Bandscheibenvorfall: Wenn der Stoßdämpfer ausfällt

Bandscheibenvorfall: Wenn der Stoßdämpfer ausfällt

Die wenigsten Menschen wissen, was bei einem Bandscheibenvorfall im Körper passiert. Afilio klärt auf.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
03.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Die Bandscheibe sitzt zwischen den einzelnen Wirbelkörpern und sorgt dafür, dass diese nicht aneinander reiben.
  • Durch Altersprozesse und falsche Belastung kann die Bandscheibe in den Wirbelkanal vorfallen.
  • Dort drückt sie auf die Nerven und das Polster zwischen den Wirbeln fehlt.
  • Betroffene spüren Schmerzen in der Wirbelsäule, selten kommt es zu Lähmungserscheinungen.
  • Nur bei neurologischen Ausfällen und großen Bandscheibenvorfällen empfehlen Mediziner eine Operation.

Kennen Sie solche Tage, an denen Rücken bei jeder Bewegung schmerzt und die Muskulatur verhärtet ist? Dann geht es Ihnen wie jedem Zweiten in Deutschland. Jeder zehnte Bundesbürger leidet sogar täglich unter Rückenschmerzen. Normalerweise gehen Rückenschmerzen mit viel Geduld, Bewegung und Wärmebehandlungen von allein weg. Treten allerdings Symptome auf wie Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen, kann auch ein Bandscheibenvorfall dahinterstecken.

Was ist die Bandscheibe?

Die Bandscheibe ist eine faserknorpelige, flexible Scheibe, die benachbarte Wirbel in der Wirbelsäule miteinander verbindet. Sie besteht aus zwei Teilen: dem Faserring und dem Gallertkern. Insgesamt 23 Bandscheiben, auch Zwischenwirbelscheiben genannt, besitzen wir und können uns unter anderem dadurch so flexibel bewegen. Doch die Bandscheibe hat noch eine weitere wichtige Aufgabe: Sie ist der körpereigene Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln, sodass diese nicht miteinander verhaken. Unser Körpergewicht und die alltägliche Belastung üben Druck auf die Wirbelsäule aus und der flüssige Gallertkern, der eine Art Polster zwischen den Wirbeln ist, schrumpft über den Tag. Entlasten wir die Wirbelsäule, dann saugt sich der Gallertkern wieder wie ein Schwamm voll. Eine Balance zwischen Be- und Entlastung ist also für die Funktion der Bandscheibe wichtig.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht der Gallertkern den Faserring und tritt nach außen in den Wirbelkanal – die wichtige Polsterung zwischen den Wirbeln fehlt. Drückt der Gallertkern zusätzlich auf die sensiblen Rückenmarksnerven, kommt es zu den charakteristischen Schmerzen und Symptomen. Betroffene beschreiben den Schmerz als stechend und andauernd. Er verschlimmert sich bei Bewegung und kann in Beine, Arme und Hinterkopf ausstrahlen. In Extremfällen können sogar Lähmungserscheinungen auftreten.

In den meisten Fällen tritt der Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf – der Mediziner spricht dann von einem lumbalen Bandscheibenvorfall. Der zervikale Bandscheibenvorfall hingegen ist deutlich seltener und ist an den Halswirbeln lokalisiert.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert?

Egal ob Leistenbruch, Arthrose oder Bandscheibenvorfall: Jede Untersuchung beginnt mit der Anamnese. Dazu stellt der Arzt Fragen zur Lokalisation und Intensität der Schmerzen sowie dazu, ob es einen Vorfall gab oder die Rückenschmerzen urplötzlich aufgetreten sind.

Danach stehen dem Mediziner mehrere bildgebende Verfahren zur Verfügung, um die Verdachtsdiagnose eines Bandscheibenvorfalls zu bestätigen oder widerlegen. Auch wenn Röntgenbilder die Knochenstruktur darstellen, sind sie bei der Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls nicht sehr aussagekräftig. Ist sich der behandelnde Arzt nicht sicher, kann er auch eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) anordnen. Um den Rückenmarkskanal ganz genau darzustellen, gibt es auch die Option der Myelographie. Dabei spritzt der Arzt ein Kontrastmittel direkt in den Wirbelkanal, bevor er Röntgenaufnahmen oder eine CT anfertigt. Allerdings wird dieses Verfahren nur in seltenen Fällen durchgeführt, da das Risiko für Komplikationen hoch ist.

