Arteriosklerose: Wenn verengte Gefäße den Blutfluss stören

Arteriosklerose: Wenn verengte Gefäße den Blutfluss stören

Arteriosklerose bleibt lange unerkannt und kann schwere Folgeerkrankungen auslösen. Wie Sie die Entstehung vermeiden, erfahren Sie bei uns.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
14.11.2019

Arteriosklerose ist eine häufig vorkommende Erkrankung der Arterien. Experten zufolge leiden über 4 Millionen Deutsche daran, doch nur jeder Dritte weiß davon. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, deren Entstehung wir selbst durch unseren Lebensstil beeinflussen können. Lesen Sie mehr über die Risikofaktoren und wie Sie diese im Alltag vermeiden können.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Bei Arteriosklerose verengen Ablagerungen die Gefäße. Dadurch kann der Blutfluss in die Organe unterbrochen werden.
  • Das beste Mittel ist Prävention: Mit einer Lebensstiländerung kann die Krankheit verhindert werden.

Arterien übernehmen eine wichtige Funktion im menschlichen Organismus. Sie transportieren sauerstoffreiches Blut vom Herzen in den Körper und stellen sicher, dass Körperzellen und Organe mit Sauerstoff versorgt werden. Wenn sie krankhaft verändert sind, kann es in der Folge zu Durchblutungsstörungen kommen und der Körper ist unterversorgt.

In 90 Prozent der Fälle ist die sog. Arteriosklerose die Ursache für die Durchblutungsstörung. Umgangssprachlich auch als Arterienverkalkung bekannt, beschreibt die Krankheit den Zustand, dass sich Ablagerungen in den Gefäßen befinden und diese verengen. Grundsätzlich kann eine Arteriosklerose in allen Arterien vorkommen, in den meisten Fällen sind allerdings Arterien in Becken, Herz, Gehirn, Hals sowie die Beinschlagadern betroffen.

Zudem kann sie schwerwiegende Folgeerkrankungen auslösen wie etwa die koronare Herzkrankheit. Über 65 Prozent der Betroffenen sterben dadurch an einem Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod. Umso wichtiger ist es, mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht vorzusorgen.

Entstehung von Arteriosklerose

Ablagerungen in Arterie

Arteriosklerose ist ein schleichender Prozess und Betroffene bemerken entsprechende Symptome oftmals erst nach vielen Jahren. Die Krankheit beginnt mit Verletzungen an den Gefäßwänden, durch die Zellen dauerhaft geschädigt werden. Die Oberfläche in den Gefäßen wird immer rauer und Blutplättchen können dort leichter kleben bleiben. Auch Fette lagern sich dort ab. Der Körper denkt, es handle sich um eine Entzündung, und versucht, diese zu bekämpfen, indem er dorthin weiße Blutkörperchen schickt. Mit der Zeit bilden weiße Blutkörperchen, Blutplättchen und Fette sog. arteriosklerotische Plaques, die die Gefäße immer weiter verschließen.

Der Durchmesser des betroffenen Gefäßes wird immer enger, es kommt zu Kalkeinlagerungen und das Gefäß wird immer unflexibler. Nun kann das Blut nicht mehr ungehindert fließen und die Organe bekommen weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Mit der Zeit kommt der Körper in einen Zustand der Unterversorgung, was seine Funktionen einschränkt. Deshalb gilt Arteriosklerose auch als Systemerkrankung, da sie schwerwiegende Auswirkungen auf den gesamten Organismus hat.

Unterschiedliche Krankheitsbilder je nach betroffener Arterie

Die Beschwerden richten sich nach dem Organ, welches durch die Arteriosklerose nicht ausreichend durchblutet ist. Bei einer Arteriosklerose in den Nierengefäßen, kommt es nicht nur zu eingeschränkter Nierenfunktion, sondern auch zu Bluthochdruck. Dieser verursacht jedoch selten Symptome, weshalb Betroffene bei dieser Art der Arteriosklerose eher unter unspezifischen Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen und Sehstörungen leiden.

Eindeutiger sind hingegen die Symptome bei einer Gefäßverengung in Beinen und Becken. Sitzt die Arteriosklerose dort, begünstigt sie die Entstehung der sog. peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Die gestörte Durchblutung der unteren Gliedmaßen äußert sich durch Muskelschmerzen nach kurzen Gehstrecken, die mit der Zeit auch im Ruhezustand auftreten. Hinzukommen schlecht heilende Wunden und ein Kältegefühl in Zehen und Unterschenkeln. Im fortgeschrittenen Stadium ist die Haut weiß und gefühllos – ein Indiz, dass die Arterie vollständig geschlossen ist und die Durchblutung nicht mehr in die unteren Gliedmaßen reicht. Speziell bei Männern besteht auch die Gefahr von erektiler Impotenz.

