Rheuma: Krankheiten des rheumatischen Formkreises

Rheuma: Krankheiten des rheumatischen Formkreises

Rheuma äußert sich durch chronische Beschwerden in harten und weichen Strukturen des Körpers. Erfahren Sie mehr über die verschiedenen Krankheitsbilder.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
02.12.2019

Rheuma ist nicht gleich Rheuma: Vielmehr fassen Mediziner unter dem Begriff über 100 Erkrankungen zusammen, die sich durch ziehende und fließende Schmerzen am Stütz- und Bewegungsapparat auszeichnen. Je nach Ursache werden sie in vier Hauptkategorien unterteilt.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Rheumatische Erkrankungen führen zu Schmerzen im Binde- und Stützgewebe des Bewegungsapparates. Es können sowohl harte Strukturen wie Knochen als auch Weichteile wie Sehnen und Schleimbeutel betroffen sein.
  • Entzündliche Prozesse im Gewebe führen zu starken Schmerzzuständen. In der Folge können Veränderungen am Skelett auftreten.
  • Individuelle therapeutische Maßnahmen können die Krankheit im besten Fall aufhalten. Heilbar ist sie allerdings nicht.

Rheuma hat viele Bezeichnungen – medizinisch korrekt heißt es jedoch „Krankheit des rheumatischen Formenkreises“. Entzündungen können harte und weiche Strukturen im Körper befallen. Auslöser dafür sind meistens Autoimmunreaktionen des Körpers, die sich gegen sich selbst richten.

Dann leiden Betroffene unter ziehenden und reißenden Schmerzen in den betroffenen Gelenken bzw. Körperteilen, Beschwerden am Bewegungsapparat sowie funktionellen Einschränkungen. Sind beispielsweise die Hände krankhaft verändert, fällt sogar das Aufdrehen des Wasserhahns am Morgen schwer.

Obwohl auch Kinder und jüngere Erwachsene an Rheuma leiden können, sind Gelenk- und Knochenerkrankungen typische Krankheitsbilder im Alter. Durch die hohe Lebenserwartung werden Gelenke und Knochen viel länger belastet – dabei ist der menschliche Bewegungsapparat eigentlich nur für etwa 35 Jahre Höchstbelastung ausgelegt. Umso häufiger ist es notwendig, im Rahmen von Hüft-OPs und Knie-OPs Endoprothesen einzusetzen. Nicht verwunderlich, dass solche Operationen zu den 20 häufigsten Eingriffen im Jahr 2017 gehörten.

Auch wenn es sich somit um Routine-Operationen handelt: Jeder chirurgische Eingriff ist mit OP-Risiken und Komplikationen verbunden. Sichern Sie Ihre Behandlung deshalb mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht ab.

Krankheiten des rheumatischen Formkreises

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Wenn Menschen von Rheuma sprechen, meinen viele damit die sog. rheumatoide Arthritis, eine Form der Arthritis. Dabei handelt es sich um eine häufig vorkommende Gelenkentzündung, die chronisch ist. Der Krankheitsverlauf ist schleichend: Zu Beginn leiden Betroffene unter Schwellungen an kleinen Finger- und Zehengelenken. Morgens sind die Symptome besonders schlimm: Die Gelenke sind warm und steif und schmerzen bei Bewegung.

Die Ursache für die entzündlichen Prozesse ist eine Reaktion des Immunsystems gegen den eigenen Körper. Der Auslöser dafür ist noch nicht bekannt, aber Forscher gehen von einer genetischen Komponente aus, die in Verbindung mit Umweltfaktoren die Autoimmunerkrankung auslöst.

Der Krankheitsverlauf ist bei den meisten Patienten schubweise, ähnlich wie bei Multipler Sklerose und COPD. Das bedeutet, zwischen einzelnen intensiven und akuten Krankheitsphasen bilden sich die Symptome teilweise zurück oder können sogar vollständig verschwinden. Dennoch schreitet die Krankheit voran und muss mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden, um die Lebensqualität von Betroffenen aufrechtzuerhalten.

