Bluthochdruck: Welche Werte Betroffene im Blick behalten sollten

Bluthochdruck: Welche Werte Betroffene im Blick behalten sollten

Bluthochdruck belastet nicht nur den Körper, sondern kann zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen. Erfahren Sie hier, wie Sie Ihren Blutdruck kontrollieren.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
05.11.2019

Um alle Körperzellen mit Sauerstoff zu versorgen, pumpt unser Herz jede Minute etwa fünf bis sieben Liter Blut durch unseren Körper. Wie sehr die Blutgefäße unter Druck stehen, lässt sich mit dem sog. Blutdruck messen. Sein Wert gibt unter anderem Aufschluss über unsere Herzgesundheit, denn Bluthochdruck gilt als größter Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen.

Afilio nimmt die Herzwochen 2019, die im November unter Schirmherrschaft der Herzstiftung deutschlandweit stattfinden, zum Anlass, sich mit dem Herzen, seinen Funktionen und Erkrankungen auseinanderzusetzen. Alles Wissenswerte rund um den Blutdruck und ab wann die Medizin von Bluthochdruck spricht, erfahren Sie bei uns im Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Der Blutdruck ist der Druck des Blutes in einem Blutgefäß. Ist dieser Druck erhöht, sprechen Mediziner von Bluthochdruck.
  • Einen vorübergehenden Bluthochdruck kann der Körper ausgleichen. Bleibt dieser jedoch dauerhaft erhöht, können wichtige Organe geschädigt werden und gefährliche Folgeerkrankungen entstehen.
  • Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung ist nicht nur Teil der Therapie, sondern auch eine effektive Präventionsmaßnahme.

Wie funktioniert der menschliche Blutkreislauf?

Röntgenbild Blutkreislauf

Was viele nicht wissen: Beim Herz handelt es sich zwar um ein sog. Hohlorgan, doch es verhält sich wie ein Muskel. In jeder Minute des Tages pumpt es Blut durch unseren Körper, damit alle Organe und Körperzellen genügend Sauerstoff bekommen. Mit rund 100.000 Schlägen am Tag leistet es Schwerstarbeit, denn es darf keine Pause einlegen, damit der menschliche Organismus nicht unterversorgt ist. Weil es selbst auch ausreichend mit Blut versorgt sein muss, gibt es die Herzkranzgefäße. Zusätzlich besteht das Herz aus verschiedenen Kammern und Klappen sowie verzweigten Venen und Arterien, damit es seine wichtigste Funktion erfüllen kann: Blut durch den Körper zu pumpen.

Zwischen 60 und 90 Mal pro Minute schlägt ein gesundes Herz im Normalzustand, bei Anstrengung kann es die Schläge aber auch mal auf 200 pro Minute erhöhen. Im Schlaf hingegen werden die Schläge mit etwa 40 pro Minute auf ein Minimum heruntergefahren. Dabei lässt sich der Herzschlag in zwei Phasen unterteilen, denn das Herz pumpt nicht nur sauerstoffreiches Blut in den Körper, sondern entzieht dem Körper auch das sauerstoffarme Blut. Unterschieden wird zwischen der Systole und der Diastole - Begriffe, die manchen Menschen sicherlich auch vom Blutdruck messen bekannt sind.

  • In der Kontraktionsphase (Systole) zieht sich zunächst der Herzmuskel zusammen, bevor er über die linke Herzkammer sauerstoffreiches Blut in den Körper abgibt. Währenddessen wird Blut aus der rechten Herzkammer in die Lunge gepumpt, um dort mit Sauerstoff angereichert zu werden. Die Medizin bezeichnet diesen Anreicherungsprozess als kleinen Blutkreislauf.
  • In der Ruhephase (Diastole) gelangt das sauerstoffarme Blut in die rechte Herzkammer, nachdem Organe und Körperzellen den Sauerstoff aufgebraucht haben. Gleichzeitig wird das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in die linke Herzkammer abgegeben und gelangt von dort in der Kontraktionsphase in den großen Blutkreislauf.

Wie lässt sich der Blutdruck richtig messen?

