Inkontinenzmaterial: Diese Mittel gibt es für Erwachsene

Inkontinenzmaterial: Diese Mittel gibt es für Erwachsene

Inkontinenzmaterial: Diese Inkontinenzprodukte gibt es: Welche Inkontinenzartikel können wie zur Inkontinenzversorgung herangezogen werden? Wir klären auf.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
15.01.2020

Inkontinenz ist eine Herausforderung für alle Betroffenen. Genauso belastend wie die eigentliche Blasenschwäche ist die Angst vor Stigmatisierung und unpässlichen Augenblicken im Alltag. Doch Medizin und Entwicklung haben eine Reihe von Möglichkeiten ersonnen, um den Folgen einer erworbenen oder angeborenen Inkontinenz wirksam zu begegnen – dazu gehört in erster Linie das sogenannte Inkontinenzmaterial – Hilfsmittel, die dazu beitragen, das Leben auf einfache Art wieder lebenswert zu machen – in manchen Fällen sogar auf Rezept, und damit auf Kosten der Krankenkasse oder Pflegekasse.

Welches Inkontinenzmaterial gibt es?

Inkontinenzmaterial fällt in vier unterschiedliche Kategorien von Hilfsmitteln, die auch von der Krankenkasse oder der zuständigen Pflegekasse bezuschusst oder vollständig getragen werden können. Alle Kategorien vereinen unterschiedliche funktionale und Beschaffenheitsaspekte voneinander, gleichzeitig richten sie sich auch an einen unterschiedlichen Schweregrad der aufgetretenen Inkontinenz.

  • Saugfähige Textilhilfsmittel
  • Anatomische Hilfsmittel
  • Ableitendes Inkontinenzmaterial
  • Toilettensitze und räumliche Ergänzungen

Saugfähige Textilhilfsmittel: Diese tragbaren Hilfsmittel gibt es

Die den meisten bekannte Lösung sind Windeln für Erwachsene, aber auch vollwertige Inkontinenzhosen, oder Inkontinenzeinlagen geben vielen Betroffenen einen großen Teil ihrer Lebensqualität zurück:

  • Windeln

Bei Windeln für Erwachsene handelt es sich um die bekannteste Maßnahme zur Alltagsbewältigung bei Inkontinenz. Erwachsenenwindeln oder Inkontinenzwindeln gibt in unterschiedlichen Größen, Preisklassen und von verschiedenen Herstellern. Ähnlich wie bei Windeln für Kinder handelt es sich bei der Erwachsenenwindel um ein kompaktes, einteiliges Hilfsmittel mit einem umliegenden, elastischen Stützbund, einer Saugfläche, Klebe- oder Kletthaken und Aussparungen für die Beinpartie. Erwachsenenwindeln sind in erster Linie auf hohe Saugfähigkeit von bis zu drei Litern Flüssigkeit ausgelegt und zielen auf maximale Sicherheit bei der Harnaufnahme ab.

  • Inkontinenzhosen

Für Betroffene, die Komfort und Selbständigkeit miteinander vereinbaren wollen, gibt es seit einigen Jahren sogenannte Inkontinenzhosen. Dabei handelt es sich im weitesten Sinn um Einmalunterwäsche mit integrierter saugfähiger Inneneinlage. Hier haben sich mehrere Formate etabliert, die unterschiedlichen Tragegewohnheiten Rechnung tragen und dabei vor allem in puncto Praktikabilität und Unauffälligkeit überzeugen.

  • Inkontinenzeinlagen

Einlagen, bzw. Inkontinenzeinlagen sind nicht nur die am wenigsten aufwändige Möglichkeit der Harnaufnahme, sie sind auch die unauffälligste Option. Dabei handelt es sich um Einlagen, die den allseits bekannten Damenbinden äußerlich deutlich ähneln. Mithilfe eines Klebestreifens werden sie einfach am eigentlichen Tragetextil befestigt und in Position gehalten. Inkontinenzeinlagen verfügen zwar nur über eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, dafür gibt es sie in einer Vielzahl von Größen für beide Geschlechter.

