Darm-OP: Alles Wissenswerte rund um den Eingriff

Darm-OP: Alles Wissenswerte rund um den Eingriff

Wenn bei Ihnen bald eine Darm-OP ansteht, haben Sie bestimmt viele Fragen. Afilio beantwortet alles zu Ursachen und Ablauf.

Jennifer Günther
Jennifer Günther
05.09.2019
Das Wichtigste in Kürze:
  • Gut- und bösartige Erkrankungen im Darm erfordern im Ernstfall eine Operation.
  • Durch minimalinvasive OP-Verfahren müssen Ärzte heutzutage nur noch kleine Hautschnitte machen, um sich Zugang zum Darm zu verschaffen.
  • Entfernt der Arzt in der Operation den gefährlichen Darmkrebs, dann ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig.
  • Nutzen Sie Angebote zur Darmkrebsvorsorge, denn Erkrankungen können so frühzeitig erkannt werden.

Den Darm registrieren die meisten erst dann, wenn er sich auffällig verhält oder die Verdauung gestört ist. Dabei ist der Darm der wichtigste Teil des Verdauungstraktes: Er kann bei Erwachsenen eine Länge von bis zu siebeneinhalb Metern erreichen und hat eine Oberfläche von etwa 32 Quadratmeter. Außerdem ist der Darm die Heimat von schätzungsweise 100 Billionen Bakterien, die zusammen so viel wiegen wie eine Packung Mehl.

Unterteilt ist der Darm in Dünn- und Dickdarm sowie Mastdarm und Analkanal, wobei jeder Teil eine eigene Funktion erfüllt. Erkrankungen oder ein ungesunder Lebensstil können die Funktionen allerdings stören und zu einem Ungleichgewicht im Darm führen. Bei manchen Ursachen ist eine Operation unumgänglich.

Darstellung des Darms

Wann ist eine Darm-OP notwendig?

Generell empfiehlt der behandelnde Arzt dann eine Operation, wenn eine konservative Therapie bei der vorliegenden Erkrankung nicht die gewünschte Besserung bringt oder die Gesundheit des Betroffenen akut gefährdet ist. Das kann sowohl bei Entzündungen als auch bei gut- und bösartigen Erkrankungen der Fall sein. Entzündungen wie Appendizitis oder Divertikulitis können dann eine Operation rechtfertigen, wenn eine Ernährungsumstellung oder Antibiotika als Behandlung nicht mehr ausreicht. Auch gutartige Gewebeveränderungen wie Polypen oder Adenome werden in der Regel operativ entfernt. Als bösartige Darmerkrankung ist vor allem der Darmkrebs gefürchtet. Ist die Indikation einer Operation gegeben, dann kann sich der Patient zur Sicherheit eine Zweitmeinung einholen, um die Diagnose zu überprüfen. Eine Checkliste für den Krankenhausaufenthalt hilft bei der Vorbereitung auf die Behandlung. Wie bei jedem operativen Eingriff gilt: Schützen Sie sich vor möglichen Ernstfällen mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Operationen am Dünndarm

Der Dünndarm besteht aus Zwölffingerdarm sowie Leer- und Krummdarm. Zwar können eine Vielzahl an Erkrankungen die Funktion des Dünndarms einschränken, doch am häufigsten wird eine Operation zur Lockerung von Adhäsionen sowie zum Aufdehnen von Darmabschnitten durchgeführt – 2017 waren es insgesamt 404.321 in deutschen Krankenhäusern. Bei Adhäsionen handelt es sich um Verwachsungen im Bauchraum, die oft nach großen Operationen am Bauchfell auftreten. Dabei bilden sich Gewebestränge aus Narbengewebe, die Organe mit dem Bauchfell oder untereinander verbinden. Dadurch kann sich der Darm nicht mehr frei bewegen oder sogar verschließen.

Das Lösen von Adhäsionen oder Entfernen von verändertem Dünndarmgewebe etwa bei Fisteln kann in den meisten Fällen mit der sog. Schlüssellochmethode (Laparoskopie) geschehen. Diese Methode hat den Vorteil, dass der Operateur auf einen großen Hautschnitt verzichten kann, da er die Struktur mit einer Minikamera begutachtet und Werkzeuge über kleine Schnitte direkt in den Bauchraum einführt. Besteht Zugang zu den veränderten Strukturen, entfernt der Operateur diese oder weitet gegebenenfalls Engstellen im Dünndarm mit Metallröhrchen oder Ballons. Die Prognose bei solchen Eingriffen ist gut, da das Verfahren die Belastung für den Patienten so gering wie möglich hält.

