Gesetzliche Erbfolge: Wer erbt wann was?

Gesetzliche Erbfolge: Wer erbt wann was?

Die gesetzliche Erbfolge regelt, wer Erbe ist und wie hoch der Erbanteil jedes Erbberechtigten ausfällt, wenn kein Testament oder Erbvertrag des Verstorbenen vorliegt.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
18.04.2018
Das Wichtigste in Kürze:
  • Die gesetzliche Erbfolge ist maßgeblich, wenn der Verstorbene weder Testament noch Erbvertrag hinterlassen hat. Sie gewährleistet, dass immer mindestens ein Erbe ermittelt wird.
  • Gesetzliche Erben sind die nächsten Verwandten. Erben erster Ordnung sind in direkter Linie Kinder und Enkel des Erblassers, danach folgen Eltern und Geschwister, Großeltern, Onkel und Tanten.
  • Angehörige höherer Ordnung schließen Angehehörige niedrigerer Ordnung vom Erbe aus.
  • Der verbleibende Ehegatte hat Anspruch auf ein Viertel des Erbes, auch dann, wenn nur ein einziges Kind als Haupterbe vorhanden ist. Lebenspartner einer eingetragenen Partnerschaft sind mit Ehegatten gleichgesetzt.
  • Hinterlässt der Erblasser einen letzten Willen, kann er gesetzliche Erben auch enterben. Ihnen steht dennoch ein Pflichtteil zu: Die Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils.
  • Die meisten Ehepartner bilden eine Zugewinngemeinschaft. Durch sie erhöht sich der Erbteil des verbleibende Ehegatten um ein weiteres Viertel. Ihm steht damit die Hälfte zu, die die Kinder nicht erben.

Die gesetzliche Erbfolge: Erbschaft ohne letztwillige Verfügung

Den eigenen Nachlass zu regeln gehört zu den entscheidenden Aspekten der Vorsorge. Doch wer erbt, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt? Und wer trägt Sorge dafür, dass die Erbmasse gerecht aufgeteilt wird? Das deutsche Erbrecht sieht zwei Wege zum Erbanspruch vor: Der reguläre Erbanspruch ergibt sich aus der gesetzlichen Erbfolge oder der sogenannten "gewillkürten" Erbfolge (bei Testament oder Erbvertrag). Hat der Verstorbene also keine eigene Nachlassregelung getroffen, dann greift die gesetzliche Erbfolge. Sie bestimmt, wer erbt - und in welchem Umfang. Potenzielle gesetzliche Erben sind: Kinder und Verwandte des Erblassers, Ehegatten oder der Staat als Eigentümer des öffentlichen Vermögens.

So funktioniert die gesetzliche Erbfolge

Wenn kein Testament vorliegt, ist die Aufteilung des Nachlasses klar geregelt, im deutschen Erbrecht findet dabei das sogenannte Parentelsystem Anwendung. Ein Parentel oder mehrere Parentele (lat. parens - Elternteil bzw. parentes - Eltern) sind miteinander durch denselben Stamm verbundene Angehörige einer Familie. Die gesetzliche Erbfolge ordnet den Erbanspruch also den Angehörigen des Verstorbenen nach Verwandtschaftsgrad in verschiedenen Ordnungen zu. Wenn ein Angehöriger einer höheren Ordnung als Erbe ermittelt werden kann, sind alle Angehörigen der niedrigeren Ordnungen vom Erbe ausgeschlossen. Ist die Erbfolge festgelegt, wird sie abschließend im Erbschein festgehalten.

Im einfachsten Fall sind Kinder und Ehegatten als nächste Angehörige ermittelbar. Gleichzeitig sind entferntere Verwandte damit dann bereits vom Erbe bereits ausgeschlossen (§ 1930 BGB). Hinterlässt der Tote allerdings keine Kinder und gibt es auch keine Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner, setzt die gesetzliche Erbfolge die darauffolgenden Verwandten als Erben ein. Um potenzielle Erben zu ermitteln sind Stammbaum oder Ahnentafel eine sinnvolle Wahl. Ankerpunkt zur Erbenermittlung ist der Erblasser: Von ihm ausgehend werden Kinder und Enkelkinder, der Ehegatte sowie nähere und entferntere Verwandte ermittelt. Auch verstorbene Familienmitglieder sind an dieser Stelle relevant: Denn ihre Abkömmlinge können in der Erbfolge eingesetzt werden (sog. “Eintrittsrecht”). Wichtig: Angeheiratete Verwandte wie Schwäger, Schwägerinnen etc. müssen im Stammbaum zur Erbenermittlung nicht erfasst werden. Allein die Blutsverwandtschaft ist ausschlaggebend zur Berücksichtigung in der gesetzlichen Erbfolge - und damit auch für die Höhe der zu entrichtenden Erbschaftssteuer.

