Hygiene & Gesundheit

Hygiene & Gesundheit

Hygiene, Desinfektion und Reinigung: Unser Ratgeberbereich zur wichtigsten Krankheitsprävention im Alltag: Tipps und Anleitungen gegen Keime und Erreger im eigenen Umfeld

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
13.03.2020

Hygiene - Fragen und Fakten

Hygiene umfasst alle Verhaltensweisen und Methoden, die ein sauberes, keimarmes und reines Umfeld zum Ziel haben. Dabei gelten je nach Fach- und Anwendungsbereich unterschiedliche Begriffsabgrenzungen und Voraussetzungen. Während Hygiene im privaten Umfeld eher ein angestrebter Erreichungszustand ist, stellt sie im professionellen Bereich in vielen Feldern eine Grundvoraussetzung dar.
Das gilt gleichermaßen im produzierenden Gewerbe (z.B. Lebensmittelindustrie und Medizinprodukte) wie im Dienstleistungssektor. Im medizinisch-pflegerischen Kontext bezeichnet Hygiene ein Paket von Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Gesundheit und ihrer Vorbedingungen, aber auch von Maßnahmen, die die menschliche Gesundheit halten und / oder verbessern und Krankheiten bekämpfen sollen. Die wichtigsten Ziele der Hygiene ist es, Kontaminationen und damit letzten Ende Infektionen von Mensch und Tier zu vermeiden.

Warum ist Hygiene wichtig?

Im natürlichen Zustand ist die Welt an vielen Stellen kein Hort der Hygiene - im Gegenteil. Die Lebensfreundlichkeit unseres Planeten erlaubt nicht nur allen sichtbaren Lebewesen dauerhaftes Gedeihen. Auch Keime und finden an vielen Stellen die Möglichkeit zur Vermehrung oder wenigstens zum Überdauern, bis ein geeigneter Wirt Raum zur Vermehrung bietet.

Hygiene hat zum Ziel, die Gesundheit des Menschen zu erhalten, indem Maßnahmen zur Reinigung und Desinfektion einer Infektion durch vorherige Kontamination durch unterschiedliche Krankheitserreger und Keime (Pilze, Bakterien oder Viren) vorbeugen. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen sollen durch entsprechende Maßnahmen vor einem u.U. lebensgefährdenden Krankheitsbefall geschützt werden, aber auch Gesunde können entsprechende Maßnahmen vor Ansteckung, Infektion und Kontamination bewahren. Ist ein Betroffener bereits infiziert, ist Hygiene das erste Mittel, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Hygiene soll also

  • Der Verbreitung von Krankheiten durch ihre Erreger verhindern
  • Schutz vor Kontaminationen und Infektionen für gesunde und vorerkrankte Menschen
  • Herstellung von und gesicherten Zugang zu hygienischen und unbelasteten Waren gewährleisten
  • Ein dauerhaftes Hygienelevel in sensiblen Bereichen wie einem Pflegeheim oder Krankenhäusern garantieren

Ursachen von Infektionen

Mangelnde Hygiene ist eine der Hauptursachen für die Ausbreitung von Krankheiten und Infektionen. Denn während der “lose” Übertragungsweg durch die Luft oder über das Wasser mit natürlichen Beschränkungen verbunden ist, kann der direkte und unmittelbare Kontakt ebenso wirksam zur Ausbreitung einer Infektion führen wie das Berühren von Oberflächen, die in Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Erkrankten waren. Nicht nur “klassische” Übertragungsbeschleuniger wie das Niesen oder Husten führen dabei zur wirksamen Verbreitung von Erregern, auch die Berührung von Türklinken, Kleidung, Toilettendeckeln oder Wasserhähnen kann ausreichen, um eine Ansteckung möglich zu machen.

Risikofaktor Alter

Gerade für ältere Menschen und Pflegebedürftige ist Hygiene wichtig. Ihr Immunsystem ist nicht mehr so aktiv wie in jüngeren Jahren, und neben einer erhöhten Ansteckungsgefahr besteht bei ihnen das Risiko eines schwereren Verlaufs. Während bakterielle Infektionen in den vergangenen Jahrzehnten wirksam mit Antibiotika bekämpft werden konnten, steigt die Zahl multiresistenter Erreger permanent. Bis dato wirksame Medikamente erzielen nicht länger ihre bedeutsame Wirkung, und als letztes Mittel müssen immer häufiger sogenannte Reserve-Antibiotika eingesetzt werden, für die wiederum das Risiko der Bakterienresistenz mit häufiger Gabe steigt. Weit besser als die Bekämpfung von Infektionen ist darum die Prävention - und mit ihr die Hygiene.

