Herzinfarkt: Warnsignale erkennen und handeln

Herzinfarkt: Warnsignale erkennen und handeln

Ein Herzinfarkt ist lebensgefährlich. Erfahren Sie mehr über den plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
18.11.2019

Trotz verbesserter Behandlungsmöglichkeiten sind Herz-Kreislauferkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Dazu gehört auch der Herzinfarkt, der besonders für ältere Frauen ein hohes Risikopotenzial hat. Umso wichtiger ist Aufklärung, denn laut der Herzstiftung ist ein richtiges Notfallverhalten bei Betroffenen ein entscheidender Faktor für den Verlauf und die Prognose der Erkrankung. Wie Sie im Notfall handeln und Anzeichen für einen Herzinfarkt erkennen, erklärt unser Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Bei einem Herzinfarkt sind die Herzkranzgefäße verschlossen. In der Folge bekommt der Herzmuskel nicht genügend Sauerstoff und Zellen sterben ab.
  • Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der schnellstmöglich ärztlich versorgt werden muss.
  • Betroffene müssen sich ihr Leben lang untersuchen lassen und Medikamente nehmen, um weitere Herzinfarkte zu vermeiden.

Jedes Jahr gibt die Deutsche Herzstiftung den sog. Herzbericht heraus. In Zusammenarbeit mit der ärztlichen Fachgesellschaft für Kardiologie, der Herzchirurgie sowie der Kinderkardiologie entsteht eine umfangreiche Analyse der herzchirurgischen und kardiologischen Versorgung in Deutschland. So gab es im Jahr 2017 mehr als 1,71 Millionen Einweisungen ins Krankenhaus aufgrund von Herzerkrankungen - 2015 waren es knapp 40.000 weniger. Zugenommen haben vor allem Herzklappenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen – alles Erkrankungen, für die im Alter das Risiko steigt.

Zwar starben 2016 im Vergleich zu 2014 2,1 Prozent weniger Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen, dennoch sollte sich jeder die Schwere solcher Krankheiten bewusst machen und mit einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht vorsorgen.

Ein Herzinfarkt ist lebensbedrohlich

Unter allen Herz-Kreislauferkrankungen wirkt der Herzinfarkt am bedrohlichsten für Betroffene. Das liegt daran, dass er bei nicht rechtzeitiger Behandlung tödlich sein kann. Bei einem Herzinfarkt kommt es zu einem Verschluss der Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen. Dadurch ist die Sauerstoffversorgung unterbunden und der Muskel kann sich nicht mehr zusammenziehen. In der Folge sterben Teile des Herzmuskels ab und der gesamte Körper gerät in einen Zustand der Minderdurchblutung. Dabei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der sofort ärztlich behandelt werden muss. Jährlich sterben etwa 60.000 Menschen in Deutschland an einem Herzinfarkt.

In der Regel ist der Herzinfarkt die Folge der koronaren Herzkrankheit. Sie beschreibt den Zustand von Gefäßverkalkung aufgrund von Arteriosklerose. Ablagerungen in den Blutgefäßen verengen die Gefäße immer weiter, sodass es zu Durchblutungsstörungen kommt. Bei einem Herzinfarkt sind die Herzkranzgefäße davon betroffen, die den Herzmuskel versorgen. Reißen die Ablagerungen an den Gefäßwänden plötzlich auf, dann kann sich ein Blutgerinnsel bilden, welches das Gefäß vollständig verschließen kann. Dadurch stirbt Gewebe ab.

Deutlich seltener löst eine Embolie ein Herzinfarkt aus. Dabei bildet sich zwar auch ein Blutgerinnsel, doch nicht direkt in den Herzkranzgefäßen, sondern in einem anderen Körperteil. Durch den Blutfluss gelangt es in die Arterien am Herzen und unterbindet dort die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Nun zählt jede Sekunde, damit der Körper keine dauerhafte Schädigung davonträgt.

Hauptrisikofaktor ist ein ungesunder Lebensstil

In seltenen Fällen können auch Verkrampfungen der Herzkranzgefäße, sog. Spasmen, einen Herzinfarkt auslösen. Ansonsten erhöht in erster Linie eine bestehende koronare Herzkrankheit die Wahrscheinlichkeit. Entscheidend sind vor allem Risikofaktoren, die die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen: Sie können nicht direkt einen Herzinfarkt auslösen, aber das Risiko dafür erheblich erhöhen. Manche können wir selbst beeinflussen, andere wiederum nicht.

  • Stress
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Bewegungsmangel
  • Diabetes
  • Nährstoffarme und fettreiche Ernährung
  • Fettstoffwechselstörungen

Während all das ein Indiz für einen ungesunden Lebensstil ist, zählen die genetische Vorbelastung und das Alter zu den nicht beeinflussbaren Faktoren. So gehen Experten davon aus, dass Männer über 45 und Frauen über 55 Jahren ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt haben. Nicht zu unterschätzen ist auch die Belastung durch Depressionen und Angststörungen.

Folgenschwere Symptomatik richtig deuten

Tatsächlich können Herzinfarkte ohne Beschwerden verlaufen. Betroffene sind dann zwar in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt, leiden aber nicht unter Brustschmerzen, sondern unter Müdigkeit, Unwohlsein oder Lustlosigkeit. Das ist allerdings nur in etwa 15 bis 20 Prozent der Fälle so und trifft vorwiegend Männer, häufig aber auch Diabetiker. Die Mehrheit der Betroffenen spüren charakteristische Symptome, anhand derer auch Laien auf einen Herzinfarkt schließen können.

