Herzinsuffizienz: Wenn das Herz schwächelt

Herzinsuffizienz: Wenn das Herz schwächelt

Herzinsuffizienz ist nicht heilbar. Wie Sie mit der Erkrankung umgehen und Ihre Risikofaktoren minimieren, erklärt Ihnen Afilio.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
19.11.2019

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 2 Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz. Diese kann ernste Folgen für den menschlichen Organismus haben, denn die Organe erhalten nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe, um ihre Funktionen zu erfüllen. Leider bemerken viele Menschen lange nichts von ihrer Herzschwäche, sodass diese oft schon chronisch wird. Auf welche Symptome Sie achten sollten, erfahren Sie im Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Herzschwäche ist eine typische Alterskrankheit: Bei den 75- bis 84-Jährigen sind 7 Prozent betroffen, bei den über 85-Jährigen sogar 15 Prozent.
  • Bei Herzinsuffizienz ist der Herzmuskel so schwach, dass er nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut durch den Körper pumpen kann. In der Folge ist der gesamte Organismus unterversorgt.
  • Betroffene bekommen die Diagnose oft erst nach Jahren, denn die wenigsten kennen die Symptome. Dann ist ihr Zustand meist schon chronisch.
  • Die Herzkrankheit ist nicht heilbar, aber ihr Fortschreiten kann durch eine Operation, Medikamente und Lebensstiländerungen gut behandelt werden.

Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland, vor allem bei älteren Menschen. Zwar können auch junge Menschen erkranken, doch die Wahrscheinlichkeit nimmt mit dem Alter zu. Dabei ist Herzinsuffizienz weit verbreitet. Experten rechnen damit, dass 20 Prozent der 40-Jährigen in ihrem Leben mit Herzschwäche konfrontiert sein werden. Zudem sind im Jahr 2014 über 44.000 Menschen an einer Herzschwäche gestorben.

Wichtig sind deshalb Prävention und Vorsorge. Prävention, indem Risikofaktoren vermieden werden, und Vorsorge, um sich dennoch auf den Notfall vorzubereiten. Durch die steigende Lebenserwartung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, im Alter an einer schweren Krankheit zu leiden. Legen Sie deshalb noch heute Ihre Behandlungswünsche mit einer Patientenverfügung fest.

Was im Körper bei Herzinsuffizienz passiert

Durch Herzinsuffizienz ist die Pumpleistung des Herzens gestört. In der Folge kann der Herzmuskel nicht mehr genügend Blut durch den Körper pumpen, um die Organe mit Sauerstoff und Nährstoffe zu versorgen. Je nachdem, welche Hälfte des Herzens betroffen ist, ergeben sich unterschiedliche Formen.

Bei gesunden Menschen erfolgt der Austausch zwischen sauerstoffarmem und -reichem Blut problemlos. Dafür sorgen Körperkreislauf und Lungenkreislauf. Beim Körperkreislauf wird sauerstoffreiches Blut von der linken Herzkammer in die Arterien und den gesamten Körper gepumpt. Venen transportieren wiederum sauerstoffarmes Blut zurück in den rechten Vorhof und dann in die rechte Herzkammer. Der Lungenkreislauf versetzt das Blut wieder mit Sauerstoff, bevor dieses über den linken Vorhof in die linke Herzkammer gelangt.

Leiden Betroffene hingegen unter Herzschwäche, dann erfüllt in der Regel eine Hälfte des Herzens nicht mehr ihre Aufgaben. Bei der sog. Linksherzinsuffizienz ist die linke Hälfte so geschwächt, dass sie nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut in den Körperkreislauf pumpt. Dadurch werden nicht nur die Organe schlechter durchblutet, sondern das Blut staut sich auf zurück bis in die Lunge. Es werden zwei Formen unterschieden:

  • Systolische Herzinsuffizienz: Die Pumpfunktion der Herzkammer ist gestört, sodass sich das Blut in der Lunge staut, anstatt weiter transportiert zu werden. Ursache kann der Verlust von Herzmuskelzellen aufgrund eines Herzinfarktes sein.
  • Diastolische Herzinsuffizienz: Die Wände der linken Herzkammer dehnen sich nicht mehr vollständig, sodass die Kammer weniger Blut fassen kann. Das kann die Folge einer Herzklappenerkrankung oder chronischem Bluthochdruck sein.

Bei der Rechtsherzinsuffizienz sind hingegen die Prozesse in der rechten Hälfte gestört. Das sauerstoffarme Blut wird nicht in die Lunge gepumpt, sondern es staut sich zurück in den Körper.

Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, kann es auch zu einer globalen Herzinsuffizienz kommen. Dann gelangt weder ausreichend sauerstoffreiches Blut in den Blutkreislauf noch sauerstoffarmes in die Lunge.