Neben der rheumatoiden Arthritis gibt es weitere Krankheitsbilder, die in die Kategorie der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen fallen:

  • Juvenile idiopathische Arthritis: entzündlich-rheumatische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen
  • Vaskulitiden: Entzündungen der Blutgefäße
  • Kollagenosen: Bindegewebserkrankungen wie Lupus erythematodes oder das Sjögren-Syndrom
  • Morbus Bechterew: Andauernde Rückenschmerzen durch Entzündungen am Kreuz-Darmbein-Gelenk und der Wirbelsäule
  • Psoriasis-Arthritis: Entzündliche Gelenkerkrankung, die häufig bei Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) auftritt

Degenerativ-rheumatische Erkrankungen

Die häufigste degenerative Erkrankung des rheumatischen Formkreises ist Arthrose. Die Gelenkerkrankung geht über den normalen Verschleiß hinaus: Die schützende Knorpelschicht zwischen den Gelenken trägt sich durch Belastung ab und Knochen reiben aufeinander. Dadurch verändern sich diese und es entstehen entzündliche Prozesse im Gelenk.

Kennzeichnend ist vor allem der sog. Anlaufschmerz: Nach dem Aufstehen nach langen Ruhephasen spüren Betroffene unspezifische Schmerzen im Gelenk. Während diese am Anfang der Erkrankung nach einiger Zeit abnehmen, verfestigen sie sich im Krankheitsverlauf. Das Gelenk bleibt geschwollen und wird mit der Zeit immer unbeweglicher und auch der Umfang nimmt durch Knochenveränderungen zu.

Während die primäre Arthrose auf natürlichen Verschleiß zurückzuführen ist, begünstigen Faktoren wie Fehlbelastungen, Übergewicht und intensive sportliche Aktivitäten die Entstehung von sekundärer Arthrose. Diese ist nicht heilbar.

Chronische Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates

Ist hingegen Weichteilgewebe wie Sehnenansätze und -scheiden, Muskeln sowie Schleimbeutel durch Überlastung gereizt und schmerzhaft, handelt es sich meist um chronische Schmerzsyndrome. Eine der häufigsten Behandlungsanlässe sind chronische Rückenschmerzen, die mit dem Alter zunehmen und vor allem in der Altersgruppe ab 70 Jahren anzutreffen sind. Auch das Karpaltunnelsyndrom ist ein bekanntes Schmerzsyndrom.

Eine besondere Form ist die sog. Fibromyalgie, eine häufig auftretende Schmerzerkrankungen. Betroffene leiden unter Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen, meist in der Nähe von Gelenken und Muskeln. Begleitend treten Müdigkeit und Schlafstörungen auf, zudem reagieren viele Erkrankte empfindlich auf Reize. Nicht selten kommt es neben körperlichen auch zu psychischen Beschwerden wie Angstgefühlen oder Depression bzw. Altersdepression. Fibromyalgie ist nicht heilbar; therapeutische Maßnahmen müssen individuell auf den Betroffenen abgestimmt werden. In der Praxis hat sich eine Kombination verschiedener Therapiearten bewährt, um die Lebensqualität zu erhalten.

Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden

Stoffwechselerkrankungen wie Gicht und Osteoporose gehen auch mit rheumatischen Beschwerden einher. Das bedeutet, Betroffene leiden durch Veränderungen am Bewegungsapparat unter dauerhaften Schmerzen, die die Bewegungsfreiheit einschränken.

Bei Osteoporose ist der Knochenstoffwechsel gestört, sodass Knochen von Betroffenen anfälliger für Brüche sind. Die anhaltenden Schmerzen verursacht nicht die Krankheit an sich, sondern ihre Folgen. Vor allem bei Brüchen der Wirbelkörper kommt es zu schmerzhaften. Verformungen wie einem Rundrücken. Auch Gicht ist eine Stoffwechselstörung, allerdings ist hier der Harnsäure- bzw. Purin-Stoffwechsel gestört. Dadurch kommt es zu einem Harnsäureüberschuss, welcher schmerzhafte Entzündungen in den Gelenken verursacht. Die Krankheit verläuft in Schüben, wobei Betroffene mit einer entsprechenden Ernährung ihren Harnsäurespiegel kontrollieren können.

Insgesamt 17 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Form von Rheuma, die sie ein Leben lang begleitet. Durch therapeutische Maßnahmen kann die Lebensqualität von Betroffenen nachhaltig verbessert werden und sie lernen, ihren Alltag trotz Schmerzen zu meistern.