Stammbaum Beispiel Hierarchie
Ein Stammbaum ist die einfachste und sinnvollste Form der Orientierung darüber, wer in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis steht, wenn es darum geht, einen gesetzlichen Erben auszumachen.

Diese Ordnungen gelten

Das Gesetz teilt die Verwandten des Erblassers in Ordnungen ein. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt die Reihenfolge:

  1. Ordnung: Direkte Abkömmlinge (Kinder, Enkel und Urenkel)
  2. Ordnung: Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge (also die Geschwister des Erblassers)
  3. Ordnung: Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge (Onkel und Tanten des Erblassers)
  4. Ordnung: Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge
  5. Ordnung: Entfernte Voreltern (Ururgroßeltern und deren Abkömmlinge)

Gesetzliche Erben höherer Ordnungen schließen Erben nachfolgender Ordnungen von der Erbfolge aus. Kann ein lebender Erbe höherer Ordnung ermittelt werden, kommen Verwandte nachfolgender Ordnungen also bereits nicht mehr zum Zuge. Die gesetzliche Regelung bestimmt, dass innerhalb einer Ordnung zunächst die nächsten Verwandten des Verstorbenen erben: Also erben Kinder vor Enkeln, Eltern vor Geschwistern und Großeltern vor Onkeln und Tanten. Wichtig: Das gesetzliche Erbrecht des Ehepartners oder Lebenspartners besteht unabhängig vom Erbrecht der Blutsverwandten.

Stammbaum mit Ordnungen
Je direkter Erblasser und Erbe miteinander verwandt sind, desto größer ist der Erbanteil des hinterbliebenen Erben.

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Erben erster Ordnung

Als Abkömmlinge des Erblassers gelten nach Bundesgesetzbuch (§ 1924 BGB) Kinder, Enkelkinder und Urenkel, denn sie alle sind in direkter Linie mit dem Erblasser verwandt. Dabei gilt das sog. Repräsentationsprinzip: Zunächst erben die Kinder, dann die Enkel, dann die Urenkel. Dabei stehen auch uneheliche, aber leibliche Kinder gleichberechtigt neben ehelichen Kindern. Sie werden also zu gleichen Anteilen am Nachlass beteiligt. Dasselbe gilt für adoptierte und angenommene Kinder. Ist ein Kind des Erblassers als Haupterbe ermittelt, dann sind seine eigenen Kinder (also die Enkel des Erblassers) von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen. Denn mit der Einsetzung des Kindes ist der Repräsentation des Familienstamms im Erbe Genüge getan. Erst wenn die Kinder des Erblassers ebenfalls bereits verstorben sind, treten die Enkel als gesetzliche Erben an ihre Stelle. Sind weder Kinder noch Enkel ermittelbar, dann erlischt der Stamm als solcher, und seine Erbquote fällt den Erben der näheren Verwandtschaft, also zweiter Ordnung zu.

Adoptierte Kinder werden zu den gesetzlichen Erben ihrer Adoptiveltern. Erbansprüche gegenüber den ursprünglichen leiblichen Eltern gehen mit der Adoption verloren. Stiefkinder und nicht adoptierte Kinder in Patchworkfamilien gelten nicht als gesetzliche Erben. Wenn sie dennoch beim Erbe berücksichtigt werden sollen, muss der Erblasser das explizit in einer letztwilligen Verfügung festhalten. Erfahren Sie dazu auch mehr in unserer Übersicht "Wer sollte wie vorsorgen?" und unserem Artikel "Unverheiratete Paare - So sollten Sie vorsorgen"

Erben zweiter Ordnung

Erben zweiter Ordnung werden ins Erbe eingesetzt, wenn der Erblasser selbst keine direkten Abkömmlinge wie Kinder oder Enkel hinterlässt (§ 1925 BGB). Als Erben zweiter Ordnung gelten:

  • Die Eltern des Erblassers
  • Geschwister des Erblassers als Abkömmlinge der Eltern
  • Kinder der Geschwister, also Nichten und Neffen des Erblassers
  • Enkelkinder der Geschwister

Sind Mutter und Vater des Verstorbenen noch am Leben, dann erben beide jeweils die Hälfte des Nachlasses ihres Kindes. Ist nur noch ein Elternteil am Leben, erben die Geschwister des Erblassers als weitere Abkömmlinge seinen Anteil. Hat der Verstorbene keine Geschwister und lebt nur noch ein Elternteil, dann erbt der hinterbliebene Elternteil allein.