Infektionen, die institutionellen Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Krankenhäusern ausbrechen, werden als nosokomiale Infektionen bezeichnet, die immer häufiger auftreten. Umso wichtiger ist die strikte Einhaltung von Grundregeln der Hygiene, das gilt dabei natürlich auch im privaten Umgang wie in der häuslichen Pflege oder für einen betreuenden ambulanten Pflegedienst.

Die wichtigsten Hygienemaßnahmen im professionellen Bereich

Hygienekonzept

Medizinische und pflegerische Einrichtungen sind verpflichtet, ein Hygienekonzept auszuarbeiten und nachweislich anzuwenden. Dazu ist es auch notwendig, nicht nur das Reinigungspersonal entsprechend zu schulen, sondern auch alle Pflegekräfte, Ärzte, Betreuer und alle weiteren für den Betrieb einer entsprechenden Einrichtung notwendigen Kräfte.

Angehende Pflegekräfte in der Gesundheitspflege, der Krankenpflege und an Altenpflegeschulen werden bis heute allerdings nicht bundeseinheitlich geschult. Umso wichtiger ist es, bestehende Kräfte regelmäßigen Hygieneweiterbildungen zu unterziehen: Wichtige Bereiche etablierter Hygienekonzepte umfassen etwa Maßgaben zu:

  • Übertragungswegen
  • Handhygiene (auch: Händehygiene)
  • Reinigung und Desinfektion von Flächen
  • Infektionslehre,
  • Klarstellung des Risikos von nosokomialen Infektionen
  • Prävention von Harnwegsinfektionen
  • Prävention von Gefäßkatheter-Infektionen
  • Prävention postoperativer Wundinfektionen
  • Organisation und Umsetzung der Einrichtungshygiene
  • Ökologie
  • Biologie / Mikrobiologie

Ein umfassendes Hygienekonzept beinhaltet auch die Beratung von Kranken, Pflegebedürftigen und ihrer pflegenden Angehörigen zu Fragestellungen rund um Hygiene und Gesundheit. Vor allem Maßgaben zur Alltagshygiene, wie das Händewaschen und die Toilettenhygiene sollten dabei vermittelt werden können.

Hygienemittel: Seife und Atemschutz auf einem Tisch
Im Ernstfall sinnvoll: Seife und Atemschutz

Hygieneplan

nach § 36 Abs. 1 IfSG sind alle Einrichtungen des Gesundheitswesens, aber auch Kindergemeinschaftseinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünfte und Justizvollzugsanstalten verpflichtet, Hygieneplänen aufzustellen, um die innerbetriebliche Infektionshygiene zu gewährleisten. Ein Hygieneplan enthält verbindliche Anweisungen für alle Personen, die in Bereichen tätig sind, die besondere hygienische Vorkehrungen erfordern. Ein Hygieneplan besteht aus drei maßgeblichen Säulen: Einem Händedesinfektionsplan, einem Flächendesinfektionsplan und einem Geräte- und Anlagendesinfektionsplan.

Hygienepläne entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn alle Beteiligten einer Einrichtung Kenntnis von ihrem Vorhandensein und den Maßgaben zur Umsetzung erhalten: Wenigstens einmal jährlich sollten Mitarbeiter in der Umsetzung des Hygieneplans geschult werden. Auch externe Mitarbeiter, Praktikanten oder regelmäßig anwesende Wartungsfachkräfte müssen auf Inhalt und Umsetzungsgrundlagen des Hygieneplans hingewiesen werden. Ein Hygieneplan unterliegt dabei nicht nur technischen, sondern auch wissenschaftlichen Änderungen und muss regelmäßig überprüft und ggf. aktualisiert werden. Unternehmen finden initiale Vorlagen in den Gesundheitsämtern der Länder.

Hygienemaßnahmen im Alltag

Händewaschen

Grundlegende Verhaltensweise, umfassende Voraussetzung oder einfacher Alltagskniff – Händewaschen ist alles auf einmal, und immer wichtig. Gerade im hygienisch sensiblen Umfeld ist das regelmäßige Händewaschen unerlässlich. Spätestens seit der Coronavirus in Europa angekommen ist, hat die Bedeutung des Händewaschens aber auch die Öffentlichkeit erreicht: Waschen Sie Ihre Hände nicht oberflächlich: Wenigstens dreißig Sekunden mit Wasser und Seife sollten es in jedem Fall sein - nur so ist gewährleistet, dass Keime und Erreger tatsächlich von der Handoberfläche entfernt werden. Händewaschen schützt nicht nur Schutzbefohlene, Patienten und Pflegebedürftige; eine gründliche Handhygiene ist die beste Prävention vor Erkältungen, Magen-Darm-Infekten und Grippe. Auch ohne Krise.

