Arthritis: Schmerzen durch entzündete Gelenke

Arthritis: Schmerzen durch entzündete Gelenke

Auf geschwollene, heiße und schmerzende Gelenke folgt oft die Diagnose Arthritis. Alles Wissenswerte dazu auf Afilio.de.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
04.12.2019

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb sich Gelenke entzünden können. Doch die Symptome sind ähnlich und schränken die Betroffenen im Alltag ein. Umso wichtiger ist eine schnelle Behandlung, damit nicht nur die Beschwerden gelindert, sondern auch Folgeschäden vermieden werden. Auf welche Warnsignale Sie achten sollten, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die verschiedene Ursachen haben kann. Sie ist äußerst schmerzhaft für Betroffene und muss medizinisch behandelt werden.
  • Während bei der bakteriellen Arthritis Antibiotika eingenommen werden muss, sollen spezielle Rheuma-Medikamente schmerzhafte Schübe bei der rheumatoiden Arthritis verhindern.
  • Eine eitrige bakterielle Arthritis ist ein medizinischer Notfall, in dessen Folge es zur Blutvergiftung und zum Schock kommen kann. In seltenen Fällen verläuft sie sogar tödlich.

Arthritis setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort arthron für Gelenk und der medizinischen Endung -itis für eine Entzündung. Der Terminus steht also für eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die sehr schmerzhaft ist.

Die Entzündung ist eine Form von Rheuma, bei der es zu Beschwerden im rheumatischen Formkreis kommt. Je nach Ursache unterscheidet die Medizin verschiedene Formen der Arthritis, die jedoch allesamt behandlungswürdig sind.

Ansonsten kann es zu ernsthaften Komplikationen kommen. Gelenke können dauerhaft Schaden nehmen und Betroffene im Alltag erheblich einschränken. Eine chronische Arthritis mit Einschränkungen in der Gelenkfunktion kann ein Grund für Pflegebedürftigkeit sein.

Eine infektiöse Arthritis ist hingegen ein medizinischer Notfall, denn die Bakterien im Körper können eine Blutvergiftung oder einen Schock auslösen. Um deren Ausbreitung zu vermeiden, ist oft eine Operation nötig. Erstellen Sie deshalb rechtzeitig eine Patientenverfügung in Kombination mit einer Vorsorgevollmacht, um für solche Situationen abgesichert zu sein.

Arthritis-Formen nach Ursachen

Arthritis kann in vielen Gelenken auftreten

Etwa 25 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leidet unter Funktionseinschränkungen der Bewegungsorgane. 10 Millionen Betroffene sind dabei auf eine dauerhafte Behandlung angewiesen, denn die Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates ist chronisch.

Zu den Krankheiten des rheumatischen Formkreises gehören typische Krankheitsbilder im Alter wie Arthrose und Osteoporose, aber auch Arthritis-Formen wie die rheumatoide Arthritis, von der circa 550.000 Menschen hierzulande betroffen sind.

Nicht nur die Ursache trägt zur Unterscheidung der Arthritis bei, sondern auch die Verteilung der Entzündung im Körper:

  • Monoarthritis: Ein Gelenk ist entzündet
  • Oligoarthritis: Wenige Gelenke sind entzündet
  • Polyarthritis: Viele Gelenke sind entzündet

Nicht-infektionsbedingte Arthritiden

Die rheumatoide Arthritis ist eine häufige Form der Gelenkentzündung und tritt vermehrt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Sie ist eine typische Alterskrankheit, unter der vorwiegend das weibliche Geschlecht leidet. Unterschätzt werden sollten allerdings nicht Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht.

Auslöser sind keine Bakterien oder Viren, sondern Autoimmunprozesse, die sich gegen den eigenen Körper richten. Das Immunsystem stuft Körperzellen und Gewebe als fremd ein und greift diese an. Dadurch kommt es zu Schwellungen der sog. Synovialis, also der Schleimhautschicht im Gelenk. Zunächst leiden Betroffene unter einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit unspezifischen Symptomen wie

  • Fieber
  • Schweregefühl der Muskulatur
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Depression

Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu rheumatischen Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen und Rötungen der Haut am betroffenen Gelenk. Zunächst sind es die kleinen Gelenke an Händen und Füßen, bevor die Erkrankung auch auf größere übergeht. Wieso es überhaupt zur Fehlregulation des Immunsystems kommt, ist noch nicht geklärt.

