Dekubitus: Die vier Kategorien des Druckgeschwürs

Dekubitus: Die vier Kategorien des Druckgeschwürs

Ein Dekubitus ist ein häufiges Problem in der Pflege von bettlägerigen Menschen. So erkennen Sie die Anzeichen.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
27.12.2019

Der Dekubitus ist eine chronische Wunde, die durch Minderdurchblutung der Haut entsteht. Er betrifft vor allem Menschen, die bettlägerig sind. Liegen sie für längere Zeit in der gleichen Position, etwa weil sie ohne Bewusstsein oder bewegungsunfähig sind, sind Haut und Gewebe permanentem Druck ausgesetzt und können infolge unzureichender Durchblutung Schaden nehmen. Wie so ein Druckgeschwür entsteht, wie es erkannt wird und welche Schweregrade auftreten können, erklärt wir an dieser Stelle.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Ein Dekubitus ist eine chronische Wunde, die durch Minderdurchblutung der Haut entsteht.
  • Häufig betroffen sind bettlägerige Menschen, die nicht in der Lage sind, selbst ihre Liegeposition zu verändern. Durch das Körpergewicht sind Körperteile wie Fersen oder Wirbelsäule starkem Druck ausgesetzt.
  • Die erste Maßnahme bei einem Dekubitus ist die Entlastung des Gewebes, damit das Druckgeschwür nicht schlimmer wird. Auch eine kurative Wundbehandlung kann notwendig werden.

Unzureichende Bewegung ist nicht nur aus generellen Erwägungen riskant (Stichwort Übergewicht/Diabetes), Immobilität kann bereits kurz- und mittelfristig Folgen haben, dazu gehören Erscheinungen wie Thrombose, länger anhaltende Bewegungslosigkeit kann den Heilungsprozess von Wunden verzögern, im schlimmsten Fall können sogar gesunde Hautbereiche dauerhaft Schaden nehmen - das kommt vor allem bei Menschen vor, die pflegebedürftig sind, leider sogar dann, wenn pflegende Angehörige oder Pflegedienste die Betreuung der Betroffenen nach bestem Wissen und Gewissen leisten.

Entstehung eines Dekubitus

Ein Druckgeschwür, medizinisch Dekubitus, ist oftmals auf Fehler in der Pflege zurückzuführen – sowohl in der ambulanten Pflege zuhause, als auch in der stationären Pflege oder Altenpflege im Pflegeheim ist der Dekubitus ein bekanntes Problem. Medizinisch betrachtet handelt es sich dabei um eine chronische Wunde, die als Folge dauerhafter Belastung der oberen Gewebeschichten der Haut entsteht (Wundliegen). Durch den Druck des Eigengewichts entsteht dabei eine dauerhafte Last auf das Gewebe, die zusätzlich durch Scherkräfte verstärkt wird. Scherkräfte entstehen dabei häufig in leicht aufgerichteter Liegeposition: Der Patient gerät durch die Schräglage in eine dauerhaft leicht rutschende Position, die permanenten Zug auf die oberen Hautschichten ausübt. Das Gewebe wird komprimiert und dabei leicht verzogen, Gefäße werden gestaucht und die Durchblutung auf diese Weise dauerhaft beeinträchtigt. Anfällig sind vor allem Stellen über knöchernen Vorsprüngen wie

  • Hinterkopf
  • Ohren
  • Schulter
  • Wirbelsäule
  • Ellenbogen
  • Becken
  • Steiß
  • Kniegelenk
  • Fersen
  • Fußknöchel

Wenn eine Beeinträchtigung der Gewebedurchblutung eine chronische Wunde zur Folge hat, kommen in der Regel drei Faktoren zum Tragen:

Druck und Druckverweildauer

Für die Entstehung eines Druckgeschwürs ist es unerheblich, ob der Druck auf das Gewebe von innen oder außen kommt. Falsche Kleidung und Falten im Bettlaken können genauso wie Knochen, die nur wenig von Gewebe umgeben sind, zu einer Schädigung der Haut führen - vor allem, dann wenn Druck und Reibung zusammenwirken. Auch kurzer starker oder anhaltender leichter Druck auf die immer gleiche Stelle führen häufig dazu, dass eine entsprechende Hautpartie nur noch unzureichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Als Folge der Minderdurchblutung entsteht dann ein Dekubitus entsteht.

Wird die betroffene Hautpartie nicht entlastet, können betroffene Zellen auch absterben, und es kommt zur Nekrose, einem örtlichen Gewebstod durch das massenhafte Absterben der umliegenden Zellen. In vielen Fällen ist bereits das Eigengewicht des Patienten ausreichend, um bei gleichbleibender Belastung ein Druckgeschwür zu verursachen. Dabei kann Dekubitus korpulentere Patienten genauso betreffen wie leichtgewichtigere: bei Übergewicht ist die Last erhöht, bei Untergewicht fehlt hingegen die schützende Fettschicht.

Risikofaktoren

Neben einer Reihe auslösender oder begünstigender Faktoren für den Dekubitus ist ein Aspekt erstaunlicherweise unbedeutend: Das Alter. Grundsätzlich können Menschen in jedem Alter einen Dekubitus entwickeln, sofern bestimmte Faktoren eintreten. Bei Erwachsenen liegt üblicherweise Pflegebedürftigkeit vor, bzw. es bestehen anhaltende Bewegungseinschränkungen, die zu Bettlägerigkeit führen. Aber auch Neugeborene und Kinder sind gefährdet. Ihre Haut ist besonders zart und empfindlich, hier besteht die Ursache vorrangig darin, dass Säuglinge schädlichen Druck nicht im selben Maße wahrnehmen bzw. auf dieselbe Weise einordnen wie Erwachsene und größere Kinder, gerade im jüngsten Alter sind sie zudem oft nicht in der Lage, eine Positionsänderung selbst vorzunehmen.