Operationen am Dickdarm

Zwischen Dünndarm und Analkanal befindet sich der anderthalb Meter lange Dickdarm. Den Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm im rechten Unterbauch markiert der Blinddarm mit dem Wurmfortsatz, welcher zu entzündlichen Prozessen neigt. Auch Divertikel, sog. Ausstülpungen der Darmschleimhaut, können sich durch hängenbleibende Kotreste entzünden. Verstopfungen, harter Stuhlgang sowie eine Bindegewebsschwäche können diesen Prozess begünstigen. Meist treten Divertikel im absteigenden Teil des Dickdarms im linken Unterbauch auf.

Auch Geschwulste im Darm können eine operative Behandlung erforderlich machen. Zwar handelt es sich bei Adenomen und Polypen zunächst um gutartige, drüsenähnliche Geschwulste, doch sie können sich zu Karzinomen entwickeln. Karzinome sind bösartige Tumore der Dickdarm-Schleimhaut, also Darmkrebs. Solche Veränderungen müssen unbedingt zeitnah vollständig entfernt werden. Da Darmkrebs langsam wächst, kann er bei regelmäßiger Darmkrebs-Vorsorge oftmals frühzeitig erkannt und operiert werden. Grundsätzlich gilt, dass die Chance auf Genesung bei einer frühen Dickdarm-OP höher ist als bei einer späteren.

Fast 180.000 Operationen zur Entfernung von erkranktem Gewebe im Dickdarm wurden 2017 in Deutschland durchgeführt. Genauso wie bei Operationen am Dünndarm ist das Schlüssellochverfahren mittels Laparoskopie das Mittel der Wahl. Neben einem geringen Risiko für Infektionen hat der Patient nach der Operation auch weniger Schmerzen.

Operationen am Analkanal

Auch die Schleimhaut im Analkanal kann sich verändern und muss entfernt werden, wenn eine medikamentöse Therapie nicht hilft. Am bekanntesten sind Hämorrhoiden, die jeder Mensch hat. Dabei handelt es sich um gut durchblutete Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms, die zusammen mit dem Schließmuskel für Stuhlkontinenz sorgen. Durch Verstopfung, Übergewicht und starkem Pressen beim Toilettengang werden die Hämorrhoiden knotenartig und können in den Analkanal vorfallen. Damit steigt das Risiko einer Einklemmung oder Blutung und der Betroffene verspürt starke Schmerzen beim Stuhlgang. Auch bakterielle entzündliche Prozesse wie Fisteln und Abszesse im Enddarm müssen operativ entfernt werden.

Verändertes Gewebe am Analkanal ist für den Arzt leicht zugänglich und wird meist in Vollnarkose entfernt.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bei jedem operativen Eingriff besteht ein gewisses Risiko zu Infektionen. Bei der Laparoskopie entsteht zwar nur eine kleine Wunde, über die der Operateur in den Bauchraum gelangt, doch eine Bauchhöhleninfektion oder Blutungen in die Bauchhöhle können immer auftreten.

Dennoch gibt es Komplikationen, die verstärkt bei Darm-OPs auftreten. Eine der größten Komplikationen sind Nähte, die wieder aufgehen. Diese sind beispielsweise nötig, um Darmabschnitte miteinander zu verbinden. Wenn sich die Nähte öffnen, entsteht ein Loch im Darm, durch das Darminhalt in den Bauchraum gelangt. Die darin enthaltenen Bakterien können dort Entzündungen hervorrufen. Zudem kommt es nach einer Darmoperation häufig zu Unregelmäßigkeiten sowie krampfartige Schmerzen beim Stuhlgang. In der Regel pendelt sich die Verdauung nach der Operation wieder ein, ansonsten kann man mithilfe eines Ernährungsberaters die Ernährung anpassen.

Je nachdem, wie viel Restdarm nach dem Eingriff übrigbleibt, variieren Nachsorge, Heilungsdauer und Prognose. Bei Darmkrebs ist beispielsweise eine regelmäßige Nachsorge wichtig, die bei der Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes entfällt.