Lebensversicherung beleihen: So geht’s

Lebens­versicherung beleihen: So geht’s

Es muss nicht immer ein Ratenkredit sein: Sie können Ihre Lebens­versicherung beleihen. Wir verraten, welche Vorteile das hat und wie es geht.

Christina Horst
Christina Horst
22.06.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Das Beleihen der Lebensversicherung ist eine Form des Verbraucherkredits und ist auch als Policendarlehen bekannt.
  • Das Geld können Sie sich direkt von Ihrem Lebensversicherer leihen oder den Rückkaufswert als Sicherheit für einen anderen Kreditgeber verwenden.
  • Bei einem Policendarlehen bekommen Sie im Gegensatz zu anderen Kreditformen keinen Schufa-Eintrag.
  • Während der Kreditlaufzeit müssen Sie keine Tilgungsraten, sondern nur Zinsen zahlen. Das ist von Vorteil, wenn das Geld aktuell knapp ist, führt aber auch zu höheren Zinskosten. Sofern Sie sich einen Ratenkredit leisten können, sollten Sie diesen vorziehen. Wenn nicht, wählen Sie eine möglichst kurze Laufzeit beim Policendarlehen.
  • Zahlen Sie das Darlehen wie vereinbart zurück, bleibt Ihre Altersvorsorge erhalten – anders als beim Verkauf oder der Kündigung der Lebensversicherung.

Ob Renovierungskosten, eine teure Autoreparatur oder eine dringende Anschaffung: Wer kurzfristig eine größere Menge Geld benötigt, dem bleibt häufig nichts anderes übrig, als einen Kredit aufzunehmen. Doch was, wenn Sie sich keine hohen Ratenzahlungen leisten können? Eine Möglichkeit, schnell und vergleichsweise unkompliziert an Geld zu kommen, ist das Beleihen Ihrer Lebensversicherung. Diese Art des Verbraucherkredits ist auch als Policendarlehen bekannt. Dabei lassen Sie sich von Ihrem Versicherer einen Teil der Versicherungsleistung vor Fälligkeit auszahlen oder nutzen den Rückkaufswert Ihrer Lebensversicherung als Sicherheit für einen anderen Kreditgeber: z. B. Ihre Bank bzw. Bausparkasse oder eine sogenannte Zweitmarktfirma, die auf den Ankauf und das Beleihen von Lebensversicherungen spezialisiert ist. Das bringt einige Vorteile, aber auch potenzielle Nachteile mit sich. Wir erklären die Besonderheiten des Policendarlehens.

So funktioniert das Beleihen der Lebensversicherung

Beim Policendarlehen ist die mögliche Kreditsumme auf die Höhe des Rückkaufswertes begrenzt. Das ist der Betrag, den Sie bei einer Kündigung Ihrer Lebensversicherung erhalten würden – in diesem Fall allerdings abzüglich hoher Stornokosten, weshalb von einer Kündigung dringend abzuraten ist. Dabei kommt es darauf an, wie viel Sie bereits eingezahlt haben: Haben Sie die Versicherung gerade erst abgeschlossen, ist ein Beleihen meist nicht möglich, da Sie von Ihren Beiträgen zunächst die Abschlusskosten und Verwaltungsgebühren tilgen, bevor Sie etwas ansparen. Zahlen Sie hingegen seit mehreren Jahren oder gar Jahrzehnten ein, steigt mit dem Rückkaufswert auch die mögliche Darlehenssumme. Das Versicherungsunternehmen ist gesetzlich verpflichtet, Sie regelmäßig in sogenannten Standmitteilungen über den momentanen Rückkaufswert Ihrer Lebensversicherung zu informieren.

