Schlaganfall: Wie Sie die plötzliche Durchblutungsstörung erkennen

Schlaganfall: Wie Sie die plötzliche Durchblutungsstörung erkennen

Ein Schlaganfall ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der behandelt werden muss. Afilio informiert Sie über typische Anzeichen und Risikofaktoren.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
08.11.2019

Der Schlaganfall ist eine lebensbedrohliche Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems, die jährlich etwa 200.000 Menschen trifft. Die Sterberate ist hoch: In den ersten vier Wochen stirbt jeder fünfte Patient, innerhalb eines Jahres 37 Prozent. Damit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache nach Herzinfarkt und Krebs. Weil bei dieser plötzlich auftretenden Durchblutungsstörung des Gehirns jede Minute zählt, ist es wichtig, die Anzeichen zu erkennen. Mehr zu den Symptomen und Risikofaktoren lesen Sie bei uns um Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Ein Schlaganfall ist eine schlagartige Durchblutungsstörung im Gehirn, bei der Gehirnareale nicht mehr ausreichend durchblutet werden.
  • Es kommt zu Ausfällen der Gehirnfunktion, sodass Betroffene unter Sprech-, Schluck- und Gedächtnisstörungen sowie Lähmungserscheinungen leiden.
  • Ein Schlaganfall ist ein Notfall und muss schnellstmöglich behandelt werden.

Hirnschlag, Apoplex oder Hirninfarkt – der Schlaganfall ist unter vielen Begriffen bekannt. Dabei handelt es sich um eine plötzliche Zirkulationsstörung des Blutes im Gehirn, die durch ein Blutgerinnsel oder eine Hirnblutung ausgelöst wird. In der Folge werden die Gehirnzellen nicht ausreichend durchblutet und es kommt zu Ausfällen der Gehirnfunktionen. Eine schnelle ärztliche Behandlung bessert zwar die Prognose für Betroffene, dennoch können Beschwerden wie Lähmungen und Sprachstörungen dauerhaft bestehen bleiben. Bei diesem Verlauf sind auch Depressionen keine Seltenheit.

Wir raten Ihnen deshalb, die medizinische Notfallbegleitung und Behandlungswünsche in einer Patientenverfügung festzulegen. Schließlich kann der Fall eintreten, dass Sie aufgrund einer unvorhersehbaren Erkrankung nicht mehr Ihren eigenen Willen ausdrücken können.

Symptome und Anzeichen eines Schlaganfalls

Die Symptome richten sich nach der betroffenen Hirnregion. Ist beispielsweise die rechte Gehirnhälfte unterversorgt, treten Beschwerden wie Orientierungsstörungen und Einschränkungen in der räumlichen Wahrnehmung auf. Ein Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte verursacht hingegen Sprachstörungen oder Sprachverlust. Da sich die Hirnnerven überkreuzen, betreffen Symptome wie Kribbeln oder Lähmungserscheinungen die gegenüberliegende Körperhälfte. Zu den typischen Symptomen gehören

  • Sehstörungen wie verschwommenes oder doppeltes Sehen, Sehverlust auf einem Auge
  • Ungewohnt heftige Kopfschmerzen
  • Sprachstörungen wie Finden richtiger Wörter, abgehackte Sätze, nuschelndes, lallendes Sprechen
  • Schluckstörungen und Störungen bei Nahrungsaufnahme (sog. Dysphagie)
  • Lähmungserscheinungen (meist auf nur einer Körperseite)
  • Aufmerksamkeitsstörungen wie eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit
  • Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit
  • Schwindel
  • Eingeschränkte Wahrnehmung von Wärme- und Kältereizen
  • Folgeerkrankungen wie Embolien, Lungenentzündungen oder Thrombosen
  • Übelkeit und Erbrechen

Betroffene leiden selten unter allen Beschwerden gleichzeitig. Die Symptomatik setzt sich bei jedem individuell zusammen, da dafür auch die Schwere des Schlaganfalls ausschlaggebend ist. Nichtsdestotrotz handelt es sich immer um einen Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.

