Parkinson: Beeinträchtigungen bei Koordination der Motorik

Parkinson: Beeinträchtigungen bei Koordination der Motorik

Zittern, Muskelsteifigkeit und langsame Bewegungen gehören zum Beschwerdebild. Erfahren Sie mehr über die Therapie von Parkinson.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
19.12.2019

Parkinson ist eine Erkrankung des Gehirns, die vor allem die Bewegungsfähigkeiten einschränkt. Wie es zu den Schäden am Nervensystem kommt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Mit verschiedenen Therapieansätzen können Betroffene ihre Selbstständigkeit vorerst behalten und ihren Alltag ohne große Einschränkungen bewältigen.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung.
  • Bei Parkinson sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die zuständig sind für die Koordination der Motorik.
  • Betroffene leiden unter Beeinträchtigungen der Bewegungsfähigkeit, sind aber größtenteils selbstständig.
  • Allerdings ist das Risiko für Demenz um 30 Prozent erhöht. Treten beide Krankheiten parallel auf, ist Pflegebedürftigkeit wahrscheinlich.

Parkinson, Parkinson-Krankheit und Morbus Parkinson bezeichnen alle dieselbe chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der Nervenzellen im Mittelhirn absterben und spezifische Symptome wie Muskelzittern, Muskelstarre und Bewegungsarmut auftreten. Parkinson zählt neben Arthritis und Demenz zu den typischen Krankheitsbildern im Alter und wird häufig zwischen dem 55. und 80. Lebensjahr diagnostiziert.

Im Unterschied zu Demenzerkrankungen wie Alzheimer oder vaskulärer Demenz können Parkinson-Patienten ihre Lebensqualität durch verschiedene Therapiemaßnahmen lange aufrechterhalten. Allerdings sind sie irgendwann bei feinmotorischen Handgriffen auf Hilfe angewiesen: Die fehlende Koordination von Körperbewegungen erschwert etwa das Anziehen von Strümpfen und Schuhen oder das Gehen.

Schwerwiegendere Einschränkungen treten hingegen auf, wenn Menschen mit Parkinson eine sog. Parkinson-Demenz entwickeln - das Risiko dafür liegt bei etwa 30 Prozent. Dann treten typische demenzielle Symptome wie Störungen der geistigen Fähigkeiten auf, die Bewusstsein und Selbstständigkeit einschränken. Bei diesem Beschwerdebild werden viele Betroffene irgendwann pflegebedürftig und können ihre Wünsche nicht mehr frei äußern. Deshalb ist es immer ratsam, diese vorab in einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht festzulegen.

Beschwerdebild

Weltweit leiden rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson, in Deutschland sind es etwa 250.000. Anders als bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen sind Männer doppelt so häufig betroffen als Frauen. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Erkrankungen in den nächsten Jahren steigen wird, da Menschen ein immer höheres Alter erreichen.

Bei einer neurodegenerativen Krankheit verfällt das Nervensystem und immer mehr Nervenzellen gehen verloren. Je nach Gehirnareal werden dadurch bestimmte psychische und physische Fähigkeiten gestört. Bei Parkinson sterben Nervenzellen im Mittelhirn ab, welches für die Koordination der Motorik zuständig ist. Bis sich die Erkrankung deutlich bemerkbar macht, vergehen Jahre. Allerdings gibt es eine Bandbreite an frühen Anzeichen, bevor die eigentliche Hauptsymptomatik erkennbar ist:

  • Verhaltensstörungen im Traumschlaf (Bewegungen, Sprechen, Lachen etc.)
  • Eingeschränkter Geruchssinn
  • Verstopfung
  • Sehstörungen (Mittelhirn steuert auch Augennerven)
  • Müdigkeit
  • Depression bzw. Altersdepression
  • Zittrigkeit
  • Schmerzen in Muskeln und Gelenken
  • Verändertes Gangbild
Gangbild bei Parkinson

Dennoch kommen diese unspezifischen Symptome auch bei anderen Erkrankungen vor oder als normale Alterungserscheinung. Eindeutig erkennbar ist Parkinson dann, wenn sich die spezifischen Hauptsymptome zeigen:

Rigor: Betroffene leiden unter steifen Muskeln. Die Muskelkraft ist dabei nicht gelähmt, sondern bleibt erhalten. Die Muskeln sind dauerhaft angespannt, was zu starken Schmerzen führen kann.

Tremor: Die Muskeln an Armen und Beinen zittern im Ruhezustand. Häufig ist eine Körperseite mehr betroffen, weshalb Parkinson auch als Schüttellähmung bekannt ist.

Bradykinese: Körperbewegungen sehen unnatürlich langsam durch. Betroffene gehen stark nach vorne gebeugt, die Schritte sind klein und der Gang ist schlurfend. Es kann zu Bewegungsarmut (Hypokinese) oder gar Bewegungslosigkeit (Akinese) kommen. Auch Gestik und Mimik sowie Feinmotorik sind betroffen.

