Pflegeheim: Kosten - Das kommt auf Versicherte zu

Pflegeheim: Kosten - Das kommt auf Versicherte zu

Kosten im Pflegeheim: Was kostet die Unterbringung und wer übernimmt die Finanzierung? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
03.04.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Pflegeversicherung ist eine Teilkaskoversicherung – sie zahlt lediglich einen Teilbetrag der entstehenden Pflegekosten.
  • Unterkunft, Verpflegung und die sog. „Investkosten“ gehören nicht zu den Pflegekosten, sie werden nicht von der Pflegekasse getragen, sondern müssen vom Versicherten selbst getragen werden.
  • Die eigenen Kinder können erst ab einem Einkommen von mehr als 100.000€ zur Finanzierung der Pflege herangezogen werden.
  • Wer die Mittel zur eigenen Pflege nicht aufbringen kann, kann beim Sozialamt Unterstützung zur Pflege beantragen.

Wer pflegebedürftig und auf der Suche nach einem geeigneten Pflegeheim ist, sollte neben Unterbringungsqualität und Versorgungsqualität immer auch den erwarteten Kostenrahmen im Auge behalten. Denn nicht nur von Heim zu Heim, auch von Bundesland zu Bundesland bestehen z.T. erhebliche preisliche Unterschiede. Wir erklären, welche Kosten im Pflegeheim entstehen, wie sie sich zusammensetzen und was die Kasse zahlt – und was nicht.

Welche Kosten entstehen im Pflegeheim?

Praktisch alle Pflegeheimbetreiber haben ihren eigenen Kostenschlüssel, doch der verschafft nicht immer Überblick über die darin enthaltenen Kostenpunkte. Gesetzlich und privat Pflegeversicherte erhalten zwar die Kosten für die eigentliche Pflegeleistung anteilig erstattet, doch der Kostenanteil für die Pflege ist nicht der einzige, den der Versicherte selbst tragen muss. Grundsätzlich können Betreiber von Pflegeheimen mehrere, standardisierte Leistungen in Rechnung stellen:

  • Kosten für Pflege, bzw. Betreuung und Versorgung
  • Verpflegung und Unterbringung
  • Investkosten, bzw. Investitionskosten – Aufwendungen für Instandhaltung und Wartung
  • Bei ausbildenden Betrieben: Ausbildungsumlage
  • Je nach Vereinbarung zwischen Pflegebedürftigem und Betreiber können auch weitere Zusatzleistungen in Rechnung gestellt werden.

2019 kostete der Platz in einem deutschen Pflegeheim im Schnitt 3.000 Euro monatlich, dabei bestehen jedoch verhältnismäßig große regionalen Unterschiede Je weiter im Nordosten, desto günstiger die Unterbringung, je weiter im Südwesten, desto teurer. Im Jahr 2019 mussten Pflegebedürftige für die Unterbringung in Pflegeheimen im bundesweiten Durchschnitt knapp 1.900 Euro pro Monat selbst zahlen.

Kosten im Pflegeheim: Ein Pflegebett in einem Zimmer
Muss nicht trist sein - aber allein für räumliche Unterbringung und Reinigung muss der Versicherte die Kosten selbst tragen.

Welche Kosten übernimmt die Pflegekasse?

Grundvoraussetzung für die Übernahme von Kosten durch die Pflegeversicherung ist ein anerkannter Pflegegrad. Versicherte, die noch keine Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, müssen zunächst einen Pflegegrad beantragen. Ein Pflegegrad wird nach Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) gewährt und begründet je nach Höhe (und erst ab Pflegegrad 2) einen Anspruch auf Pflegeleistungen in einem Pflegeheim.

Die Höhe der Pflegeleistungen für eine Unterbringung im Heim richtet sich nach dem Pflegerad:

  • Pflegegrad 2: 770 Euro mtl.
  • Pflegegrad 3: 1262 Euro mtl.
  • Pflegegrad 4: 1775 Euro mtl.
  • Pflegegrad 5: 2005 Euro mtl.

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 können lediglich den sog. Entlastungsbetrag i.H.v. 125€ mtl. für eine Unterbringung in einem Pflegeheim in Anspruch nehmen. Der Pflegegrad 1 wird üblicherweise anerkannt, wenn ein Betroffener zwar Betreuungsbedarf geltend machen kann, aber noch weitestgehend in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Wer weitergehende Pflegeleistungen benötigt, sollte Widerspruch gegen seinen Pflegegrad einlegen oder einen höheren Pflegegrad beantragen.

Welche Kosten muss der Versicherte im Pflegeheim selbst tragen?

