Koma: Dauerhaft bewusstlos - Gründe und Ursachen

Koma: Dauerhaft bewusstlos - Gründe und Ursachen

Koma ist ein anhaltender Zustand von Bewusstlosigkeit. Wir erläutern, was Koma, Wachkoma und künstliches Koma ausmacht und unterscheidet.

Johannes Kuhnert
Johannes Kuhnert
19.05.2020
Das Wichtigste in Kürze:
  • Ein Koma ist eine länger anhaltende und tiefe Bewusstlosigkeit. Die Intensität eines Komas wird in vier verschiedenen Stufen gemessen, die vor allem von der Reaktionsfähigkeit des Betroffenen bestimmt sind.
  • Es gibt mehrere Arten komatöser Zustände, darunter das regulärmedizinische Koma, das Wachkoma, das künstliche Koma und das Locked-In-Syndrom.
  • Ein Koma kann unterschiedliche Ursachen haben. Außer beim künstlichen Koma liegt in den meisten Fällen eine starke, meist anhaltende Schädigung des Gehirns vor, die zu bleibenden Ausfallerscheinungen führt.

Vor allem die Ungewissheit über Verlauf und Zustand, über Bewusstsein und Empfinden steht für viele Menschen sinnbildlich für die Angst vor dem Unbekannten. Dabei steht „Koma“ für eine ganze Reihe von Erscheinungsbildern und Zuständen. An dieser Stelle wollen einen Überblick darüber geben, welche Arten, Stadien und Verläufe von Koma es gibt und welche Arten der Behandlung in Frage kommen, welche Heilungsaussichten heutzutage bestehen und wie jeder Vorsorge für den Fall treffen kann, der hoffentlich niemals eintritt.

Was ist ein Koma?

Medizinisch betrachtet ist das Koma ein anhaltender Zustand tiefer Bewusstlosigkeit. Betroffene können nicht geweckt werden und die üblichen körperlichen Reflexe lassen sich nicht aktivieren. Im äußersten Fall sind dabei sogar Schmerzreflexe und die unbewusste Reaktion der Pupillen auf Licht ausgeschaltet. So gut wie immer benötigen Koma-Patienten kreislaufunterstützende Maßnahmen wie Beatmung oder künstliche Ernährung. Komatöse Zustände können von mehreren Tagen bis hin zu mehreren Wochen andauern, bei einem noch länger anhaltenden Koma nimmt das Gehirn in der Regel irreversiblen Schaden. Ein Koma kann nicht nur als Folge eines Unfalls oder einer Krankheit auftreten, es kann auch bewusst herbeigeführt werden, um den Heilungsverlauf eines Patienten zu begünstigen. In diesem Fall spricht man von einem künstlichen Koma.

Koma wird in vier Stufen gegliedert und in zwei Ebenen unterteilt. Die erste Ebene umfasst in zwei Stufen den Zustand von Patienten im „leichten“ Koma, während die zweite Ebene „schweres Koma“ Empfindungsverhalten und Reaktionen von schwerer betroffenen Patienten beschreibt. Die Stufen selbst stellen dabei keine absoluten Grenzen dar, vielmehr handelt es sich um eine grobe Gliederung, deren einzelne Stufen ineinander übergehen können.

  • Stufe I: Leichtes Koma

    Zielgerichtete Reaktion auf Schmerzreize mit Abwehrbewegung. Normale Atmung, normale Reaktion der Pupillen auf Lichtreize

  • Stufe II: Leichtes Koma

    Ungezielte Reaktion auf Schmerzreize, Pupillen reagieren auf Lichtreize, Patienten neigen aber zum Außenschielen, Augäpfel reagieren unabhängig und unkoordiniert

  • Stufe III: Tiefes Koma
    Keine Reaktion auf Schmerzreize, ungezielte Ausweich- und Fluchtbewegung. Pupillen reagieren nur noch abgeschwächt, Augen verfolgen Objekte nicht mehr autonom (vestibulookulärer Reflex)

  • Stufe IV: Tiefes Koma

    Keine Reaktion auf Schmerzreize, keinerlei Pupillenreaktion, auch sonstige unwillkürliche Schutzreflexe sind ausgeschaltet

Welche Arten von Koma gibt es?

Koma ist nicht gleich Koma, unterschieden wird zwischen drei regulären komatösen Zuständen mit keiner oder stark reduzierter Bewusstseinsreaktion und dem Locked-In-Syndrom sowie dem künstlich herbeigeführten Koma.

Arten von Koma

  • Koma
  • Wachkoma
  • Minimaler Bewusstseinszustand

Komaartige Zustände

  • Locked-In-Syndrom
  • Künstliches Koma

Welche Komaauslöser gibt es?

Komatöse Zustände können durch unterschiedliche Auslöser hervorgerufen werden, die Bandbreite reicht von externen Faktoren wie Schädel-Hirn-Traumata nach Unfällen über entzündliche Infektionen bis hin zu Kreislauffaktoren, Organversagen oder Krebserkrankungen.