Blutdruck messen

Während das Herz Blut durch den Körper pumpt, entsteht Druck auf die Gefäßwände. Das ist der sog. Blutdruck, der unter anderem anzeigt, wie es um die Gesundheit des Herzens steht. Deshalb sollten sie regelmäßig Ihren Blutdruck mit einem geeigneten Blutdruck-Messgerät messen. Dazu finden Sie verschiedene elektronische Geräte im Handel, mit denen Sie entweder den Blutdruck am Handgelenk oder am Oberarm messen können. Wenn Sie sich für letzteres entscheiden, sollen Sie darauf achten, dass die aufblasbare Manschette gut am Oberarm passt. Ansonsten kann es zu falschen Messwerten kommen. Bevor Sie Ihren Blutdruck messen, sollten Sie vorher eine kurze Ruhephase einlegen, da Aufregung den Blutdruck erhöhen kann. Legen Sie dann die Blutdruckmanschette so um den Oberarm, dass sie ungefähr 2,5 cm oberhalb der Ellenbogenfurche sitzt. Außerdem sollte sich das Messgerät auf Herzhöhe befinden. Die Messung erfolgt nun automatisch und Ihnen werden zwei Werte angezeigt: der systolische und der diastolische:

  • Systolischer Blutdruck: Der Druck wird in der Kontraktionsphase des Herzmuskels gemessen, wenn dieser sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpt.

  • Diastolischer Blutdruck: Der Druck auf die Gefäßwände wird gemessen, wenn der Herzmuskel erschlafft.

Grundsätzlich ist der diastolische Wert immer niedriger als der systolische. Der Blutdruck wird in der Einheit Millimeter Quecksilbersäule angegeben, kurz mmHg. Im Idealfall liegt der systolische Blutdruck bei 120 mmHg und der diastolische bei 80 mmHg.

Wann handelt es sich um Bluthochdruck?

Bluthochdruck oder Hypertonie liegt dann vor, wenn der systolische oder diastolische Wert erhöht ist. Grundsätzlich gibt es folgende Einteilung bei den Blutdruckwerten:

Blutdruck

Systolischer Wert

Diastolischer Wert

normal

120-129

80-84

normal-hoch

130-139

85-89

Hypertonie Grad 1

140-159

90-99

Hypertonie Grad 2

160-179

100-109

Hypertonie Grad 3

über 180

über 110

Es ist ratsam, den Blutdruck mehrere Tage hintereinander zu messen, da Faktoren wie Stress, Nahrungsaufnahme, körperliche Aktivitäten oder Schmerzen den Blutdruck beeinflussen können. Erst über einen längeren Zeitraum lassen sich Aussagen darüber treffen, ob der Blutdruck normal oder erhöht ist. Je nachdem, wie hoch die systolischen und diastolischen Werte sind, liegt ein leichter (Grad 1), mittelschwerer (Grad 2) oder schwerer (Grad 3) Bluthochdruck vor.

Problematisch ist, dass Bluthochdruck meist ein schleichender Prozess ist und Betroffene zu Beginn keine Symptomatik wahrnehmen. Das liegt daran, dass das Herz die Überbelastung für einen gewissen Zeitpunkt ausgleichen kann. Auch die Gefäße, die dem hohen Blutdruck standhalten müssen, schaffen dies vorerst. Doch ein unbehandelter Bluthochdruck ist auf Dauer sehr gefährlich für den menschlichen Organismus. Er schädigt nicht nur wichtige Organe, sondern kann auch lebensgefährliche Folgeerkrankungen am Herzen wie Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen begünstigen. Im schlimmsten Fall können Betroffene sogar einen Herzinfarkt erleiden.

Da Bluthochdruck Durchblutungsstörungen auslöst, ist auch der vorzeitige geistige Abbau eine Gefahr. Durch die gestörte Durchblutung entsteht eine chronische Unterversorgung des Hirngewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen, sodass in der Folge die Hirnleistung beeinträchtigt ist. Hypertonie-Betroffene erleiden nicht nur häufiger als Gesunde einen Schlaganfall, sondern auch eine vaskuläre Demenz.