Anatomische Hilfsmittel

Nicht in allen Fällen ist das fehlende Bewusstsein für den eigenen Harndrang maßgeblich Bei Fällen, in denen funktionale Schwächen im Vordergrund stehen, können auch anatomische Hilfsmittel zur Inkontinenzverhütung einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität leisten. Bei den anatomischen Hilfsmitteln lässt sich zwischen auffangenden und unterbindenden Lösungen unterscheiden. Während für Frauen spezielle Inkontinenztampons, Schalen- oder Ringpessare und Harnröhren-Plugs in Frage kommen, gibt es für Männer mechanische Hilfen wie Penisbändchen, bzw. -klemmen. Beide Hilfsmittel dienen dazu, den unkontrollierten Abgang von Harnflüssigkeit durch konsistenten, leichten Druck auf die Harnröhre ausübt.

Ableitendes Inkontinenzmaterial

Sog. Ableitende Inkontinenzprodukte dienen dazu, unkontrollierten Harnfluss sicher und hygienisch aufzufangen. Vor allem drei bekannte Produktarten haben sich in diesem Bereich etabliert: Der Urinbeutel, der Katheter und Urinalkondome.

  • Urinbeutel

Urinbeutel sind das vermutlich am weitesten bekannte ableitende Inkontinenzprodukt: Urinbeutel werden üblicherweise direkt am Körper getragen. Zur Fixierung kommt eine Klett- oder Hakenmanschette zum Einsatz, die am Oberschenkel befestigt wird. Alternativ lässt sich ein Urinbeutel auch am Kranken- bzw. Pflegebett befestigen, wenn der Betroffene übergangsweise oder dauerhaft bettlägerig sein sollte. Urinbeutel gibt es in verschiedenen Aufnahmegrößen und für verschiedene Zeiträume. Üblicherweise wird ein Zugang zur Blase in Form eines Katheters gelegt.

  • Katheter

Katheter werden im Rahmen eines kleinen Eingriffs mit der Blase des Betroffenen verbunden und sorgen über einen längeren Zeitraum für zuverlässige Flüssigkeitsableitung. Diese Lösung richtet sich dementsprechend vorrangig an Betroffene, die über einen längeren Zeitraum bettlägerig und / oder stark pflegebedürftig sind. Katheter sind dennoch aufgrund der dauerhaft bestehenden Infektionsgefahr nur als Übergangslösung geeignet.

  • Urinalkondome

Urinalkondome sind eine praktische Alternative zu den zuvor genannten invasiven Methoden für Männer. Das Urinalkondom besteht aus medizinischem Silikon und dient dazu den Urin außerhalb, zugleich aber dicht am Körper aufzufangen. Dazu wird es über das männliche Glied gezogen und mit einem hautverträglichen Spezialkleber an der Außenhaut befestigt. Typischerweise wird das Urinalkondom mit einem Beinbeutel versehen, der den Urin dauerhaft aufnimmt und anschließend entsorgt werden kann.

Welche Voraussetzungen müssen geeignete Inkontinenzhilfsmittel erfüllen?

  • Zuverlässigkeit: Ein geeignetes Inkontinenzhilfsmittel, bzw. Inkontinenzmaterial sollte ausreichend Flüssigkeit zuverlässig aufnehmen und geruchssicher einkapseln
  • Verträglichkeit: Ob funktional, textil oder anatomisch – Inkontinenzprodukte sollten hautverträglich, anti-allergen, stabil und schadstofffrei sein
  • Unauffälligkeit: Ein gutes Inkontinenzprodukt ist einfach nutzbar, erhält oder erhöht den Alltagskomfort des Betroffenen und ist nicht von außen wahrnehmbar.

Wie entscheide ich mich für das richtige Inkontinenzmaterial?

Die Wahl des passenden Inkontinenzmaterials sollte immer situationsbezogen getroffen werden – ob für sich selbst oder eine Pflegeperson. Grundfragen, die zu beantworten sind:

  • Handelt es sich um die seltenere Stuhlinkontinenz oder die weitverbreitete Harninkontinenz?
  • Wieviel Harn oder Stuhl muss aufgefangen werden?
  • In welcher Lebenslage und zu welcher Tageszeit ist das passende Inkontinenzmaterial am wichtigsten?
  • Wie selbständig ist die betroffene Person?
  • Welches Maß an Komfort und Sicherheit ist für den Betroffenen wichtig?
  • Liegen Einschränkungen zur Verwendung von Inkontinenzmaterial vor, also Entzündungen, Wunden oder Hautveränderungen?

