Gehhilfen: Hilfsmittel für mehr Mobilität im Alltag

Gehhilfen: Hilfsmittel für mehr Mobilität im Alltag

Immobile Menschen können sich mit Gehhilfen im Alltag sicher fortbewegen. Afilio gibt einen Überblick über die verschiedenen Gehhilfen.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
16.01.2020

Gehhilfen geben mobil eingeschränkten Menschen die Möglichkeit, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und sich im Alltag selbstständig zu bewegen. Je nach körperlicher Einschränkung und Ursache gibt es verschiedene Gehilfen, die zum Einsatz kommen können. Erfahren Sie mehr über deren Vor- und Nachteile.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Mit Gehhilfen können sich Menschen trotz körperlicher Einschränkung weiterhin im Alltag fortbewegen.
  • Je nach Schwere der körperlichen Beschwerden gibt es verschiedene Gehhilfen: Während Gehstöcke den Gleichgewichtssinn unterstützen, können Menschen mit einem Gehbock sogar wieder das Laufen erlernen.
  • Vor der Anschaffung sollten sich Interessierte bei der eigenen Krankenkasse nach finanzieller Unterstützung erkundigen.

Menschen können aus unterschiedlichen Gründen auf eine Gehhilfe angewiesen sein. Ältere Menschen werden etwa mit der Zeit schwächer und verlieren Muskelmasse, die sie brauchen, um sich im Alltag sicher auf den eigenen Beinen fortzubewegen.

Neben normalen Alterserscheinungen können auch Unfälle, Krankheiten oder Operationen dazu führen, dass Menschen körperlich eingeschränkt sind und Hilfsmittel im Alltag benötigen.

Sind Menschen dauerhaft auf Hilfe angewiesen, und zwar in verschiedenen Bereichen des alltäglichen Lebens, dann liegt in der Regel eine Pflegebedürftigkeit vor. Betroffene können dann einen Pflegegrad beantragen und im Fall der Einstufung in einen Pflegegrad Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung haben.

Doch je nach Grad der körperlichen oder psychischen Einschränkung ist Pflege teuer. Zwar unterstützt die gesetzliche Pflegekasse finanziell, doch besonders umfangreiche Pflegemaßnahmen wie beispielsweise eine 24-Stunden-Pflege oder dauerhafte Betreuung im Pflege- oder Altenheim können schnell ins Geld gehen.

Deshalb ist es ratsam, sich noch bei voller Gesundheit mit seiner Vorsorge auseinanderzusetzen und eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Diese schließt die sog. Pflegelücke und gibt einem die Sicherheit, dass man auch im Alter bei gesundheitlichen Einschränkungen finanziell abgesichert ist.

Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach Zuschüssen für Gehhilfen

Mit der passenden Gehhilfe können sich Senioren und Menschen mit körperlichen Beschwerden im Alltag zurechtfinden. Gehhilfen fördern nicht nur die Beweglichkeit, sondern unterstützen auch die Psyche. Sie helfen Betroffenen dabei, weiterhin an gesellschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, sich selbst zu versorgen und Freunde und Familie zu treffen. Dadurch können schwerwiegende Folgen wie Depression bzw. Altersdepression und Einsamkeit im Alter vermieden werden.

Grundsätzlich gibt es einfache Gehilfen wie Stöcke, aber auch elektrisch betriebene Mobilitätshilfen, zu denen beispielsweise Elektromobile und Elektroscooter gehören. Letztere richten sich vor allem an diejenigen, die bei der Fortbewegung dauerhaft eingeschränkt sind. Doch Technik kostet und muss regelmäßig gewartet und kontrolliert werden – diese dauerhafte finanzielle Belastung sollten Betroffene vorab bedenken.