FAST-Test bei ersten Anzeichen

FAST-Test

Da Schlaganfall eine typische Symptomatik hat, gibt es einen Selbsttest, der beim ersten Verdacht durchgeführt werden kann. Dieser besteht aus vier Teilen, wobei das Akronym FAST zeigt, was zu tun ist:

  • F für Face (Gesicht): Kann der Betroffene lächeln oder hängt ein Mundwinkel nach unten? Ist das Lächeln verzogen?
  • A für Arms (Arme): Kann die Person die Arme nach vorne strecken?
  • S für Speech (Sprache): Kann der Betroffene einfache Sätze nachsprechen oder ist die Sprache verwaschen?
  • T für Time (Zeit): Gelingt es der Person nicht, zu lächeln, die Arme zu heben und Sätze nachzusprechen, dann sollte keine Zeit mehr verloren und der Notarzt verständigt werden

Mit dieser Methode können auch Laien überprüfen, ob eine Person möglicherweise einen Schlaganfall erlitten hat. Auch wenn der FAST-Test als sehr zuverlässig gilt, ersetzt er keine ärztliche Diagnose.

Verschiedene Ursachen führen zu Durchblutungsstörungen

Zeichnung Gehirn Ursachen Schlaganfall

Es gibt verschiedene Ursachen, die einen Schlaganfall auslösen können. Zu den Hauptursachen gehören Minderdurchblutung und Hirndurchblutung. Angeborene Gerinnungsstörungen und Entzündungen von Gefäßwänden wie die Vaskulitis können unter Umständen einen Schlaganfall begünstigen. In seltenen Fällen können auch Blutgerinnsel in den Venen zum Gehirn wandern.

Ischämischer Schlaganfall durch Minderdurchblutung

In 80 Prozent aller Fälle ist eine Minder- oder Mangeldurchblutung die Ursache für einen Schlaganfall. Diese sog. Ischämie wird entweder durch ein Blutgerinnsel oder eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) ausgelöst. Bei einem Blutgerinnsel kleben Thrombozyten im Blut zusammen, ohne dass eine äußere Verletzung vorliegt. Anstatt dass der Blutpfropf eine Wunde verschließt, befindet er sich in der Blutbahn. Wandert er zum Gehirn und verstopft dort wichtige Hirngefäße, kann es zu einem Schlaganfall kommen, denn das Blutgerinnsel unterbindet die Blut- und Sauerstoffversorgung einer Hirnregion. Dadurch sterben Hirnzellen ab.

Hämorrhagischer Schlaganfall durch Hirnblutung

Eine Hirnblutung ist nur in 20 Prozent der Fälle die Ursache für einen Schlaganfall. Sie kann an verschiedenen Stellen im Gehirn auftreten, so auch zwischen den Hirnhäuten. Den Raum zwischen mittlerer und innerer Hirnhaut ist mit Hirnwasser gefüllt und kann durch ein spontan geplatztes Aneurysma vollbluten. Mediziner sprechen von einer Subarachnoidalblutung. Allerdings kann solch eine Blutung auch an anderen Stellen im Gehirn auftreten, etwa durch Drogenmissbrauch oder Bluthochdruck. Die Hirnblutung erhöht den Schädeldruck und beeinträchtigt die Gehirnfunktionen, sodass es zu einem hämorrhagischen Schlaganfall kommen kann. Manchmal bleibt die Ursache für die intrazerebrale Blutung auch ungeklärt.

Risikofaktoren begünstigen die Entstehung

Zwar tritt ein Schlaganfall meist urplötzlich auf, doch es gibt Risikofaktoren, die die Entstehung begünstigen können. Neben einer genetischen Veranlagung für einen Schlaganfall erhöht vor allem das Alter die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall. Frauen, die ihn erleiden, sind im Durchschnitt 75 Jahre alt und Männer 68 Jahre.

Dass er vor allem ältere Menschen trifft, liegt an typischen Alterskrankheiten, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen. Das sind in erster Linie Bluthochdruck, Diabetes und Arteriosklerose. Bei zu hohem Blutdruck kann es zu Zirkulationsstörungen kommen, in deren Folge die Organe zu wenig Sauerstoff erhalten. Zusätzlich begünstigt er die Entstehung der Arteriosklerose. Dabei handelt es sich um eine Gefäßverkalkung, bei der sich die Gefäße durch Ablagerungen verengen. Der Blutfluss wird immer langsamer. Ähnliches passiert bei Diabetikern. Sie leiden unter einer Schädigung der Blutgefäßwände, welche sich dadurch verdicken. Diabetes kann sogar eine bestehende Arteriosklerose verschlimmern. Experten schätzen, dass Diabetiker ein bis zu dreimal höheres Schlaganfall-Risiko haben.