Umso wichtiger ist es, dass sich Menschen mit Bluthochdruck mit dem Fall auseinandersetzen, dass sie in der Zukunft vielleicht nicht mehr ihren freien Willen ausdrücken können. Durch die geistige Beeinträchtigung können sie pflegebedürftig werden und mitunter auf Unterstützung durch pflegende Angehörige oder ambulante Pflegedienste angewiesen sein. Auch ein Pflegeheim kann bei Pflegebedürftigkeit eine Option sein. Welche Bedürfnisse sie im Fall von Demenz oder Schlaganfall beispielsweise an ihre Wohnsituation und Behandlung stellen, sollten sie deshalb in einer Vorsorgevollmacht in Kombination mit einer Patientenverfügung vorab festlegen.

Welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen Bluthochdruck?

In Deutschland sind etwa 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen, wobei immerhin 4 von 5 von ihrer Erkrankung wissen. Mediziner unterscheiden zwischen dem primären und dem sekundären Bluthochdruck, wobei rund 90 Prozent der Fälle der ersten Form zuzuordnen sind.

Beim primären Bluthochdruck liegt im Gegensatz zum sekundären keine Krankheit als Auslöser vor. Zwar sind sich Mediziner noch nicht einig, wodurch die primäre Hypertonie entsteht, doch es gibt Faktoren, die das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Das ist zum einen das Alter der Betroffenen: In der Altersgruppe der 70 bis 79-Jährigen leiden etwa 75 Prozent unter Bluthochdruck. Auch ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung, Übergewicht und Rauchen begünstigt nicht nur Diabetes, sondern auch Bluthochdruck. Ein nach wie vor unterschätzter Risikofaktor ist Stress, der vor allem bei Menschen mit einer Neigung zu Hypertonie ausschlaggebend ist.

Der sekundäre Bluthochdruck ist hingegen eine Begleiterscheinung einer bereits vorliegenden Erkrankung. Besonders bei Nierenerkrankungen, Gefäßerkrankungen sowie Stoffwechselstörungen tritt Bluthochdruck vermehrt auf. Nicht zu vernachlässigen ist zudem der Einfluss von Medikamenten wie etwa Hormone der Anti-Baby-Pille, Rheumamittel oder Drogen wie Kokain oder Amphetamine, die den Blutdruck krankhaft erhöhen.

Wie sehen Diagnose und Therapie aus?

Da sich Blutdruck erst spät durch eine typische Symptomatik äußert, bekommen viele Menschen die Diagnose Bluthochdruck oft im Rahmen einer Routineuntersuchung. Um festzustellen, ob der Blutdruck ausnahmsweise oder dauerhaft erhöht ist, empfiehlt sich eine Langzeit-Messung über 24 Stunden, um den Blutdruck zu verschiedenen Tageszeiten abzubilden. Schließlich unterliegt der Blutdruck Schwankungen im Tagesverlauf und reagiert sensibel auf Aufregung, Stress oder Ernährung. Auch Auslöser wie Erkrankungen der Nieren sollten durch Blutwerte und einen Ultraschall ausgeschlossen werden.

Liegt die Diagnose Bluthochdruck vor, dann ist die Prognose für die Betroffenen gut. Zwar sollte die Behandlung individuell mit dem Patienten abgestimmt werden, doch generell besteht die Therapie aus einer Anpassung des Lebensstils und/oder der Gabe von Medikamenten. Raucher sollten auf Zigaretten verzichten, Übergewichte ihr Gewicht reduzieren und sich alle Betroffenen mehr bewegen. Das senkt das Risiko für weitere Herz-Kreislauferkrankungen. Nur wenn ein gesunder Lebensstil nicht allein ausreicht, um den Blutdruck dauerhaft zu senken, verschreiben Ärzte blutdrucksenkende Mittel wie ACE-Hammer, Beta-Blocker, Diuretika oder Kalzium-Antagonisten.

Beim sekundären Bluthochdruck muss hingegen zunächst die Grunderkrankung behandelt werden, denn allein schon eine Besserung dieser Symptomatik kann die Bluthochdruckwerte senken. Grundsätzlich gilt jedoch, dass eine rechtzeitige Behandlung des Bluthochdrucks eine bessere Prognose verspricht als ein spätes Eingreifen. Dann können schon Organschädigungen und Folgeerkrankungen vorliegen, die eine enorme Belastung für den menschlichen Organismus darstellen.