Die häufigsten Auslöser komatöser Zustände:

  • Hirnhautentzündung
  • Gehirnentzündung
  • Hirnblutungen
  • Schlaganfall
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Epileptischer Anfall
  • Gehirntumor
  • Stromschlag

Stoffwechselerkrankungen und -erscheinungen

  • Sauerstoffmangel
  • Unterzuckerung
  • Überzuckerung
  • Niereninsuffizienz
  • Leberinsuffizienz
  • Kreislaufversagen

Gifte

  • Barbiturate und Sedative (Betäubungsmittel)
  • Drogen
  • Gift

Wie wird ein Koma festgestellt?

Zur Feststellung komatöser, bzw. komaähnlicher Zustände hat sich der sog. Glasgow Coma Scale (GCS) als De-Facto-Standard etabliert. Dabei wird ein standardisiertes Erfassungsystem genutzt, das jedem Symptom einen bestimmten Punktwert zuordnet. Die Skala reicht bis zu 15 Punkten, wobei der Höchstwert bei vollem und ungetrübtem Bewusstsein erreicht wird und alles unter drei Punkten ein tiefes Koma beschreibt. Neben äußerlich erkennbaren Faktoren werden zur genaueren Ursachenbestimmung auch bildgebende Verfahren herangezogen.

Wie lang hält ein Koma an?

Die Frage wie sich der Zustand eines Menschen im Koma entwickelt gehört bis heute zu den großen medizinischen Unwägbarkeiten. Aus diesem Grund ist es auch nicht möglich, in klarer Abgrenzung zu beurteilen wie lang ein Koma anhält oder wann ein Patient aus dem Koma wieder aufwacht. Grundsätzlich ist das Aufwachen aus einem Koma keine Selbstverständlichkeit. Ausschlaggebend für die Dauer eines Komas und für die Frage, ob mit einem Aufwachen überhaupt zu rechnen ist, ist der Umfang der Schäden, die das Gehirn genommen hat. Bei lang anhaltender Unterbrechung der Sauerstoff- oder Blutzufuhr treten häufig irreversible Schäden auf, die ein Aufwachen aus einem Koma unwahrscheinlicher machen als bei Fällen, in denen das Koma Folge eines Unfalls mit Traumafolgen ist.

Was ist das Wachkoma?

Das Wachkoma, auch bekannt als apallisches Syndrom, gilt in der Fachwelt als ein widersprüchlicher Zustand. Denn obwohl sich der mit offenen Augen daliegt oder schläft, befindet er sich gleichzeitig in einem Zustand tiefer Ohnmacht. Patienten im Wachkoma interagieren nicht mit ihrer Umgebung. Persönliche Ansprache, Nahrungsangebote oder Körperkontakt bleiben ohne Reaktion. Während Wachkomapatienten aus diesem Grund künstlich ernährt werden müssen, kann auf eine zusätzliche Beatmung verzichtet werden. Denn im Wachkomazustand ist nur das Großhirn praktisch inaktiv, was neben der Unfähigkeit zur Nahrungsaufnahme Inkontinenz zur Folge hat, während Stammhirnfunktionen wie die Atmung erhalten bleiben. Vereinzelt kommt es im Wachkoma zur Äußerung vegetativ-emotionaler Grundäußerungen, z.B. in Form undeutlicher Laute oder einer Veränderung der Gesichtszüge.

Was ist ein künstliches Koma?

Im Gegensatz zum „normalen“ Koma oder dem Wachkoma handelt es sich beim künstlichen Koma um einen absichtsvoll herbeigeführten Zustand andauernder Vollnarkose, der über mehrere Tage oder Wochen hergestellt wird, um einen Patienten für den behandelten Zeitraum schmerzfrei zu halten. Vor allem bei Schwerstverletzten (insbesondere bei Hirnverletzungen) kann das künstliche Koma Teil einer ersten Akutbehandlung sein, aber auch bei Bewusstseinsstörungen, bei und nach Operationen am offenen Herzen, bei einer Sepsis oder bei Lungenversagen kann ein künstliches Koma eingeleitet werden, um die Heilung eines Patienten zu begünstigen.
Patienten im künstlichen Koma werden intensivmedizinisch betreut, gleichzeitig künstlich ernährt und beatmet. Herz, Darm, Nieren und Leber funktionieren in der Regel wie im gesunden Zustand; zuweilen wird die Körpertemperatur des Patienten abgesenkt, um Stoffwechselprozesse zu verlangsamen und den Sauerstoffbedarf zu reduzieren.

Welche Vorsorgemaßnahmen zum Koma können im Rahmen einer Patientenverfügung getroffen werden?

Genau wie für viele andere Krankheitsbilder kann eine Patientenverfügung dazu genutzt werden die eigenen Behandlungspräferenzen festzuhalten, wenn es darum geht, wie im Falle eines Komas vorgegangen werden soll. Vor allem wie komatöse Zustände in der Regal lebenserhaltende Maßnahmen erfordern, ist eine Patientenverfügung die richtige Wahl, um die eigenen Wünsche und Vorstellungen zur Behandlung im Ernstfall verbindlich festzuhalten. So lässt sich etwa umreißen für welche Dauer ein Koma aufrechterhalten werden darf, ob Beatmung und künstliche Ernährung mit den eigenen Vorstellungen vereinbar sind. Mittelfristig berührt die eigene Einschätzung zum Koma auch den Bereich Sterbehilfe im selben Zusammenhang. Entscheidend ist auch hier, eine persönlich getroffene Entscheidung – wie sie etwa bei Afilio festgehalten werden kann.