Policendarlehen sind endfällig, das heißt: Sie müssen die Darlehenssumme erst am Ende zurückzahlen. Während der Kreditlaufzeit sind keine Ratenzahlungen fällig. Das kann von Vorteil sein, wenn Sie aktuell knapp bei Kasse sind, später aber beispielsweise durch eine Erbschaft eine größere Summe auf einen Schlag erhalten und den Kredit so problemlos tilgen können. Die Rückzahlung am Ende der Laufzeit ist bei Banken und Zweitmarktfirmen üblich. Können Sie das Darlehen früher als geplant zurückzahlen, müssen Sie dem Kreditgeber in der Regel eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung zahlen, die Höhe variiert je nach Anbieter. Wenn Sie ein klassisches Policendarlehen direkt bei Ihrem Versicherer aufnehmen, müssen Sie das Geld nicht zwingend zurückzahlen: Sie können stattdessen auf einen Teil der Ablaufleistung verzichten, also auf einen Teil der Summe, die Sie regulär erhalten würden, wenn Ihre Lebensversicherung ausläuft.

Gut zu wissen: Verstirbt der Kreditnehmer während der Laufzeit des Policendarlehens, zahlt die Versicherung die Todesfallleistung aus. Die Hinterbliebenen erhalten dann aber nur das, was nach Darlehenstilgung von der Summe übrigbleibt.

Zinsen fallen natürlich auch beim Policendarlehen an. Sie sollten sie am besten bereits während der Kreditlaufzeit bezahlen. Zwar ist es häufig auch möglich, die Zinskosten zusammen mit der Darlehenssumme am Ende zu begleichen, jedoch ist dies für den Kreditnehmer meist teurer. Wie viel Zinsen Sie zahlen müssen, hängt vor allem von der benötigten Summe und von der Laufzeit ab. Diese kann wenige Monate, aber auch zehn Jahre oder mehr betragen. Aus Sicht des Kreditnehmers gilt: Je kürzer, desto besser, denn so fallen weniger Zinsen an. Wichtig: Die Zinskosten sind bei Policendarlehen in der Regel höher als bei Ratenkrediten. Während sich bei letzteren die Kreditsumme durch die Tilgungsraten stetig verringert und somit auch immer weniger Zinsen anfallen, zahlen Sie beim Policendarlehen über die ganze Laufzeit hinweg Zinsen auf die gesamte Darlehenssumme. Achten Sie beim Vergleichen unterschiedlicher Angebote also nicht nur auf den Zinssatz, sondern nutzen Sie Onlinerechner, um die Zinskosten bzw. die Gesamtkosten für den Kredit zu ermitteln.

Lebensversicherung beleihen: Das sind die Vorteile

Frau im mittleren Alter mit langen, weißen Haaren schaut aus dem Fenster
Sie zahlen bereits mehrere Jahre oder Jahrzehnte in Ihre Lebens­versicherung ein, benötigen nun aber dringend Geld: In so einem Fall ist das Beleihen der Lebens­versicherung in aller Regel sinnvoller als die Kündigung.

Auch wenn Sie dringend Geld brauchen: Eine Kündigung der Lebensversicherung sollte immer die letzte Wahl sein, denn dabei machen Verbraucher in der Regel die größten Verluste. Wenn Sie kündigen, erhalten Sie anders als beim Policendarlehen nicht den kompletten Rückkaufswert: Der Versicherer zieht die Abschluss- und Verwaltungskosten sowie eine Stornogebühr ab. Das macht sich besonders bemerkbar, wenn Sie vor der Kündigung weniger als zehn Jahre eingezahlt haben: So hatten Sie noch keine Chance, Kapital anzuhäufen, sondern haben mit Ihren Beiträgen hauptsächlich Kosten beglichen. Wenn Sie Ihre Lebensversicherung verkaufen, bringt Ihnen das zwar ein wenig mehr ein als die Kündigung, allerdings geht auch in diesem Fall Ihre Altersvorsorge verloren. Außerdem verzichten Sie in beiden Fällen auf den Gewinn am Laufzeitende, was gerade bei einem älteren, gut verzinsten Vertrag ärgerlich ist. Wenn Sie hingegen Ihre Lebensversicherung beleihen und das Darlehen vereinbarungsgemäß zurückzahlen, bleibt Ihre Altersvorsorge erhalten – ggf. sogar mit einer Rendite, die sichere Geldanlagen heute nicht mehr bringen. Zudem besteht die Chance auf eine Überschussbeteiligung bzw. einen Schlussbonus vom Versicherer. Während Sie das Policendarlehen in Anspruch nehmen, können Sie Ihre Beiträge weiterzahlen oder sie pausieren. Falls Sie Zusatzversicherungen wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzen, sollten Sie prüfen, ob sich eine Beitragsfreistellung auf den Versicherungsschutz auswirkt.