Sonderformen der nicht-infektionsbedingten Arthritis ist die Psoriasis-Arthritis, die bei Menschen mit Schuppenflechte auftreten kann. Anders als bei der rheumatoiden Arthritis, die die Gelenke symmetrisch befällt, zeichnet sich die Psoriasis-Arthritis durch Asymmetrie aus. Das bedeutet, auf beiden Körperhälften sind unterschiedliche Regionen betroffen. Eine weitere Unterart ist Gicht, bei der der Harnsäurestoffwechsel gestört ist. Harnsäurekristalle setzen sich dadurch in den Gelenken ab und lösen dort Entzündungen aus.

Bakterielle Arthritis

Auch Keime können eine Entzündung auslösen. Entweder befinden sie sich schon in der Blutbahn oder sie gelangen durch Verletzungen in den Gelenkinnenraum. Auch Injektionen oder Operationen wie eine Knie-OP sind ein Risikofaktor.

Eine bakterielle Arthritis ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Die ausgeprägte Entzündungsreaktion zeigt sich durch Rötungen, Schwellungen und Hitze, aber auch durch extreme Schmerzen, die sich bei Belastung intensivieren. Ein medizinischer Notfall ist die eitrige Arthritis: Eiter kann innerhalb von wenigen Tagen den Gelenkknorpel zerstören und zu einer Sepsis führen. Um Folgeschäden zu vermeiden, muss das infizierte Gewebe sofort entfernt werden.

Eine oftmals tödlich verlaufende Infektionskrankheit ist die Tuberkulose, an der jährlich zehn Millionen Menschen weltweit erkranken. Auch wenn häufig die Lunge betroffen ist, kann es auch zur sog. Gelenktuberkulose kommen. Im Unterschied zu anderen eingedrungenen Keimen ist die Behandlung von Mykobakterien sehr langwierig. Außerdem besteht ein hohes Ansteckungsrisiko für Ärzte und Pflegekräfte, wenn das Gelenk zur Spülung geöffnet ist.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Arzt untersucht Gelenk bei Verdacht auf Arthritis

Um die Diagnose zu stellen, kombiniert der Arzt mehrere Diagnoseverfahren. Neben der Krankheitsgeschichte des Patienten ist das zunächst die Untersuchung des Blutes im Labor. Dadurch lassen sich Entzündungswerte, Rheumafaktoren sowie bakterielle Antikörper bestimmen. Zusätzlich erfolgt eine körperliche Untersuchung der schmerzenden Körperregionen durch Abtasten und Bewegen.

Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie ermöglichen es, die Struktur der Gelenke darzustellen. So sieht der Arzt chronische oder entzündliche Veränderungen am Gelenk.

Zusätzlich können spezielle Verfahren zur Untersuchung des Gelenks zum Einsatz kommen:

  • Gelenkpunktion: Entnahme von Flüssigkeit mithilfe einer Kanüle
  • Arthroskopie: Spiegelung des Gelenks durch ein Endoskop
  • Biopsie: Entnahme von verändertem Gewebe zur Untersuchung im Labor

Die Behandlung orientiert sich grundsätzlich an der Ursache. Bei einer akuten Arthritis aufgrund von Bakterien ist in der Regel eine antibiotische Behandlung notwendig. Ziel ist es, die Bakterien abzutöten und zu verhindern, dass sich die Infektion im Körper ausbreitet. Flüssigkeits- und Eitereinlagerungen müssen unter Umständen aus dem Gelenk entfernt werden, damit sie die Struktur nicht dauerhaft schädigen und die Entzündung abheilen kann. Bei Bedarf kann der Arzt sogar im Rahmen einer Gelenkspiegelung Medikamente lokal einbringen. Weil der gesamte Therapie- und Heilungsprozess langwierig und schmerzhaft ist, wird eine begleitende Schmerztherapie empfohlen. Es kommen schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz, manchmal auch Kortison.

Die nicht-infektionsbedingte Arthritis muss hingegen nicht mit Antibiotika behandelt werden. Da sie oft in Schüben verläuft, sollten Betroffene spezielle Rheuma-Medikamente einnehmen, die zum einen solche Anfälle, und zum anderen Gelenkschäden verhindern. Neben der medikamentösen Behandlung hat sich eine Kombination aus Bewegungs- und psychologischer Therapie in der Praxis bewährt. Therapieansätze aus der Physio- und Ergotherapie erhalten die Beweglichkeit betroffener Gelenke, regen den Stoffwechsel an und trainieren die Gelenkfunktion. So können Betroffene aktiv ihre Lebensqualität erhalten.