Tipp: Lesen Sie in unserem Ratgeber zum Coronavirus, wie sich ältere Menschen und andere Risikogruppen vor einer Infektion schützen können und erfahren Sie in unserem Artikel zur Händedesinfektion alles Wichtige über den wirksamen Kampf gegen Krankheitserreger.

Wäsche waschen

Kochen oder nicht kochen - das ist hier die Frage: Während die gute, alte Kochwäsche aus vorindustriellen Zeiten stammt, haben Reinigungsmittel und moderne Waschtrommeln erheblich zur modernen Hygiene beigetragen: Wir erklären, wie Wäsche richtig gewaschen wird, damit Keime und Erreger keine Chance haben: Hier geht’s zum Ratgeber Wäsche waschen.

Ein Koch wischt seinen Arbeitsbereich
Auch im lebensmittelverarbeitenden Gewerbe unerlässlich: Regelmäßige Reinigung aller Oberflächen

Oberflächen desinfizieren

Auch Krankheitserreger haben es am liebsten ruhig: Türgriffe, Lichtschalter, Handläufe und Smartphone-Displays sind ideale Zwischenstationen für viele Keime. Bei uns erfahren Sie, was sie tun können, um die häufigsten Keimträger richtig sauber zu halten.

Richtig Husten und Niesen

Hände vors Gesicht halten? Das war einmal - wer sich und andere schützen will, sollte beim Husten und Niesen die Armbeuge nutzen. Wir erklären, was und warum Sie tun können, um Keime auch bei akuten Erkältungssymptomen nicht ungewollt zu verbreiten.

Abstand und Kontaktvermeidung

Der richtige Abstand ist nicht nur Frage des Respekts, er dient auch der Hygiene: Gerade in Zeiten von Grippewellen und Corona kann Distanz erheblich dazu beitragen, die Verbreitung von Erregern zu verhindern. Wir klären auf, was jeder von uns in der Öffentlichkeit tun sollte und welche Situationen vermieden werden sollten, wenn Sie oder andere akut betroffen sind.

Lebensmittel nach Einkauf reinigen

Obwohl Lebensmittel strengen hygienischen Vorschriftung zur Herstellung, Verarbeitung und Verpackung unterliegen, kann es sinnvoll sein, offene Waren wie Obst und Gemüse, aber auch Fleisch vor dem Zubereiten zu reinigen. Während es beim Abspülen von Fleisch (insbesondere Geflügel) vorrangig darum geht, vereinzelt auftretende Krankheitskeime von der Oberfläche zu waschen, können konventionell hergestellte Frischwaren wie Obst und Gemüse Rückstände von Düngemitteln und Insektiziden auf der Oberfläche tragen. Gerade bei offene Lebensmittel, die mit Schale verzehrt werden, sollten gründlich unter fließendem Wasser abgewaschen werden - auch, um mögliche Kontaktinfektionen zu vermeiden, die durch vielfaches Berühren anderer Einkäufer begünstigt werden können. Fest verpackte und verschlossene Produkte benötigen in der Regel keine weitergehende Reinigung, sie wurden unter wiederholt kontrollierten Bedingungen verarbeitet und verpackt.

Geschirr spülen

Essensreste bieten den idealen Nährboden für Keime. Auch in der Spülmaschine selbst oder auf Lappen, Schwämmen und Bürsten können sie sich verbreiten. Egal ob bei der Handwäsche oder bei Verwendung des Geschirrspülers gilt deshalb: Hygienemaßnahmen sind auch beim Geschirrspülen zu beachten. Mehr dazu verrät unser Ratgeber Geschirr spülen.

Pflegehilfsmittel nutzen

Pflegebedürftige mit nachweisbarem Pflegegrad haben pauschal Anspruch auf Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro im Monat. Darunter befinden sich bei etablierten Herstellungs- und Versanddiensten wichtige Verbrauchs- und Bedarfsartikel zur persönlichen Hygiene. Bei uns erfahren Sie auch, wie Sie Pflegehilfsmittel beantragen können.