Weitere Risikofaktoren werden durch einen ungesunden Lebensstil bedingt. Nicht nur Übergewicht und Bewegungsmangel können einen Schlaganfall auslösen, sondern auch Rauchen und Alkoholkonsum. Beides sind Risikofaktoren, die vermeidbar sind. Rauchen bewirkt nicht nur die Gefäßverengung, sondern begünstigt auch die Entstehung von Bluthochdruck und Arteriosklerose. Zusätzlich reduziert es die Sauerstoffmenge im Blut, dickt das Blut ein und steigert die Gerinnungsbereitschaft des Blutes – allesamt steigern das Schlaganfall-Risiko enorm. Blutgerinnsel bilden sich leichter und die Organe bekommen nicht genügend Sauerstoff. Wer hingegen aufhört zu rauchen, hat nach 5 Jahren ohne Konsum das gleiche Risiko wie Menschen, die niemals geraucht haben.

Ursache entscheidet über Behandlung

Die Therapie des Schlaganfalls richtet sich nach der Ursache. Ein Blutgerinnsel muss schnellstmöglich aufgelöst werden, damit die verstopften Gefäße wieder durchblutet werden. In den ersten 4 bis 6 Stunden nach dem Schlaganfall kann das Blutgerinnsel meist durch die medikamentöse Lyse-Therapie aufgelöst werden. Über einen venösen Zugang erhält der Patient den Wirkstoff rtPA (recombinant tissue plasminogen activator), welches die Barriere im Blutgefäß beseitigt. ASS (Acetylsalicylsäure) unterbindet die Vergrößerung des Blutgerinnsels und auch Heparin greift in das Blutgerinnungssystem ein. Alternativ kann der Arzt die Lyse-Therapie auch lokal durchführen, indem ein Katheter bis an den Gefäßverschluss im Gehirn geschoben und das Medikament direkt dort gespritzt wird. Über diesen arteriellen Zugang kann das Blutgerinnsel auch mit Instrumenten entfernt werden.

Die systemische Therapie kommt allerdings nicht bei Schlaganfall aufgrund von Hirnblutung zum Einsatz, da sie die Blutung verschlimmern könnte. Das Gleiche gilt bei unkontrollierbarem Bluthochdruck. Stattdessen ist in der Regel eine Operation bei Hirnblutung nötig, um den Bluterguss zu entfernen und die Blutungsquelle zu verschließen. Bei kleinen Hirnblutungen kann auch eine konservative Behandlung ausreichen, bei der Patienten Bettruhe verordnet bekommen. Sie müssen alle Aktivitäten wie starkes Pressen beim Stuhlgang vermeiden, da dadurch der Druck im Kopf steigt.

Verlauf und Prognose für Betroffene

Wie Verlauf und Prognose für Betroffene aussehen, ist von vielen Faktoren abhängig, denn Gehirnregion und Größe des Blutgefäßes bedingen die Hirnschädigung. Eine schnelle ärztliche Versorgung kann die Prognose positiv beeinflussen. Dennoch sterben viele Betroffene im Laufe des ersten Jahres.

Wer den Schlaganfall übersteht, kann allerdings bleibende Schäden und dauerhafte Einschränkungen im Alltag davontragen. Dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen sind in Deutschland etwa fast eine Million Schlaganfall-Patienten.

Umso wichtiger sind Reha-Maßnahmen nach einem Schlaganfall, damit Betroffene in einen selbstständigen und sozialen Alltag zurückkehren können. Dabei helfen motorische und kognitive Rehabilitationsverfahren wie die Stimulation gelähmter Körperregionen, gezieltes Auslösen von Reflexen, Erspüren von Bewegungen sowie Aufmerksamkeits- und Gedächtnistraining. Das Leben mit Schlaganfall ist zwar eine Herausforderung für Betroffene und pflegende Angehörige, doch es ist möglich.

Die beste Prävention ist ein gesunder Lebensstil. Mit regelmäßiger Bewegung, Verzicht auf Drogen, Rauchen und Alkohol sowie einer gesunden und ausgewogenen Ernährung lassen sich Risikofaktoren wie Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Übergewicht vermeiden, die alle das Schlaganfallrisiko erhöhen.