Tipp: Wollen Sie sich dennoch von Ihrer Lebensversicherung trennen, sollten Sie zunächst prüfen, ob Sie den Vertrag widerrufen können – das ist um einiges lukrativer als ihn zu kündigen oder zu verkaufen. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Ratgeber Lebensversicherung Auszahlung: Diese Möglichkeiten gibt es.

Ein weiterer Pluspunkt beim Beleihen der Lebensversicherung: Versicherer und auch viele Banken und Bausparkassen verzichten auf einen Schufa-Eintrag, der mit der Aufnahme eines gewöhnlichen Kredits immer einhergeht. Zwar prüfen die Anbieter von Policendarlehen Ihren Schufa-Score, dieser wirkt sich aber nicht auf den Zinssatz aus.

Gegenüber einem Verkauf oder gar einer Kündigung der Lebensversicherung ist ein Policendarlehen also meist die bessere Option; und dass keine Ratenzahlungen notwendig sind, kommt Verbrauchern bei akuten finanziellen Engpässen entgegen. Allerdings sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass Sie zum vereinbarten Zeitpunkt die Kreditsumme plus Zinskosten zurückzahlen können, sonst verlieren Sie Ihre Altersvorsorge und Ihre Hinterbliebenen sind nicht mehr abgesichert. Haben Sie das Geld am Ende der Laufzeit nicht parat, können Sie das Darlehen oft verlängern, allerdings fallen dann weiterhin Zinsen an.

Beleihen der Lebensversicherung: Welche Voraussetzungen gibt es?

Damit Sie Ihre Lebensversicherung beleihen können, muss sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Es darf sich nicht um einen geförderten Vorsorgevertrag handeln: Riester- und Rürup-Renten sowie die betriebliche Altersvorsorge fallen somit heraus. Andere private Rentenversicherungen sowie Kapitallebensversicherungen können beliehen werden, unabhängig davon, ob es sich um klassische oder fondsgebundene Produkte handelt.
  • Risikolebensversicherungen sind ausgeschlossen, da sie als reine Risikoabsicherungen keinen Sparanteil enthalten – demzufolge gibt es auch keinen Rückkaufswert, den Sie beleihen könnten.
  • Bei klassischen kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen ist zum Beleihen üblicherweise ein Rückkaufswert von mindestens 5.000 Euro erforderlich. Aufgrund der Wertschwankungen, denen fondsgebundene Lebensversicherungen unterliegen, wird bei diesen meistens ein Rückkaufswert von mindestens 10.000 Euro gefordert, der nur zum Teil beliehen werden kann – beispielsweise zu 60 Prozent.
  • Die Kreditsumme darf nicht zu niedrig ausfallen: Die meisten Anbieter bieten Darlehenssummen ab 2.500 Euro an.
  • Banken, Bausparkassen und Unternehmen auf dem Zweitmarkt akzeptieren Ihre Lebensversicherung in der Regel nur dann als Sicherheit, wenn es sich um eine deutsche Lebensversicherungsgesellschaft handelt. Ausländische Versicherer, die im deutschen Lebens- und Rentenversicherungsmarkt fest etabliert sind, stellen häufig eine Ausnahme dar.

Lebensversicherung beleihen – wann ist das sinnvoll?

Dokumente und Tablet auf dem Tisch eines Beraters im Gespräch
Nicht immer ist ein Policendarlehen die beste Finanzierungsmöglichkeit: Wann immer Sie sich regelmäßige Tilgungsraten leisten können, sollten Sie diese bevorzugen.

Bevor Sie Ihre Lebensversicherung beleihen, sollten Sie abwägen, ob andere Finanzierungsmöglichkeiten eventuell besser geeignet sind. Beim Policendarlehen ist der Hauptvorteil für den Kreditnehmer, dass während der Laufzeit keine Kreditraten zu tilgen sind. Der größte Nachteil ist, dass aufgrund der Endfälligkeit die Zinskosten selbst bei gleichem Zinssatz und gleicher Laufzeit höher sind als bei einem Konsumentenkredit.