Auf diese Symptome sollten Sie achten

Hände halten Herz

Viele Menschen bemerken zunächst keine Beschwerden, denn das Herz verfolgt bestimmte Strategien, um die Insuffizienz zu kompensieren. Registriert das Gehirn eine Abnahme der Herzleistung, hat es zu niedrigen Blutdruck im Verdacht. Als Gegenmaßnahmen schüttet das Gehirn zum einen Hormone zur Erhöhung des Blutdrucks aus, zum anderen verengt es die Gefäße und steigert die Gesamtblutmenge. Diese Mechanismen können für Monate bis Jahre die Herzschwäche ausgleichen. Die Betroffenen führen den Leistungsabfall auf andere Faktoren zurück und bekommen oft erst in einer akuten Phase die Diagnose, wenn die Kompensation nicht mehr erfolgreich ist.

Dabei gibt es charakteristische Symptome, die den Verdacht einer Herzinsuffizienz nahelegen:

  • Engegefühl in der Brust
  • Atemnot im Liegen und bei körperlicher Belastung
  • Schwitzen schon bei geringer Belastung
  • Schwellungen an den Beinen
  • Gewichtszunahme
  • Erschöpfung
  • Schwindel und Konzentrationsprobleme
  • Verstärkter nächtlicher Harndrang

In einer akuten Phase kommen Beschwerden wie akute Atemnot und brodelnde Atemgeräusche, Husten, schneller Herzschlag, kalter Schweiß und Blässe hinzu.

Bei mehreren dieser Symptome ist es empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann durch diagnostische Maßnahmen Veränderungen am Herzen leicht feststellen. Dazu gehören etwa verdickte Muskelfasern und geweitete Herzkammern.

Vermeiden Sie unnötige Risikofaktoren

Wie bei vielen Herz-Kreislauferkrankungen ist die koronare Herzkrankheit die häufigste Ursache. Im Rahmen einer Arteriosklerose lagern sich Kalk, Fette und Blutplättchen in Gefäßen ab und verengen diese. Dadurch kommt es zu Durchblutungsstörungen mit schwerwiegenden Folgen.

Auch ein Herzinfarkt sorgt für eine Minderdurchblutung des Herzmuskels. Dadurch sterben Muskelzellen ab und die Pumpfunktion der Herzkammern ist gestört. Neben Bluthochdruck und Herzklappenfehlern können auch Herzrhythmusstörungen die Entstehung begünstigen. Gleiches gilt für eine Überfunktion der Schilddrüse.

Nicht zu unterschätzen sind Risikofaktoren, die auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen sind. Schlechte Angewohnheiten wie Rauchen und häufiger Alkoholkonsum haben enorme Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und führen zu Durchblutungsstörungen. In der Folge steigt auch das Risiko für Lungenerkrankungen wie COPD.

Auch Übergewicht belastet den menschlichen Organismus enorm und erhöht beispielsweise das Risiko für hohen Blutdruck oder Arteriosklerose. Verzichten wir präventiv auf solche Angewohnheiten, hat das positive Auswirkungen auf unser gesamtes Leben.

Therapeutische Maßnahmen bei Herzinsuffizienz

Alte Menschen trainieren mit Gewichten

Bis jetzt ist Herzinsuffizienz nicht heilbar. Jedoch kann sie gut behandelt werden, je eher sie entdeckt wird. Das wirkt sich auch auf die Lebensqualität der Betroffenen im Alltag aus, denn mit Atemnot und Leistungsabfall können sie nicht mehr jeder Aktivität nachgehen.

Aktuell gibt es drei Therapieansätze, die darauf abzielen, Beschwerden zu mindern, Verschlechterungen zu vermeiden und Ursachen zu behandeln. Betroffene können Medikamente nehmen, die zum einen die Herzschwäche und zum anderen Krankheitsauslöser behandeln. Dazu gehören Diuretika, also entwässernde Medikamente, bei Ödemen in den Beinen oder ACE-Hemmer zur Senkung des Blutdruckes.

Bei manchen Betroffenen stellt sich auch die Frage eines chirurgischen Eingriffs. Eine Operation ist immer mit Risiken und Komplikationen verbunden, weshalb Chirurgen vorab genau abwägen, ob eine chirurgische Therapie die Lebensqualität von Patienten tatsächlich verbessern kann. Grundsätzlich können durch die chirurgische Therapie Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenfehler behoben oder Schrittmacher implantiert werden.

Zusätzlich sollten Betroffene unbedingt ihren Lebensstil ändern, sofern dazu Angewohnheiten wie Rauchen gehören. Diese nicht-medikamentöse Therapie besteht in der Regel aus einer Gewichtsabnahme bei Übergewicht, gezieltem Training, dem Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. In einer Patientenschulung erfahren Betroffene, worauf sie im Alltag achten müssen. Je nachdem, in welchem Krankheitsstadium sie sich befinden und wie ausgeprägt Folgeerkrankungen sind, können Therapiemaßnahmen auch kombiniert werden.

Dadurch steigt die Lebensqualität von Betroffenen wieder an – sie müssen sich allerdings regelmäßig untersuchen lassen.