COPD: Chronische Entzündung der Atemwege

COPD: Chronische Entzündung der Atemwege

Intensiver Husten kann ein Zeichen für eine chronische Lungenerkrankung sein. Erfahren Sie mehr über COPD und die Beschwerden.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
27.11.2019

Hartnäckiger Husten, Auswurf und Atemnot: Vor allem Raucher tun diese Symptome als typischen „Raucherhusten“ ab und verharmlosen ihren körperlichen Zustand. Dabei deuten diese frühen Krankheitszeichen auf die unheilbare Atemwegserkrankung COPD hin. Worum es sich dabei handelt, lesen Sie im Beitrag.

Das Wichtigste in Kürze:
  • COPD ist die Abkürzung für „chronic obstructive pulmonary disease“.
  • Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung verengen sich die Atemwege, wodurch die Lungenfunktion mit der Zeit abnimmt.
  • Die Krankheit ist nicht heilbar und verläuft tödlich. Betroffene können den Verlauf durch Eigeninitiative positiv beeinflussen.

Raucher sind größte Risikogruppe

Dass COPD oftmals als Raucherhusten bezeichnet wird, kommt nicht von ungefähr. Rund 90 Prozent der Erkrankten haben geraucht oder rauchen noch. Doch auch Luftverschmutzung durch Feinstaub, Schwefeloxid und nitrose Gase tragen ihren Teil dazu bei, die Atemorgane dauerhaft zu belasten. Generell ist das Risiko für COPD aber bei Rauchern siebenmal höher als bei Nichtrauchern.

Bei Belastung durch Giftstoffe kann eine chronische Entzündung und Schwellung der Atemwege entstehen. Wird diese Verengung dauerhaft, entwickelt sich die COPD. Diese Art der Lungenerkrankung ist nicht heilbar: Sind die Atemwege einmal verengt, ist dieser Zustand nicht umkehrbar und Betroffene müssen damit leben.

Der Verlauf lässt sich nicht beschönigen. COPD begünstigt nicht nur die Entstehung weiterer Krankheitsbilder, sondern schädigt auf Dauer den gesamten Organismus und führt letztendlich zum Tod.

Eine wirksame Präventionsmaßnahme ist, mit dem Rauchen aufzuhören bzw. Passivrauchen zu vermeiden. Dadurch senkt sich auch das Risiko weiterer Erkrankungen. Zur Prävention gehört auch das Thema Vorsorge, denn Unfälle, Operationen und Krankheiten können jeden treffen und schwerwiegende Komplikationen mit sich ziehen. Seine Wünsche und Bedürfnisse sollte deshalb jeder mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Dafür steht COPD

Lunge

COPD ist die Abkürzung für die Lungenerkrankung "chronic obstructive pulmonary disease, was so viel bedeutet wie chronische obstruktive Lungenerkrankung. Chronisch deshalb, weil sie nicht heilbar ist. Bei rechtzeitiger Behandlung lassen sich allerdings akute Schübe verhindern, die zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen. Obstruktiv meint hingegen die Verengung der Atemwege, was das Ausatmen dauerhaft erschwert.

Zusammen mit COPD tritt oft auch ein Lungenemphysem auf. Dabei sind die Lungenbläschen teilweise zerstört und überdehnt, sodass deren innere Oberfläche verkleinert ist. Diese Bläschen, auch Alveolen genannt, sorgen für den Austausch von Sauerstoff und Kohlenstoff. Die chronische Entzündung bei der COPD zerstört diese immer mehr, sodass in der Folge der Atemfluss immer geringer wird. Auch die Lunge wird überdehnt und es gelangt immer weniger Sauerstoff in den Körper. Einmal zerstörte Lungenbläschen können sich nicht mehr regenerieren.

Das Risiko zu erkranken nimmt zwar mit dem Alter zu, dennoch ist die COPD keine typische Alterskrankheit. Doch trotz ihrer Schwere und Verbreitung wissen die wenigsten von ihr. Schätzungsweise leiden in Deutschland knapp 7 Millionen unter ihr – viele davon unwissentlich. Dabei ist dieses Krankheitsbild eine weitverbreitete Todesursache. Experten gehen davon aus, dass sie im Jahr 2020 nach der koronaren Herzkrankheit und Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache sein wird. Damit ist sie die einzige tödliche Erkrankung, deren Häufigkeit zunimmt.

COPD Symptome

In erster Linie zeichnet sich die Krankheit durch drei Merkmale aus:

  • Husten
  • Auswurf (abgehusteter Schleim)
  • Atemnot

Zu Beginn müssen Betroffene vor allem morgens husten, begleitet von Schleim, der sich allerdings nur minimal löst. Verlauf werden die Anfälle hartnäckiger und intensiver.