Bei Parkinson verändert sich die gesamte Körperhaltung. Erkrankte haben eine gebeugte Haltung und die Arme schwingen nicht mehr mit bei Bewegung. Auch Begleitsymptome wie Inkontinenz und Potenzprobleme können auftreten.

Ungeklärte Ursache

Zerstörte Nervenzelle

Rund 75 Prozent der Parkinson-Patienten leiden unter dem sog. primären Parkinson-Syndrom, bei dem Nervenzellen absterben, ohne dass die Medizin die genaue Ursache dafür kennt. Bekannt ist nur, dass im Mittelhirn Nervenzellen absterben, die für die Dopamin-Produktion zuständig sind. Durch den Zelltod sinkt der Dopaminspiegel, sodass ein Mangel entsteht. Erst wenn der Körper diesen nicht mehr ausgleichen kann, kommt es zu den spezifischen Symptomen. Der Dopaminmangel stört außerdem das Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe: Sinkt der Dopaminspiegel, steigt die Menge des Botenstoffes Acetylcholin an und es kommt zu Zittern und Muskelsteifheit.

Beim sekundären Parkinson-Syndrom sind die Ursachen für die Beschwerden hingegen bekannt:

  • Medikamente: Dopaminantagonisten (hemmen Dopamin), Neuroleptika (bei Psychosen) oder Kalziumantagonisten (gegen Bluthochdruck)
  • Vergiftungen: Kohlenmonoxid- oder Manganvergiftung
  • Erkrankungen: Entzündungen des Gehirns, Hirntumoren, Unterfunktion der Nebenschilddrüsen
  • Verletzungen des Gehirns

Diagnose

Die Diagnose erfolgt wie bei anderen Krankheiten durch ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch sowie einer körperlichen Untersuchung je nach Beschwerdebild. Auch pflegende Angehörige können wertvolle Tipps geben, denn sie bemerken manche Anzeichen früher als Betroffene.

Speziell bei Parkinson ist es wichtig, die Reflexe, Gelenke und Muskeln genauer zu untersuchen. Patienten weisen beispielsweise das sog. Zahnradphänomen auf: Dabei lässt sich der Arm nur wenig bewegen, da steife Muskeln die Drehbarkeit verhindern. Auch ein Zittern in Ruhe ist ein weiteres Indiz.

Auch der L-Dopa-Test kann die Diagnose unterstützen, sollte aber nur mit Vorsicht angewandt werden, da er manchmal falsch ausfällt bzw. Nebenwirkungen haben kann. Menschen mit Verdacht auf Parkinson nehmen das Medikament L-Dopa ein – nehmen die Beschwerden ab, spricht das für Parkinson. MRT und CT-Aufnahmen werden hingegen nur angefertigt, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie

Wie auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen besteht die Behandlung von Parkinson aus einer medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapie. Zu Beginn der Erkrankung brauchen viele noch keine Medikamente. Werden die Symptome allerdings zu einer Belastung, kommen solche zum Einsatz, die den Dopaminmangel beheben. Doch mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an die Dosis, sodass die Wirkstoffe immer wieder neu dosiert werden müssen.

Physikalische Verfahren ergänzen die Medikamentengabe. Dazu gehören Methoden, die durch natürliche physikalische Mittel behandeln wie

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Stimm- und Sprechtherapie

Diese Therapien zielen darauf ab, die Selbstständigkeit und Beweglichkeit zu erhalten. Patienten neigen durch den schlurfenden Gang zu Stürzen, weshalb die Koordination gefördert und durch Sturzprophylaxe ergänzt werden sollte. So lassen sich schwerwiegende Frakturen wie der Oberschenkelhalsbruch vermeiden. Auch Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz sollten gut versorgt werden.

Schlagen diese Therapieansätze nicht an, erwägen Ärzte eine Operation - bei dieser Option müssen allerdings vorab die OP-Risiken abgewogen werden. Bei erfolgreichem Eingriff können die Beschwerden verbessert werden:

  • Stereotaxie: Eine Sonde im Gehirn kann stark aktive Areale beruhigen oder sogar stilllegen.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Über Elektroden im Gehirn und einem Schrittmacher in der Brust können Signale in bestimmten Regionen manuell blockiert werden, um Bewegungsstörungen wie Tremor verbessern.

Verlauf

Die Hauptsymptome von Parkinson zeigen sich erst, wenn schon die Hälfte der Nervenzellen unweigerlich abgestorben ist. Im Verlauf der Erkrankung verstärken sich die Symptome und können oft nur durch Medikamente oder eine Operation verbessert werden.

Die Krankheit ist nicht lebensbedrohlich, wirkt sich jedoch erheblich auf die Psyche der Patienten aus. Deshalb wird die Behandlung oft um Kunst- und Psychotherapien ergänzt, damit Parkinson-Patienten lernen, sich mit ihrer Krankheit auseinanderzusetzen und sie zu akzeptieren. Das beugt nicht nur Depressionen vor, sondern erleichtert auch die Situation für pflegende Angehörige, die oftmals verunsichert sind. Mittlerweile haben Betroffene eine ähnliche Lebenserwartung wie gesunde gleichaltrige Menschen und können das Leben weiterhin genießen.