Diabetes: Wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist

Diabetes: Wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist

Diabetes, Diabetes mellitus oder Zuckerkrankheit: Die Stoffwechselkrankheit ist in der Gesellschaft weit verbreitet. Mehr über die Ursachen im Ratgeber.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
04.11.2019

Diabetes hat sich in den letzten Jahren zu einer Volkskrankheit entwickelt. Die Zahl der jährlichen Erkrankungen steigt und mittlerweile leiden weltweit rund 415 Millionen Menschen an der Zuckerkrankheit. Längst ist es nicht mehr nur eine Krankheit, die bevorzugt ältere Menschen trifft. Immer mehr jüngere Menschen bekommen die Diagnose Diabetes. Die Gründe dafür sind vielfältig, oftmals liegt es jedoch an einem ungesunden Lebensstil. Nahrung im Überfluss und zu wenig Bewegung bestimmten den Alltag vieler Menschen. Das Tragische: Mit nur wenigen Veränderungen können wir selbst unser Risiko minimieren, an Diabetes zu erkranken. Lesen Sie mehr über die Zuckerkrankheit und was Sie selbst tun können, um möglichst gesund zu bleiben.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der die Betroffenen einen erhöhten Blutzuckerspiegel haben.
  • Von den verschiedenen Diabetesformen ist Diabetes Typ II die häufigste Form.
  • Diabetiker müssen nach der Diagnose ihren Blutzuckerspiegel im Blick behalten, doch der Alltag mit Diabetes ist machbar.

Auch wenn immer mehr jüngere Menschen an Diabetes erkranken: Das Risiko, Diabetes zu entwickeln, steigt mit dem Alter. Über 20 Prozent der 70 bis 79-jährigen Deutschen leiden unter Diabetes, in der Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren sind es etwa 16 Prozent der Männer und rund 11 Prozent der Frauen.

Dabei leiden 90 Prozent der Diabetespatienten unter Diabetes Typ II, der früher auch als Altersdiabetes im Volksmund bekannt war. Nur 5 Prozent der Diabeteserkrankungen lassen sich hingegen dem Diabetes Typ I zuordnen, die restlichen Prozente verteilen sich auf Sonderfälle wie dem Schwangerschaftsdiabetes, Kinder-Diabetes oder pankreopriven Diabetes durch Schädigung der Bauchspeicheldrüse. Unabhängig davon, von welchem Diabetes Menschen betroffen sind: Diabetes ist eine Erkrankung, die gefährlich werden und zu Folgeerkrankungen führen kann, wenn sie nicht behandelt wird. Einer der größten Risikofaktoren ist demnach Nichtwissen.

Was passiert im Körper bei Diabetes?

Die Krankheit ist unter verschiedenen Begriffen bekannt: Diabetes, Diabetes mellitus oder Zuckerkrankheit. Es handelt sich dabei um eine chronische Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerspiegel zu hoch ist. Bei allen Diabetes-Typen ist also zu viel Glukose im Blut – die Medizin spricht von Hyperglykämie.

Bei einem gesunden Menschen wird Glukose über die Nahrung aufgenommen und gilt als Energielieferant. Damit Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gepumpt werden kann, benötigt der menschliche Organismus Insulin. Für die Produktion ist die Bauchspeicheldrüse zuständig. Das Insulin sorgt dafür, dass die Körperzellen die Glukose aufnehmen und verwerten kann. Sobald die Zellen die Glukose aufgenommen haben, sinkt der Blutzuckerspiegel wieder.

Aus verschiedenen Gründen kann jedoch zu wenig Insulin im Körper befinden. Dann gelangt die Glukose nicht in die Körperzellen, sondern bleibt im Blut. Dadurch ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht und es können sich schwere Folgeerkrankungen ergeben. Der Körper versucht zwar, die überschüssige Glukose über den Urin abzugeben und mehr Insulin zu produzieren, doch mit der Zeit ermüdet die Bauchspeicheldrüse und es entsteht ein Insulinmangel. Dieser Kreislauf kann nur durchbrochen werden, wenn die Ursache für den Insulinmangel geklärt wird. Diese variiert je nach Diabetes Typ.

Diabetes Typ I: Ursachen, Symptome und Folgeerkrankungen

Diabetes Typ I ist die seltene Form der Zuckerkrankheit und wird auch juveniler Typ genannt, da er häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen diagnostiziert wird. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Abwehrstoffe bildet, die sich gegen die körpereigenen Zellen der Bauchspeicheldrüse und das Hormon Insulin richten. Dadurch kann das Organ nicht mehr ausreichend Insulin produzieren und der Körper leidet unter absolutem Insulinmangel. Dadurch steigen die Blutzuckerwerte an und der Körper reagiert mit verstärktem Harndrang, um den Zucker über den Urin loszuwerden.

