Pflegehilfsmittel beantragen: Gratis-Unterstützung zur Pflege

Pflegehilfsmittel beantragen: Gratis-Unterstützung zur Pflege

Wir erklären, wie Sie ganz einfach Pflegehilfsmittel beantragen und die zusätzlichen Leistungen dauerhaft in Anspruch nehmen können.

Sarah Lange
Sarah Lange
20.07.2018
Das Wichtigste in Kürze:
  • Jeder Pflegebedürftige in Deutschland hat Anspruch auf einen monatlichen Zuschuss über 40 Euro für Pflegehilfsmittel zur privaten Verwendung.
  • Die Pflegebox ist die ideale Alternative zum Einzelantrag bei der Pflegeversicherung. Sie enthält die wichtigsten Hilfsmittel zur persönlichen Hygiene bei Pflege im eigenen Zuhause und wird Ihnen kostenfrei zugeschickt - und das monatlich frei Haus!

Diese Pflegehilfsmittel gibt es pauschal

Als Pflegehilfsmittel werden alle Geräte und Mittel bezeichnet, die Pflege und Alltag des Bedürftigen erleichtern und gleichermaßen dazu beitragen, einen Beitrag zur Heilfürsorge zu leisten, ohne den Betroffenen finanziell zu belasten. Wer Pflegebedürftig ist, hat sogar einen Rechtsanspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmittel. Die Pflegeversicherung unterscheidet dabei zwischen:

  • technischen Pflegehilfsmitteln, also etwa Pflegebetten, Lagerungshilfen oder einem Hausnotruf und
  • zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln, wie Einmalhandschuhen, Betteinlagen oder Inkontinenzmitteln

Wer pflegebedürftig ist und von einem Angehörigen zuhause gepflegt wird, hat pauschal Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Einmalgebrauch als Schutz vor Infektionen im Wert von 40€ pro Monat.

Pflegehilfsmittel beantragen: So bekommen Sie Pflegemittel gratis

Anspruch haben Pflegebedürftige, die Pflegebedürftigkeit nach SGB XI nachweisen können, also einen Pflegegrad (früher: Pflegestufe) haben. Aber auch dann, wenn eine bleibende Behinderung droht oder es darum geht, eine bereits eingetretene Behinderung mit Pflegehilfsmitteln zu erleichtern, bzw. sogar auszugleichen, können Hilfsmittel beantragt werden. Auch wer in einer WG oder im betreuten Wohnbereich lebt, hat Anspruch auf Pflegehilfsmittel. Achtung: An gleicher Stelle ist auch festgelegt, dass der Zuschuss für Pflegehilfsmittel 40€ monatlich nicht übersteigen darf. Die finanzielle Hilfe wird dann von der Pflegekasse übernommen, wenn die Pflegehilfsmittel nicht ohnehin von der Krankenversicherung gestellt werden.

Der Adressat - Hier stellen Sie Ihren Antrag

Der Antrag auf den Zuschuss der Pflegeversicherung für Pflegehilfsmittel wird bei der eigenen Pflegekasse gestellt. Wenn Ihnen die Anschrift der Pflegekasse gerade nicht vorliegt, genügt es den Antrag an die eigene Krankenversicherung mit dem Vermerk "Weitergabe an die Pflegekasse" einzureichen. Genauso können Sie vorgehen, wenn Sie etwa einen Pflegegrad beantragen. Der Weg über die eigene Krankenkasse ist auch deshalb sinnvoll, weil einzelne Produktgruppen im Pflegehilfsmittelverzeichnis im Einzelfall daraufhin betrachtet werden, ob es sich um eine Leistung durch die Pflegekasse (SGB XI) oder die Krankenkasse (SGB V) handelt. Handelt es sich nämlich um Hilfsmittel zur Versorgung bei Krankheit oder dauerhafter Körperlicher Einschränkung als Folge einer Behinderung, dann ist die Krankenkasse als Leistungs- und Kostenträger verantwortlich, nicht die Pflegekasse.

So sichern sie die Kostenübernahme

Pflegehilfsmittel werden nicht nur von den Pflegeversicherungen oder Krankenversicherungen angeboten, sondern auch von Unternehmen, die sich auf die punktgenaue Versorgung von Pflegebedürftigen mit den notwendigen Hilfsmitteln spezialisiert haben. Der Antrag auf Kostenübernahme kann mit einer entsprechenden Vorlage eingereicht werden. Wie bei den meisten Leistungen der Pflegekassen kann der Erstantrag auch formlos schriftlich oder sogar telefonisch eingereicht werden. Wichtig: Die direkte Vorabkostenübernahme ist nur für gesetzlich Versicherte möglich.