Übersicht Symptome Herzinfarkt
  • Plötzlich auftretende Schmerzen im Brustbereich
  • Brennen im Brustkorb
  • Schmerzen im linken, selten im rechten Arm
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Schmerzen in Rücken, Schulter und Kiefer
  • Druck- oder Schweregefühl hinter dem Brustbein („Angina pectoris“)
  • Schwindel
  • Bewusstlosigkeit
  • Atemnot
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Beklemmungs- und Angstgefühl
  • Kalter Schweiß
  • Blasse Haut

Nicht jeder Betroffene leidet unter allen Symptomen gleichzeitig – es ergibt sich immer eine individuelle Symptomatik mit klassischen Warnsignalen für einen Herzinfarkt.

Das gilt vor allem für Frauen, deren Beschwerden oftmals von denen der Männer abweichen. Sie klagen häufiger über ein Druck- und Engegefühl in der Brust anstatt über klassische Schmerzen in der Brust. Eher unspezifisch sind zudem Kurzatmigkeit, Schmerzen im Oberbauch sowie Übelkeit und Erbrechen. Ärzte müssen bei Frauen mit Verdacht auf Herzinfarkt deshalb umso genauer hinschauen, um die Symptome richtig zuzuordnen. Dass sich die Beschwerden so unterschiedlich bei Mann und Frau darstellen, kann mit ein Grund dafür sein, dass deutlich mehr Frauen als Männer an Herzleiden sterben. Im Zweifel sollte immer der Notarzt alarmiert werden.

Behandlung muss schnellstmöglich beginnen

Der Arzt nutzt diverse Untersuchungsverfahren, um die Diagnose Herzinfarkt zu stellen, Zunächst überprüft er Parameter wie Bluthochdruck und Puls und hört Herz und Lunge ab. Ein Elektrokardiogramm gibt Aufschluss über die Herzströme, während eine Ultraschalluntersuchung des Herzens die Pumpfunktion der linken Herzkammer zeigt.

Wichtig für die Therapie ist auch eine Blutabnahme, um den sog. Infarktmarker Troponin T und I zu bestimmen. Dieser Protein-Komplex wird nach einem Herzinfarkt freigesetzt und liefert Informationen über das Absterben von Herzmuskelzellen.

Nach einer eindeutigen Diagnose wird möglichst rasch eine Koronarangiografie durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Herzkatheteruntersuchung, mithilfe der die Herzkranzgefäße dargestellt werden können. So kann der Arzt Aussagen dazu treffen, wie stark diese verschlossen sind.

3D Stent hält Gefäß offen

Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist es, die verschlossenen Gefäße wieder für den Blutfluss freizumachen, damit der Herzmuskel genügend Sauerstoff bekommt. Therapie der Wahl ist heutzutage die sog. primäre perkutane Koronarintervention (PCI): Der behandelnde Arzt führt einen Ballonkatheter in das geschlossene Gefäß ein und weitet dieses. Danach setzt er einen Stent ein, um das Gefäß offenzuhalten. Sind allerdings mehr als 2 Stunden nach dem ersten medizinischen Kontakt vergangen, kommt zunächst nur die Lysetherapie infrage. Es werden dem Betroffenen Wirkstoffe in die Armvene gespritzt, welche Blutgerinnsel auflösen. Im Anschluss ist der Patient in der Regel so weit stabilisiert, dass er in ein Herzzentrum verlegt werden kann, welches auch die PCI durchführen kann.

Grundsätzlich kommen Patienten mit Herzinfarkt auf die Intensivstation. So wird sichergestellt, dass Herz und Kreislauf konsequent überwacht werden. Neben Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Blutungen nach dem Kathetereingriff muss vor allem die Bildung einer Thrombose vermieden werden. Deren Entstehung sind besonders häufig in der Akutphase kurz nach dem Herzinfarkt. Die kardiologischen Fachgesellschaften empfehlen deshalb eine zwölfmonatige Therapie mit sog. Plättchenhemmern, damit sich Blutplättchen nicht erneut an den Engstellen der Herzkranzgefäße oder am Stent festsetzen.

Reha für Körper und Seele

Eine Anschlussbehandlung in Form einer Reha ist bei Herzinfarktpatienten der gängige Prozess. Sie müssen lernen, mit ihrer Erkrankung umzugehen und ins Berufsleben und in den Alltag zurückzufinden. Wer einmal einen Herzinfarkt hatte, hat ein hohes Risiko, erneut einen zu bekommen. Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene ihre Lebensgewohnheiten ändern und Risikofaktoren vermeiden.

Einer der wichtigsten Therapiebausteine in der Reha ist deshalb die Bewegungstherapie. Geeignete Aktivitäten wie Radfahren, Wandern, Gymnastik, Schwimmen und Aquajogging sollen Betroffenen zeigen, dass sie sich bewegen und gleichzeitig das Herz-Kreislaufsystem schonen können. Entspannungsübungen ergänzen die Bewegungstherapie, damit Betroffene lernen, wie sie ihren Körper im Alltag vor Stress schützen können. Manche müssen außerdem ihre Ernährung umstellen, vor allem wenn sie unter Übergewicht leiden.

Ein Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung dauert in der Regel drei bis vier Wochen. Danach sind lebenslange, regelmäßige Untersuchungen wichtig, um Gefäßveränderungen zu verhindern bzw. notfalls rechtzeitig zu erkennen.