Warum der menschliche Organismus Antikörper bildet, die sich gegen ihn selbst richten, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Anders als beim Diabetes Typ II, dessen Entstehung auf eine ungesunde Lebensweise zurückzuführen ist, geht die Medizin beim juvenilen Diabetes von einer genetischen Komponente aus. Hinzukommen Infektionskrankheiten, die unter Verdacht stehen, fehlgeleitete Abwehrprozesse im Körper zu begünstigen: Mumps, Masern, Röteln.

Die Hyperglykämie, also Überzuckerung, äußert sich durch typische Symptome wie

  • Übermäßiger Durst
  • Häufiger Harndrang
  • Trockene Haut
  • Ungewollte Gewichtsabnahme
  • Müdigkeit

Ein unbehandelter Diabetes Typ I kann jedoch auch zu schweren Folgeschäden führen. Nicht nur das Herz-Kreislaufsystem ist durch die erhöhten Blutzuckerwerte überlastet, sondern auch der Fettsäurestoffwechsel ist gestört. Diese Übersäuerung des Blutes kann ein diabetisches Koma auslösen.

Grundsätzlich handelt es sich bei Koma um eine längere Bewusstlosigkeit, die verschiedene Stufen und Formen hat. Bei leichtem Koma reagiert der Körper auf bestimmte Reize, bei tiefem Koma reagiert der Patient gar nicht mehr. Das ist beispielsweise der Fall nach schweren operativen Eingriffen, wenn der Patient ins künstliche Koma versetzt wird. Dann ist der Patient nicht mehr in der Lage, seinen eigenen Willen zu äußern. Eine Patientenverfügung kann dies stellvertretend übernehmen, sofern der Patient diese vorab erstellt hat.

Das diabetische Koma ist eine spezielle Form des Komas, ausgelöst durch anhaltende Hyperglykämie. Anzeichen wie Bauchschmerzen, Erbrechen und Übelkeit, eine vertiefte Atmung, Bewusstseinstrübung und der Geruch nach Azeton in Urin und Atem sollte Diabetiker sowie Angehörige aufhorchen lassen. Dringendes Handeln ist notwendig, da dieser Zustand lebensgefährlich sein kann.

Diabetes Typ II: Ursachen, Symptome und Folgeerkrankungen

Diabetes Typ II kommt am häufigsten vor und betrifft in der Regel ältere Menschen. Deshalb ist er auch als Altersdiabetes bekannt. Die meisten Fälle sind auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen und nicht auf eine körpereigene Fehlfunktion, wie es bei Diabetes Typ I der Fall ist.

Durch Übergewicht, zu wenig Bewegung und eine fettreiche, nicht ausgewogene Ernährung ist der Glukosespiegel im Blut dauerhaft erhöht. Um diesen zu senken, benötigt der Körper Insulin. Mit der Zeit werden die Zellen in Leber, Fettgewebe und Muskeln jedoch resistent gegenüber dem Hormon und die Glukose im Blut kann nicht mehr wirkungsvoll abgebaut werden. Daraufhin produziert der Körper immer mehr Insulin, um auf den erhöhten Blutzuckerspiegel zu reagieren. Zunächst gelingt es der Bauchspeicheldrüse noch, genügend Insulin in den Körper zu schleusen und den Blutzuckerspiegel zu senken. Doch das Organ wird immer erschöpfter, die Produktion von Insulin wird weniger, bis sie zum Erliegen kommt.

Durch den Insulinmangel bleibt die Glukose im Blut und gelangt in die Nieren. Die reagieren auf den erhöhten Blutzuckerspiegel mit übermäßig gebildetem Urin – Betroffene verspüren also starken Harndrang. Auch Symptome wie erhöhter Durst, Müdigkeit und trockene Haut treten auf. Zusätzlich leiden viele Betroffene unter häufigen Infekten.

Bei älteren Menschen ist diese Symptomatik problematisch, denn sie kann auch eine typische Alterserscheinung darstellen. Zusätzlich altert das Herz von Diabetikern schneller, sodass sie besonders anfällig für Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz sind. Laut der deutschen Hochdruckliga (Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention) sterben 75 Prozent der Diabetiker an den Folger einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Deshalb sollten Diabetiker intensiv ihren Blutdruck kontrollieren, damit Bluthochdruck schnell erkannt und behandelt werden kann.

Besonders bei älteren Menschen ist der Weg zur Diagnose lang, denn das komplexe Beschwerdebild wird nicht gleich mit Diabetes in Verbindung gebracht, sondern oft den allgemeinen Alterungserscheinungen zugerechnet. Im schlimmsten Fall bekommen Senioren erst dann die Diagnose, wenn sich eindeutige Folgeerkrankungen wie Nierenversagen oder der diabetische Fuß entwickeln.