Bevor sich Menschen mit körperlichen Einschränkungen also eine Gehhilfe zulegen, sollten sie sich ausführlich informieren. Eine Auflistung der Hilfsmittel, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden, bietet das sog. Hilfsmittelverzeichnis. Das umfasst beispielsweise Inkontinenzmaterial bei Inkontinenz, Bandagen oder einen Hausnotruf, aber auch Mobilitäts- und Gehhilfen. Wer hingegen privat versichert ist, hat je nach Versicherungstarif Zugang zum offenen Hilfsmittelkatalog, der mehr Produkte enthält.

In der Regel benötigen Betroffene ein entsprechendes Rezept vom Arzt, um finanzielle Unterstützung der Krankenkasse bei der Anschaffung einer Gehhilfe zu erhalten. Manche Krankenkassen arbeiten auch nur mit bestimmten Anbietern zusammen – das sind also alles offene Fragen, die vorab geklärt werden sollten.

Gehilfen im Überblick

Das sind die wichtigsten Gehhilfen für ältere Menschen:

  • Gehstock
  • Krücke
  • Gehbock
  • Rollator
  • Rollstuhl
  • Elektromobil

Streng genommen gehören Rollstühle und Elektromobile nicht zu den Gehhilfen, sondern zu den Mobilitätshilfen. Ob es für deren Anschaffung auch Zuschüsse gibt, sollten Interessierte direkt bei der Krankenkasse erfragen.

Gehstock

gehstock auswahl

Ein Gehstock ist eine nützliche und günstige Hilfe für Menschen, die zwar sicher auf den Beinen sind, jedoch Unterstützung brauchen, um ihr Gleichgewicht zu halten. Zusätzlich entlastet das Laufen mit einem Gehstock auch Gelenke, was ein gutes Argument ist für Menschen, die unter Krankheiten des rheumatischen Formkreises leiden – dazu gehören unter anderem Arthritis, Arthrose, Osteoporose und Gicht.

Einen Stock als Gehilfe gibt es in verschiedenen Ausführungen und Materialien. Bevor Sie sich für einen entscheiden, überlegen Sie in Ruhe, für welche Situationen Sie einen Stock benötigen. So gibt es beispielsweise Modelle mit Spitze, die Sicherheit auf weichen Böden bieten, Stöcke aus Holz und solche, die höhenverstellbar und faltbar sind – diese lassen sich einfach in der Tasche verstauen.

Sicherheit und Standfestigkeit verspricht der sog. Drei-Punkt-Gehstock. Dieser hat dem Namen entsprechend drei Punkte, die den Boden berühren. Diese Variante gilt als besonders kippsicher und belastbar.

Auch wenn ein Gehstock mit einfacher Handhabung punktet: Bei ständiger Benutzung kann er Koordination und Gleichgewichtssinn des Benutzers schwächen. Um das auszugleichen, eignen sich kleine Gymnastikübungen für zu Hause, die sogar im Sitzen durchgeführt werden können.

Krücke

krücken auswahl

Krücken kommen in der Regel nach Verletzungen und Operationen an den Beinen zum Einsatz. So sollte die Belastung nach einer Knie-OP oder Hüft-OP nur langsam gesteigert werden, damit die Wundheilung nicht gestört wird. Mit einer Krücke können Betroffene das entsprechende Bein entlasten, ohne vollends auf Mobilität verzichten zu müssen.

Auch Gehstützen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen – faltbar, für Rechts- oder Linkshänder oder mit verschieden geformten Handgriffen. Sie eint, dass sie rutschsichere Laufgummis haben.

Anders als normale Krücken entlastet die Achselstütze Handgelenke und Ellbogen, da sie die Auflage nicht am Unterarm hat, sondern unter der Achsel. Unabhängig von der Art der Gehstütze verändert sie allerdings auf Dauer das Gangbild und beansprucht die Muskulatur durch eine einseitige Belastung des Körpers.

Gehbock

gehbock gehgestell

Im Gegensatz zu Gehstock und Krücke ist der Gehbock deutlich stabiler, denn er steht mit vier Beinen fest auf dem Boden und ist dadurch rutsch- und standfest. Er eignet sich nicht nur für ältere Menschen, die wacklig auf den Beinen sind, sondern vor allem für solche, die das Gehen etwa nach einem Schlaganfall neu erlernen müssen.