Wie erwähnt handelt es sich bei der gesetzlichen Pflegeversicherung um eine Teilkaskoversicherung – sie trägt also nur einen Teil der entstehenden Pflegekosten. Alles was über den monatlichen Höchstleistungsbetrag in einem entsprechenden Pflegegrad hinausgeht, muss der Versicherte selbst zahlen, den sog. Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE). Die Einheitlichkeit bezieht sich jedoch nur auf alle anderen Bewohner einer Pflegeeinrichtung; sie alle zahlen den gleichen Anteil. Wie noch dieser Anteil jedoch konkret ausfällt, hängt vom jeweiligen Pflegeheimbetreiber ab.

Neben den Kosten für die tatsächliche pflegerische Betreuung kann ein Betreiber noch weitere Kosten geltend machen, etwa für räumliche Unterbringung, Verpflegung, Kosten für Instandhaltung und Wiederherstellung und auch weitere Posten. Diese Kosten werden ausdrücklich nicht von der Pflegekasse gezahlt und müssen vom Versicherten getragen werden. Darum ist es sinnvoll, sich vor dem Umzug in ein Pflegeheim zu informieren, welche weiteren Kosten bei einer stationären Unterbringung entstehen.

Kosten für Unterbringung und Verpflegung

Unterbringung und Verpflegung müssen von den Heimbewohnern selbst getragen werden. Das betrifft nicht nur die Versorgung mit regelmäßigen Mahlzeiten, sondern auch die Kosten für die Reinigung der Zimmer. Der Kostenanteil für Verpflegung kann bei Pflegebedürftigen geringer ausfallen, auf Sondennahrung per PEG angewiesen sind, in diesem Fall muss der Anteil für zubereitete Speisen reduziert werden. Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung können vom Betreiber eines Pflegeheims mit der Zeit angepasst (sprich: erhöht) werden. Dann muss der Versicherte u.U. für die gleiche Leistung künftig mehr bezahlen.

Kosten für Investitionen (auch: Investkosten)

Als Investitionskosten, bzw. Investkosten kann ein Pflegeheimbetreiber Kosten gegenüber seinen Bewohnern geltend machen, die für Erhalt, Modernsierung, Erfüllung neuer gesetzlicher Vorgaben, aber auch für Ausbau und Erweiterung der Unterbringung dienen. Diese Kosten werden monatlich auf alle Heimbewohner umgelegt.

Kosten für Ausbildung von Nachwuchskräften

Handelt es sich beim Pflegeheim um einen Ausbildungsbetrieb, kann er Heimbetreiber eine Umlage für die Ausbildung von Nachwuchskräften gegenüber den Heimbewohnern geltend machen. Diese Umlage dient dazu, die Ausbildung von Pflegekräften zu fördern und dazu auch die Pflegeheimbewohner heranzuziehen.

Weitere Zusatzleistungen

Je nach Leistungsumfang und zusätzlichem Angebot des Heimbetreibers können auch weitere Zusatzleistungen vom Bewohner gezahlt werden. Dabei handelt es sich in aller Regel um Leistungen, die dem persönlichen Komfort des Bewohners dienen, also etwa extra Botengänge, erweiterte Pflegeleistungen, eine besondere Wunschverpflegung, aber auch ggf. die Nutzung von Sonderräumen für Familienzusammenkünfte u.Ä. Für jede abrechenbare Zusatzleistung muss eine vertragliche Vereinbarung zwischen Bewohner und Betreiber geschlossen werden – sie dürfen nicht pauschal in Rechnung gestellt werden.

Eine Frau trägt ein Tablett mit Essen
Ebenfalls nicht in den Mitteln der Pflege­versicherung inbegriffen: Die Verpflegung. Wer es noch etwas besser haben möchte, kann häufig Zusatzleistungen beauftragen - und selbst zahlen.

Wer zahlt, wenn Einkommen und Vermögen nicht für die Pflege reichen?

Reichen die kombinierten Mittel aus Pflegeleistung, Einkommen und Vermögen des Betroffenen nicht aus, um die stationäre Unterbringung in einem Heim zu bezahlen, kann er beim Sozialamt einen Antrag auf Hilfe zur Pflege stellen. Liegen die erwarteten Heimkosten im üblichen Rahmen und sind die Kinder des Betroffenen nicht verpflichtet, einen Beitrag zu den Pflegekosten ihrer Eltern zu übernehmen, kann das Sozial die ausstehenden Restkosten übernehmen.

Wie können sich Arbeitnehmer vor Pflegekosten absichern?

Um die Kosten einer möglichen Pflegebedürftigkeit abzusichern können Arbeitnehmer eine Pflegezusatzversicherung abschließen. Je nach Finanzkraft, Alter, Gesundheitszustand und Investitionsbereitschaft kommen verschieden Versicherungsmodelle in Frage, um im Ernstfall über ausreichende Mittel zu verfügen, die zur Finanzierung der eigenen Pflege genügen.

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