Dabei handelt es sich um chronische Entzündungen an den unteren Gliedmaßen. Aufgrund von Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen können bei Diabetikern unbemerkt Verletzungen an den Füßen entstehen, etwa durch falsches Schuhwerk oder Stöße. Da die Zuckerkrankheit auch das Schmerzempfinden absenkt, entdecken Diabetiker solche Wunden eher zufällig. Dann hat sich die Wunde durch Bakterien meist schon entzündet. Das ist sehr problematisch, da Diabetes mellitus auch die Wundheilung stört.

Leiden Sie unter Diabetes und Pflegebedürftigkeit? Bei anerkanntem Pflegegrad haben Sie Anspruch auf finanzielle Unterstützung, um Ihr Wohnumfeld pflegegerecht umzugestalten. Die Erstattung von Maßnahmen zur Wohnraumanpassung können Sie beispielsweise nutzen, um Ihr Bad barrierefrei umbauen zu lassen. So gibt es keine Kanten, an denen Sie sich Verletzungen der Haut zuziehen können.

Behandlung und Therapiemöglichkeiten

Gemüse und Obst in einer Herzschale

Unabhängig davon, unter welcher Form von Diabetes Betroffene leiden: Mit der Diagnose müssen sie regelmäßig ihren Blutzucker messen. Nur so lässt sich feststellen, wie hoch der Blutzuckerspiegel ist und ob eine Hyperglykämie vorliegt. Zusätzlich sind Insulinspritzen notwendig, um den Insulinmangel auszugleichen.

Auch wenn ein ungesunder Lebensstil besonders die Entstehung von Diabetes Typ II begünstigt, sollte jeder Diabetiker auf ein gesundes Körpergewicht achten und Übergewicht vermeiden bzw. abbauen. Eine besondere Rolle spielt jedoch die Ernährung, da Menschen Zucker über Lebensmittel aufnehmen. Dieser ist ein wichtiger Energielieferant, doch zu viel davon kann den Körper enorm belasten. Für Diabetiker bedeutet das eine ausgewogene Ernährung, die fettarm, kohlenhydrat- und ballaststoffreich sein sollte. Ernährungswissenschaftler empfehlen, dass sich die Nahrung folgendermaßen zusammensetzt:

  • 50 Prozent Kohlenhydrate, vor allem Vollkornprodukte, Kartoffeln oder ungesüßtes Müsli
  • 30 bis 35 Prozent Fett, hauptsächlich einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie in Raps-, Oliven- oder Erdnussöl
  • 15-20 Prozent Eiweiß aus tierischen Quellen sowie Milchprodukte

Außerdem sollten Diabetiker ausreichend Ballaststoffe zu sich nehmen, die in Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten enthalten sind. Auf Haushaltszucker, Honig und gesüßte Getränke sollten sie allerdings verzichten, da sie den Blutzuckerspiegel rasch erhöhen. Bei diesen Angaben handelt es sich jedoch um Richtwerte. Jeder Diabetiker sollte die Ernährung individuell mit dem behandelnden Arzt bzw. ausgebildeten Ernährungsberatern besprechen. Häufig werden auch Diabetes-Schulungen angeboten, in denen sich Diabetiker und pflegende Angehörige über die Erkrankung informieren und können und Tipps für den Alltag mit der Zuckerkrankheit erhalten.

Nicht zu unterschätzen sind die Auswirkungen von Diabetes auf die Psyche, denn die Krankheit beeinflusst den gesamten Tagesablauf. Manch einer fühlt sich durch das Wissen überfordert, das restliche Leben viel Kraft und Konsequenz in die Therapie der Zuckerkrankheit stecken zu müssen. Nach aktuellen Schätzungen leiden etwa 25 Prozent der Diabetiker in Deutschland an depressiven Verstimmungen; zusätzlich bekommen Menschen mit Diabetes etwa doppelt so häufig Depressionen als Menschen mit gesundem Stoffwechsel. Die Behandlung von Diabetes sollte deshalb auch eine Verhaltenstherapie einschließen, mit der sie lernen, die Krankheit in den Alltag zu integrieren, ohne sich allzu sehr von ihr bestimmen zu lassen.

Diabetes Typ I lässt sich nicht heilen. Betroffene müssen ein Leben lang ihren Blutzuckerspiegel im Blick behalten, um Folgeschäden zu vermeiden. Diabetes Typ II hingegen kann bei rechtzeitiger Erkennung und mit einer ausgewogenen Ernährung sogar geheilt werden; in jedem Fall kann das Fortschreiten der Erkrankung durch gute Mitarbeit des Patienten jedoch gebremst, manchmal sogar ganz gestoppt werden.