Ähnliches gilt für Atemnot. Diese äußert sich zunächst nur bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten wie Treppensteigen oder Sport. Mit der Zeit begleiten Beschwerden bei der Atmung die Betroffenen dauerhaft im Alltag; sie klagen über das Gefühl, nicht ausreichend Luft zu bekommen, sowie Enge in der Brust. Das Ausatmen ist zudem mit lauten Geräuschen verbunden.

Bei einem akuten Schub intensivieren sich diese Symptome. Meist sind Infektionskrankheiten wie Erkältungen oder Lungenentzündungen der Auslöser für die Verschlechterung des Gesundheitszustandes, in der Medizin auch als Exazerbation bezeichnet. Auch nass-kalte Witterungsverhältnisse, Medikamente und Luftverschmutzungen können zu akuten Phasen führen. In dieser Zeit leiden Betroffene nicht nur unter starker Atemnot und ausgeprägtem Husten, sondern der Auswurf ist zäh und verfärbt und es kann zu Fieber kommen.

Manche Ärzte vergleichen die Exazerbation bei COPD mit dem Herzinfarkt, da sich der körperliche Zustand in kurzer Zeit drastisch verschlechtert und eine schnelle Behandlung notwendig ist. Ohne Behandlung kann der Schub auch zu Bewusstseinsstörungen oder Koma führen.

COPD-Exazerbationen weisen Parallelen zu Schüben bei Multipler Sklerose auf: Bei beiden Krankheiten kann es im Verlauf immer wieder zu akuten Phasen kommen, die zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Betroffenen führen. Umso wichtiger ist es, mit gezielten Therapiemaßnahmen solche Schübe zu verhindern, damit die Krankheit nicht weiter voranschreitet. Zusätzlich sollten Erkrankte im Alltag eine gewisse Hygiene einhalten:

  • Hände regelmäßig waschen
  • Handdesinfektion benutzen
  • Augen, Nase und Mund nicht anfassen
  • Menschensammlungen vermeiden
  • Möglichst keine fremden Gegenstände (Stifte, Gläser etc.) verwenden
  • Viel schlafen und Wasser trinken
  • Regelmäßige Arztbesuche
  • Jährlich gegen Grippe impfen lassen

Begleiterkrankungen von COPD

Die chronische Entzündung schwächt den gesamten Körper. Das kann schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen, denn Krankheiten haben es leicht, sich zu entwickeln. Das sind zum einen solche, die Rauchen begünstigt, und zum anderen Folgen durch niedrige körperliche Leistungsfähigkeit.

  • Koronare Herzkrankheit (KHK): Rauchen begünstigt sowohl die Entstehung von COPD als auch von KHK. In Folge einer Arteriosklerose verstopfen die Herzkranzgefäße und der Herzmuskel leidet unter Sauerstoffmangel.
  • Herzinsuffizienz: Durch die KHK ist die Pumpleistung des Herzmuskels gestört, sodass nicht genügend Blut in die Herzkammern gelangt. Organe und Körperzellen bekommen nicht genügend Sauerstoff, was sich durch einen körperlichen und geistigen Leistungsabfall bemerkbar macht.
  • Bluthochdruck: Auch ein erhöhter Blutdruck begleitet häufig die COPD, denn Rauchen führt auch zu Verstopfung von Arterien.
  • Diabetes Typ 2: Die Entstehung von Diabetes ist meist auf systemische Steroide zurückzuführen, die der Arzt bei COPD verschreibt. Diabetes kann Folgeerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Nierenschwäche oder Netzhautschäden verursachen.
  • Mangelernährung: Bei COPD kämpft der Körper gegen die chronische Entzündung, was ihn dauerhaft schwächt. Betroffene leiden unter Appetitlosigkeit und verlieren dadurch Gewicht.
  • Muskel- und Knochenschwund: Durch die Mangelernährung fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe wie Kalzium und Vitamin D. Dadurch kann Osteoporose (Knochenschwund) entstehen. Durch körperliche Schwäche bewegen sich Betroffene zudem weniger, sodass der Körper immer mehr Muskeln abbaut.
  • Psychische Erkrankungen: Nicht zu unterschätzen ist die psychische Belastung COPD-Erkrankten. Angststörungen und Depression bzw. Altersdepression sind keine Seltenheit.

Diagnose und Therapie

Untersuchungsverfahren

Spirometrie

Eine Diagnose von COPD ist die Grundlage für eine individuelle Therapie, um die Krankheit bestmöglich in den Griff zu bekommen. Dazu gehören neben der Anamnese verschiedene Untersuchungsverfahren wie Belastungstests und Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie). Dadurch erhält der Arzt Informationen über die Leistungsfähigkeit der Lunge und kann den Schweregrad der COPD ermitteln. Je nach Fragestellung werden auch Ganzkörperplethysmografie (Messung des Atmungswiderstands), Bronchoskopie (Lungenspiegelung), Röntgen-Thorax (Röntgenaufnahme des Brustkorbs) oder Computertomografie als diagnostische Mittel eingesetzt.

