Thrombose: Die unterschätzte Gefahr durch Blutgerinnsel

Thrombose: Die unterschätzte Gefahr durch Blutgerinnsel

Ein frühzeitiges Erkennen der Gefäßerkrankung kann Schlimmeres verhindern. Mehr über die Symptome und vorbeugenden Maßnahmen bei Afilio.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
14.10.2019

Gestern, am 13. Oktober, war Welt-Thrombose-Tag. Er widmet sich einer Erkrankung, die viele Menschen treffen kann und doch in ihren Folgen häufig unterschätzt wird. Was das Datum außerdem mit dem deutschen Pathologen Rudolf Virchow zu tun hat, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Eine Thrombose kann lebensbedrohlich sein

Wenn die Beine schmerzen und geschwollen sind, denken viele Menschen zunächst an Überbelastung oder Muskelkater. In manchen Fällen ist die Ursache jedoch gravierender und es liegt eine Thrombose vor. Dabei handelt es sich um ein Blutgerinnsel, welches in die Blutbahn gelangt und diese verstopft. Kann das Blut dadurch nicht mehr ungehindert durch die Venen fließen, kommt es zu einem Gefäßverschluss. Im schlimmsten Fall kann eine Thrombose eine Lungenembolie auslösen, also eine Verstopfung der Blutgefäße im Lungenkreislauf. Das kann tödlich enden.

Dass das Risiko einer Thrombose größer ist als vermutet, zeigt ein Blick auf die Statistik. In Deutschland sterben jährlich mehr als 40.000 Menschen an der Krankheit, Experten vom Aktionsbündnis Thrombose gehen sogar von bis zu 100.000 Sterbefällen aus. Damit ist die Thrombose eine der häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Herzinfarkt und Schlaganfall. Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu entwickeln. Ab 50 Jahren ist etwa einer von Tausend betroffen, ab 70 Jahren rund einer von Hundert.

Erhöhtes Thromboserisiko bei wenig Bewegung

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Thrombose. Eine häufige Ursache ist ein verlangsamter Blutfluss. Durch eingeschränkte Mobilität arbeitet die Muskelpumpe nicht mehr richtig und das Blut in den Venen läuft langsamer. Dadurch steigt die Gerinnungsneigung und Blutgerinnsel können entstehen.

So ist die Gefäßerkrankung eine häufige Komplikation nach Operationen, denn durch die beeinträchtige Mobilisation ist die Durchblutung gestört. Da dies besonders der Fall ist nach einer Knie- oder Hüft-OP, achtet das Krankenhauspersonal nach solchen chirurgischen Eingriffen verstärkt darauf, dass sich Patienten schnell bewegen, den Körper belasten und so die Durchblutung anregen. Deshalb ist es gerade in solchen Situationen wichtig, in denen Komplikationen auftreten können und die Behandlungswünsche des Patienten gewahrt werden sollen, eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu erstellen. Auch Menschen mit körperlichen Beschwerden oder Reisende auf Langstreckenflügen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Thrombose zu erkranken.

Neben angeborenen Blutgerinnungsstörungen kann auch ein veränderter Hormonhaushalt etwa bei einer Schwangerschaft die Entwicklung einer Thrombose begünstigen. Auch wenn die Schwangerensterblichkeit in der westlichen Welt gering ist, ist eine venöse Thromboembolie eine der häufigsten Todesursachen. Das Risiko ist sechs Wochen vor und nach der Geburt am höchsten, unter anderem durch den Druck auf die Beckenvenen.

Auch wenn steigendes Alter ein Risikofaktor ist, können auch junge Menschen eine Thrombose entwickeln. Das Risiko ist vor allem dann erhöht, wenn sie Pillenpräparate der dritten und vierten Generation zur Verhütung einnehmen. Durch die Hormone kann das Blut schneller verklumpen und Blutgerinnsel entstehen. Statistiken zeigen jedoch, dass das Risiko eines Venenverschlusses bei Anti-Baby-Pillen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel deutlich niedriger ist.

