen Miterben ausgeschlagen, haftet der Erbe, welcher sie annimmt, auch alleine für eventuelle Schulden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, die Immobilie als Gemeinschaft zu vermieten, was jedoch ein hohes Maß an Kommunikation und Absprachen erfordert. Jeder dieser Fälle führt häufig zu Streitigkeiten und damit nicht selten zu Mehrkosten. Wer also nicht alleine erbt, sollte sich bestenfalls vor der Annahme oder Ausschlagung einer solchen Erbschaft mit den eventuellen Miterben absprechen, um die Situation realistisch einschätzen zu können.

Fazit

Je nachdem, wie klar die Vermögensverhältnisse für die Erben sind und wie sich diese gestalten, gibt es durchaus gute Gründe für oder gegen die Ausschlagung. Sinnvoll ist dabei außerdem, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Vor allem bei Häusern gilt nämlich, dass diese auch Folgekosten nach sich ziehen können. Manchmal sind diese direkt sanierungsbedürftig. Darunter fallen beispielsweise die Anforderungen der energetischen Sanierung. Sie verlangen unter anderem die umfangreiche Abdichtung der Gebäudehülle oder auch nur das Dämmen des Daches. Brisant dabei ist, dass viele dieser Pflichten nicht für selbstbewohnte Bestandsbauten gelten, aber bei einem Eigentümerwechsel anfallen und somit für die Erben direkt eine teure Investition bedeuten. Wer also bei einer Erbschaft eventuelle Schulden oder hohe Folgekosten befürchtet, sollte eine detaillierte Rechnung aufstellen, das Pro und Contra gut abwägen sowie eventuell zur Sicherheit die Haftung beschränken. Schlussendlich gibt es keine prinzipiell richtige oder falsche Entscheidung, wenn es um die Ausschlagung einer Erbschaft geht. Stattdessen muss stets der Einzelfall betrachtet werden.