Privat Versicherte übernehmen die Kosten wie bei regulären Versicherungsleistungen zunächst selbst und reichen die Rechnung anschließend bei Ihrer Versicherung ein. Viele Kassen gehen dann mit kurzem zeitlichen Versatz in Vorleistung und senden den richtigen Vordruck per Post oder E-Mail zu. Wer den Antrag formlos schriftlich stellen möchte, sollte daran denken, die wichtigsten Rahmendaten wie Name, Versicherungsnummer und die Art der gewünschten Hilfsmittel in seinem Anschreiben aufzuführen.

Außerdem ist es sinnvoll, vorab zu recherchieren, welche Pflegehilfsmittel von der 40€-Pauschale abgedeckt werden. Wer einen Pflegegrad hat, findet im Gutachten des MDK Hinweise darauf, welche Pflegehilfsmittel zur Erhöhung der Selbständigkeit, bzw. zur Erleichterung der Pflege angezeigt sind. Die eigentliche Kostenübernahme besteht dabei üblicherweise aus zwei Schriftstücken - Dem Antrag auf Kostenübernahme und der schriftlichen Zusicherung, die bezuschussten Pflegehilfsmittel tatsächlich in Anspruch genommen zu haben.

Alternative zum Antrag auf Pflegehilfsmittel: Die Pflegebox

Um die Hürden zur Beantragung weiter zu reduzieren, gibt es sog. Pflegeboxen. Besonders praktisch: Den Inhalt können Sie online ganz einfach nach Ihren Wünschen zusammenstellen. Zu den möglichen Bestandteilen einer Pflegebox können etwa Einmalhandschuhe, Mundschutz, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel für Hände und Oberflächen oder Schutzschürzen gehören. Die fertige Box wird jeden Monat bequem nach Hause geliefert. Antragstellung und Abrechnung mit den zuständigen öffentlichen Stellen übernimmt das Team hinter den Pflegeboxen, für den Endverbraucher entstehen weder Kosten noch Aufwand.

Pflegehilfsmittel in der Pflegebox

Welche Hilfsmittel für den Einsatz in der Pflegebox in Frage kommen, ist durch das Hilfsmittelverzeichnis des GKV Spitzenverbands verbindlich für Krankenkassen und Pflegekassen geregelt. Alle aufgeführten Hilfsmittel gehören zum Leistungskatalog beider Kassenarten und werden entweder finanziert oder verliehen. Die Pflegehilfsmittel fallen in unterschiedliche Produktgruppen, dazu zählt auch der Pflegehilfsmittelkatalog mit den Produktgruppen 50 bis 54. Im einzelnen listen die Produktgruppen 50 bis 54 die folgenden Hilfsmittel auf:

  • PG 50: Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege
  • PG 51: Pflegehilfsmittel zur Körperpflege und Hygiene
  • PG 52: Pflegehilfsmittel zur selbständigeren Lebensführung/Mobilität
  • PG 53: Pflegehilfsmittel zur Linderung von Beschwerden
  • PG 54: Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

Während die Produktgruppen 50, 52 und 53 technische Hilfsmittel auflisten, die bei Bedarf leihweise über die Pflegekassen bezogen werden können, wie etwa Pflegebetten oder Rollstühle, richten sich die Produktgruppen 51 und 54 an den unmittelbaren Bedarf des Pflegebedürftigen oder Pflegers. Bei Ihnen handelt es sich um Hygieneprodukte und Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Dabei gilt: Produkte der PG 54 sind aus Gründen der Hygiene nur zum einmaligen Gebrauch gedacht. Aus den Gruppen 51 und 54 orientiert sich der Inhalt der Pflegebox. Kostenlose Hilfsmittel zum unmittelbaren Verbrauch hat Stand 2019 eine ganze Reihe von Anbietern im Portfolio, denn immer mehr Bedürftige und Angehörige machen von Ihrer Möglichkeit Gebrauch, Hilfsmittel ohne Antrag bei der Pflegekasse in Anspruch zu nehmen.