Bei Erwachsenen erhöhen vor allem Erkrankungen, die die Durchblutung im Körper beeinflussen das Risiko von Druckgeschwüren:

Einordnung und Beurteilung von Druckgeschwüren

Früher wurde ein Druckgeschwür je nach Schwere einem Grad oder Stadium zugeordnet - heutzutage gibt es vier Kategorien.

Das erste Anzeichen sind Hautrötungen, die Pflegekräfte durch den sog. Fingertest untersuchen können. Denn grundsätzlich gilt, dass jeder Dekubitus mit einer Rötung beginnt, aber nicht jede Rötung ist ein Druckgeschwür. Um eine erste Einschätzung vorzunehmen wird mit einem Finger auf die gerötete Hautpartie gedrückt.

  • Bildet sich ein weißer Rand um die Rötung, lässt sich ein Dekubitus ausschließen.
  • Bleibt ein weißer Fleck auf der Rötung, der aber wieder durchblutet wird, besteht zumindest ein Risiko für einen Dekubitus.
  • Ist die Rötung nicht wegdrückbar, liegt ein Dekubitus vor.

Wer einen Dekubitus bei einem Patienten entdeckt, sollte sofort die betroffene Hautstelle umgehend entlasten, indem der Patient umgelagert wird. Bleibt die Rötung bestehen, ist medizinisches Fachpersonal der richtige Ansprechpartner. Das ist in der Regel der Fall bei Dekubitus Kategorie 2, 3 und 4.

Jeder Grad äußert sich auf unterschiedliche Weise:

Kategorie

Befund

Beschreibung

1

Rötung nicht wegdrückbar

Die Hautstelle ist gerötet und klar definiert, Schwellungen und Wärme sind möglich; bei Entlastung verschwindet die Rötung nach mehreren Stunden oder Tagen.

2

Teilverlust der Haut

Die Hautschäden sind oberflächlich und erinnern an eine Abschürfung; kleine Hautschäden und Blasen treten auf.

3

Vollständiger Verlust der Haut mit sichtbarem Fett

Der Dekubitus ist weit fortgeschritten, es handelt sich um ein offenes Geschwür; das Gewebe stirbt langsam ab und ist bis in die Tiefe geschädigt; die Muskulatur kann frei liegen

4

Vollständiger Gewebeverlust

Das Gewebe und damit alle Hautschichten sind vollständig geschädigt; es liegt eine Gewebsnekrose vor, und Knochen, Sehen und Muskeln sind sichtbar.

Therapeutische Maßnahmen

Rentnerin sitzt im Bett

Die Behandlung richtet sich zwar nach dem Schweregrad des aufgetretenen Druckgeschwürs, doch die erste Maßnahme ist in allen Fällen die sofortige Entlastung der betroffenen Hautstellen durch Umlagerung. Dadurch werden die Hautpartien wenigstens umgehend wieder durchblutet, und eine weitere Verschlimmerung kann häufig vorerst vermieden werden, denn beschädigte Zellen erhalten dadurch die Möglichkeit zur Regeneration. Allerdings handelt es sich beim Dekubitus immer um eine chronische Wunde, die eine komplexe und langwierige Therapie zur Heilung erfordert. Mittel der Wahl ist eine regelmäßige Umlagerung der bettlägerigen Person, bei bestehendem Dekubitus sollte die Person wenigstens alle zwei Stunden in eine andere Position gebracht werden.

Bei einem Dekubitus der Kategorie 2, 3 und 4 erfolgt zusätzlich zur regelmäßigen Umlagerung eine medizinische Wundbehandlung – dazu gehören unter Umständen auch die chirurgische Entfernung des nekrösen Gewebes oder eine Wundauflage (Débridement). Zusätzlich bestehende Risikofaktoren des Patienten wie Über- oder Untergewicht sollten abgebaut werden, um das Risiko eines Neuauftretens so gering wie möglich zu halten. Wie bei jeder mobil eingeschränkten Person sollte zudem deren Beweglichkeit gefördert werden.

Dekubitusprophylaxe

Hautpflege

Druckgeschwüre sind schmerzhaft, unangenehm und können schwerwiegende Folgen haben. Darum ist es wichtig, sie idealerweise vollständig zu vermeiden. Pflegen Verwandte die bettlägerige Person, sollten sie sich unbedingt rechtzeitig (d.h. bereits zu Beginn der Bettlägerigkeit) über die konkret vorliegende Erkrankung und ihre Folgeerscheinungen informieren. Die Haut des bettlägerigen Betroffenen sollte täglich untersucht werden, insbesondere die unmittelbar belasteten Partien. Auf diese Weise können erste Rötungen schon frühzeitig erkannt und anschließend behandelt werden. Eine solche Untersuchung kann im Rahmen der täglichen Hautpflege, bzw. der Grundpflege geschehen. So lässt sich auch feststellen, ob bei einem Pflegebedürftigen ein erhöhtes Risiko für einen Dekubitus besteht.

Pflegedienst und pflegende Angehörige sollten Hand in Hand daran arbeiten, die Liegeposition von mobil eingeschränkten Menschen regelmäßig zu ändern, um die Durchblutung von Haut und Gewebe zu ermöglichen. Auch die Förderung der Mobilität ist ein wichtiges Mittel zur Vermeidung von Druckgeschwüren. Im besten Fall wird dadurch erreicht, dass der Patient nicht mehr vollständig bettlägerig ist und im Alltag auch sitzen oder gehen kann - und ggf. selbst seine Liegeposition ändert.

Tipp: Hier erfahren Sie noch mehr zur Dekubitusprophylaxe und geeigneten Hilfsmitteln.