Pflegefinanzierung

Pflegefinanzierung

Pflege ist kostenintensiv: Erfahren Sie bei uns, wie Sie Ihre eigene Pflege oder die Pflege eines Angehörigen finanziell regeln können.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
26.09.2019

Jeder Pflegefall ist anders, doch gemein ist ihnen allen eines: Pflege kostet Geld. Unsere gesetzliche Pflegeversicherung leistet wertvolle Hilfe, und doch müssen zahlreiche Familien erhebliche Mittel für die Pflege eines Angehörigen aufwenden, denn die Pflegeversicherung ist eine reine Teilkaskoversicherung. Bei Ihrer Einführung Mitte der Neunzigerjahre war zwar die steigende Anzahl von Pflegefällen absehbar, nicht jedoch der kontinuierliche Anstieg der individuellen Pflegekosten. Über 1800€ zahlt im Schnitt jeder Versicherte in stationärer Pflege im Monat dazu - eine gewaltige Belastung.

Erfahren Sie bei uns alles zum wichtigen Themenkomplex Pflegefinanzierung: Welche Leistungen stehen Ihnen oder Ihren Angehörigen zu, welche Kosten müssen Sie selbst tragen, und welche zusätzlichen Leistungen können Sie als Betroffene oder pflegende Angehörige in Anspruch nehmen? Wir

Öffentliche und private Vorsorge: Pflegeversicherung, Krankenversicherung und Pflegezusatz

Gesetzliche Pflegeversicherung

Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde im Jahr 1995 eingeführt, sie bildet einen eigenständigen Bereich innerhalb der Sozialversicherung und ist das Fundament des SGB XI. Alle gesetzlich Krankenversicherten sind automatisch auch in der sozialen Pflegeversicherung versichert. Wer hingegen privat krankenversichert ist, muss eine private Pflegeversicherung abschließen. Die soziale Pflegeversicherung ist durch Beiträge finanziert, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern nahezu paritätisch geleistet werden. Anspruch und Art der Leistungen und hängen von Pflegebedürftigkeit, Pflegegrad und der Art der geleisteten Pflege ab.
Dabei fungiert die gesetzliche Pflegeversicherung als eine Art Teilkaskoversicherung: Sie sichert Versicherte nur gegen eine übermäßige Belastung ab, nicht jedoch gegen die Gesamtkosten. Im Fokus stehen Leistungen wie häusliche Pflege, Leistungen ambulanter Pflegedienste, Betreutes Wohnen oder die stationäre Pflege in einem Alten- oder Pflegeheim.

Krankenversicherung

Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Auszubildende, aber auch Rentnerinnen und Rentner und freiwillig Versicherte sind in einer der gesetzlichen Krankenkassen, entweder als Mitglied der gesetzlichen Pflichtversicherung, im Rahmen einer freiwilligen Mitgliedschaft oder einer Familienversicherung. Die gesetzliche Krankenversicherung trägt sämtliche Leistungen der häuslichen Krankenpflege nach SGB V.

Ärztlich verordnete häusliche Krankenpflege trägt dagegen die Krankenversicherung vollständig. Alle unmittelbar medizinisch angezeigten Leistungen werden von der Krankenversicherung übernommen, unabhängig davon, ob es sich um eine private oder eine gesetzliche Krankenversicherung handelt und unabhängig von der Art der ärztlichen Behandlung in einer Praxis, bei einem Hausbesuch oder einem Krankenhaus.

Pflegefinanzierung: Ein Pfleger unterstützt einen Betroffenen
Aufwändig und intensiv: Pflege verursacht oftmals hohe Kosten. (Bild: Shutterstock)

Pflegezusatzversicherung

Genau wie für die Krankenversicherung gibt es auch bei der Pflegeversicherung die Möglichkeit der zusätzlichen privaten Vorsorge. Die private Pflegezusatzversicherung dient dazu, das finanzielle Risiko bei Eintreten eines Pflegefalls so weit zu minimieren, dass es die Kosten der Pflege zum allergrößten Teil auffängt. Neben dem Pflegetagegeld und der Pflegerente gibt es seit einigen Jahren mit dem sog. Pflege-Bahr eine weitere Absicherungsart für ältere Interessierte. Kosten und Nutzen unterscheiden sich bei allen Arten der Pflegezusatzversicherung, ein situationsgerechter Vergleich kann jedoch in allen Fällen dazu beitragen, die Kosten der Pflege deutlich zu verringern - idealerweise bei frühzeitigem Abschluss.