Damit jeder Patient die für ihn beste Behandlung bekommt, wird die COPD in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Zunächst erfolgt die Zuordnung des Schweregrades aufgrund der individuellen Atemwegsverengung. Grundlage dafür ist der Lungenfunktionswert FEV1, der beschreibt, wie viel Luft der Patient nach vollständigem Einatmen innerhalb einer Sekunde so schnell wie möglich wieder ausatmen kann. Je nach Wert erfolgt die Einteilung in die Schweregrade Gold I (leicht) bis Gold IV (schwer).

Je nach Ausmaß der Krankheit und Anzahl der akuten Phasen innerhalb eines Jahres wird der Betroffene zudem nach der „ABCD-Klassifikation“ in eine Gruppe eingeteilt:

  • Gruppe A: wenige Symptome, maximal eine Exazerbation, die nicht stationär behandelt werden musste
  • Gruppe B: mehr Symptome, maximal eine Exazerbation, die nicht stationär behandelt werden musste
  • Gruppe C: wenige Symptome, mindestens zwei Exazerbationen bzw. eine Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste
  • Gruppe D: mehr Symptome, mindestens zwei Exazerbationen bzw. eine Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste

Therapeutische Maßnahmen

Grundsätzlich besteht die Therapie aus der Gabe verschiedener Medikamente. Dazu gehören inhalierbare Medikamente, die die Bronchien weiten (sog. Bronchodilatatoren). Dadurch verringert sich die Muskelspannung und die Atemwege weiten sich. Die Lebensqualität von Betroffen steigt, denn sie sind wieder körperlich leistungsfähiger und können an gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen.

Cortison wird hingegen bei höheren Schweregraden eingesetzt, um die Entzündung zu hemmen. Allerdings hat die Langzeitbehandlung mit Cortison zahlreiche Nebenwirkungen, sodass dieses Medikament nur bei akuten Schüben verordnet wird, wenn Bronchodilatatoren nicht anschlagen.

Ärzte raten neben einer umfangreichen medikamentösen Therapie bei COPD auch zu Verhaltensänderungen. In erster Linie ist das die Rauchentwöhnung bei Rauchern. Der Verzicht auf Nikotin verlangsamt nicht nur das Voranschreiten der Beschwerden, sondern ist das beste Mittel zur Prävention.

Außerdem nimmt die Lungenfunktion durch Verzicht auf körperliche Aktivität noch schneller ab. Deshalb sollten sich Betroffene je nach COPD-Schweregrad weiterhin bewegen, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Damit ist allerdings nicht Leistungssport gemeint, sondern mäßige körperliche Aktivitäten wie Spaziergänge, Gartenarbeit oder Einkaufstätigkeiten, die den menschlichen Organismus nicht überlasten.

Unterstützende Funktion hat die pneumologische Rehabilitation. Diese umfasst Maßnahmen wie Lungensport, Atemschulungen sowie individualisierten Muskelaufbau und Ausdauertraining. Die pneumologische Reha erfolgt meist nach einem Krankenhausaufenthalt bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes.

Lebenserwartung beeinflussbar

Faktoren COPD

COPD ist nicht heilbar, denn Verengungen in den Atemwegen können nicht rückgängig gemacht werden. Therapien verfolgen deshalb den Ansatz, eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu verhindern. Schätzungen zufolge verringert sich die Lebenserwartung von COPD-Erkrankten um etwa fünf bis sieben Jahre. Die Frage, ob COPD tödlich ist, muss deshalb leider bejaht werden - allerdings ist es immer abhängig vom Einzelfall und der Multimorbidität.

Die gute Nachricht: Betroffene können maßgeblich Einfluss auf ihre Lebensqualität und -erwartung nehmen. Eine rechtzeitige Behandlung verlangsamt die Erkrankung und ist ein wichtiger Baustein für eine gute Prognose. Betroffene sollten alle Therapiemöglichkeiten wahrnehmen, denn nur so lassen sich gefährliche Komplikationen abwehren.

Nicht zu unterschätzen ist Selbstmanagement. Maßnahmen wie Händewaschen und das Meiden von Menschenmengen verfolgen alle das gleiche Ziel: Akute und schwere Atemwegsinfekte zu unterbinden. Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken tragen ihren Teil dazu bei und können wertvolle Lebensjahre sichern. Wichtig ist es, dass Betroffene nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern aktiv für ihre Gesundheit sorgen.