Wann immer es Ihnen möglich ist, sollten Sie Ratenzahlungen darum vorziehen. Als Faustregel gilt: Regelmäßige Tilgungen sparen gegenüber der Zahlung am Laufzeitende knapp die Hälfte der Kosten. Möglicherweise können Sie mit dem Anbieter des Policendarlehens kostenlose Sondertilgungen vereinbaren – das ist allerdings meist kompliziert und trotzdem nicht unbedingt günstiger als ein herkömmlicher Ratenkredit. Wer die Lebensversicherung direkt beim Versicherer beleiht, kann das Darlehen in Teilbeträgen zurückzahlen, indem er die regelmäßigen Beiträge zur Lebensversicherung um eine Tilgungsrate aufstockt. Auch hier gilt aber: Vergleichen Sie das Angebot mit normalen Ratenkrediten, um unnötige Zinskosten zu vermeiden.

Gut zu wissen: Konsumentenkredite gibt es auch zweckgebunden, zum Beispiel für den Autokauf. Dann sind sie häufig noch günstiger zu haben.

Falls Sie wiederkehrend kleinere Summen benötigen und diese flexibel zurückzahlen möchten, bietet sich ein Rahmenkredit an: Dabei räumt Ihnen Ihre Bank eine Kreditlinie ein; Zinsen zahlen Sie nur, wenn Sie diese tatsächlich in Anspruch nehmen. Zwar ist der Zinssatz in der Regel höher als beim Policendarlehen, aber immer noch günstiger als beim Dispokredit. Letzteren sollten Sie keinesfalls für größere Finanzierungsvorhaben nutzen.

Lebensversicherung beleihen: So gehen Sie vor

Kommt ein Policendarlehen für Sie in Frage, gehen Sie wie folgt vor, um sich die besten Konditionen zu sichern: Nutzen Sie Onlinerechner und Vergleichsportale, um Anbieter mit möglichst niedrigen Zinssätzen ausfindig zu machen. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, sind auch eine niedrige Mindestdarlehenssumme, kostenlose Sondertilgungen und eine geringe Vorfälligkeitsentschädigung sinnvoll. Achten Sie auch darauf, ob der Anbieter einen Schufa-Eintrag vornimmt – das ist bei Policendarlehen eher unüblich, sodass Sie sich in dem Fall eher nach Alternativen umschauen sollten. Vergleichen Sie die Angebote anschließend mit den Konditionen für ein Policendarlehen bei Ihrem Lebensversicherer.

Wenn Sie sich für eine Bank oder eine Zweitmarktfirma als Kreditgeber entscheiden, reichen Sie Ihren Darlehensantrag ein – das geht in der Regel problemlos online – und erhalten kurz darauf die Aufforderung, sich per Postidentverfahren zu legitimieren. Der Anbieter benötigt außerdem den Versicherungsvertrag und eine unterschriebene Abtretungserklärung, die ihn berechtigt, Ihre Police zu verkaufen bzw. zu verwerten, wenn Sie das geliehene Geld nicht zurückzahlen. Hat er alle notwendigen Unterlagen erhalten, meldet er die Abtretung an Ihren Versicherer, der wiederum eine Bestätigung ausstellt. Anschließend erhalten Sie die Kreditsumme. Meist dauert dieser Prozess einige Tage oder Wochen.

Gut zu wissen: Haben Sie Ihre Lebensversicherung bis einschließlich 31. Dezember 2004 abgeschlossen, müssen Sie die damit erwirtschafteten Gewinne nicht versteuern. Bei Versicherungen, die ab 1. Januar 2005 abgeschlossenen wurden, werden die Erträge unter bestimmten Voraussetzungen nur zur Hälfte versteuert. Beleihen Sie Ihre Lebensversicherung für ein Darlehen, dass Sie nur privat nutzen, ändert sich an der Steuerbegünstigung nichts. Bei gewerblicher Nutzung können sich Änderungen ergeben, dies sollten Sie mit dem Steuerberater besprechen.