Ein besonders hohes Risiko besteht auch bei Rauchern. Zwar sind sich viele Menschen bewusst, wie schädlich der Zigarettenkonsum ist, doch die wenigsten wissen, welche Prozesse dadurch im Körper gestört sind. Zum einen hemmt das Kohlenmonoxid die Sauerstoffaufnahme im Blut und schädigt die Gefäßwände. Die Folge: eine Unterversorgung. Zum anderen verengt das Nikotin die Gefäße zusätzlich, sodass der Blutfluss gestört wird und das Blut nicht mehr ungehindert fließen kann.

Weitere Risikofaktoren sind Thrombose-Vorerkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, ausgeprägte Krampfadern und kranke Venenklappen sowie Tumoren, die auf die Blutbahn drücken. Als besonders ausgeprägtes Risiko haben Menschen mit Diabetes, da ihr Blut dickflüssiger ist. Begleiterscheinungen wie Bluthochdruck oder Artherosklerose erhöhen diese Gefahr zusätzlich.

Die Virchow-Trias

Virchow Trias

Schon der deutsche Pathologe Rudolf Ludwig Carl Virchow hat Mitte des 19. Jahrhunderts die Risikofaktoren für eine Thrombose erkannt und damit das Denken über Bluterkrankungen und der Entstehung beeinflusst. Seine Erkenntnisse wurden später als Virchow-Trias bekannt:

Angeborene bzw. vererbte Blutgerinnungsstörungen, Medikamente und Schwangerschaft können die Blutzusammensetzung beeinflussen, während Krampfadern, Bettlägerigkeit und Bewegungsmangel zu einer Strömungsgeschwindigkeit führen können. Eine veränderte Gefäßinnenwand entsteht durch Trauma oder Entzündungen der Gefäße, aber auch durch Risikofaktoren wie Rauchen.

Damit begünstigen im Wesentlichen drei Faktoren die Entwicklung von Thrombose, wobei das Risiko sich automatisch erhöht, je mehr Faktoren gleichzeitig vorliegen.

Warnzeichen für Thrombose

Die Symptome für Thrombose sind für Betroffene oft nicht eindeutig. Umso wichtiger, dass der Welt-Thrombose-Tag das Bewusstsein für Thrombose und deren Warnzeichen in der Gesellschaft stärkt.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Thrombose beim Vorliegen mehrerer Risikofaktoren erhöht ist, sollten folgende Warnsignale einseitig im Bein immer ernst genommen werden:

  • wiederholt starke Schmerzen, auch beim Auftreten

  • Schwellung im Bein oder Knöchel

  • unterschiedlich warme Beine

  • Hitzegefühl

  • bläuliche Verfärbung

Durch einen Labortest kann der Arzt im Blut die Konzentration von Proteinen messen, die beim Abbau eines Blutgerinnsels entstehen. Zusätzlich gibt ein Ultraschall Aufschluss darüber, ob die Venen im Bein verstopft sind.

Als erster Behandlungsschritt erfolgt die Verabreichung eines gerinnungshemmenden Medikamentes aus der Gruppe der Heparine. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass sich Gerinnsel nicht von der Gefäßwand ablösen und Richtung Lunge wandern. Über mehrere Wochen lösen sie sich auf, allerdings ist das Risiko einer erneuten Thrombose so lange erhöht, bis die Venen wieder vollständig frei sind. Während der Akutphase müssen Patienten demnach weiterhin gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Zum Schutz vor Thrombosen können nach der Akutphase auch dauerhaft Blutverdünner verschrieben werden.

Vorbeugung von Thrombose

Um Thrombosen zu verhindern, sollten Menschen auf ausreichend Bewegung im Alltag achten. Langes Stehen und Sitzen fördern die Entstehung von Thrombosen, während Liegen und Gehen dem entgegenwirkt. Auf Langstreckenflügen können Kompressionsstrümpfe das Venen- und Lymphsystem entlasten. Sie sind so gefertigt, dass der Druck dem Gewebedruck ähnelt. Eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme sind Heparin-Spritzen, die Patienten auch im Krankenhaus nach einem chirurgischen Eingriff erhalten. Das Heben und Senken der Füße aktiviert die Muskelpumpe; diese Übung lässt sich im Sitzen gut durchführen.

Als allgemeine Vorsichtsmaßnahmen im Alltag gelten Ausdauersport und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Sportarten wie Schwimmen, Walken oder Radfahren können auch ältere Menschen mit Unterstützung gut durchführen. Übergewicht sollte vermieden werden, um den Körper nicht unnötig zu belasten.