Was zahlt die Pflegekasse?

Die gesetzliche Pflegeversicherung / Pflegekasse übernimmt verschiedene Leistungen, darunter das

Voraussetzung für Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung / Pflegekasse ist ein Pflegegrad, der beantragt und nach Begutachtung durch den MDK (oder MEDICPROOF bei privat Versicherten) von der Pflegekasse bewilligt werden muss. Die zuständige Pflegekasse ist bei allen Versicherten an die eigene Krankenkasse angegliedert. Wie sie einen Pflegegrad beantragen können, erfahren Interessierte in unserem Überblicksartikel.

Hausbesuch durch MDK oder MEDICPROOF - Junger Mann betritt ein Haus
Grundlage für alle Pflegeleistungen ist ein Pflegegrad: Er wird im Rahmen einer Begutachtung durch MDK oder MEDICPROOF ermittelt. (Bildquelle: Shutterstock)

Leistungen der Pflegekasse sind gestaffelt nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. Im Anschluss an eine medizinische Begutachtung, dem sog. NBA, erhält ein Betroffener einen Pflegegrad, der das Maß seiner verbliebenen Selbständigkeit widerspiegelt. Anfang 2017 wurden die damaligen Pflegestufen 0-3 von Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 abgelöst.

Pflegekosten senken mit einer Pflegezusatzversicherung

Während die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung in den letzten Jahren konstant geblieben sind, steigen die Kosten für häusliche und stationäre Pflege kontinuierlich – und damit auch der Eigenanteil für Betroffene und ihre Angehörigen, auf zuletzt durchschnittlich 1930 Euro im Monat.

Ärztin reicht Versicherungskarte an Patientin
Macht sich im Ernstfall bezahlt: Eine Pflegezusatzversicherung kann helfen, das eigene Vermögen zu schonen.

Nicht selten stellen die Pflegekosten ganze Familien vor eine gewaltige wirtschaftliche Herausforderung, denn Einkünfte und bestehendes Vermögen müssen für die Pflege eingesetzt werden, bevor Betroffene und Angehörige ein Anrecht auf Unterstützung durch das Sozialamt haben. Eine Pflegezusatzversicherung dient also nicht nur „technisch“ zur Absicherung der eigenen Pflege, sie ist ein wichtiges Instrument zum Schutz und Erhalt des eigenen Vermögens.

Welche privaten Pflegeversicherungen gibt es?

Vier Arten der privaten Pflegezusatzversicherung haben sich in den vergangenen 25 Jahren etabliert:

  • Pflegetagegeldversicherung: Beim Pflegetagegeld wird für jeden Tag, an dem der Versicherte pflegebedürftig ist, ein Tagesbetrag zur freien Verfügung ausbezahlt.
  • „Pflege-Bahr“ - Staatlich geförderte Zusatzversicherung: Beim Pflege-Bahr handelt es sich um eine staatlich geförderte Form des Pflegetagegelds. 60 € im Jahr beträgt die staatliche Zulage zum Monatsbeitrag. Der Pflege-Bahr richtet sich vor allem an ältere Versicherte, die bislang keine Zusatzversicherung abgeschlossen haben.
  • Pflegerentenversicherung: Die Pflegerentenversicherung funktioniert ähnlich wie eine klassische Lebensversicherung, die beim Eintreten von Pflegebedürftigkeit einen festen Monatsbetrag auszahlt. Erwirtschaftete Überschüsse der Versicherung werden auch dann ausbezahlt, wenn die Versicherung vorzeitig gekündigt wird.
  • Pflegekostenversicherung: Die Pflegekostenversicherung übernimmt zweckgebunden überschüssige Kosten, die nicht von den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung abgedeckt werden, dafür ist es notwendig, Belege einzureichen.

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