Erben dritter Ordnung

Als Erben dritter Ordnung gelten die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Onkel und Tanten des Verstorbenen (§ 1926 BGB). Auch deren Kinder, also Cousins und Cousinen des Verstorbenen, kommen als Erben in Frage, wenn Großeltern, Onkel und Tanten nicht mehr am Leben sind.

Erben vierter und fünfter Ordnung

Erben vierter Ordnung sind Urgroßeltern und deren Nachkommen, also Onkel und Tanten 2. Grades, sowie Cousins und Cousinen 2. Grades. Auch wenn Erben fünfter Ordnung in der Rechtspraxis in Deutschland rein zahlenmäßig kaum eine Rolle spielen, kommen nach geltendem Recht auch die Ururugroßeltern des Verstorbenen und ihre Abkömmlinge als Erben in Frage.

Was erbt der Partner?

Da zwischen Ehegatten keine Blutsverwandtschaft besteht, sind sie nicht Teil des Parentelsystems. Allerdings gehen beide Partner mit der Heirat den Güterstand der Zugewinngemeinschaft ein. Sie werden also keiner Ordnung zugerechnet, sondern genießen einen davon unabhängigen Erbanspruch. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner gelten als nächste Angehörige des Erblassers. Im Regelfall steht dem verbleibenden Ehegatten ein Viertel der Erbmasse zu, gegenüber Angehörigen zweiter Ordnung wie Eltern und Geschwistern des Verstorbenen sogar die Hälfte. Welche Erbquote ihnen tatsächlich zusteht hängt letztlich von verschiedenen Faktoren ab:

  1. Welche lebenden Verwandten des Erblassers gibt es?
  2. Zu welcher Ordnung gehören diese Verwandten?
  3. In welchem Vermögensgüterstand lebten die Ehegatten zum Zeitpunkt des Erbfalls?

Weitere Informationen zur Erbschaft des Partners erhalten Sie in unserem Artikel "Erbschaft: Was erbt der Partner?".

Gesetzliches Erbrecht des Fiskus

Sind keine Verwandten eines unverheirateten Erblassers ermittelbar, nimmt der Staat sein gesetzliches Erbrecht wahr, und der Nachlass geht auf das Bundesland über, in dem der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte.

Gesetzliche Erbfolge vermeiden? Testament verfassen!

Die gesetzliche Erbfolge bestimmt wer den Verstorbenen letztendlich beerbt, wenn keine explizite Regelung hinterlassen wurde. Sobald der Verstorbene eine letztwillige Verfügung von Todes wegen in Form eines Testaments oder Erbvertrags hinterlassen hat. Darin kann er seine Wünsche festhalten und die Wirkung der gesetzlichen Erbfolge außer Kraft setzen. Der Erblasser kann jede natürliche oder juristische Person als Erben einsetzen, mit einem Erbanteil bedenken oder ihr ein Vermächtnis in Form von Geld oder Sachwerten hinterlassen. Ein notarielles, öffentliches Testament wird anschließend beim zuständigen Nachlassgericht oder dem Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer hinterlegt. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass alle Erben unmittelbar nach Eintritt des Erbfalls darüber informiert werden, dass sie erbberechtigt sind, egal ob Kinder, Enkel, Ehefrau, Ehemann oder Geschwister. Auch eine Teilungsanordnung und Testamentsvollstreckung lassen sich im gleichen Zuge festhalten. Da das Gesetz persönliche Wünsche ohne letzten Willen nicht pauschal berücksichtigt, sollten Sie ein Testament oder einen Erbvertrag aufsetzen. Eine Testament Vorlage zur Anschauung finden Sie in unserem Portfolio - und mit Afilio können Sie ganz einfach schon heute Ihr persönliches, rechtsgültiges Testament erstellen.