Je nach Einsatzbereich, persönlicher Situation und Präferenzen des Betroffenen kann es sinnvoll sein, mehrere unterschiedliche Arten von Inkontinenzmaterial zu nutzen, etwa für den unterschiedlichen Tages- und Nachtbedarf. Während für längere Schlafphasen eher saugstarke oder zuverlässig ableitende Funktion von Vorteil ist, kann es im beruflichen Alltag von Vorteil sein, eine Lösung mit höherem Tragekomfort heranzuziehen.

Kostenübernahme und Zuzahlung bei Inkontinenzmaterial

Wie bei den meisten Hilfsmitteln auf Rezept oder als Teil der Pflegeleistungen kommen verschiedene Unterstützungsmechanismen in Frage. Allerdings werden Inkontinenzmaterialien in aller Regel als ärztlich indizierte Verschreibungsleistungen abgerechnet, dementsprechend ist in allen Fällen die Krankenkasse Ansprechpartner für Erstattung und Kostenübernahme.

Kostenübernahme von Inkontinenzmaterial durch die Krankenkasse

Eine Kostenübernahme ist prinzipiell möglich, allerdings ist es notwendig, grundsätzlich eine ärztliche Diagnose zur Inkontinenz stellen zu lassen, die Inkontinenz muss auch als Folgeerscheinung einer vorliegenden Krankheit oder eines akuten Ereignisses aufgetreten sein, z.B. als Ergebnis eines Schlaganfalls. Zur Kostenübernahme ist es außerdem notwendig Art des Inkontinenzprodukts, die monatlich benötigte Menge, die voraussichtliche Dauer der Behandlung und die Notwendigkeit schriftlich zu begründen.

  • Suchen Sie einen Arzt auf, der die Versorgung mit Inkontinenzmaterial verschreibt. Art und Ausprägung der vorliegenden Inkontinenz werden hier ebenso aufgeführt wie der absehbare Behandlungszeitraum mit einer bestimmten Menge an Inkontinenzprodukten.
  • Wenden Sie sich mit Ihrer ärztlichen Verschreibung an die nächste Apotheke oder ein geeignetes Sanitätshaus. Manche Krankenkassen schreiben auch die Inanspruchnahme eines bestimmten Versorgungsdienstleisters vor.
  • Je nach Kassenordnung wird das benötigte Inkontinenzmaterial anschließend direkt nach Haus geliefert oder kann vor Ort in der zuständigen Apotheke abgeholt werden.

Zuzahlung bei Inkontinenzmaterial

Obwohl es sich bei Inkontinenzprodukten um verschreibbare Verbrauchsmittel aus dem Hilfsmittelkatalog handelt, müssen volljährige Versicherte für zehn Prozent der Kosten des benötigten Inkontinenzmaterials selbst aufkommen, allerdings nur bis zur Höchstgrenze von zehn Euro im Monat. Liegt der Verbrauchsbedarf eines Versicherten jedoch oberhalb der bewilligten Materialmenge, müssen Versicherte für entstehende Extrakosten selbst aufkommen. Erwachsene Versicherte, die die sog. Persönliche Belastungsgrenze im laufenden Jahr überschritten haben, können sich jedoch auch von der Zuzahlung für Inkontinenzmaterial befreien lassen. Diese Belastungsgrenze liegt bei zwei Prozent des persönlichen Jahresbruttoeinkommens, allerdings werden die persönlichen Freibeträge für eigene Kinder und Partner abgezogen. Dauerhaft chronische Patienten können eine maximale Belastungsgrenze von einem Prozent geltend machen. Jede Zuzahlungsbefreiung muss zuvor schriftlich bei der eigenen Krankenkasse beantragt und begründet werden. Hierzu können ärztliche Nachweise, Einkommensbelege, Ausgaben und weitere Nachweise gefordert werden.