Betroffene können sich am Gehbock bzw. Gehgestell gut festhalten und sich Schritt für Schritt nach vorne bewegen. Manche Varianten haben sogar Räder, sodass die Fortbewegung noch leichter fällt.

Ein klarer Nachteil ist jedoch, dass solche Gehhilfen sehr sperrig sind. Durch ihr leichtes Material können sie zwar gut hochgehoben werden, doch damit auch Stufen oder Plattformen zu überwinden, gestaltet sich als schwierig.

Rollator

rollator

Legen immobile Menschen Wert auf eine stabile Gehhilfe, die gleichzeitig auch außerhalb der eigenen Wohnung praktikabel ist, empfiehlt sich ein Rollator bzw. Gehwagen. Dieser ist nicht nur standfest und hat Räder, sondern auch eine Sitzfläche und Verstaumöglichkeiten. Er eignet sich also ideal für Einkäufe und Besorgungen, da Menschen mit körperlicher Einschränkung immer eine Sitzgelegenheit dabeihaben, um sich kurz auszuruhen.

Auch den Rollator gibt es in verschiedenen Ausführungen, sodass jeder ein Modell findet, das zu seinen finanziellen Möglichkeiten passt. Doch auch wenn der Rollator leicht zu bedienen ist, muss der Umgang erst erlernt werden. Benutzer sollten beispielsweise unbedingt wissen, wie sie an ihrem Modell die Bremsen feststellen, damit sie nicht mit dem Rollator wegrollen und stürzen.

Rollstuhl

Rollstuhl

Auch wenn der Rollstuhl genau genommen keine Gehhilfe ist, hat er doch viele Vorzüge für Menschen, die dauerhaft nicht mehr selbstständig gehen können. Deshalb sollte seine Anschaffung in Betracht gezogen werden, auch wenn die Kosten vergleichsweise höher ausfallen.

Für viele ist er ein ideales Fortbewegungsmittel, denn er ist sicher und stabil und kann sowohl im als auch außerhalb des Hauses verwendet werden. Um Druckstellen und -geschwüre (Dekubitus) zu vermeiden, sollte der Rollstuhl allerdings immer individuell an den Menschen angepasst werden. Hinzukommt, dass viele Modelle klappbar sind, sodass sie platzsparend im Auto verstaut werden können.

Gegen einen Rollstuhl spricht, dass er nur bedingt für lange Strecken geeignet ist. Schließlich muss der Rollstuhlfahrer das Gefährt mit Muskelkraft aus den Armen antreiben und das kann vor allem bei unebenen Böden schnell anstrengend werden.

Auch Barrierefreiheit ist in Deutschland nach wie vor ein großes Thema. Nicht jeder Ort ist für Rollstuhlfahrer zugänglich und auch die eigene Wohnung sollte barrierefrei sein. Dazu gehören Maßnahmen wie ein Treppenlift oder barrierefreies Bad, damit Rollstuhlfahrer sich in der eigenen Wohnung frei bewegen können.

Elektromobil und Elektroscooter

elektromobil

Ebenfalls zu den Mobilitätshilfen gehören Elektromobil und Elektroscooter. Je nach Größe und Ausstattung kosten solche Modelle zwischen 1.000 und 2.000 Euro, können aber auch gemietet werden.

Per Gesetz dürfen Elektromobile in Deutschland mit Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehweg fahren, sodass sich Menschen trotz körperlichen Einschränkungen gut und sicher fortbewegen können. Die Mobilitätshilfen haben eine Beleuchtung und können teilweise sogar zerlegt und mit dem Auto mitgenommen werden.

Interessenten sollten sich allerdings vorab bei der eigenen Krankenkasse erkundigen, da nicht jede die Kosten für solch ein Gerät übernimmt. Neben den Kosten für die Anschaffung müssen Elektromobile und -scooter auch regelmäßig kontrolliert und gewartet werden – all das ist eine finanzielle Belastung.