Wie kann ein Bandscheibenvorfall behandelt werden?

Haben Sie die Diagnose Bandscheibenvorfall erhalten, dann bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Sie operiert werden müssen. Eine Operation ist ein großer Eingriff, der eine Stressreaktion im Körper auslöst und eine Belastung darstellt. Deshalb kommt diese normalerweise erst infrage, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Dennoch sollten Sie am besten noch heute an Ihre Vorsorge denken und Ihre Behandlung sowie etwaige operative Eingriffe mit einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht absichern. Führen konservative Therapien nicht zur Besserung oder ist der Druck auf den Nervenkanal im Rücken so stark, dann bleibt oft nur noch eine Operation.

Konservative Behandlungsmethoden

Zunächst beginnt der behandelnde Arzt die Therapie des Bandscheibenvorfalls mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten. Der Betroffene soll sich so viel wie möglich bewegen, um die verkrampfte Muskulatur zu lockern – nur dazu muss er schmerzfrei sein. Auch Wärme entspannt die verhärtete Muskulatur, denn sie regt zur Durchblutung an. Die Stufenbrettlagerung hingegen entlastet die Nerven, indem der Betroffene die Beine im Liegen in einem 90-Grad-Winkel hochlegt. Die Kombination dieser Therapieansätze ist in fast 90 Prozent der Fälle erfolgreich, erfordert allerdings etwas Geduld. In sechs bis acht Wochen sollten sich die Symptome und Schmerzen deutlich gebessert haben.

Operatives Verfahren

Stellt sich keine deutliche Besserung der Symptome ein oder leidet der Betroffene neben Schmerzen noch unter Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen, dann muss der Bandscheibenvorfall operativ behandelt werden. Dazu verschafft sich der Operateur Zugang zu den betroffenen Wirbeln und entfernt die vorgefallene Bandscheibe. Entweder setzt er eine künstliche Bandscheibe zwischen die Wirbel ein oder er verschraubt diese miteinander. Dadurch versteift die Wirbelsäule allerdings an der betroffenen Stelle.

Welche Ursachen gibt es für einen Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall tritt mit fortgeschrittenem Alter häufiger auf. Die Gallertkerne in den Bandscheiben verlieren an Elastizität und Feuchtigkeit, während die Faserringe porös werden. Durch diese Alterserscheinungen reicht manchmal schon eine falsche Bewegung aus, damit der Gallertkern austritt und auf die Nerven drückt.

Auch individuelle Faktoren erhöhen das Risiko eines Bandscheibenvorfalls: Übergewicht oder regelmäßigem Tragen schwerer Lasten belasten die Wirbelsäule unnötig stark und die Bandscheiben müssen noch mehr als Puffer zwischen den Wirbeln fungieren.

Um das Risiko eines Bandscheibenvorfalls zu minimieren, sollten Sie deshalb Ihre Rückenmuskulatur kräftigen. Machen Sie in Ihrer Freizeit rückenfreundliche Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren mit erhöhtem Lenker – damit tun Sie Ihrem Körper viel Gutes. Achten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung und halten Sie Ihr Gewicht im Normalbereich. Ein guter Tipp, mit dem Sie auch anderen Krankheiten vorbeugen können. Da Schreibtischtätigkeiten sich negativ auf die Wirbelsäule auswirken können, sollten Sie zudem auf einen ergonomischen Arbeitsplatz achten und sich zwischendurch bewegen. Nehmen Sie im Gebäude die Treppe anstatt des Aufzugs oder holen Sie sich Ihren Kaffee in einer weiter entfernten Küche – so können Sie mit kleinen Gängen die sitzende Tätigkeit unterbrechen und Ihren Alltag rückenfreundlich gestalten.