Schwerwiegender sind die Folgen bei Arteriosklerose in Herzkranzgefäßen und Hirngefäßen. Ist ersteres der Fall, liegt eine koronare Herzkrankheit vor. Durchblutungsstörungen des Herzmuskels führen zu einem Engegefühl im Brustkorb und auch linksseitige Brustschmerzen, bekannt als Angina pectoris, sind keine Seltenheit. Löst sich ein Blutgerinnsel und verstopft das beeinträchtigte Gefäß, kann sogar ein Herzinfarkt entstehen. Ähnlich lebensgefährlich ist die Verengung der Gefäße im Gehirn. In der Folge können Betroffene einen Schlaganfall erleiden.

Viele Risikofaktoren sind vermeidbar

Ähnlich wie bei Bluthochdruck oder Diabetes sind die größten Risikofaktoren für Arteriosklerose das Alter und ein ungesunder Lebensstil. Zwar kann die Erkrankung der Arterien auch bei 30- oder 40-Jährigen auftreten, doch in Deutschleid weisen etwa 20 Prozent der Patienten über 65 Jahre Veränderungen an den Arterien auf. Das liegt am Zusammenspiel der folgenden Faktoren, die wir selbst beeinflussen können:

  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Adipositas
  • Stress

Diese Risikofaktoren lösen andere Krankheitsbilder wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck aus, welche den menschlichen Organismus erheblich belasten. Sie begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose.

Dennoch gibt es auch Auslöser, die nicht in unserer Hand liegen. Das sind neben einer genetischen Veranlagung vorhandene Erkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion, Gicht, rheumatoide Arthritis oder das männliche Geschlecht. Frauen sind hingegen bis zur Menopause durch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen geschützt.

Die beste Behandlung ist Prävention

Bis zu einem gewissen Stadium ist Arteriosklerose heilbar. Das setzt allerdings eine komplette Lebensstiländerung der Betroffenen voraus: Sie sollten sich gesund und ausgewogen ernähren, Übergewicht abbauen sowie Rauchen und Stress vermeiden. Dadurch können sich Plaques in den Gefäßen im Frühstadium vollständig abbauen.

Ist der Krankheitsverlauf weiter fortgeschritten, lässt sich mit dem Abstellen ungesunder Angewohnheiten Arteriosklerose zumindest verlangsamen. Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder chronisches Nierenversagen müssen medikamentös behandelt werden. Das gilt auch für den Fall, dass die Arteriosklerose weit fortgeschritten ist.

Ballonkatheter bei Arteriosklerose

Nicht immer können solche konservativen Therapiemaßnahmen eine Operation verhindern. Zwar sind solche chirurgischen Eingriffe mit Risiken und Komplikationen für den Patienten verbunden, doch nur so lassen sich drohende Verschlüsse von Arterien schnell behandeln. Mit einem Ballonkatheter kann der Chirurg verengte Gefäße erweitern, indem er den Katheter in der Blutbahn bis zur verengten Stelle vorschiebt und den Ballon aufbläst. Dadurch weitet sich das Gefäß und das Blut kann ungehindert fließen. Mit einem sog. Stent, einem kleinen Drahtnetz, können Gefäße dauerhaft offengehalten werden. Alternativ kann der Arzt auch eine Bypass-OP durchführen. Dabei setzt er ein körpereigenes Gefäß neben das verschlossene Gefäß ein, um das Blut umzuleiten.

Wie erfolgreich die Behandlung ist, hängt letztendlich von vielen Faktoren ab:

  • Welches Gefäß ist betroffen?
  • Wie lang sind die Gefäßverengungen?
  • Wie sehr behindern sie den Blutfluss?
  • Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand des Betroffenen?
  • Sind die Risikofaktoren abgestellt?

Bei wenigen anderen Erkrankungen ist Prävention so wirksam wie bei Arteriosklerose. Deshalb ist es nur ratsam, einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung im Alltag zu pflegen. Das verhindert nicht nur die Entstehungen von Gefäßverengungen, sondern führt auch zu mehr Bewusstsein für den eigenen Körper.